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 > Schafft den Euro ab!

Weltbühne

Europa-KriseSchafft den Euro ab!

Von Ludwig Poullain31. Oktober 2012
picture alliance
Euro,Europa,Krise,Unruhe,Finanzen,Merkel,Troika,Ende
Nach 1945 begannen die Völker, Gefallen daran zu finden, friedlich nebeneinander zu leben. Dann wurde der Euro erfunden
Schrift:

Das Ende des Euro rückt näher. Er treibt die Völker wieder auseinander. Neid, Missgunst, Verachtung, selbst Hass sind wieder lebendig geworden. Ludwig Poullain über Erlebtes und Wahrgenommenes, Gedachtes und Empfundenes und ein hieraus erwachsenes Stoßgebet

Seite 1 von 3

Ich bin ein Unstudierter. So sehr ich auch in meinem langen Leben akademisches Wissen schmerzlich vermißt habe, in diesen Zeiten bin ich glücklich, in meinem Denken nicht durch Ballast behindert zu sein. Eine solch chaotische Phase wie die jetzige durchlebte die Menschen Mitteleuropas wohl noch nie. Drum kann auch über die Beherrschung einer solchen Krise nichts im Lehrbuch stehen.

Für mich gilt als Gesetzmäßigkeit, dass verschiedenartige Volkswirtschaften nicht unter dem Dach einer gemeinsamen Währung leben können. Also wird der Euro einem ständig wachsenden Druck der sich hieraus entwickelnden zentrifugalen Kräften ausgesetzt sein. Ihm wird er nicht standhalten. Sein Ende rückt näher.

Die These der Kanzlerin, das Scheitern das Euros würde das Ende Europas zur Folge haben, hat sich im Gedächtnis ihres Volkes festgesetzt. Mit der in ihrer so genannten Regierungserklärung eingebundenen Beförderung des Euro vom Zahlungsmittel zum Symbol eines vereinigten Europas hat sie eine weitere Pirouette in ihrer Kunst, Spuren zu verwischen, gedreht. Mich erschreckt, zu welch simplen Tricks sie inzwischen glaubt greifen zu müssen.

Mit der Übermittlung der Nachricht an einen Zahlungsunfähigen, er, sein Gläubiger, würde ihn vor der Insolvenz bewahren, stattet er ihn mit einem unbegrenzten Erpressungspotential aus.  (Schäuble, Minister der Finanzen, Singapur, Oktober 2012: „I think there will be no Staatsbankrott in Greece“) Vor seiner Abreise ist er noch vom Gegenteil ausgegangen. Hierzu passt Peter Sloterdijk: „Prinzipien sind drehbare Geschütze, mit denen man in jede Richtung schießen kann“.

Die aus Abgestellten der EZB, des IWF und der Brüsseler Behörde gebildete Troika hat sich in Athen festgesessen. Ihre Arbeiten werden sie längst abgeschlossen haben, wie auch deren Ergebnisse – sie können nicht anders als schlecht bis verheerend lauten – feststehen dürften. Derweil verkünden ihre Auftraggeber, nicht eher über die nächste Tranche für Griechenland entscheiden zu können, bis ihnen der Bericht der Troika vorliegt. Es liegt nicht an der Postverbindung, dass sie ihn noch nicht zur Kenntnis genommen haben. Vielmehr werden sie einen ihnen günstig erscheinenden Zeitpunkt abwarten, um der Troika das von ihnen für ihre Zwecke passend gemachte Ergebnis als das Resultat ihrer vor Ort angestellten Recherchen aufzuerlegen. Dieses wird zwar nicht der Wirklichkeit entsprechen, jedoch die Spender legitimieren, den Griechen weiteres Geld zum Versenken zu überweisen.

Ich denke, alle Klarsichtigen dieses Landes wissen, dass Griechenland nie und nimmer die ihm zugeflossenen Hilfsmittel zurückzahlen kann. Zählen die uns  Regierenden nicht zu diesem Kreis, oder handeln sie vorsätzlich gegen ihr besseres Wissen? Oder wollen sie sich damit Zeit kaufen, etwa bis zur nächsten Bundestagswahl, auf dass das tumbe Volk nicht vorher durch die Offenbarung effektiver Verluste aus seiner Starre aufgeschreckt wird?

Unsere Gesellschaft ist bequem, sie lässt sich in ihren Lebensgewohnheiten, sei es Alltagstrott oder Highfidelity, nicht stören. Nebenher schleppt sie eine panikartige Angst vor dem Ungewissen mit sich, jedoch ist sie zu feige, ihr zu begegnen. Dies kommt in dem von Allensbach erfragten Umfrageergebnis zum Ausdruck, dass 69 Prozent unserer Bevölkerung nichts von der Staatenschuldenkrise verstehen. Etwa gleich hoch ist der Beliebtheitsgrad der Kanzlerin im Volke. Für mich besteht zwischen beiden Werten ein kausaler Zusammenhang.

