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Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

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Berliner Republik

BerlinDie Möchtegern-Metropole

Von Julian Graeber7. März 2013
picture alliance
Berlin, East Side Gallery, Mauer, Flughafen, BER, Wowereit, S-Bahn
Kurt Tucholsky hatte doch recht: Berlin ist ein Dorf (dieses hier liegt in Schleswig-Holstein)
Schrift:

Die East Side Gallery, das Flughafen-Desaster und die ständigen S-Bahn-Pannen lassen keinen Zweifel: In Berlin klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Die Stadt würde so gerne in einer Liga mit Weltmetropolen wie New York, London oder Paris mitspielen und ist doch nur ein „wahnwitzig gewordenes Dorf“

Seite 1 von 2

Jetzt hat sich auch David Hasselhoff zu Wort gemeldet. Wie könne man die Mauer niederreißen, die doch die Freiheit symbolisiere, twitterte der 60-Jährige am Montag voller Sorge um den Schauplatz seines größten Auftritts. Diese Aussage spiegelt in erster Linie die konsequente Desinformation über die Arbeiten an einem der wenigen Überbleibsel der Berliner Mauer wider. Niemand hat vor, die gesamte East Side Gallery abzureißen, auch wenn das noch nicht bis zu „The Hoff“ durchgedrungen ist. Es geht um die Entfernung von 23 Mauer-Metern, die nicht nur die Anbindung eines geplanten Luxuswohnhauses, sondern vor allem den Wiederaufbau einer Brücke über die Spree ermöglichen soll. Die katastrophale Informationspolitik der verantwortlichen Politiker, die plötzlich nichts mehr mit den eigenen Entscheidungen der Vergangenheit zu tun haben wollen, zeigt einmal mehr: Berlin gibt sich wirklich alle Mühe, bloß keine Weltstadt zu sein und Touristen abzuschrecken.

Dabei ist der Abriss eines Teils der Mauer nur das letzte Kapitel von Pleiten, Pech und Pannen in der Hauptstadt. Warum ein Denkmal wie die East Side Gallery noch weiter demontiert wird, ist letztlich nebensächlich. So oder so verdeutlicht es den Eindruck einer Stadt, die ihr Potenzial in vielen Bereichen verschenkt.

Bildergalerie: 20 Gründe, warum Berlin Provinz ist

Auf der Warschauer Brücke irren täglich Hunderte orientierungsloser Touristen herum. „Donde está la East Side Gallery, where is the wall?” Die befindet sich nur gute zweihundert Meter entfernt. Ein Wegweiser? Fehlanzeige!

Auch das 1,3 Kilometer lange Mauerstück selbst ist kein Glanzstück touristenfreundlicher Stadtentwicklung. Der Bürgersteig ist so schmal, dass sich die Besucher beim Fotografieren fast auf den Füßen stehen. Um den Durchgang zur Bootsanlegestelle der O2-World und den Zugang zu einer Strandbar zu ermöglichen, sind ohnehin schon mehrere Lücken vorhanden, die die Wirkung des ehemaligen „antifaschistischen Schutzwalls“ stark beeinträchtigen. Denn Denkmalschutz funktioniert in Berlin anscheinend nur solange, wie kein zahlungskräftiger Investor mit Banknoten umherwedelt.

Wirklich überraschen kann das in der Stadt aber niemanden mehr. Was soll man auch erwarten von einer Regierung, die seit Jahren dilettantisch an einem Großflughafen herumstümpert, als hätte sie die Anleitung zu ihrem Lego-Bausatz verloren. Die Lufthansa hat aus dem Flughafenchaos bereits Konsequenzen gezogen und Dutzende Verbindungen von und nach Berlin aus dem Sommerflugplan gestrichen. Als Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck im Februar ein Nachtflugverbot für den neuen Flughafen forderte, kritisierte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, dies degradiere den BER zum „Provinzflughafen“. Das kann wirklich nicht Sinn des Projekts sein, hat Berlin mit Tegel und Schönefeld doch schon zwei Flughäfen, die einer Metropole nicht würdig sind.

Überhaupt sind die öffentlichen Verkehrsmittel ein ständiges Ärgernis – und zwar beileibe nicht nur für die Touristen. Berlin hat zwar eines der am besten ausgebauten Nahverkehrsnetze Europas, Einschränkungen sind jedoch längst zum Normalzustand geworden. Die S-Bahn hat auf den seit Jahren andauernden Mangel an Zügen reagiert und sogar alte DDR-Modelle aus dem Ruhestand geholt. Die funktionieren immer noch genauso zuverlässig wie die neueren Modelle. Außer es ist zu warm, zu kalt, es regnet oder schneit. In Anbetracht des grandiosen Berliner Wetters ist mit einem regulären S-Bahn-Betrieb also ungefähr von Mai bis Juni zu rechnen – es sei denn, es wird ausnahmsweise mal irgendwo gebaut.

