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 > Die fragwürdige Promotion des Götz Aly

Berliner Republik

DoktorarbeitenDie fragwürdige Promotion des Götz Aly

Von Gunnar Hinck20. Oktober 2012
picture alliance
Götz Aly,Historiker,Doktorarbeit,meine kleine Guttenbergs
Götz Alys Promotion sei „kein Ruhmesblatt“ gewesen, sagt dessen Doktorvater heute
Schrift:

Der Politikwissenschaftler Götz Aly kämpft als Dozent der Freien Universität Berlin gegen Plagiate; und auch publizistisch jagt er die „kleinen Guttenbergs“. Dabei wäre seine eigene Doktorarbeit zu hinterfragen

Seite 1 von 3

Die Plagiate des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg brachten den Publizisten und Hochschullehrer Götz Aly auf eine Idee. Unter dem Titel „Meine kleinen Guttenbergs“ startete er in seiner Kolumne für Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau eine Art Serie. Darin widmete sich Aly nicht nur schummelnden Doktoranden und nachlässigen Prüfern, er nahm sich auch seine eigenen Studenten an der Freien Universität Berlin vor.

Einer aufgeflogenen Studentin las Aly offenbar gründlich die Leviten: „Tränen flossen, meine Mitarbeiterin reichte Taschentücher“, schrieb er. Den eigenen Kompetenzbereich großzügig auslegend, verlangte der Privatdozent und freiberufliche Lehrbeauftragte zwecks Prüfung sämtliche politikwissenschaftliche Seminararbeiten der Frau. Aly stellte weitere Plagiate fest und forderte „binnen einer Woche zehn Seiten darüber“, warum „und seit wann (…) sie auf diese schiefe – vor allem sie selber schädigende – Bahn geraten sei“.

Der schulmeisterliche Ton irritiert mit Blick auf Alys eigene akademische Wurzeln. Denn der Doktor, der heute Standards setzen will, hat einst selbst eine fragwürdige Dissertation angefertigt.

Götz Aly, der an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft und Soziologie studiert hatte, promovierte 1978 am Otto-Suhr-Institut. Die Arbeit ist eine Art Erfahrungsbericht über seine drei Jahre als Leiter eines Jugendfreizeitheims, das in der Nähe eines sozial schwierigen Neubaugebiets in Berlin-Spandau gelegen war: „Staatliche Jugendpflege und Lebensbedürfnisse von Jugendlichen – eine kritische Analyse der Arbeit des Amtes für Jugendpflege (Jug VI) der Abt. Jugend und Sport des Bezirksamts Spandau von Berlin in den Jahren 1972-1977“.

Wie viele, Linken radikaleN Ideen Verpflichtete strebte Götz Aly nach seinem Examen 1972 in die Praxis, um der reinen Theorie zu entfliehen. „Wer eine Sache nicht untersucht hat, der hat kein Recht mitzureden“ – mit diesem damals ausgiebig bemühten Zitat Mao Zedongs begründeten die Frankfurter Spontis ihre Schichtarbeit „beim Opel“, K-Gruppen-Kader ihre konspirative Mitarbeit in Betriebsräten und andere ihre Arbeit mit proletarischen Jugendlichen. Der junge Maoist Götz Aly ging nach Spandau, um „näher an die Menschen heranzukommen und sie, mit welchen Mitteln auch immer, zu bewegen, doch endlich loszuschlagen“, wie er in der Einleitung seiner Dissertation schreibt. Das erklärte Ziel der Spandauer Mission reflektiert die damals typische linksradikale Unterwanderungsstrategie: „Wir hatten einen Auftrag, mussten viel herauskriegen, viel anleiern, alle Konfliktmöglichkeiten ausnutzen, uns völlig frei bewegen können, überall Zugang kriegen, viel verraten, weder Misstrauen erwecken noch uns dabei erwischen lassen, sprich, keinen Anlass liefern herauszufliegen.“

Die Doktorarbeit bietet durchaus neue Erkenntnisse. Staatliche Jugendarbeit, so lautet die Essenz, sei nicht per se „repressiv“, sondern verschlimmere durch Passivität und Desinteresse die Probleme. Damit lag die Arbeit quer zu damaligen linken Dogmen.

Merkwürdig indes ist die Autorschaft. Denn die Doktorarbeit teilte sich Aly offiziell mit seinem Kommilitonen Udo Knapp, der ebenfalls in Spandau arbeitete. Knapp, letzter Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbunds SDS und viel später in Aufbau-Ost-Mission Vize-Landrat der SPD auf Rügen, war in der Behörde Referent für politische Bildung. Laut Inhaltsverzeichnis steuerten Aly und Knapp gleich lange Teile bei. Aly soll 151 Seiten geschrieben haben, Knapp 150 Seiten – da scheinen zwei Doktoranden ziemlich präzise auf eine gerechte Aufteilung hingearbeitet zu haben.