Kürzer und präziser als Ökonomen dies vermögen, können Philosophen die Verfassung unseres Kontinents beschreiben. Noch einmal  Peter Sloterdijk: „Die Flutung der Geldmärkte ist erfolgt. Die Entwässerung scheitert wie gewohnt.“ Schon vor dreißig Jahren hat Johannes Groß diesen hohen Pegelstand prophezeit: „Das Hauptproblem der Weltwirtschaft wird der Mangel an Knappheit sein. Den hat die Menschheit noch nie gekannt.“ Die in diesem genialen Gedankensplitter versteckte Warnung hat sie nicht verstehen wollen. Politiker und Notenbänkler haben die hieraus zu ziehende Konsequenz sogar auf den Kopf gestellt. Hieraus, wiederum, haben Finanzjongleure ihren Profit ziehen können.

Seite 2: Unsere Politiker handeln frei nach dem Werbeslogan eines mittelalterlichen Ablasspredigers

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Herzlichen Dank, Herr Poullain

Und ich sage ja zu allem, was Sie schreiben. Aber was erwarten wir von einer Kanzlerin, die zwischen Uckermark und Moskau lediglich einen guten Joghurt vermisste? Die in den fast 40 Jahren Sozialisation innert der DDR ihr Demokratieverständnis dahin brachte, nun eine marktkonforme Demokratie zu fordern. Die lt. Nigel Farage sinngemäß sagte, „Nein, Herr Farage, wenn Griechenland den Euro verlässt, würden alle Länder das machen, und das wäre das Ende unseres europäischen Traumes.

Es ist uns vollkommen egal, ob die Jugendarbeitslosigkeit 60 % erreicht. Es ist uns vollkommen egal, ob 25 % der privaten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren zusammenbrechen. Frei heraus gesagt, ist es uns auch völlig egal, ob ganz Griechenland zusammenbricht, solange wir das europäische Projekt halten können."

Was also erwarten wir von Merkel? Ich persönlich gar nichts, ebenso wenig von der sogenannten Opposition, die, wie Sie völlig richtig bemerken, in die CDU eingegliedert werden könnte. Dass wir von allen nach Strich und Faden belogen werden, scheint aber noch immer nicht allen Mitbürgern klar zu sein. Dank der Medien wird sich das Verständnis wohl auch nicht einstellen. Lieber stellt man sich dumm, versteht nichts von der Eurokrise und hofft, dass Merkel schon irgendwie alles richtig machen wird.

Diesem Trugschluss sitze ich nicht auf, ich werde bei der BT-Wahl eine eurokritische Partei wählen. Eine andere Möglichkeit des Protestes habe ich nicht, außer mich bei allen möglichen Vereinen und Institutionen, die gegen den Rettungswahn u.ä. vorgehen, zu engagieren.
Aber auch das ist einer Merkel völlig egal, man denke nur an ihren Auftritt in Stuttgart zur OB-Wahl. Noch deutlicher kann man seine Verachtung des Bürgers nicht zeigen.

  • Antworten
-simon-31.10.2012 | 15:34 Uhr

Super Top

In den letzten vier Jahren habe ich mehrere tausend Artikel zur Eurokrise gelesen. Diesen Artikel würde ich zu den drei Besten zählen!!! Mutig, treffend, einprägsam - einfach gut! Herzlichen Glückwunsch an den Autor L.P. und an der Verlag.

  • Antworten
Dieter Audehm31.10.2012 | 18:47 Uhr

Der Euro ein Machwerk

Herr Poullain, Sie haben sich mit dem politischen Europa und dem Euro erneut in einem längeren Beitrag für Cicero-online beschäftigt. Ihnen war das Thema sicher nicht vorgegeben, von daher erneut diese erfrischende Unabhängigkeit im Denken. Vielen Dank dafür! Ich verstehe Ihren Beitrag auch als Reaktion aus Enttäuschung über die Ergebnisse der Währung Euro. Der Euro als ein fixierter Zweck. Nun liegt er da, im einstigen Triumph der kompakten stabilen Zweckmäßigkeit krass getroffen und gebrochen. Als die Arbeiter entlassen wurden, weil die Zwecke ihrer Arbeit nicht mehr bezahlt werden konnten, sind auch die Zwecke des Euro obsolet geworden und auf eine neue Formierung, wenn überhaupt möglich, angewiesen. Er ist nur noch da und verstellt die Wege für neue weiterführende lebensweltliche Konzepte. Es sind immer wieder diese größenwahnsinnigen und allmächtigen Welt-Entwürfe und letztlich Menschen-Experimente der Politik, die dann eines Tages sich belehrt finden, dass ihr Verhältnis zur Wirklichkeit eine Illusion und Fiktion ist. Es ist auch die Welt der Begierden, die in den Experimenten zu erkennen sind, um sie zu benutzen. Heute breitet sich im Süden des europäischen Kontinents die Landschaft der Melancholie aus. Es ist eine geschichtlich zuende gekommene Landschaft durch den Euro. Dort findet ein unaufhaltsamer Rückzug der Zeit statt. Durch Entleerung, durch Verlassen, nicht durch Zerstörung. Dadurch entstehen Trauerlandschaften. Nicht Verfall, sondern Vereinsamung ist das Kaputte, durch Liebensentzug des Krisen radikalisierten Kapitals. Gesteigert wird dieses Panorama noch durch die blinde Gemütstreue ihrer Einwohner. Aber sie haben ihre Betrachter gefunden, die beim Anblick dieser ruinierten Landschaft aufgeschreckt, die gegenwärtige Politik nicht mehr erträgt. Die legt nur noch Bühnenverhalten an den Tag, man tritt auf und wieder ab. Das für uns aufgeführte Stück kann nur noch als eine Art Gesellschaftsspiel betrachtet werden. Da stehen Schauspieler auf der Bühne, die jetzt mit ihren Irrtümern konfrontiert werden, die im Süden Europas menschliche Tragödien auslösen. Populistische Entertainer und Talkmaster, die nur noch im Dienste der ideologischen Klassenauseinandersetzung stehen, weil sie alle in ihren zusammengebrochenen Denk-Konventionen verstrickt sind. Der einzige Ausweg ist dann nur noch die totale Vernichtung, wie Sie als Zeitzeuge auch berichten, mit den verheerenden Auswirkungen und Folgen.

