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Salon

90 Jahre DeutschlandliedEine neue Hymne muss her!

Von Uwe Soukup11. August 2012
picture alliance
Fußball,EM,Deutsche,Neuer
Bei der EM hatte es Streit um die Hymne gegeben.
Schrift:

Viel hat sich verändert seit Reichspräsident Friedrich Ebert vor 90 Jahren das Deutschlandlied zur Nationalhymne erhob. Bis heute polarisiert sie - und auch wenn inzwischen nur noch die dritte Strophe gesungen wird: Nie hat ein Parlament über die Hymne abgestimmt

Seite 1 von 2

Die Meinungen über das „Lied der Deutschen“, das vor 90 Jahren, am 11. August 1922, vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert zur Nationalhymne bestimmt wurde, gingen schon immer weit auseinander. Während Golo Mann in dem Lied noch 1986 „zarte Lyrik“ erkannte, war es Heinrich Böll einfach nur „peinlich“. Egal, wie man dazu steht, Fakt ist, dass Hoffmann von Fallerslebens „Lied der Deutschen“ als Nationalhymne nie demokratisch legitimiert wurde. Weder hat je ein deutsches Parlament über diese Frage entschieden noch findet sich – im Unterschied zur Flagge – irgendwo ein entsprechender Gesetzestext, der die Nationalhymne bestimmt. Es ist nicht einmal geregelt, wie diese Frage geregelt werden soll.

Bildergalerie: 90 Jahre Nationalhymne – Von Heuss bis Heino

Dieses erstaunliche juristische Vakuum geht auf die Anfangsjahre der Weimarer Republik zurück. Politische Morde der Rechten waren an der Tagesordnung: Matthias Erzberger und Walther Rathenau zählten zu den prominentesten Opfern. Just in dieser Situation entschied der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert, das „Lied der Deutschen“ mit allen drei Strophen per Verordnung zur deutschen Nationalhymne zu dekretieren. Der Hintergedanke dabei soll gewesen sein, die undemokratische Rechte wenn schon nicht für die Republik zu begeistern, so doch wenigstens ruhig zu stellen und ihrem „irregeleiteten Patriotismus“ den richtigen Weg zu weisen. Dieser Plan ist gründlich misslungen, so wie eigentlich alle Pläne Eberts: Die Weimarer Republik entstand links, in einer Friedensrevolution, und endete rechts, bei Hitler.

Schon am späten Abend der Revolution, am 9. November 1918, hatte sich Ebert als neuer Reichskanzler in der Staatskanzlei wiedergefunden und war buchstäblich von dieser Minute an bemüht, die Revolution ungeschehen zu machen. Dazu brauchte er Partner, und die konnte er nicht im eigenen, eher revolutionären Lager finden. Und genauso kam es später auch zu der unglücklichen Hymnenentscheidung.
Geschrieben hatte Heinrich August Hoffmann von Fallersleben das Lied im August 1841 auf Helgoland. Dort wurde es auch 1890 erstmals offiziell gesungen, in Anwesenheit des Kaisers. Es entwickelte sich bald zu einem deutschnationalen und antisemitischen Kampflied. Im Ersten Weltkrieg wurde die Legende verbreitet, junge Soldaten wären „Deutschland, Deutschland über alles“ singend in das feindliche Sperrfeuer gelaufen. Natürlich wusste Ebert um die Belastung des Liedes, aber er gehörte zu jenen Sozialdemokraten, die zu Kriegsbeginn nur noch „Deutsche“ kannten. Er verlor zwei Söhne an der Front, die SPD Millionen von Mitgliedern.