Seite 2: Warum zeigte sich Aly so freigebig?

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Dr. was? wozu?

Es fehlt nur noch dass der Titel vererbt wird.
Könnte man nicht einfach diesen Blödsinn weglassen?
Oder ist es Ersatz für irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe?
Und warum nur im Deutschsprachigen Raum?

  • Antworten
Tartarin20.10.2012 | 19:50 Uhr

gutgemeinter Ratschlag

Man kann auch Bunte lesen, wenn man von Cicero überfordert ist.

  • Antworten
Otto Meyer22.10.2012 | 21:09 Uhr

Nicht untypisch

Das schlechte Gewissen lässt die größten Sünder immer wieder zu den heftigsten Eiferern mutieren.

  • Antworten
gth20.10.2012 | 21:05 Uhr

Qualität

Ganz ähnlich wie bei Guttenberg ist die völlige Substanzfreiheit der Arbeit viel bemerkenswerter als das dubiose Zustandekommen.

  • Antworten
FFranz21.10.2012 | 13:42 Uhr

@FFranz

Das genau ist des Pudels Kern!

  • Antworten
Jonardo Tenner25.10.2012 | 20:02 Uhr

Interessante Person, dieser Aly

Keine Ahnung ob es das schlechte Gewissen ist, welches Aly bewegt. Ich glaube eher nicht. Wenn man verstehen will, welche Feinde Aly hat, sollte man sein Essay bei Perlentaucher lesen, da fasst er seine Erfahrungen einer Lesereise zusammen und rechnet schonungslos mit den Alt-68ern ab. Etwas ausführlicher habe ich es auf Glitzerwasser kommentiert.

  • Antworten
Quentin Quencher21.10.2012 | 14:59 Uhr

Ein Gutachter sagt,

die Arbeit stelle kein Ruhmesblatt dar. Dass muss sie auch nicht; aber sie sollte gewissen Standards genügen - was aber der Zweitgutachter auch in Zweifel zieht.

Zwei Verfasser, eine Gossensprache und ein anscheinend rein beschreibender (an der Uni müsste man sagen deskriptiver) Ansatz wecken doch Zweifel am ordnungsgemäßen Verfahren.

  • Antworten
Katharina K.22.10.2012 | 09:43 Uhr

unvollständiges Bild

Aha, das Imperium der "großen Profiteure und ihrer kleinen Hintersassen" schlägt jetzt also zurück. Erstens ist daran zu erinnern, dass Götz Aly nach Erscheinen seiner Dissertation eine Reihe von wissenschaftlichen Monographien vorgelegt hat, die jeweils als Qualifikationsschrift hätten eingereicht werden können. Er hat sich ja auch 1994 erfolgreich habilitiert. Seine Publikationen sind zwar umstritten und lösen Kontriversen aus, sind von ihrer rein wissenschaftlichen Qualität her aber über jeden Zweifel erhaben.

Zweitens fand ich die Kolumne über die kleinen Guttenbergs sehr erfrischend. Sicherlich schwang da bei Aly auch viel persönliche Verbitterung mit, zumal seine Almer Mater, der er einst den Dr. Titel verdankte, ihm ja später die Professur verweigert hat. So sehr er also damals von jenem System profitiert haben mag, dass er heute anklagt, so sehr hatte er später unter eben diesen System zu leiden, weil es eben nach ideologischen Standards bzw. denen der politischen Kumpanei verfährt und nicht nach qualitativen Kriterien. Will heissen: Die Promotion hätte die FU Aly seinerzeit aus guten Gründen verweigern können, nicht aber später die Professur. Dass es genau umgekehrt gekommen ist, zeigt, dass Aly mit seiner Analyse über die kleinen Guttenbergs bzw. über die "großen Profiteure" und ihre "Hintersassen" an unseren heutigen Universitäten druchaus richtig lag.

  • Antworten
W.22.10.2012 | 12:45 Uhr

Neue Entwicklung

Das wäre doch einmal ein interessanter Ansatz, Doktorarbeiten auch von Leuten links der Mitte in den Blick zu nehmen. Vorsicht, Cicero-Journalisten! Im Vorwahlkampfmodus können solche Ideen ganz schnell zum Karierehindernis werden. Also immer fein im Guttenberg-Modus bleiben.

