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 > Welche Folgen hat Wulffs Streit mit der BILD-Zeitung?

Berliner Republik
Wutausbruch

Welche Folgen hat Wulffs Streit mit der BILD-Zeitung?

von 
Sonja Pohlmann,
Antje Sirleschtov
3. Januar 2012
picture alliance
Wulff, BILD, Wutausbruch
Christian Wulff – ein Telefonat zuviel?

Frage des Tages: Der Bundespräsident pflegte lange gute Beziehungen zur "Bild"-Zeitung - bis sie einen kritischen Beitrag über seinen Privatkredit plante

Seite 1 von 2

Bundespräsident Christian Wulff kommt erneut in Schwierigkeiten. Er soll am 12. Dezember 2011 versucht haben, einen Bericht der „Bild“-Zeitung über seinen umstrittenen Kreditvertrag mit dem Ehepaar Geerkens zu verhindern.

Was ist da genau vor sich gegangen?

Anfang Dezember reiste Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina durch die Golf-Staaten, als ihn eine Anfrage aus Berlin ereilte. Die „Bild“ wollte über die Finanzierung seines Hauses mit Unterstützung des Unternehmerpaars Geerkens berichten und bat um Stellungnahme. Die gab Wulff ab, zog sie aber wieder zurück und wählte am 12. Dezember, einen Tag, bevor der Artikel in Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung erscheinen sollte, die Handynummer des Chefredakteurs Kai Diekmann.

Wulff drohte in dem Anruf mit einem „endgültigen Bruch“ mit dem Verlag, falls diese Geschichte erscheine. Für ihn und seine Frau sei „der Rubikon überschritten“. Wenn „Bild“ „Krieg führen“ wolle, dann solle man darüber nach seiner Rückkehr sprechen. Er drohte mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen „Bild“-Redakteur. Am Tag zuvor hatte Wulff in Doha in einer Rede gesagt: Der „Wert von unabhängigen Medien“ sei „nicht hoch genug einzuschätzen.“

Bildergalerie: Christian Wulff - Bürgerfreund oder Konzernkumpane?

Weil Diekmann zum Zeitpunkt von Wulffs Anruf auf Dienstreise in New York weilte, erreichte der Bundespräsident nur Diekmanns Mailbox – und hielt seinen Wutausbruch damit sogar auf Band fest. Auch bei Springer-Vorstand Mathias Döpfner rief Wulff an und bat diesen darum, auf Diekmann Einfluss zu nehmen, wie der Verlag am Montag bestätigte. Doch Döpfner habe Wulff mitgeteilt, sich nicht in die Belange der Redaktion einzumischen. „Cicero online“ berichtete, Wulff sei ebenso bei Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer abgeblitzt.

Zwei Tage nach der ersten Veröffentlichung in der „Bild“ kontaktierte Wulff Diekmann erneut und und „bat in einem Telefonat persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox“, heißt es in einer Stellungnahme, die die „Bild“ am Montag veröffentlichte. Nach „breiter redaktioneller Debatte“ habe die „Bild“ nach dieser Entschuldigung davon abgesehen, über den Vorfall zu berichten. Trotzdem wurde die Geschichte publik. „Bild“-Redakteure hatten sich offenbar mit anderen Journalisten ausgetauscht. Diekmann selbst will sich zu dem Vorfall nicht offiziell äußern.

Was sagt dieser Vorgang über das Verhältnis zwischen Wulff und „Bild“?

Auch der „Stern“ hatte intensiv zur Kreditaffäre recherchiert, ebenfalls der „Spiegel“, der titelte: „Der falsche Präsident“. Doch bei den Chefredakteuren beider Zeitschriften versuchte Wulff nicht, zu intervenieren. Bei Diekmann hingegen schien er sich Chancen ausgerechnet zu haben – wohl auch, weil er von der „Bild“ andere Geschichten gewohnt ist, seine Beziehung zu deren Chefredakteur womöglich falsch eingeschätzt hat. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Christiane hatte die „Bild“ ausführlich über das neue Glück mit Bettina und ihrer Patchworkfamilie berichtet. Und noch kurz vor Wulffs Anruf bei Diekmann hieß es bei Bild.de über die Reise des Bundespräsidenten in die Golfregion: „Expedition Romantik“. Doch Wulff muss nun offenbar erfahren, was bereits andere Politiker und Prominente erlebten und Springer-Chef Döpfner 2006 als Prinzip der „Bild“ beschrieb: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“

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Credo mag dieser Praesident haben,aber Glaubwuerdigkeitskredit

hat er nicht mehr.
Wer einmal luegt dem glaubt keiner mehr.

  • Antworten
Michael Miro03.01.2012 | 10:24 Uhr

Amtsbonus endgültig verspielt

Allmählich sollte das Maß voll sein. Einen Bundespräsideten dieses charakterlichen Zuschnitts hat selbst unsere Republik nicht verdient.

Noch verfügen die derzeitigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP über eine - wenn auch schmale - Mehrheit in der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten wählt. Also sollte sie handeln.

Im Frühjahr, nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, rechnet sich die SPD gute Chancen für eine andere Mehrheit in dieser Bundesversammlung aus. Also spielen die Sozialdemokraten gegenwärtig "auf Zeit".

Dies alles erscheint unwürdig, wenngleich das Verhalten des amtierenden Bundespräsidenten mehr als unwürdig war und ist.
Wer als amtierender Bundespräsident sogar die Presse- und Meinungsfreiheit zu unterdrücken versucht, hat seinen Amtsbonus endgültig verspielt. Christian Wulff sollte deshalb besser heute als morgen zurücktreten.