Die rechtsradikalen Freicorps-Verbände, die Ebert bald auf jene früheren Anhänger der SPD schießen ließ, die unzufrieden waren mit seiner „Revolution“, sangen gerne das Deutschlandlied. Ebenso wie die Putschisten vom März 1920, die ihn zur Flucht aus der Hauptstadt nötigten. Nein, eine demokratische Weise war das Lied nie. „Man darf doch nicht vergessen“, kritisierte die Vossische Zeitung 1922 Eberts Entscheidung, „dass in letzter Zeit gerade die rechtsradikalen Kräfte sich des Liedes bemächtigt haben, als ob es sich um eine Art von Parteigesang handelte.“
Ebert versuchte das schwierige Lied zu kaschieren, indem er möglichst oft die dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zitierte und Deutschland lediglich „über alles liebte“, aber es half nichts. „Seit Monaten bemühen sich Sozialisten und Demokraten, das ‚Deutschland-Lied‘ aus dem Lager der ‚Hakenkreuzler‘ zu annektieren. Aber dieses Lied ist vollkommen kompromittiert“, schrieb Weihnachten 1922 ein junger Sozialdemokrat im Vorwärts.

Es mag ja sein, dass Hoffmann von Fallersleben nicht die Weltherrschaft im Sinn hatte, als er „Deutschland, Deutschland über alles“ textete und der Hamburger Verleger Campe es begeistert druckte. In der NS‑Zeit wurde natürlich mit Verve die erste Strophe gesungen, anschließend das Horst‑Wessel‑Lied. Das Welteroberungsprogramm Hitlers hatte einen Soundtrack, der schon immer da war und so klang, als sei die Weltherrschaft a priori die politische Bestimmung der Deutschen gewesen: „Über alles in der Welt.“

Man sollte meinen, das „Lied der Deutschen“ wäre spätestens nach den Hitlerjahren unrettbar verloren gewesen. Viele sahen das so. Auch „Papa Heuss“, der erste Bundespräsident. Lange wehrte er sich gegen Adenauers Wunsch, die alte Hymne wieder einzusetzen, gab einen Text in Auftrag, bat Carl Orff um eine Melodie – vergeblich. Die neue Hymne, die Heuss nach seiner Silvesteransprache 1951 präsentierte, fiel beim Publikum durch. Adenauer nutzte die Gunst der Stunde. Während eines tatsächlich „Staatsbesuch“ genannten Aufenthalts in Westberlin forderte er im Titania-Palast in Berlin-Steglitz das Publikum vollkommen überraschend auf, sich zu erheben und mit ihm die dritte Strophe des Deutschlandlieds zu singen: „Wenn ich Sie nunmehr bitte, die dritte Strophe des Deutschlandlieds zu singen, dann sei uns das ein heiliges Gelöbnis, dass wir ein einiges Volk, ein freies Volk und ein friedliches Volk sein wollen.“ Niemandem fiel auf, dass es das Wort Frieden in der deutschen Hymne gar nicht gibt.

Seite 2: Keine der Strophen ist verboten - auch wenn viele das denken

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Es gibt sicher einige

Es gibt sicher einige europäische Staaten, die bezüglich Ihrer Nationalhymne noch einen Bedarf an gründlicher Aufarbeitung Ihrer Vergangenheit hätten. Deutschland - notgedrungen ein Vorreiter in der Aufarbeitung seiner Vergangenheit - sollte auch hier den ersten Schritt machen.

  • Antworten
Hans Orbicht11.08.2012 | 10:34 Uhr

Man darf jedoch auch nicht

Man darf jedoch auch nicht vergessen, dass Fallersleben das Lied während der (vergeblichen) Deutschen Revolution geschrieben hatte und mit dem Text nicht ausdrücken wollte, dass Deutschland eine Vormachtstellung in der Welt zu besitzen habe, sondern lediglich dass ein Deutscher Nationalstaat zu schaffen sei, der sich auch von den meisten Bewohnern der Fürstentümer gewünscht wurde.

Natürlich wurde die erste Strophe von den Nationalsozialisten missbraucht, sodass es eigentlich richtig ist, dass diese Strophe nicht gesungen wird. Jedoch nur aus dem Grund, dass der Text "Deutschland, Deutschland über alles" besonders im Ausland einen sehr (negativen) nationalen Charakter besitzt.

