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Salon

Pro MenschenwürdeDer Papst, der Stuhl und die Satire

Von Daniel Martienssen11. Juli 2012
Titanic
papst, titanic, benedikt_xvi
Wie weit darf Satire gehen?
Schrift:

Der Vatikan geht gerichtlich gegen das Cover der aktuellen „Titanic“-Ausgabe vor. Darauf erregt ein gelber Fleck auf dem Papst-Gewand Aufsehen, der ironisch auf die Vatileaks-Affäre anspielt. Wie weit darf Satire gehen?

Die Papsteinsetzung im frühen Mittelalter hatte ein besonderes Zeremoniell. Nachdem der Papst gewählt worden war, wurde er „ehrenvoll“ zu einem Marmorsessel vor der Lateranbasilika in Rom geführt, der „Kot-Stuhl“ (sedes stercorata) genannt wurde. Auf diesem verweilte der neu gewählte Papst für einige Minuten. Warum? Sinn und Zweck war es, dass sich der neue Bischof von Rom symbolisch bewusst werden sollte, dass auch er nur aus Fleisch und Blut sei und die Notdurft verrichten müsse wie jeder andere Mensch auch.

Ob die Titanic-Redaktion diesen inzwischen nicht mehr praktizierten Brauch gekannt hat, als sie das aktuelle Cover entwarf, darf bezweifelt werden. Die nachgeholte Begründung, es handle sich bei dem gelben Fleck auf der Soutane lediglich um das Lieblingsgetränk des Papstes, Fanta, wirkt spätestens dann schal, wenn man die Rückseite sieht und sich fragt, ob der braune Fleck geschmolzene Schokolade sei, auf die sich der Papst versehentlich gesetzt hat.

Der Vatikan hat nun beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung erwirkt. Das Heft darf mit dem Titel vorläufig nicht weiter verbreitet werden. Der Papst sieht sich in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Dies ist ein absolutes Recht, das jedem Menschen innewohnt und sich direkt aus der Menschenwürde ableitet.

Berührt das Cover die Menschenwürde Papst Benedikt XVI.? Steht demgegenüber nicht die Freiheit der Presse und Kunst? Satire darf zuspitzen, sie darf überzeichnen und an die Grenze des guten Geschmacks gehen. In manchen Situationen ist Satire die fast einzige Form, sich noch ernsthaft einem Thema zu nähern. Nämlich immer dann, wenn Hype und Hysterie jeden nüchternen Gedanken verdrängen. Man erinnere sich nur an die Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg.

Auf dem Cover erregt nun dieser ominöse gelbe Fleck auf dem Papst-Gewand Aufsehen. Der Untersatz „Undichte Stelle gefunden!“ spielt auf die seit Monaten andauernde „Vatileaks-Affäre“ an, in der Interna durch engste Mitarbeiter des Papstes an die Presse weitergeleitet worden sind. Nicht ganz ungewollt wird dieses sprachliche Bild umgesetzt in ein visuelles, das doch sehr an ein körperliches „Gebrechen“ im Alter erinnert. In der Affäre kristallisierte sich jedenfalls immer mehr heraus, dass Papst Benedikt XVI. zwar ein begnadeter Dogmatiker, dafür aber ein umso schwächerer Behördenleiter ist.

Diese Schwäche wird dem Papst in diesen Wochen tagtäglich vor Augen geführt. Und diese Schwäche übersetzt das Satiremagazin nun in ein Bild vom gebrechlichen alten Herrn. Sie stellt ihn bloß und verletzt damit seine Menschenwürde, tritt praktisch auf eine am Boden liegende Person ein.

Satire muss da aufhören, wo die Menschenwürde berührt wird. Ja, der Papst ist Stellvertreter Christi. Aber er ist auch ein Mensch; insofern ist das mittelalterliche Zeremoniell mit dem Marmorsessel durchaus sinnvoll gewesen. Es ist stets ein schmaler Grat zwischen noch zulässiger Satire und persönlichkeitsverletzender Überschreitungen. Dieses Mal hat die „Titanic“ die Grenze überschritten.   

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Am boden liegend?

"tritt praktisch auf eine am Boden liegende Person ein."
Der Pabst eine am boden liegende Person ist doch etwas arg übertrieben. Das klingt ja schon selbst wieder wie Satire. So eine Verherrlichung wie Päste erfahren, dabei kann man wirklich nich von am Boden liegend reden!