  • Antworten
Yvonne Walden03.01.2012 | 11:43 Uhr

Die Macht der BILD-Zeitung ist unheimlich

Die Frage ist doch, warum die Meldung, dass Christian Wulff am 12.12. (und damit vor seiner öffentlichen Stellungnahme) bei Verantwortlichen der BILD angerufen hat, erst aufgetaucht ist, nachdem es so aussah, als würde sich der Wirbel um die "Affäre" beruhigen. Man kann vom Verhalten des Bundespräsidenten halten was man will, man sollte aber unbedingt festhalten, dass die Verantwortlichen der BILD hier anscheinend bewusst taktiert haben. Sie scheinen den Bundespräsidenten in die Knie (also zum Rücktritt) bringen zu wollen und das Schlimme ist: DEUTSCHLAND MACHT MIT! Ich habe im Netz bisher keine Erklärung dafür gefunden, warum die Herren nicht gleich "Medienzensur" geschrien haben!

  • Antworten
Annette03.01.2012 | 12:49 Uhr

Die Macht der Bildzeitung

Die Macht der Bildzeitung muss gebrochen werden. Ich kann gut verstehen, wenn Wulff gegenüber dieser intriganten Machtpolitik mit Konsequenzen für den Redakteur gedroht hat. Man sieht es ja an der Veröffentlichung einer Mailbox-Nachricht in der SZ ! Weil es nicht legal ist, vertrauliche Gespräche in der eigenen Zeitung zu bringen, leitet man es an die SZ weiter !

  • Antworten
Kai-Uwe Schroeter03.01.2012 | 17:46 Uhr

Schuldigkeit in Sachen Wulff

Nicht die BILD-Zeitung spielt ihre Macht aus, sondern der Herr Präsident meint, allen etwas vorschreiben zu müssen. Warum hat der "aalglatte" Emporkömmling gelogen? Ich empfehle dringend den Rückstritt, sonst werde ich noch psychisch krank!

  • Antworten
Werner Schilcher04.01.2012 | 14:37 Uhr

Der Fall wirft weiterhin viele Fragen auf

Der Fall bleibt mysteriös.

Wulff wusste, dass Stern und Spiegel in der Sache recherchieren. Es war ihm allgemein bekannt, dass die Presse in Hinblick auf sein Eigenheim Nachforschungen anstellte. Es gab einen Rechtsstreit durch alle Instanzen um Einsicht ins Grundbuch, den er in letzter Instanz verlor. Die BILD gehörte eher zu den Medien, die stets wohlwollend über Wulff berichteten, zumal ihr eine gewisse CDU-nähe nachgesagt wird. Beispielsweise war bei Kai Diekmanns Hochzeit nicht Egon Geerkens Trauzeuge, wie im Falle Wulff, sondern Helmut Kohl. Man stand sich also auch politisch nahe. Warum sollte also Wulff ausgerechnet bei Diekmann anrufen und wegen eines beabsichtigten Berichts über seinen Hauskredit, über den auch kritischere Medien recherchierten, von einer "unglaublichen Geschichte" sprechen und gar mit Strafanzeige gegen den Journalisten drohen? Mir leuchtet das nicht ein. Ich werde den Verdacht nicht los, dass es in dem Telefonat um einen Bericht über seine Ehefrau ging ("Für mich und meine Frau ist der Rubikon überschritten."). Selbst Günther Jauch sah sich am 18.12. in seiner ARD-Talkshow veranlasst, den Leiter des Hauptstadtbüros der BILD, Nikolaus Blome, zu fragen, ob es stimme, dass die Zeitung eine Geschichte über das Vorleben von Bettina Wulff in petto habe. Sollte es in Wulffs Anruf bei Diekmann um ein solches Thema gegangen sein, wäre seine Reaktion absolut nachvollziehbar, inklusive der Tatsache, dass er seinen Wutausbruch auf Diekmanns Mailbox hinterließ. Jeder verantwortungsbewusste Ehemann hätte nicht anders reagiert.

Das Dumme daran ist nur leider, dass Wulff all das nicht in die Öffentlichkeit bringen kann. Er kann nicht sagen: "Ich rief damals bei Diekmann an, um einen sehr unschönen und unwahren Bericht über das angebliche Vorleben meiner Ehefrau zu verhindern. Mit meinem Hauskredit hatte der Anruf nichts zu tun." Er will dieses Thema ja eben gerade nicht zum öffentlichen Thema machen. Folglich könnte er sich in einem solchen Fall auch nicht erklären, obwohl alle Welt von ihm Erklärungen erwartet.

Sollte es im Telefonat um einen Bericht über das Vorleben seiner Frau gegangen sein (die Gerüchte über sie halte ich übrigens für weit hergeholt), dann wäre Wulff im wahrsten Sinne des Wortes erpressbar. Er käme aus der Situation nicht mehr heraus. Das ist sein Problem.

Von daher: Aktuell glaube ich keiner der beteiligten Seiten, weder Wulff noch den Medien. Letzteren schon gar nicht.

  • Antworten
Peter Mersch03.01.2012 | 15:02 Uhr

Welche Folgen?!

Die Folgen werden nicht kommen sondern zeigen sich in diesem Fall nur etwas deutlicher. Wir leisten uns eine mit der Presse verflochtene politische Klasse, die zu einem wesentlichen Teil - denn der Präsident ist ein wesentlicher Teil - korrupt ist. In diesem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre des letzten Berichts von Transparency International. Die Frage, die sich nun stellt, ist doch, ob wir uns einen korrupten Präsidenten leisten wollen und können. Wenn diese Affäre keinen Rücktritt zur Folge hat, ist die Bananenrepublik komplett! Nur nebenbei erwähnt, es gibt schon seit langem amerikanische Firmen, die nicht in Deutschland investieren wollen, weil ihnen das Land zu korrupt ist...

  • Antworten
Werner Klein03.01.2012 | 22:51 Uhr

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