Anders sieht es bei der dritten Strophe aus: "Einigkeit und Recht und Freiheit". Genau mit diesen drei Begriffen lässt sich Deutschland doch am besten beschreiben. Zum einen haben wir die zwei Deutschen Staaten geeint, zum anderen ist Deutschland ein Rechtsstaat sowie ein freier, die Menschenrechte achtender, Staat.

  • Antworten
Florian11.08.2012 | 12:31 Uhr

Null problemo

Also grundsätzlich kann ich nicht einmal ein Problem innerhalb der Strophe: "Deutschland, Deutschland überalles" sehen.
Es geht hier nämlich nicht darum, Deutschland über den Rest der Welt zu erheben sondern um das Gefühl des Singenden seinem Land gegenüber. Genau wie man z. B. sein Auto, seine Mama, seinen Garten verehrt sozusagen "meine Mama geht mir über alles", genau so ist das in dem Lied gemeint. Es geht hier nur darum, dass der Deutsche sein Vaterland über alles liebt und verehrt. Und wenn ich mal überlege wie viele Menschen hier in Deutschland von Deutschland und seinem Geld gut leben, verstehe ich überhaupt nicht, warum man das Geld und die soziale Abnsicherung in Kauf nimmt und Deutschland trotzdem am liebsten ausradieren würde. Vekehrte Welt!

  • Antworten
Mischka12.08.2012 | 15:51 Uhr

Vollkommener Blödsinn

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand:
|: Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland! :|

Das sind die Worte der dritten Strophe des Deutschlandliedes.
Der Autor sollte bitte einmal erklären, was an diesen Worten bitte schön peinlich ist. Dies sind seit der Wiedervereinigung die Worte der Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. So beschrieb es jener Autor korrekt. Allerdings frage ich mich, was an diesen Zeilen problematisch sein soll. Was ist hinderlich daran diese Zeilen zu singen? Stellen sie nicht gerade wichtige Werte der Bundesrepublik dar?
Auch die Historie des Deutschlandliedes halte ich nicht für ein Problem. Viel mehr symbolisiert sie Geschichte Deutschlands, zu der wir uns bekennen sollten. Und die können wir plebiszitär auch nicht ändern. Kein Volk der Welt hat eine klinisch-reine Geschichte. Die Kunst ist, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. Ein Radiergummi hilft dabei allerdings nur bergenzt weiter.

  • Antworten
Philipp Butschek11.08.2012 | 14:19 Uhr

Hymne

Ich bekenne mich mit Sicherheit nicht zu diversen Abschnitten der Geschichte Deutschlands. Ebensowenig zu dieser Hymne unter deren Melodie solch unsaegliches Verbrechen seinen Lauf nahm.
Als spaetes Nachkriegskind haette ich mir eher gewuenscht, diese Klaenge nie mehr vernehmen zu muessen.
Aber auch ansonsten war Deutschland nicht allzu konsequent mit der Aufarbeitung seiner grauslichsten Geschichte wodurch umfangreich nazistisches Gedankengut gepflegt wurde und heute wieder die Mitte der Gesellschaft vergiftet.

  • Antworten
Jake12.08.2012 | 17:05 Uhr

Der Text ist fad und dröge

und die Musik nur von Streichern zu ertragen. Außerdem ist das Ganze nicht mehr zeitgemäß. Wie wäre es mit Rammstein, Mutter? "Hier kommt die Sonne", ist doch eigentlich unverfänglich.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann11.08.2012 | 15:02 Uhr

Die 3.Strophe des Deutschland Liedes ist sehr gut

und sollte behalten werden.Egal was fuer eine Hymne wir haben, wer die dt.Sprache nicht beherrscht wird eh nicht mitsingen.
Neu ist nicht immer besser.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant11.08.2012 | 15:18 Uhr