  • Antworten
bernhard jasper31.10.2012 | 20:13 Uhr

Schafft den Euro ab

Sehr geehrter Herr Poullain, ich habe in letzter Zeit wenige gute Artikel von diesem Klasse gelesen und ich lese viel, sehr viel. Ich habe mich aber auch schon des öfteren mit Politikern unterhalten sofern sie nicht durch Bodyguards vom Volke abgeschirmt wurden. Sie sind in einer Denke verhaftet, dem Neoliberalismus, daß sie gar nicht anders können, als eine TINA (There is no Alternativ) Politik zu machen. Sie sind nicht geistig flexibel und können nicht anders denken. Durch kognitive Dissonanz, einer nicht vorhandenen zeitlichen Vorstellungskraft und der Religion werden sie Europa mit 300kmH vor die Wand fahren. Es liegt einzig alleine in der Hand der Bürger endlich Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen, von unseren Eliten können wir so etwas nicht erwarten. Sind wir nicht bereit dazu wird es ein schlimmes ENde nehmen. Wir müssen uns von der Politik emanzipieren und ihr Einhalt gebieten, sie ist eh schon zu mächtig geworden. Die ganze EU ist einzig eine nicht demokratisch legitimierte Veranstaltung die es abgeschafft zu werden gilt. Wir sollten uns mit Alternativen einer humanen Wirtschaft dir für den Menschen da ist beschäftigen und nicht mit einer Wirtschaft die nur noch alle Länder der Erde ausbeutet und die Erde unbewohnbar macht. Lasst uns neu denken, lasst uns mit der Freiwirtschaft beschäftigen.
Danke für diesen Artikel !!!!

  • Antworten
catweazel31.10.2012 | 21:06 Uhr

Artikel Poullain

Herrn Poullain ist uneingeschränkt zuzustimmen. Was soll man von einer solchen wertemäßig verrotteten DDR-Kreatur wie Merkel schon erwarten?! Der deutsche Michel ist mal wieder zu blöd die Zeichen der Zeit zu erkennen.

  • Antworten
Michael Klein31.10.2012 | 21:11 Uhr

Der Widerstand wächst

In der Geschichte des vorigen Jahrhunderts gab es deutsche Versuche, die Welt, und vor allem erst einmal Europa, am deutschen Wesen genesen zu lassen. Wir wir wissen ging das schief, zweimal mit katastrophalen Folgen nicht nur für Deutschland.
Wir werden wieder mit einem ähnlichen, wenn auch diesmal nicht mörderischen Phänomen konfrontiert. Ich glaube nicht, dass sich die Völker Europas dies auf die Dauer bieten lassen werden, der Widerstand gegen die Kunstwährung Euro wächst überall, insbesondere im Süden. Es kristallisiert sich sogar mancherorts eine feindselige Stimmung gegenüber der Merkel-Regierung und dem System, das sie vertritt.

  • Antworten
von Schnittlauch31.10.2012 | 21:40 Uhr

Stimmt

Was ich wiederholt beobachten und lesen kann ist, dass es trotz Presse und Staats-Fernsehen in Deutschland immer noch Menschen gibt, die klar denken und präzise schreiben können. Wunderbar! Aber was hilft es wenn es nur einem kleinen Zirkel zur Kenntnis kommt?
Was -simon- schrieb ist ebenfalls richtig. Er weiß was er tun wird. Aber was unternehme ich? Wo soll ich mich einsetzen, wo und wie soll ich mich wehren?
Womöglich bin ich ratlos.

  • Antworten
Wolfgang P. M. Strubel31.10.2012 | 21:41 Uhr

@Wolfgang P.M. Stubel

Sehr geehrter Herr Strubel,

Zitat: "Wo und wie soll ich mich wehren?"

