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 > Faul, wählerisch, Hartz-IV-Empfänger

Berliner Republik

VorurteileFaul, wählerisch, Hartz-IV-Empfänger

Von Jana Illhardt17. Oktober 2012
picture alliance
Hartz IV,Arbeitslose,Jobsuche,Vorurteile,Umfrage,Agentur für Arbeit
Schlange stehen – für viele Arbeitssuchende tägliche Realität
Schrift:

Sie sind lustlos, zu wählerisch und wollen nicht arbeiten – die Liste der Vorurteile, die immer wieder gegen Hartz-IV-Empfänger laut werden, ist lang. Begründet sind sie jedoch nicht, erklärt nun das Institut für Demoskopie Allensbach. Eine Einschätzung

Seite 1 von 2

„Strafen-Rekord“, titelte am Dienstag die Bild-Zeitung. Bis Ende des Jahres werde erstmals die Zahl der Sanktionen, die die Bundesagentur für Arbeit gegen Hartz-IV-Empfänger aussprach, die Millionengrenze überschreiten.

Schlagzeilen wie diese schüren den Unmut gegen Menschen, die Grundsicherung beziehen. Die Schlussfolgerung, dass es Langzeitarbeitslose mit der Arbeitssuche nicht so ernst meinen, liegt nahe. Wie sonst kann es sein, dass so viele Sanktionen ausgesprochen werden müssen? Dabei ist die Behauptung der Bild-Zeitung alles andere als in Stein gemeißelt. Sie ist vielmehr windige Spekulation als Fakt.

Bildergalerie: Hartz IV – ein Deutsches Drama
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Denn: Die hohe Zahl an Sanktionen, die die Bundesagentur für Arbeit in der ersten Jahreshälfte gegen ALG-II-Bezieher ausgesprochen hat – nämlich 520.792 – ist ein Ergebis der positiven Arbeitsmarktlage. Überdurchschnittlich viele Stellenangebote stehen zur Verfügung. Und damit erhöht sich die Chance auf Absagen. Dass in der zweiten Jahreshälfte aber mit ebenso vielen Angeboten oder Absagen und eben auch Abmahnungen anfallen würden, ist nicht gesagt.

Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit hegt sogar starke Zweifelt, das dies so kommen wird und kritisiert die stiefmütterliche Hochrechnung der Bild-Zeitung. Die hatte kurzerhand die Zahl der Sanktionen der ersten Jahreshälfte verdoppelt, ohne dabei die Hintergründe zu berücksichtigen.

Seit langem kritisiert Alt, dass viele Deutsche Hartz-IV-Empfängern gegenüber harsche Vorurteile hegen. Schließlich seien viele seiner Kunden durchaus fleißig und bemüht. Dass er mit seiner Meinung relativ allein auf weiter Flur steht, belegt nun auch eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Darin wurden 1.558 Personen nach ihrer Einstellung gegenüber Langzeitarbeitslosen befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: 37 Prozent der Deutschen glauben, Hartz-IV-Empfänger wollen nicht arbeiten, 55 Prozent sind der Meinung, sie würden selbst nicht aktiv nach Arbeit suchen, 57 Prozent sind überzeugt davon, die ALG-II-Bezieher seien bei der Arbeitssuche schlicht zu wählerisch. 55 Prozent der Befragten gaben außerdem an, Hartz-IV-Empfänger hätten nichts Sinnvolles zu tun und 57 Prozent meinen, sie seien einfach schlecht qualifiziert.

Für seine schon lange postulierte These, Langzeitarbeitslose seien keinesfalls faul und würden auch nicht per se in den Tag hinein leben, liefert die Umfrage nun stichfeste Beweise. Demnach sei für 75 Prozent der Hartz-IV-Empfänger Arbeit "das Wichtigste im Leben", 62 Prozent würden bei ihrer Jobsuche auf eigene Initiative bei potentiellen Arbeitgebern anklopfen, 71 Prozent würden sogar Arbeit aufnehmen, für die sie überqualifiziert sind.

„Natürlich haben wir in der Grundsicherung nicht nur Olympioniken“, räumt Alt ein. Dass es Hartz-IV-Empfängern oftmals an beruflicher Qualifikation fehlt, ließe sich nicht von der Hand weisen. Gerade einmal 44 Prozent der ALG-II-Bezieher verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Fakt ist aber auch, dass die große Mehrzahl der Vorurteile schlicht haltlos ist. Die Vermutung, Hartz-IV-Empfänger hätten den ganzen Tag nichts zu tun, konnte so nicht bestätigt werden: 62 Prozent gehen mindestens einer gesellschaftlich relevanten Tätigkeit, etwa einem Ehrenamt, nach.

Seite 2: Warum Hartz-IV-Empfänger so ein schlechtes Image haben

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Es war unsozial und ungerecht

Arbeitslose,die jahrelang in das Sozialsystem eingezahlt haben auf das gleiche Niveau zu stellen wie die,die noch nie in ihrem Leben irgendwo gearbeitet haben.

  • Antworten
Karin Stutz17.10.2012 | 17:51 Uhr

Alle Jahre wieder

Würde man die Jobcenter bzw. deren Geschäftsführer an diesen kostenintensiven Vorgehen beteiligen (wie in der Privatwirtschaft üblich), schließlich werden über 50 % der vor Gericht ausgetragenen Fälle von den ALGII-Beziehern gewonnen, wäre schnell Schluss mit diesen "Sanktionen" und der daraus resultierenden Steuerverschwendung... abgesehen davon es ein Paradoxum ist, wenn man nicht mal 500.000 Arbeitsplätze anbietet, aber 1.000.000 Strafen "ausspricht"... Dabei kann es heute jeden treffen, ob schuldig oder nicht siehe Schlecker, Quelle, Neckermann, Nokia usw...

  • Antworten
Jean Fairtique19.10.2012 | 01:46 Uhr

Sozialschmarotzer in Maßanzügen

Glückwunsch, Jana Illhardt, für diese ausgewogene Darstellung des Problems Langzeitarbeitslosigkeit.
Bei der Arbeitgeberseite ist eine möglichst große Zahl von Arbeitslosen, auch Langzeitarbeitslosen, durchaus erwünscht. So besteht immer die Möglichkeit, den Beschäftigten "unter der Hand" und diese zu disziplinieren.
Gäbe es eine Vollbeschäftigung, wäre es nicht mehr ohne weiteres möglich, Arbeitslose zu noch niedrigeren Löhnen zu beschäftigen als die Stammbelegschaften.
Es wird allerdings immer Menschen geben, die aufgrund körperlicher, geistiger oder psychischer Gebrechen nicht ins Arbeitsleben einzugliedern sind.
Dies sind eben kranke Menschen, und wir sollten uns hüten, diese als "Sozialschmarotzer" zu bezeichnen. Seien wir froh, gesund und "arbeitsfähig" zu sein!
Sozialschmarotzer sind vielmehr jene, die die Arbeitskraft anderer ausbeuten, also Unternehmer, die zwar satte Gewinne einfahren, ihre Belegschaften daran aber nur minimal beteiligen.

  • Antworten
Yvonne Walden19.10.2012 | 10:20 Uhr

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