Die Behauptung "Egal, wie man

Die Behauptung "Egal, wie man dazu steht, Fakt ist, dass Hoffmann von Fallerslebens „Lied der Deutschen“ als Nationalhymne nie demokratisch legitimiert wurde." ist schlicht falsch. In repräsentativen Systemen erfahren Entscheidungen ihre Legitimation durch die der jeweiligen Entscheidungsträger. Der Entscheidungsträger ist im Falle der Nationalhymne der Bundespräsident, dessen Befugnis - als Träger der Ehrenhoheit des Bundes - Staatssymbole zu bestimmen, soweit dem keine verfassungsrechtlichen oder einfachgesetzlichen Bestimmungen entgegenstehen, in der Fachliteratur nirgendwo ernsthaft bestritten wird. Sofern also Herr Soukup die demokratische Wahl des Bundespräsidenten nicht allgemein oder im Einzelfall infrage stellt, ist auch die Festlegung der Nationalhymne durch den Bundespräsidenten und damit das "Lied der Deutschen" als deutsche Nationalhymne demokratisch legitimiert.

  • Antworten
Sascha Waltemate11.08.2012 | 18:16 Uhr

Nichts Neues

Ich verstehe ja gut, lieber Herr Soukup, daß Sie etwas gegen "Einigkeit und Recht und Freiheit" haben. Logisch, daß Sie da anderen den Mund verbieten wollen.

  • Antworten
Dr. Arno Pielenz12.08.2012 | 09:19 Uhr

ach herrje...

sonst aber keine anderen Sorgen oder?!

Zum angeblichen negativen Charakter der ersten Strophe im Ausland..ich hab ja selten so einen Blädsinn gelesen!
Ich hab 7 Jahre im Ausland gelebt...Frankreich, Irland und Norwegen...die deutsche Nationalhymne interessiert da keine Sau!
Die verstehen es sowieso nicht wieso wir uns mit diesem Thema so schwer tun...

  • Antworten
chabn12.08.2012 | 09:34 Uhr

Wie wäre es mit "Auferstanden

Wie wäre es mit "Auferstanden aus Ruinen" oder "Sozialismus, Sozialismus über alles"?

  • Antworten
Carsten Thiemann12.08.2012 | 09:46 Uhr

Die RotenSockenArme

Es ist schon beschämend mit was für einer Verachtung gegenüber der Tradition und den Werten der Deutschen umgegangen wird. Jedes Land hat Blut an den Händen aber anstatt die Geschichte ruhen zu lassen möchte man mittlerweile sogar die Nationalhymne abschaffen, verändern. Unter was für einen Selbsthass muss der Author leiden, dass er diesen in die Gesellschaft transportieren muss. In Zeiten wo Deutschland die ganze Eu stützt und eine Führungsrolle inne hat, ist es dann nicht so das wir Deutschen Stolz auf uns sein sollten! Aus dem Ausland kommt zum Dank aber nur wüste Beschimpfungen als Nazis etc.
Und solche Leute wir der Author sind es Schuld, da Sie uns immer noch einreden wollen das wir mit Schuld am Krieg haben und Büßen müssen. Das führt zu dieser angriffsfläche die besonders durch die PC ausgenutzt wird.

Ich Ende mit den Worten
"Der Faschist von heute, sagt ich bin der Antifaschist".

  • Antworten
RoteSocken12.08.2012 | 10:18 Uhr

Was ein grandioser Müöö mein

Was ein grandioser Müöö mein lieber. Da hat wohl wer Probleme damit sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzten.
Mein Freund hättest du dich mit der Vergangenheit auseinandergestzt würdest du nicht so einen geistigen dünnschiss von dir geben.
Alleine deine letzten großen Worte zuegen davon.

Du hast sicherlich keine Schuld an Krieg und Holocaust, aber sicherlich doch an NSU und aktuellen Rechts-Terror. Und nein du hats nicht abgedrückt, machst dir lediglich sorgen um das Bild der Deutschen international. Doch grade das ist es was von unwissen zeugt. Leben wir doch in einer Demokratie welche uns dankbarer Weise "aufgezwungen" wurde, sind es ebend diese Deutschen, welche sich als Volk sehen welches es doch zu verteidigen gilt. Die paar Nazis sind da sicherlich nicht das Hauptproblem, drücken sie bloss ab. Du und deine Volkskameraden sind es die seid über 60 jahren nichts aus der Vergangenheit gelernt haben.