Nutzen Sie Ihr in dieser Demokratie verbrieftes Recht auf Ihre freie Meinungsäußerung. Informieren Sie Ihren Familien- und Freundeskreis und werden Sie nicht müde darin, auf diese "Volksverdummung" aufmerksam zu machen. Gehen und / oder nutzen Sie die Partizipation an Demonstrationen. Äußern Sie Ihre Meinung in Kommentaren in den Medien. Und dann - gehen Sie wählen und zeigen Sie den total von den Lebenswirklichkeiten entrückten politischen "Eliten", was Sie von diesen halten - wählen Sie diese ab!

Sie schaffen das ;)

Mit freundlichen Grüßen

D. Jankovic

  • Antworten
Dragan Jankovic01.11.2012 | 09:47 Uhr

Hier können Sie mitmachen, Herr Strubel

Hallo Herr Strubel,
Sie können bei Mehr Demokratie mitmachen, bei der Zivilen Koalition der Frau von Storch, Bündnis Bürgerwille oder bei der Wahlalternative 2013. Es gibt sicher noch etliche mehr, die sich gegen den Euro, den Rettungswahn, ESM usw. engagieren. Googeln hilft weiter.

  • Antworten
-simon-01.11.2012 | 23:58 Uhr

Schafft den Euro ab!

Sehr geehrte Herr Ludwig Poullain,

vielen Dank für Ihren Artikel und Ihre Gedanken.

Es hat mich sehr gefreut, dass nicht alle Menschen diesen "Puppenspielern" in ihren komplett abgehobenen Regierungen mit ihrer Kapitalpolitik für Banken, Industrie und Wirtschaft auf den Leim gehen.

Ich wünsche mir von Ihnen auch weiterhin, dass Sie Ihre eigene Meinung so vertreten, wie Sie es hier tun. Das tut uns allen gut und Gutes ;)

Mit freundlichen Grüßen

D. Jankovic

  • Antworten
Dragan Jankovic01.11.2012 | 09:37 Uhr

Vielen Dank Herr Poullain.

Ich möcht Sie zu Ihrer Klarsicht und Ihrem Mut beglückwünschen. Jeden Satz den Sie (auch in vorhergehenden Artikeln) zum Thema formulieren, kann man als normal denkender Mensch nur unterschreiben.
Es bleibt die Hoffnung, dass es immer mehr weden, die endlich aufwachen. Bitte machen Sie weiter so.

  • Antworten
Domingo01.11.2012 | 09:44 Uhr

??

Die Tätigkeiten unser Politiker sind mit Sicherheit viel zu oft Scheinaussagen, die die Illusion eines Diskurses aufrecht erhalten sollen. Aber eben weil sie so einfach zu durchschauen sind, lässt sich doch recht gut verfolgen, was sie wirklich tun. Daran ist einzig verwerflich, dass sie damit die Volksnähe vollständig aufgeben und nur einigermaßen gebildete Menschen ihre Entscheidungen verfolgen können.
Was die Gretchenfrage der Eurorettung angeht, möchte ich hier mal die Stimme der Jugend ins Boot werfen und ich sehe nicht wer mehr gehört werden sollte, wenn es um die Zukunft in Europa geht. ICH möchte, und viele meiner Altersgenossen sehen das ähnlich, nicht in einem Europa leben, das keine gemeinsame Währung hat. Wenn sich die Volkswirtschaften nich angleichen lassen, wird Europa auf absehbare Zeit keine Einheit. Keine Einheit bedeutet bloße Verhandlungsmasse größerer Einheiten in der Welt zu werden. Vor diesem Szenario habe ich weit mehr Angst. Dann wird der Wissensstandort Europa sich den technologischen Vorsprung bald nicht mehr leisten können. Was uns, oder sagen wir besser meine Generation, dann erwartet, ist die Angleichung an die restliche Welt (wie auch immer das dann aussehen mag). Aber mit Ihrer Logik könnte man auch im ehemaligen Ostdeutschland die Mark wieder einführen, weil ja das Wirtschaftsniveau dort immernoch niedriger ist, als im Westen der Republik. Der Euro hat ein Definitionsüberschuss gegenüber der Realität. Er zeigt eher an wie es sein soll, nicht wie es ist. Das tun Gesetze, Ideale usw. aber immer. Solange es irgend möglich ist, diesen Euroraum zu erhalten, will ich das der Versuch dahingehend unternommen wird, weil ich mir meine Zukunft nicht von irgendwelchen Kapitalisten kaputt machen lassen will. Und ich bin, obwohl ich akademische Bildung genieße, nicht in der Lage zu behaupten die Politiker laufen in die Irre, nur weil man die Folgen der Handlungen nicht genau absehen kann. Es mag sein, dass die Zeiten in denen man Folgen genau abschätzen konnte schlicht in dieser Globalisierten Welt vorbei sind, aber ich glaube Sie machen sich Illusionen, wenn sie glauben Politik hätte jemals anders funktioniert.

  • Antworten
Ingo Kognito01.11.2012 | 10:19 Uhr

Der Euro repräsentiert nicht Europa!!!