Wer schon einmal eine größere Menge von Doktorarbeiten besonders der späten 60er- und 70er- Jahren aus den sog. geisteswissenschaftlichen Fächern gelesen hat, fragt sich so häufig, wie man mit solchen ideologischen Machwerken bar jeden wissenschaftlichen Gedankens überhaupt promoviert werden konnte. Viele von diesen Leuten haben Karriere gemacht. Das sind weit gravirendere Vorkommnisse als reine Textübernahmen. Interessiert niemanden. Die Plagiatsbefunde sagen ja überhaupt nichts über den sachlichen Gehalt und die Leistgung in einer Promotion aus. Die Abschreiberei ist unschön und sollte stärker unterbunden werden. Aber: In welcher Promotion steht denn wirklich etwas neues? 20-30% in der neueren Geschichte, höchstens. Abhängig vom Fachgebiet und den Kenntnissen des Prüfers. Das ist auch nicht der grundlegende Befähigungsnachweis bei einer Dissertation. Man sollte die Noten entsprechend herabsetzen, statt unter dem Druck öffentlicher Tribunale willkürlich Doktortitel zu entziehen. Die Universitäten machen sich damit komplett lächerlich. Journalisren können sich nicht lächerlich machen, weil man bei ihnen prinzipiell von einer gewissen Ahningslosigkeit gekoppelt mit Neid und Verfolgungseifer ausgehen muß. Ausnahmen sind eher selten, im Online-Journalismus so gut wie nicht vorhanden.

  • Antworten
Otto Hildebrandt22.10.2012 | 22:49 Uhr

Plagiator & Hochstapler

Wieviel Neues enthält eine typische Promotionsarbeit und was darf man von diesen "Geisteswissenschaften" erwarten ?
Wen diese Frage genügend beantwortet ist sollte dich die Frage was von "diesen Geisteswissenschaftlern" zu erwarten ist selbst beantworten.
Persönlich glaube ich wir benötigen in der Gesellschaft das schlechte und Mittelmaß und ihre Protagonisten exponiert dargestellt - denn die Zahl der Komplexe würde einfach zu hoch werden wenn zu häufig dargelegt wird was möglich ist. Möglicherweise einer der gründe wesswegen Aly und Co. so häufig in den Medien prässent ist - Gute Leute hätten nicht einmmal die Zeit in dieser Frequenz aufzutreten - sie schicken Ihre zweit und drittklassigen Kasperl.

  • Antworten
Grottenberg 25.10.2012 | 16:01 Uhr

Professor ?

@W., was ist denn ein "Professur"? Weder gibt es so etwas, noch kann man das "verweigern".

Wenn ich es richtig sehe, hat ihm die FU keine Stelle als *apl* verschafft ... ein "Schicksal", das er mit Tausenden von Habilitierten teilt. Dafür dürfte es- neben seiner sehr spät eingereichten Habilitationsschrift - Gründe geben.

Es dürfte allerdings auch Gründe dafür geben, warum nun ausgerechnet Aly ab Mitte der 90iger, im Spätherbst seiner beruflichen Laufbahn, so eine schöne publizistische und mediale Karriere machen durfte. Das als "unter dem System leiden" zu bezeichnen, ist schon ziemlich amüsant.

  • Antworten
derherold25.10.2012 | 22:29 Uhr

Götz Aly

Was auch immer da vor mehreren Jahrzehnten in Berlin im Zusammenhang mit der Promotion gelaufen ist, interessiert mich überhaupt nicht angesichts der in den letzten Jahren erschienenen Publikationen von Götz Aly. Ich empfehle z.B. sein letztes Buch "WARUM DIE DEUTSCHEN? WARUM DIE JUDEN?" jedem zur Lektüre, insbesondere jedem (Geschichts-)Lehrer, aber auch jedem Politiker, der zu wissen glaubt, wo die Quellen für den Judenhasse lagen und liegen und sich in seinem schwarz-weißen Weltbild wohl fühlt. Journalistisch-flotte Schreibe, o.k. aber das ist aufklärender Journalismus vom Feinsten!

  • Antworten
R. Knelegu27.12.2012 | 20:27 Uhr

Interessante Story, aber

Interessante Story, aber vermutlich einer von Tausenden. - Mal abgesehen davon basiert mir die Story zu wenig auf dargelegten Fakten. Zumindest exemplarische Textstellen oder ein Link zu solchen wären sinnvoll, um sich ein Bild zu machen.

  • Antworten
Swantje04.02.2013 | 18:59 Uhr

Wie bitte?

Hallo Swantje,

die zitierten Textstellen und die plausible Umfeld"story" belegen doch zumindest den Taverdacht, daß hier eine politische Seilschaft von Möchtegerndotores zum Zuge kam.

Mehr als das Gelieferte kannst du von dem Artikel/Autor eines politischen Meinungsmagazines nicht fordern - nicht wirklich.

Zumal offenbar nicht einmal G.A. selbst eine Unterlassung des im Artikel explizit geäußerten Täuschungsvorwurfes verlangt hat.

Na dann!

  • Antworten
eku-pilz22.03.2013 | 01:48 Uhr

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