Und jetzt denke erst nach, befrage dein christdemokratischen Kameraden und antworte dann, oder setzt dich einfach mit dir, deutschland, der Welt und der Vergangenheit auseinander!

Ich Ende mit den Worten
"Kein Gott, Kein Volk, Kein Vaterland!"

  • Antworten
brauneSocke13.08.2012 | 21:06 Uhr

Der Autor sieht in der

Der Autor sieht in der Nationalhymne ein peinliches, blutbeflecktes und beschämendes Lied, das gewechselt werden muss. Besondere Rücksicht möchte er dabei auf die Nationalspieler mit Migrationshintergrund nehmen, denen er dieses Lied nicht zumuten kann. Hat er sie eigentlich gefragt, warum sie das Lied nicht singen wollen, haben sie ihm eigentlich Antwort gegeben? Oder maßt er sich nur einfach mit autokratischem Verständnis an, in deren Namen sprechen zu dürfen?
Was soll so verletzend, beschämend und peinlich sein, von Einigkeit, Recht und Freiheit zu singen? Ist nicht gerade die dritte Strophe des Deutschlandliedes besonders für Migranten geeignet? Nicht Blut, nicht Vorfahren, nicht Schlachtenglück sollen diese Nation groß machen, sondern Einigkeit, Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.
Sind nicht aus diesem Grunde die (Vor-)Väter der Nationalspieler mit Migrationshintergrund in dieses Land gekommen?
Der Autor macht es sich zu einfach, wenn er die Nationalhymne mit solch einem Argument abschaffen will und Menschen für dieses Vorhaben missbraucht.
Gut, die Nationalhymne mag nicht demokratisch gewählt sein, aber rechtfertigt dies deren Abschaffung? Gibt es nicht noch einen anderen Legitimationsgrund, den der Herr Soukup auch kennen müsste: den mos maiorum - die Sitte der Vorfahren? Haben diese nicht Recht getan, dieses Lied auszuwählen? Haben sie uns nicht ein Lied gegeben, das Hoffnung, Kraft und Stärke gibt, und das unsere Nation am Tage der Wiedervereinigung aus Millionen von Kehlen von ganzem Herzen gesungen hat? Was ist mit diesem geschichtlichen Erbe?
Herr Soukup will Satisfaktion bei anderen Ländern machen, indem er die Nationalhymne abschaffen will, weil sie eine zu schwere Hypothek darstellt. Mit welchem Recht spricht er nun sogar für andere Länder, mit welcher Autorität? Sind auch hier Völker vor ihn getreten und haben ihm ihr Leid geklagt? Oder ist es nicht vielmehr so, dass es die anderen Länder nicht beschäftigt, was unser Lied ist?
Was soll noch getan werden, nach der Meinung des Autors, damit die Welt (oder was er dafür hält) mit Deutschland versöhnt wird? Ist es da mit einer anderen Hymne getan oder sollte nicht vielmehr das Land des Verbrechens von den Landkarte verschwinden? Vielleicht wäre sogar das Austilgen der Nachfahren jener Verbrecher und Menschenschlächter die ultima ratio um die Welt wieder in Einklang zu bringen (wer sich angeblich über eine Strophe grämt, wie groß muss dann erst der Hass auf jene Menschen sein)? Oder ist es nicht vielmehr so, dass andere Länder, in denen wir Deutsche in Freundschaft empfangen werden, sich über diese Nationalhymne am wenigsten den Kopf zerbrechen?
Wie dem auch sei, hier beschäftigen sich wohl Menschen mit einem Thema, das nie zur Sprache gekommen wäre, wenn nicht gerade ein Sommerloch über dieses Land ziehen würde.

