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Lachsfischen im JemenDie Wertschätzung des Besonderen

Von Daniel Kothenschulte10. Juli 2012
picture alliance
Lachsfischen,Jemen,Fischer,Frau,Lasse Hallström,Paul Torday
Wider besseres Wissen drängen Politiker dazu, Lachse im warmen Jemen zu züchten
Schrift:

Ein kauziger Gelehrter, ein karrieristischer Politiker und ein großmütiger Scheich wollen im Jemen Lachse züchten: Lasse Hallström hat Paul Tordays satirischen Patchwork-Roman „Lachsfischen im Jemen“ als exotische Romanze verfilmt

Wie relativ doch unsere Wertschätzung des Besonderen ist, zeigt das Schicksal eines Fisches: Bevor der Lachs zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts durch Überfischung zu einer Seltenheit geworden war, galt er in der Küche wenig. Kaum aber war er rar geworden, wurde er zur Delikatesse. Heute wiederum ist er, ob wild oder gezüchtet, so alltäglich, dass man leicht vergisst, was man an ihm hat. Gute Literaturverfilmungen dagegen sind und bleiben selten, allen Zuchtbestrebungen zum Trotz. Und die Verfilmung von Paul Tordays Bestseller «Lachsfischen im Jemen»? Die Romanhandlung um einen gewissenhaften Wissenschaftler, der sich wider besseres Wissen von Politikern bedrängen lässt, Lachse im warmen Jemen anzusiedeln, ist unwiderstehlich.

Einerseits liebenswerte Stereotypen: der kauzige Gelehrte, der karrieristische Politiker, der großmütige Scheich und seine orientalischen Weisheiten. Andererseits: eine überraschende Collage von sachlichen Berichten, Emails, Tagebucheinträgen, Verwaltungsvorgängen und erfundenen Zitaten. Torday würzt die an sich zeitlose Geschichte zudem durch ein aktuelles Moment, die von der britischen Politik beförderte Angst vor islamistischen Terrorangrifen. Und man weiß auch schon, wie man das im Film am liebsten zubereitet haben würde: möglichst roh wie im Sushi-Laden, wo Lachs bekanntlich Sake heißt und gern gemeinsam mit dem gleichnamigen Getränk verzehrt wird.

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Ein britischer Regisseur, der die Verfilmung dieses britischen Romans mit dokumentarischen Qualitäten versehen hätte, wäre leicht zu finden gewesen, schließlich ist das Kino der Insel berühmt für seine Mischung aus sozialer Schärfe und trotzigem Humor. Mit dem Schweden Lasse Hallström, der sein Handwerk bei ABBA-Videos lernte, engagierte man stattdessen einen Koch, der Feinheiten gern in üppigen Soßen ertränkt. Das war auch schon bei seinen Literaturverfilmungen von «Schiffsmeldungen» und «Das Leuchten der Stille» so. Und auch jetzt: Der Regisseur rückt alles Tragische dieser Geschichte ins Positive. Als fände die dezent angedeutete Liebesgeschichte nur deshalb keine Erfüllung, weil höhere Mächte befahlen, das Buch auf Seite 318 enden zu lassen. Zentrale Nebenfiguren werden vor dem Tod bewahrt und die introvertierte Hauptfigur mit dem dynamischen Ewan McGregor besetzt.

Diesem aber nimmt man kaum ab, dass sein höchstes Lebensglück im Abfassen hoch spezialisierter wissenschaftlicher Traktate liegt. Der versonnene Akademiker wird im Film zum gutaussehenden, wenn auch zerstreuten Professor, in dem man fast einen heimlichen Indiana Jones vermutet. Dass im Roman sehr reizvoll die stilistischen Eigenheiten von Office-Kommunikation und privatem Mailverkehr behandelt werden, daran erinnert hier nur noch ein Premierminister, der gern chattet.

So ist es ein anderer Film geworden als vielleicht gedacht; eine homogen erzählte Liebesgeschichte vor exotischem Schauplatz, mit Anklängen an «Der englische Patient». Vergessen wir aber einmal die Vorlage, hat das was Hallström und sein Drehbuchautor Simon Beaufoy aus ihr gemacht haben, seinen eigenen Reiz: Den Filmemachern geht es um private Ausbruchs-Utopien. Der Film ist eine abenteuerliche Romanze, wie es sie zu allen Zeiten in Hollywood gegeben hat. Wer aber daraufhin zum Buch greift, darf auf eine angenehme Überraschung hoffen.

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