  • Antworten
Lukas11.07.2012 | 14:06 Uhr

versuchs doch erstmal mit

versuchs doch erstmal mit Orthographie, z.B. an der VHS...

  • Antworten
Otto Maier12.07.2012 | 23:21 Uhr

Menschenwürde? Da klagt der Richtige...

Ratzingers Vorgänger Wojtyla wurde einst auf dem Titanic-Cover beim sodomistischen Akt mit einem Schaf gezeigt ("Der Papst kommt") - redet da heute noch wer drüber? Ein alter Mann, der seinen Laden nicht dicht halten kann - die Metapher ist doch nicht weit hergeholt. Die Darstellung des Urinflecks ist natürlich eine Unverschämtheit, wie es sich bei Titanic gehört, aber eben weil Ratzinger ein Mensch und kein (!) höheres Wesen ist, hat er sich unverschämte Satire ebenso gefallen zu lassen wie ein Politiker oder sonstige Personen in öffentlicher Funktion und Wahrnehmung. Satire definiert die Grenzen unserer Freiheit, und wenn man sich nicht mehr über den Papst lustig machen darf, schreiten wir zurück ins Mittelalter (= Ratzingers geistige Heimat).
Angemerkt sei noch, dass dieser Mann aktiv Homosexuelle und Frauen diskriminiert und Kinderschänder unter seiner Verantwortung wissentlich gewähren ließ. Vor diesem Hintergrund angesichts eines dämlichen Witzes auf die eigene Menschenwürde zu pochen, erscheint zumindest mir als die eigentliche Unverschämtheit.

  • Antworten
Max11.07.2012 | 15:52 Uhr

Lachhaft...

... ist der billige Versuch hier mit pseudointellektuellem Geschwafel ohne ein einziges Argument mal soeben die Pressefreiheit einschränken zu wollen. Und das im Namen einer üblen Hokuspokus-Subkultur (Wasser zu Wein - das will ich sehen! Heilig- und Seligsprechungen: welch Wunder! Ketchupblut in Madonnenfläschchen - billig!), die sich bereits durch ihre offiziellen Vertreter z.B. mit dem Zur-Schau-Tragen von albernen Kleidchen und grellbunten Käppis (mit Schweineschwänzchen als "Verzierung" am Hinterkopf!) selbst gerne der Lächerlichkeit preis gibt. Nicht lustig wird es aber spätestens dann, wenn berücksichtigt wird, dass diese Organisation jetzt genau DIE weltlichen Gerichte einschaltet, die sie bei der dringend notwendigen Aufarbeitung und Bestrafung ihrer menschenverachtenden Missbrauchstäter aus den eigenen Reihen tunlichst außen vor lassen wollen.

  • Antworten
jubmob11.07.2012 | 16:10 Uhr

Verkorkster Rechtsbegriff

Ein etwas verkorkstes Verständnis von Rechtsgütern, die Leute wie jubmob zeigen. Pressefreiheit lebt natürlich nur im Konzert eines ausgewogenen Rechtssystems. Ein absolutes Recht auf Pöbeleien gibt es nicht. Daher ist es natürlich kein Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken, wenn mit rechtsstaatlichen Mitteln gegen ein ziemlich dumpfes und humorbefreites Cover vorgegangen wird.

  • Antworten
Peter Esser11.07.2012 | 16:55 Uhr

Todesverachtend im Kampf gegen einen Greis

Die „Titanic“ hat hier tatsächlich gewaltigen Mut bewiesen, denn die Papisten schicken bekanntlich sofort Killerkommandos los, wenn ihr Oberhaupt beleidigt wird. Zum Glück muss das couragierte und unersetzliche Werk nicht vom Kiosk. Aber dennoch wird es bald richtig heftig losgehen. Die Fatwa à la Benedikt scheint schon ausgesprochen. Irgendetwas mit steinigen, Kopf abschlagen oder in den Rücken schießen kommt da ganz bestimmt noch. Ist wirklich ganz schlimm mit diesen Papisten.

  • Antworten
Domingo11.07.2012 | 20:01 Uhr

"Fette Qualle"

Zur Versachlichung:

Claudia Roth, die Hohepriesterin der grünen "Bio"-Staatsreligion, ist ebenfalls erfolgreich gegen den Redakteur Menzel vorgegangen, der sie (indirekt!) als "fette Qualle" bezeichnet hat.

Der Ruf nach Freiheit der Kunst bzw. der Meinung ist hier nicht laut geworden...

  • Antworten
Krischan Piepengruen12.07.2012 | 08:09 Uhr

Vom hohen Thron herab...

