Angela Merkel - Wer wird der deutsche Sebastian Kurz?

Jeder deutsche Nachkriegskanzler hatte sein Etikett. Adenauer die Westbindung, Brandt die Ostverträge. Aber wofür wird Angela Merkel einst stehen? Zuwanderung und Kontrollverlust, schreibt Hans-Hermann Tiedje in einem Gastkommentar für die „NZZ“ und fragt: Wer wird ihr folgen?

Merkels Glück: Ihr grösster Antipode Sebastian Kurz kann nicht ihr Nachfolger werden / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Hans-Hermann Tiedje, früherer Bild-Chef mit Markenzeichen: Zigarre, setzt sich in regelmäßigen Abständen in deutlicher Form mit der deutschen Bundeskanzlerin auseinander. Sein jüngstes Werk in der Neuen Zürcher Zeitung, „Merkel und ihr Schattenmann“, übertrifft die vorangegangenen noch an sprachlicher Schärfe und Unerschrockenheit. Das ist hierzulande beides in der Ära Merkel selten geworden gegenüber der Instanz des Bundeskanzlers, der mächtigsten Person der deutschen Politik. Zu Zeiten Helmiut Kohls schoss etwa der Spiegel aus allen Rohren, das gehörte beim Hamburger Nachrichtenmagazin einfach dazu, und auch Gerhard Schröder konnte sich, einmal im Amt, über zu wenig medialen Gegenwind nicht beklagen.

Mächtigste Frau der Welt? Lange her

Anders bei Angela Merkel, der bis hin zur TAZ  fast durchweg gewogen begegnet wird. Umso erfrischender ist daher Tiedjes Karambolage, gespielt über die Schweizer Bande. Pointiert stellt er fest: „Mächtigste Frau der Welt? Lange her. Jetzt moderiert sie, quasi als Erste Conférencieuse, ihr Kabinett. Auf viele wirkt sie inzwischen wie eine Grabplatte, die sich auf Deutschland gelegt hat.“

Das Denken und Schreiben in kurzen markanten Sätzen hat der Boulevardmann nicht verlernt. Im Gegenteil. Und egal, ob man seine Meinung teilt oder nicht: Diesen Text zu lesen ist, als stellte man sich nach einer ermüdenden Wanderung unter einen kleinen Wasserfall eines eiskalten und kristallklaren Alpenbaches. Danach ist man hellwach und der Kreislauf auf Touren.