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 > Die Königin des Salzburger Opernsommers

Salon

Mandy FredrichDie Königin des Salzburger Opernsommers

Von Eva Gesine Baur19. Juli 2012
Götz Schleser
Mandy Friedrich, Amadeus Mozart, Zauberflöte, Opernsommer
Mandy Fredrich glaubt an Yoga und Selbstsuggestion
Schrift:

Für wenige war der Weg auf die Bühne steiniger als für Mandy Fredrich. Geboren in der DDR, began ihre Musikkarriere in der Kapelle einer Rehaklinik in Belzig. An der Berliner Musikhochschule musste sie sich gleich drei Mal bewerben, bevor Robert Gambill ihr Professor wurde, ihr in die Auge sah und wusste: „Du gehörst auf die Bühne...“

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Naturliebende wissen, wo der Fläming liegt, dieser verschlafen-schöne Landschaftszug in der Mark Brandenburg. Mozartliebende aus aller Welt werden es auch bald wissen wollen. Denn von dort stammt Mandy Fredrich. Und die singt Ende Juli bei den Salzburger Festspielen jene Partie, die als die größte Herausforderung der Opernliteratur gilt: die Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“.

„Da heißt es alles oder nichts“, sagt die Sopranistin. Wenn sie die dreigestrichenen Fs nicht trifft, kann sie das Übrige himmlisch singen, und keiner wird sich daran erinnern. Diese kaum singbaren Spitzentöne machen aus der Partie einen Hochleistungssport, reine Nervensache.

Mandy Fredrich glaubt an Yoga und Selbstsuggestion. Sie sagt nicht: Ich will das schaffen. Sie sagt: „Ich werde in der Felsenreitschule stehen und losfliegen.“ So wie sie sich jahrelang sagte: „Ich muss mein Geld nicht mit Singen verdienen, aber ich werde es.“ Diese Zuversicht hat sie bereits über viele Abgründe hinweggetragen.

Als ihre Eltern in der damaligen DDR ihrer ältesten Tochter 1974 den Vornamen Mandy gaben, hatte Barry Manilow seinen gleichnamigen Welthit schon millionenmal verkauft. „I sent you away“, bedauert darin ein Liebhaber und erkennt zu spät: „But I need you today.“ Mandys Vater hatte das Lied im Programm.

Der gelernte Agraringenieur war so gut wie jedes Wochenende mit seiner Band unterwegs, spielte Tanzmusik auf Hochzeiten und Schützenfesten. Mit 16 stieg seine Tochter, die Klavier und Orgel gelernt hatte, ein: als Keyboarderin, umzingelt von älteren Männern. „Von Oper wusste ich gar nichts“, sagt sie. „Und vom Singen auch nicht.“

Das änderte sich, als an der städtischen Musikschule von Belzig eine Gesangspädagogin eingestellt wurde. In der Kapelle einer Rehaklinik in Belzig gab Mandy ihren ersten Auftritt als Solistin. Nicht mit Mozart, sondern mit Lloyd Webbers Song „Memory“ aus dem Musical „Cats“. „Ich bin schier gestorben vor Angst. Danach wusste ich aber, Singen ist meins.“

Doch während Mandy, wie auch heute noch, im Garten ihrer Eltern Unkraut jätete oder den neuesten Rosenstock einpflanzte, lag die Hoffnung, jemals auf einer Opernbühne zu stehen, in weiter Ferne. So weit entfernt wie die Raumsonde Voyager, bestückt mit einer goldenen Platte, die anderen Planetensystemen mitteilen soll, welche Klänge die Menschheit geschaffen hat. Dort findet sich neben aserbaidschanischen Sackpfeifern und einem Blues von Louis Armstrong die zweite Arie der Königin der Nacht.

Seite 2: Die Hoffnung rückte näher, als Mandy bei „Jugend musiziert“ gewann...

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