  • Antworten
Tullius12.08.2012 | 10:38 Uhr

Gehts noch?

So lange noch Liedchen wie die Internationale gesungen werden sollte der Autor fein stille schweigen. Immerhin hat der Kommunismus mehr Todesopfer auf dem Kerbholz alle anderen Ideologien.

Ich finde das Deutschlandlied schön, stehe dazu, und unsere Vergangeheit ist auch nicht schlimmer als die anderer Völker. Und wo der gute Mann schon von der Weltherrschaft fabukiert, da sollte er vielleicht mal einen Blick auf die aktuelle Politik der westlichen Demokratien werfen.

  • Antworten
Mephistopheles12.08.2012 | 11:27 Uhr

"Es mag ja sein, dass

"Es mag ja sein, dass Hoffmann von Fallersleben nicht die Weltherrschaft im Sinn hatte, als er „Deutschland, Deutschland über alles“ textete "
Es mag nicht nur so sein, es ist auch so. Die erste Strophe enthält ganz genaue geographische Grenzen.

Davon mal abgesehen, könnte der Autor auch erklären, an welchen Stellen das Lied der Deutschen antisemitisch ist.

  • Antworten
HBE12.08.2012 | 13:16 Uhr

Befindlichkeiten um null und wieder nichts.

Die Weimarer Republik entstand nicht im Frieden, sondern im militärischen Zusammenbruch mit Bürgerkrieg usw. Dass Ebert hier sich gewissermaßen an die Rechte anbiederte ist reiner Blödsinn. Rechts hiess seinerzeit monarchistisch. Erst weit nach 45 bekam die Sozialdemokratie und die Christdemokratie eine forciert internationalistische Gesinnung. Noch Kurt Schumacher war scharf nationalistischer als der konservative Kanzler Adenauer, den er durchaus treffend als "Bundeskanzler der Allierten" titulierte.

Bekanntlich ist die deutsche Nationalhymne nach dem Kaiserquartett von Haydn zu singen, komponiert als personale Hymne des letzten Heiligen Römischen Kaisers deutsche Nation. Gott erhalte Franz den Kaiser.

Bezeichnet übrigens, dass die Ausländer den Deutschen immer irgendwelche blutrünstigen Lieder unterstellen, die es aber in Deutschland gar nicht gibt. Die Wacht am Rhein, zum Beispiel ist ein rein defensives Lied. Das Deutschlandlied, lobt Wein, Weib und Gesang. Der Treueschwur der Jugend harmlos. Heil Dir im Siegerkranz war umstritten, weil es auf eine englische Melodie gesungen wurde. Eigentlich gibt es überhaupt keine gewalttätigen Lieder in deutschland, im Gegensatz zum Ausland. Deutsche kaufen halt eine Fahrkarte vor Sturm.

Wenn ein Migrant aufgrund seiner Herkunft ein Problem mit der Hymne hat, dann sollte er villeicht gar nicht erst in unserer Nationalmannschaft spielen, sondern da wo er sich heimisch fühlt.

  • Antworten
eiben12.08.2012 | 19:17 Uhr

Brüssel, Brüssel über alles, über alles in der Welt,

Warum nur will der Autor jetzt Deutschland ganz und gar seiner Identität berauben? Das Lied der Deutschen ist identitätsstiftend, und das ist genau das, was derzeit dringend gebraucht wird. Hat der Autor das Lied der Deutschen in seinen historischen Kontext des 19. Jahrhunderts und des sogenannten "Vormärz" eingeordnet - eher nicht. Es sind eben nicht 90 Jahre Deutschlandlied, sondern durchaus ein paar Jahrzehnte mehr - eben seit 1841. Also 181 Jahre. Und den Vorvätern, die ein zersplittertes Deutschland und ein englisches Helgoland erlebt hatten, war das Herz voll. Aber bitte, auch Deutschlandlieder lassen sich ideologisch aufladen und in einer Weise missbrauchen, für welche die Demokraten von 1848 / 1849 in der Frankfurter Paulskirche nicht einstehen können. Unsere Demokratie braucht es aber, dass wir uns - auch mithilfe des Deutschlandliedes - auf unsere Tradition besinnen, statt uns von Brüssel beliebig bis aufs vorletzte Hemd ausziehen zu lassen. Identifikation läßt sich nicht per Rechtsverordnung anordnen - siehe Glühbirnenverbot. Kohl hat es zwar mit der Wiedervereinigung wie mit dem Schutz deutscher Interessen in Brüssel gründlich versaut. Aber dass er zumindest die Traditionslinie zur Frankfurter Paulskirche nicht hat abreißen lassen, dafür darf dieses Land ihm dankbar sein.