@Ingo Kognito
In Ihrem Beitrag ist die typische Gleichsetzung von Eurozone mit „Europa“ spürbar, so wie es die Kanzlerin ja beispielhaft, und leider beispiellos falsch, in dem Satz „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“ formuliert hat. Dazu Folgendes:
1. Vielleicht sind sie ja so jung, dass Sie es nicht wissen können, aber es gab eine EU, die die europäischen Interessen vertreten hat, vor der Einführung des Euro. Diese EU wird es auch geben, falls es den Euro nicht mehr geben sollte. Mit keinem Wort hat Herr Poullain übrigens die Existenz der EU in Frage gestellt. So viel Differenziertheit sollte schon sein, auch bei Ihnen.
2. Und jetzt muss ich Ihnen eine traurige Mitteilung machen: Sie leben schon in einem Europa, dass keine einheitliche Währung hat. Innerhalb der EU haben z.B. Großbritannien, Schweden, Polen, Tschechien und Dänemark (also durchaus wirtschaftlich starke Staaten) eine eigene Währung. Und innerhalb Europas (ja, nicht einmal die EU ist gleichzusetzen mit dem Begriff „Europa“, weshalb das o.g. Kanzlerinnenwort ja auch so einzigartig falsch war) gibt es Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen oder die Ukraine, die immer noch eine eigene Währung haben. Wo läge denn Ihr Problem, wenn es z.B. keinen Euro mehr gäbe (oder eine verkleinerte Zone), dafür aber eine starke und Europa gut repräsentierende EU?
3. Sie schreiben, dass man auch in Ostdeutschland die Mark wieder einführen müsste, weil der Osten immer noch wirtschaftlich schlechter abschneidet. Welch ein Vergleich: Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums zwischen 1988 und 1992 hat zu ungewöhnlichen und ökonomisch nicht immer optimalen Maßnahmen geführt. Das Umschalten von 40 Jahre sozialistischer Planwirtschaft auf ein kapitalistisches System in der Wiedervereinigung hat eigentlich nichts mit dem freiwilligen Zusammenschluss souverän bleibender Staaten zu einer Währungsunion zu tun. In Ostdeutschland wird meiner Erinnerung nach immer noch die gleiche Sprache gesprochen, es gelten gleiche bundesrepublikanische Gesetze und es gibt einheitliche Wertvorstellungen. Das Eurozonen-Konglomerat ist Lichtjahre von diesem Zustand entfernt und wird es in absehbarer Zeit auch nicht erreichen. Im Übrigen könnten Sie dann auch fordern, dass Süditalien aus der Eurozone austritt, weil Italien es seit 150 Jahren nicht schafft, hier einheitliche Verhältnisse hinzukriegen. Genau das verbietet Ihnen aber Ihre politische Einstellung, denn für Sie ist diese Währungsunion ja irreversibel. Oder würden Sie den Austritt der Süditaliener aus wirtschaftlichen Gründen – und es gäbe bessere Gründe dafür, als für einen Austritt Ostdeutschlands aus dem Euro - etwa gut heißen?
4. Sie schreiben „Keine Einheit bedeutet bloße Verhandlungsmasse größerer Einheiten in der Welt zu werden“. Aber eine einheitliche Währung in „Europa“, was immer Sie jetzt darunter verstehen wollen, würde uns zu einer Art globalen Großmacht werden lassen, die man nicht mehr herumschubsen kann? Muss ich Sie so verstehen? In einer globalen Perspektive würden die EU-Europäer (wie gesagt, hier gibt es keine einheitliche Währung) sehr viel kraft- und machtvoller erscheinen, wenn sie es endlich schaffen würden, eine gemeinsame Außenpolitik zu formulieren, eine gemeinsame Verteidigungsarmee einschließlich gemeinsamer Kriseninterventionskräften zu installieren und den ständigen Sitz Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat in einen europäischen Sitz umzuwandeln. Aber raten Sie mal, wer hier größte Bedenken hat, eine solche europäische Politik zu betreiben? Richtig, in Frankreich kann man es hinnehmen, dass in Brüssel die erlaubten Krümmungsgrade von Gurken und Bananen festgelegt werden und dass die Energieeinsparung durch den Verbot der Glühbirnen in ganz EU-Europa „vorangetrieben“ wird, aber nicht im Traum würde Frankreich daran denken, EU-Europa über eine Aufgabe seiner eigenen Sonderstellung im UNO-Sicherheitsrat als einheitliche Macht zu präsentieren. Das sollte Ihnen eigentlich mehr Sorgen machen.

  • Antworten
Grinario01.11.2012 | 15:15 Uhr

1. Ihr Stil ist

1. Ihr Stil ist selbstgefällig. Schön, dass sie mir wiederum eine Kritik unterstellen, die ich nicht getätigt habe. An welcher Stelle setze ich Euro mit EU gleich? "So viel Differenziertheit sollte schon sein"....