Hat ein "Stellvertreter Gottes auf Erden" die Hilfe irdischer Gerichte nötig?
Wäre da nicht eher das "Stafgericht Gottes" zuständig?
Alles sehr merkwürdig. Es zeigt sich immer wieder aufs Neue, das auch im Vatikan lediglich "mit Wasser gekocht wird".
Da sollte sich auch kein Papst auf ein so hohes Ross setzen oder gar den Richterstuhl Gottes einnehmen wollen.
Stattdessen sollten auch Päpste ihr menschliches Gesicht zeigen, anstatt überirdische Mächte vertreten zu wollen.
Nicht zuletzt der Mißbrauch von Knaben durch römisch-katholische Kleriker hat deutlich gemacht, daß auch Prälaten, Priester und sonstige "Geistliche" trotz kirchlicher Weihen nur eines sind: eben auch nur Menschen aus Fleisch und Blut.

  • Antworten
Yvonne Walden12.07.2012 | 10:56 Uhr

Satire muss da aufhören, wo die Menschenwürde berührt wird

Auch negative Schlagzeilen in der eigenen Ausgabe (Titanic) oder als journalistische Trittbrettfahrer (viele andere Magazine und Zeitungen) sind ein probates Mittel Verkaufszahlen zu steigern und an der Schlagzeilen-Torte genüßlich mit zu mampfen.
Ich kann vieles an der Kirche und Einstellungen des Papstes und seiner Berater nicht verstehen und kommuniziere eine andere Meinung. Legitmiert aber der satirische Zeit-Geist andere Menschen, egal wen, ob nun Politiker, hochrangige Persönlichkeiten, Geistliche, den Nachbar oder mich selbst in dieser oder anderer unwürdiger Form in der Person anzugreifen? Satire sollte sinnig, nachdenklich und witzig sein, nicht unwürdig und verletztend, egal wie der Mensch sich 'verhalten' hat. Sich FANTAstisch herausreden zu wollen, zeigt mir, wie wenig 'nachdenklich' ein solches Cover entstanden ist. Ich will nicht nach Verantwortung bei 'Titanic' rufen. Die Verantwortung übernehmen hat heutzutage einen faden Beigeschmack. Nachdenken, Umdenken, Freidenken im Sinne gute jounalistische Informationen zu verkaufen. Klar, ich muss diese Zeitschrift nicht lesen und kann weg sehen ... das ist jedoch kein Weg! die Diskussion bietet eine gute Grundlage journalistische Grenzen ernsthaft auszuloten ... un Mut zu machen Pressefreiheit und guten Jounalismus zu leben und nicht mit schmutzigen Zeitgeistfantasien zu verwechslen.

  • Antworten
Matthias Reimund12.07.2012 | 15:29 Uhr

Vortrefflich

Jetzt aber mal Luftholen.
Dank an die päpstliche Verteidigung.Ohne sie hätte ich von dieser Stellvertreter-Betrachtung unserer alternden Gesellschaft gar nicht erfahren.

  • Antworten
Muckefuck13.07.2012 | 06:19 Uhr

Pennälerwitz

"undichte Stelle" wörtlich zu nehmen ist zwar lustig, aber vom Niveau her ein Pennälerwitz.

  • Antworten
Robert12.07.2012 | 21:20 Uhr

Entgleisung Satanic hats übertrieben

Dabei die Worte "Heiliger Stuhl" zu, verwenden kommt mir auch verdächtig und beleidigend doppeldeutig vor.Man sollte gegen Satanic diese Satirezeitschrift vorgehen.
Oder verwechsel auch ich da was?

  • Antworten
Muckefuck13.07.2012 | 06:09 Uhr

"Idiocracy"

Ach ja, dieses Titanic - Titelbild sagt viel über die Zeitschrift und wenig über den Papst aus. Wenn dieses Blatt auf der Höhe des Zeitgeistes steht, dann ist "Idiocracy" schon Realität geworden.

  • Antworten
Esther13.07.2012 | 12:36 Uhr

Papst

"Ja, der Papst ist Stellvertreter Christi"

Sagt die katholische Kirche - weswegen es noch lange keine Tatsache ist, sondern lediglich eine Behauptung oder eine Glaubensfrage !

Wo steht diese "Behauptung" in der Bibel ? Wo ?

Nirgends !!!

Deswegen sage ich - und auch ich bin gläubiger Christ (evangelisch) - der Papst ist ein Mensch wie jeder andere auch - nicht mehr und nicht weniger.