  • Antworten
ein_Liberaler12.08.2012 | 22:10 Uhr

Was für ein riesiger Humbug!

Haben wir denn keine anderen Sorgen?

Zitat:"Uns eine Hymne zu geben, die nicht peinlich ist, die niemanden beschämt und niemanden verletzt? Die auch Menschen singen können, deren Heimat vor Jahrzehnten zu den Klängen unserer Hymne in Schutt und Asche gelegt wurde?"

Ich bin heute 32, habe mit den Deutschen, die Diese Hymne früher befleckt haben, NICHTS zu tun und distanziere mich in aller Form von diesen! Ich wehre mich aber auch dagegen, alles, aber auch Alles immer unter dem Aspekt sehen wollen zu müssen, ob irgend jemand sich peinlich berührt fühlen könnte. Ich werde niemals von einem Vertriebenen fordern, diese Hymne zu singen. Aber Deutschland ist mein Heimatland, und ich werde es mir nicht vermiesen lassen.

Werter Autor, vielleicht lassen Sie sich einmal auf einen Anfall von "Gutmenschitis" untersuchen. Das Deutschlandlied ist unsere Nationalhymne, und ich kann guten Gewissens sagen: ja, ich freue mich, ein Deutscher zu sein! Und: Nein, ich bin kein Rechter, biete diesen Spinnern gern die Stirn und werde mich nicht in diese Ecke drängen lassen, möchte damit keine anderen Nationalitäten herabsetzen.

Aber werde mich auch nicht dazu bringen lassen, mich für mein Land zu schämen, das Stabilitätsanker in Europa ist, heute tiefer integriert als jemals zuvor, das in den letzten 70 Jahren mehr als die meisten anderen Länder einen totalen Bruch mit seiner Vergangenheit bis zur Selbstverleugnung hinter sich hat, in dem die meisten Menschen hart und ehrlich arbeiten, das trotz allen Gejammers eines der fortschrittlichsten der Welt ist.

Vielleicht befassen Sie sich lieber mit Dingen die wirklich relevant sind.

Mit freundlichen Grüßen

G.Sommer

  • Antworten
Gilbert Sommer12.08.2012 | 23:29 Uhr

Alberne Kampagne

Wichtiger, als immer wieder den »Dieses-und-jenes-ist-durch-die-NS-Diktatur-belastet«-Diskurs aus der Mottenkiste zu kramen, ist es, jetzt Europa endlich voranzubringen. Mit der Überwindung der Nationalstaaten lösen sich dann »Probleme« wie die der Hymnen — bitte französische und italienische (um nur die zwei, deren Texte ich kenne zu nennen) nicht vergessen! — gewissermaßen von alleine.

  • Antworten
Tuvia Deuczman13.08.2012 | 11:01 Uhr

Sommerloch

Was einem beliebten und hochangesehenen Bundespräsidenten Heuss nicht gelang, wird irgendein Journalist nie zustande bringen.

  • Antworten
Kommentator13.08.2012 | 12:27 Uhr

eine neue Hymne muß her?