2. Ist der Euro ein Projekt der EU, dass selbst einen gewissen Wert besitzt. Wie ich schon sagte besitzt der Euro einen Definitionsüberschuss, ähnlich wie die Erklärung der Menschenrechte. Den Euro aufzugeben wäre nicht das Ende der EU, aber das Endes des Versuches die Wirtschaften Europas anzugleichen. Die Eurozone ist eine der größten Zonen der EU, ob Schweden, England etc. nicht im Euro sind ändert jawohl nichts daran, dass diese Zone selbst ein nicht unerhebliches Grwicht dar stellt.

3. Dass die EU an sich noch nicht das außenpolitische Gewicht besitzt, das sie haben könnte, liegt nicht am Euro? Was hat der EURO mit der Außenpolitik der EU zu tun? Wenn die Europäer keine gemeinsame Währung haben wird eine gemeinsame Armee wahrscheinlicher?

4. Was ich in Ihren und den Kommentaren Ihrer Mitstreiter herauslese ist, unter einer freundlichen effektiven Brille, zusammengefasst "Der Euro ist ein Projekt mit ungewissem Erfolg und zu hohen Risiken". Wenn man über dieses Narativ ernsthaft diskutieren möchte, braucht man nicht annähernd so viele Worte.

5. Wenn Unterschiede in der wirtschaftlichen Verfasstheit dazu führen, dass eine gemeinsame Währung unmöglich ist, dann frage ich mich wie die Chinesen und Amerikaner das eigentlich hinbekommen? Was Sprachbarrieren mit einer Währung zu tun haben erschließt sich mir wiederum nicht.

6. Die Frage, die hier eigentlich diskutiert werden muss. "Überwiegen die Kosten die Nutzen des Euro", muss auch anhand der Tatsache betrachtet werden, welchen großen Nutzen der Euro bisher hatte. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass man den Euro abschaffen kann, und die kleinen sowie Mittelständischen UNternehmen würden diesen Schock überleben? Wenn die Deutsche Wirtschaftskraft mit der Mark neu bewertet würde, gäbe es die Wachstumszahlen, die sie leider braucht bald nicht mehr. Es mag sein, dass die EU einen fatalen Kurs eingegangen ist, aber es sollte allen beteiligten klar sein, dass es jetzt heißt "Wachsen oder Schrumpfen", aber sie müssen den Schrumpfungsprozess ja vermutlich auch nicht mehr ausbaden.

  • Antworten
Ingo Kognito02.11.2012 | 17:12 Uhr

Da haben wir wohl einen Dissens

Zu 1. Über Stilfragen lässt sich trefflich streiten, ich sehe es zum Beispiel als heuchlerisch an, wenn Sie die „Jugend ins Boot werfen“ und dabei geflissentlich übersehen, dass die jetzige Form der Euro-Rettungsschirmpolitik gerade der Jugend eine Last aufbürdet, für die sie in Zukunft teuer bezahlen wird. Die deutsche Fähigkeit zu helfen wird hier eindeutig überdehnt. Die Haftungssummen, die gerade auf die „Jugend“ zukommen werden, sind unglaublich hoch und in Zukunft nicht zu stemmen.
Sie schreiben (in 4.): „Wenn man über dieses Narativ ernsthaft diskutieren möchte, braucht man nicht annähernd so viele Worte.“ Ist das nicht auch süffisant oder rechthaberisch? Im Eifer des Gefechts gibt es eben bestimmte Übertreibungen. Gleich die Stilfrage zu stellen, ist kein guter Stil. Aber ich bin ja schon froh, dass Sie mich nicht als Nationalisten titulieren.

Zu 2. Sie schreiben: „ICH möchte, und viele meiner Altersgenossen sehen das ähnlich, nicht in einem Europa leben, das keine gemeinsame Währung hat.“
Welches Europa meinen Sie denn jetzt? Wie soll man diesen Satz anders interpretieren, als dass hier die Währungsunion mit Europa gleichgesetzt wird. Diesen Vorwurf müssen Sie sich gefallen lassen, auch wenn Sie diese Gleichsetzung in Ihrer Antwort mit einem absolut nicht definierbaren „Definitionsüberschuss“ rechtfertigen wollen. Was Sie damit meinen, ist vielleicht mit dem Begriff „Vision“ zu bezeichnen. Der Euro, so meinen Sie, enthält eine Vision, ein Versprechen auf ein noch viel besseres Europa, als es jetzt besteht. Und hier gehen wir leider völlig auseinander. Meine Vision von Europa enthält eben keine Vorstellung von einem zentral wirtschaftsregierten Brüssel-Europa, in dem die Krümmungsgrade von Bananen und Gurken und andere, sehr viel besser lokal definierbare Sachverhalte geregelt werden, in dem über diesen riesigen Brüsseler Apparat eine Transfer- und Umverteilungsmaschinerie durchgeführt wird, in der nach einer Eigenverantwortung von Staaten wie Griechenland, Portugal, aber auch Rumänien oder Bulgarien nicht mehr gefragt wird. Wenn Sie diese Gefahr nicht sehen, dann belügen Sie sich m.E. selbst.