In einen neutralen Bericht eine Behauptung wie oben genannt, ohne zusätzliche Erläuterung ein zu stellen, finde ich genau so ärgerlich, wie die überzogene Satire der Titanic...

  • Antworten
Achim Müller13.07.2012 | 21:54 Uhr

Heiliger Stuhl

Vorab meine Hochachtung für diese treffende Satire. Selten so gelacht!
Da bekommt der "Heilige Stuhl" eine besondere Würze. Den so aufge-brachtn Mob dieser diffusen Gesellschaft sei gesagt: Wäre es euch
denn lieber gewesen wenn dieses Magazin euren Papst real dargestellt hätte. Dann hätte man ja noch mehr darüber lachen müssen und das wäre
wohl nicht in eurem Sinne. Muß schon sagen: "Ein Komiker - euer Papa"

  • Antworten
Alfons Hilbig14.07.2012 | 00:56 Uhr

Eigentor !

@jubmob
"..dass diese Organisation jetzt genau DIE weltlichen Gerichte einschaltet, die sie bei der dringend notwendigen Aufarbeitung und Bestrafung ihrer menschenverachtenden Missbrauchstäter aus den eigenen Reihen tunlichst außen vor lassen wollen."

Da stimme ich Ihnen 100 % - das ist einfach heuchlerisch !
----------------------------------------------------------

Ansonsten ist das Verhalten schlichtweg "dumm" - denn ohne diesen juristischen Aufriss, hätte kaum Jemand von diesem Titelbild Kentniss genommen. In D lesen sehr wenige Leute die "Titanic" (weltweit ist es das berühmte Sandkorn in der Wüste) - jetzt hat nahezu jede Nachrichtenagentur die Meldung verbreitet. Dümmer geht's nicht - klassisches Eigentor !

  • Antworten
Achim Müller14.07.2012 | 19:22 Uhr

"Brüderlicher Zurechtweisung"

@Achim Müller

Einem ausufernd agierenden Hohlkopf seine Grenze zu zeigen, ist aus christlicher Sicht ein Akt der Nächstenliebe, der für den Gläubigen eine Pflicht im Sinne der correctio fraterna darstellt. Insofern ist das Verhalten des Papstes korrekt, zumal der Chefredakteur der Titanic,Leo Fischer, sich als Katholik bezeichnet. Der Hohlkopf soll ja die Möglichkeit bekommen, sein Verhalten, soweit ihm das möglich ist, zu überdenken und zu korrigieren, um dann wieder als vollwertiges Glied an der sozialen Gemeinschaft partizipieren zu können.
Aus weltlicher Sicht sieht praktizierte Nächstenliebe immer "dumm" aus, da sie nicht dem Eigennutz sondern dem Wohl des Anderen und der Gemeinschaft dient. Langfristig gedacht ist Nächstenliebe jedoch klüger, aber das kann man nur erkennen, wenn man nicht nur kurzfristig sondern auch über den Tag hinaus denken kann.

  • Antworten
Esther15.07.2012 | 10:14 Uhr

Den Hohlkopf nehme ich zurück

Den Hohlkopf nehme ich zurück. Das war unsachlich. Tut mir leid.

  • Antworten
Esther15.07.2012 | 18:22 Uhr

Titanic

Ich fand die Bilder einfach geschmacklos!

  • Antworten
M. Flöger15.07.2012 | 22:04 Uhr

Nur mal abwägen!

Wenn der Papst geschwiegen hätte, wär' gar nichts passiert. So hat er aber der Titanic eine gute Auflagensteigerung beschert. Selbst schuld.

Ausserdem:

Ich selbst schätze das Recht jemanden beleidigen zu dürfen wesentlich höher ein, als das Recht auf nicht beleidigt werden!

  • Antworten
T. Henrich16.07.2012 | 13:28 Uhr

Schon komisch

Mich würde mal interessieren, wo die ganzen Berufsempörten , die jetz nach Pressefreiheit schreien und dem Papst humorlosigkeit vorwerfen, waren, als im Nahen Osten europäische Botschaften in Flammen aufgingen, weil ein paar Karikaturisten Mohammedkarikaturen gezeichnet haben.
Es ist auffällig, daß sich die Deutsche Intelligenzia grundsätzlich das Maul aufreisst, wenn man gegen Christen anstänkern kann.
Beim Islam halten dann alle feige das Maul. Es ist abartig.

  • Antworten
Chrischan7421.08.2012 | 11:30 Uhr

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