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Niemand hat vor,

die (...) East Side Gallery abzureißen... So etwas ähnliches gab es schon mal. Vergessen?

  • Antworten
E. Berego08.03.2013 | 15:59 Uhr

Falsche Baustelle

Wie vorhersehbar das Berlin-Hype-Berlin-Bashing-Dingens ist, hat dieser Artikel vor zwei jahren enthüllt:

"Anti-Hauptstadt-Bücher Immer ruff da: Neuer Lesestoff für Berlin-Verächter" 22.12.2011 von Bernd Matthies
(Muss man googeln, der Spamfilter blockt hier den Link)

Und dann geht da aber die S-bahn nich. Och. In New York geht die aber bestimmt jeden Tag. Menno. Was n Quatsch, wennde drüber nachdenkst.

Was ich mich frage: Wer definiert denn immer die Ansprüche, die dann mit mit der Wirklichkeit auseinander klaffen? Niemand! In Berlin kenn ich zumindest keinen.

Viel interessanter ist doch: Warum wollen so viele nach Berlin (sogar Freunde aus Tel Aviv ziehen jetzt her)?. Und was gibs hier zu tun? Was treiben die unendlich vielen Spanier, Franzosen, Amerikaner, Itialiener und Engländer, die hier nachts um 3 die U-Bahn bis oben voll machen eigentlich? Inzwischen LEBEN die ja hier, dis geht gar nich um tourismus. Bauen Sie hier was Neues? (Gedanken? Philosophien? Kunst?).

Ich verlier bei den vielen neuen Mitmenschen den Überblick, würd sie aber gern mitkriegen - wie aufregend! - schreibt darüber mal was - statt übern flughafen. Ein erster Hinweis: Ich kenn hier einen Video- und Musikdesigner, der arbeitet für US-Unternehmen, lebt aber lieber hier als da in Kaliforniern (Internet und so).

Und wenn die Anzugmenschen London oder New York oder Paris schöner finden, dann danken doch die meisten Berliner Gott. Was meint ihr denn, warum von da die ganzen Großstadt-Poeten nach Berlin flüchten? Mal drüber nachgedacht?

Dieses Ding mit der "Liga" war schon immer strunzspiessig.

  • Antworten
Raspa08.03.2013 | 22:27 Uhr

Berlin - eine Provinzstadt

Andere Hauptstädte,mit denen der Autor des Artikels Berlin vergleicht, taugen nicht zum Vergleichen, denn während die anderen Hauptstädte jahrhunderte früher Stätten zentralistisch verwalteter Staatswesen waren, wurde Berlin erst unter Bismarck zur Reichshauptstadt. Außerdem wurden Rom, Paris und London nicht plattgemacht und auch nicht in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Es wird noch jahrzehnte dauern, bis Berlin sich von all dem erholt - und unter der gegenwärtigen Stadtverwaltung wohl sowieso nicht. Warum immer nach dem schielen, was wohl andere von uns denken? Gegen die schon seit etwa 1870 anhaltende angloamerikani-sche Weltverhetzung (irgendwo habe ich gelesen, daß 1867(?) eine britische Zeitung sich zum ersten Mal auf die Deutschen als "Hunnen" bezog) gegen uns kommen wir sowieso nicht an. Machen wir lieber unser Ding und kümmern wir uns nicht um die anderen,

  • Antworten
Bärenbombe09.03.2013 | 16:24 Uhr

Man darf auch nicht zu streng

Man darf auch nicht zu streng mit dem Autoren sein. Journalismus, das kann ein anstrengender Beruf sein. Dieses Investgative, dieses Recherchieren! Das macht müde und manchmal wacht man eben am Sonntag morgen auf und denkt: "Mist, ich muss am Montag ja noch vier Spalten abliefern." Und dann überlegt man. Was geht immer? Was geht schnell? Ach ja, Berlin-Bashing. BER, Finanzausgleich, Party geht zuende, garniert mit ein paar Anekdoten über S-Bahn, drei Opern, Ampelmännchen und Hundescheisse. Ok, ist nicht originell, wurde genau so schon tausend mal geschrieben, aber so what, es ist doch schon Sonnag!

  • Antworten
Sven10.03.2013 | 12:06 Uhr

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