Zu 3. Sie schrieben im vorherigen Beitrag „Wenn sich die Volkswirtschaften nich angleichen lassen, wird Europa auf absehbare Zeit keine Einheit. Keine Einheit bedeutet bloße Verhandlungsmasse größerer Einheiten in der Welt zu werden. Vor diesem Szenario habe ich weit mehr Angst.“ (auch hier übrigens ist die Gleichsetzung Europas mit der Eurozone enthalten). Wie anders als auf die Außenpolitik (die ja auch globale Wirtschaftspolitik beinhaltet) ist das zu beziehen. Auch hier spielen wohl eher Visionen als Tatsachen eine Rolle. Was ich hier heraushöre, ist, dass der Euro eine wirtschaftliche Angleichung (und damit ein höheres Gewicht in der Weltpolitik) beschleunigen soll, die in anderen Regionen der Erde, z.B. USA, ca. ein Jahrhundert gedauert hat. Das ist aber m.E. das Pferd vom Schwanz aufgezäumt. Wenn Sie eine handlungsfähige EU, die ja einen großen Teil von Europa vertritt, haben wollen, dann müssen wir über eine koordinierte EU-Außenpolitik reden. Davon sind wir aber sehr weit entfernt und ich sehe nicht, wie das mit der Euro-Rettungsschirmpolitik von Frau Merkel anders oder besser werden sollte.

Zu 5. Es ging um den Vergleich zwischen einer Region wie Ostdeutschland, von der Sie sagten, dass die Logik der Argumentation einer Aufgabe des Euros dazu führen müsste, diese wirtschaftlich noch nicht mit Westdeutschland zu vergleichende Region aus dem Euro zu entlassen. Dieser Vergleich ist m.E. falsch: 1. Ist Ostdeutschland immer noch wettbewerbsfähiger und leistungsfähiger als Griechenland und 2. Handelt es sich um ein Gebiet, das nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und rechtlich in einen entwickelten Industriestaat eingegliedert ist. Würden Sie wirklich behaupten wollen, dass das mit dem souveränen Staat Griechenland, der offenbar wirtschaftliche, verwaltungsmäßige, kulturelle, rechtliche und mentalitätsbedingte Probleme mit sich herumschleppt, die einen Verbleib in der Währungszone fraglich erscheinen lassen, vergleichbar ist?

Zu 6. Sie schreiben „Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass man den Euro abschaffen kann, und die kleinen sowie Mittelständischen UNternehmen würden diesen Schock überleben? Wenn die Deutsche Wirtschaftskraft mit der Mark neu bewertet würde, gäbe es die Wachstumszahlen, die sie leider braucht bald nicht mehr. Es mag sein, dass die EU einen fatalen Kurs eingegangen ist, aber es sollte allen beteiligten klar sein, dass es jetzt heißt "Wachsen oder Schrumpfen" „.
Das sehe ich als reine Panikmache an, geradezu apokalyptisch, was Sie da äußern und leider typisch für viele Äußerungen der Rettungsschirmbefürworter. 1. Man könnte auch ein verkleinerte Eurozone schaffen, dann würde der „Schock“ für die deutsche Wirtschaft sich in Grenzen halten, während die austretenden Länder endlich wieder wettbewerbsfähig würden. 2. Selbst wenn es zur Aufgabe des Euro durch alle Staaten käme, wäre der Aufwertungsschock für Deutschland abgemildert durch die billigeren Importe (ein Großteil deutscher Produkte basiert auf Teilzulieferung).
3. Wachstum als Allheilmittel? Wie soll ein Land wie Griechenland denn bitte wachsen, solange es im Euro ist? Der größte Unternehmer in Griechenland, ein Getränkeabfüller, verabschiedet sich gerade und verlegt seine Zentrale in die Schweiz. „Wettbewerbsfähigkeit“ ist das Zauberwort, um aus dieser Krise zu kommen, aber gerade für die Wettbewerbsfähigkeit der Südperipherie ist der Euro geradezu ein Leichentuch. 4. Das wirkliche Problem, an das Sie offenbar nicht rühren wollen, sind die Banken, die bei einer Aufgabe des Euros durch bestimmte Länder und bei entsprechenden Schuldenschnitten in Schieflage geraten würden. Hier müssten die Staaten und damit die Steuerzahler wirklich „bluten“. Aber vielleicht würde damit endlich mal eine Bereinigung und Klärung innerhalb der Bankwelt erfolgen, die man uns seit 4 Jahren verspricht, aber die wohl auch in absehbarer Zeit nicht durchgeführt wird.

  • Antworten
Grinario03.11.2012 | 11:14 Uhr

Stoßgebete an Fanatiker?

Sehr geehrter Herr Poullain,

vielen Dank für diese klare Aussage, auch wenn ich selbst immer noch auf die Möglichkeit einer verkleinerten Eurozone innerhalb einer wirtschaftlich inhomogenen, aber außenpolitisch einheitlich handelnden EU hoffe.