Sehr geehrter Herr Soukop,
ziehen Sie sich nur weiter die Rute über den Rücken, gemeinsam mit Ihren vermeintlich intellektuellen Freunden.
Ich für meinen Teil habe die Beschränkung auf die dritte Strophe im historischen Kontext der Nachkreigszeit verstanden , aber halte sie heute für überkommen. Wenn wir auf die drei Strophen schauen sehen wir keine Beleidigung, keine Beschämung. Die Verweigerung des Mitsingens ist eine Unverschämtheit, die sich Menschen gefallen lassen, die den Sinn des Wortes Toleranz nicht verstehen. Und zum Hemd: Waschen, Bügeln, Anziehen!

  • Antworten
M. Burger13.08.2012 | 20:19 Uhr

Mir fallen 20 bessere Lieder ein

Nun, der Autor scheint einen Nerv getroffen zu haben.
Ich kenne extrem wenige junge Menschen zwischen 18 und 40 Jahren, die dieses Lied singen wollen. Es ist ihnen einfach zu langweilig, zu dröge und zu altbacken.
Dieses Lied symbolisiert für den Großteil einfach auch nicht Deutschland. Da passen ja die meisten Lieder von Xavier Naidoo noch besser - immerhin sangen das während der WM 2006 sehr viele Deutsche begeistert mit! Nun ja, ich will nicht sagen, dass die Verteidigung des aktuellen Liedes ein strategischer Fehler wäre, aber , um ehrlich zu sein:
wenn dieses Lied, unabhängig ob es mir nun gefällt oder nicht
-und ich finds gar nicht so dramatisch schlecht-
wenn dieses Lied unsere Nationalhymne bleibt, dann kann auch gleich Gotschalk Siemens-Chef werden.

  • Antworten
Arno Walter13.08.2012 | 20:34 Uhr

neue hymne etc.

Hohl hallt es aus dem Sommerloch...

  • Antworten
christoph müller14.08.2012 | 23:11 Uhr

Wie wär's mit "99 Luftballons"...?

Man könnte natürlich auch "99 Luftballons" nehmen: Der Text ist nicht zu anspruchsvoll und ist trotzdem politisch korrekt, die Melodie ist eingängig, und die meisten Deutschen kennen sie eh schon...
Man könnte sich natürlich generell über den Sinn einer Nationalhymne Gedanken machen, aber irgendwo hat das was mit Geschichte zu tun. Eine Art Wegmarke einer Schicksalsgemeinschaft. Hymnen aus der Retorte funktionieren nicht; in Demokratien hat sich meist einfach ein Lied selbst durchgesetzt, fast zufällig - zufällig heißt aber nicht willkürlich. Weshalb man sie auch nicht einfach abändern oder durch etwas aderes ersetzen kann. Man könnte genauso gut die deutschen Farben z.B. durch etwas fröhlicheres ersetzen wollen: irgendwie rosarot und himmelblau. Das wäre ungefähr genauso absurd.
Das ganze Gemurkse hat aber in Deutschland Tradition. Da muss der kaiserliche Reichsadler als Emblem für eine demokratische Republik herhalten; da tagt der Bundestag im Reichstag; über dem schon fast zynisch (vom Kaiser 1916(?) verordnet) "Dem deutschen Volke" prangt; da wird an einem Konkordat festgehalten, dass gar keine demokratische Legitimation hat; und man hält an einer provisorisch gedachten Verfassung fest, um dann in einem hisotrisch sicherlich einmaligen Moment, ein paar neue Länder bürokratisch schlicht einzugliedern (§23). Die großen Nationen gehen im Allgemeinen mit ihrer Geschichte bewusster um.

  • Antworten
athe15.08.2012 | 10:07 Uhr

Zeit zum Nachdenken

Wie wäre es mit 4′33″ von John Cage als Hymne? Kein Lied, kein Text.
Dann gäbe es auch keine Diskussion über Nationalspieler mit Migrationshintergrund!

  • Antworten
Machete15.08.2012 | 10:18 Uhr

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Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


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Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

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In Kooperation mit dem Tagesspiegel
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150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
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Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
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Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

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Medizin, Gesundheitssystem, krank
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Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

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