Nur: Ihr Stoßgebet an die „Turboeuropäer“ wird ins Leere laufen, weil sehr viele der Angesprochenen nur noch mit dem Begriff „Fanatiker“ belegt werden können. Ein Fanatiker glaubt im Besitz einer höheren Wahrheit zu sein und ist von außen mit Argumenten nicht mehr zu beeinflussen. Seine fanatische Vorstellung ist emotional hoch besetzt und hat sich deshalb jeder kritischen Reflexion, die nüchternes Denken erfordert, entzogen.
Das Faszinierende ist, dass der Fanatiker in anderen Bereichen durchaus noch zu „normalen“ Denkleistungen und Urteilsschlüssen fähig ist, so dass Nicht-Fanatisierte unschlüssig sind, was sie von den Handlungen und Äußerungen des Fanatikers halten sollen. Die fanatische Ausprägung in der Politik äußert sich in der sogenannten Ideologie, das heißt, es wird ein politisches Ziel mit einem Fanatismus verfolgt, der zum Grundsatz hat: Der Zweck heiligt die Mittel. Gegenüber Personen, die anderer Meinung sind und sich noch trauen, Zweifel zu äußern (das ist in einer Demokratie immerhin noch möglich), reagiert der Fanatiker mit Intoleranz und, wo er kann, auch mit Maßnahmen der Abgrenzung, der Herabwürdigung und der Strafandrohung.

Die Tendenzen einer EURO-Ideologie in der Politik sind durchaus erkennbar, deshalb werden wohl Stoßgebete jedweder Art nichts mehr nützen.

  • Antworten
Grinario01.11.2012 | 11:00 Uhr

Was hat der Euro-Wahnsinn mit

Was hat der Euro-Wahnsinn mit der DDR-Herkunft der Bundeskanzlerin zu tun ? War Herr Schäuble vielleicht SED-Mitglied ?
Hier glauben wohl einige Schreiber, dass Frau Merkel (allein) bestimmt, wo es langgeht. Der Euro nützt vor allem den Eignern von Konzernen und den Banken und nur diese bestimmen, was in der Politik zu tun und zu lassen ist und nicht die Talkshow-Schwätzer.
Solange das Prinzip Teile und Herrsche funktioniert, man die Menschen in Ost und West, Nord und Süd gegeneinander ausspielen kann, wird sich nichts ändern !
Die vor mehr als 20 Jahren untergegangene DDR ist weiß Gott nicht Schuld am aktuellen Euro-Crash!

  • Antworten
K.Zweifel01.11.2012 | 12:06 Uhr

Euroland gleich Ausbeuterland?

Zitat von Ingo Kognito:“Solange es irgend möglich ist, diesen Euroraum zu erhalten, will ich das der Versuch dahingehend unternommen wird, weil ich mir meine Zukunft nicht von irgendwelchen Kapitalisten kaputt machen lassen will.“

Danach kommt viel Geschwurbel eines Wohlmeinenden, das mit wenig Argumenten unterlegt ist.

Gerade die Verträge zum Euroland bildeten das Instrument, mit dem die Ausbeutungskriterien des Kapitalismus in ganz Europa durchgesetzt werden sollten.

Aus den Ausführungen von Ingo Inkognito entnehme ich nur die Angst, dass der Euro und damit ein Europa bleiben soll, das groß und einflussreich genug ist, um sich dem Rest nicht beugen zu müssen. Für mich ein Gedankengut, das, obwohl es dem Schreiber nicht bewusst sein dürfte, dem der Nazizeit ähnelt.

Wenn Sie persönlich gern bis zur Neige die Leiden auskosten möchten, die mit dem Niedergang des Euro zwangsläufig verbunden sind, dann werden Sie sicherlich diese Leiden bekommen und dennoch wird der Euro danach zusammenbrechen. Die Gründe dafür hat Ludwig Poullain genannt. Wer so vehement die angeblichen Werte Europas retten will und dabei gerade diese Werte mit Füßen tritt (Demokratie, Mitbestimmung, Sozialer Ausgleich), der muss scheitern. Und je schneller der Irrtum erkannt und bereinigt wird, desto billiger wir der Ausstieg. Derzeit kommt der langsame Tod des Euro nur einem Zeitkauf gleich, während dem die hohen Zinsen von der Oberschicht (Ihre „irgendwelche Kapitalisten“) eingestrichen werden, die aber insbes. von den Ärmeren der dt. Gesellschaft tatsächlich aufgebracht werden müssen.

Damit wird der Zusammenhang zwischen Risiko- und Gewinnrisiko, der im Kapitalismus in einer Hand liegen musste und durch dieses Prinzip den Kapitalismus erst so erfolgreich machte, durchbrochen. Wir entwickeln uns zu einer Diktatur des Kapitalismus, der eine Armee von Arbeitslosen, Entrechteten und Arbeitssklaven zur Folge hat. Diese Entwicklung bleibt hinter den vorhandenen Möglichkeiten zurück und wird keinen Erfolg haben.

Man hat uns stet damit vertrösten wollen, dass sich der Kapitalismus immer den Veränderungen angepasst hat und auch dieses Mal entsprechend wendig sein wird. Doch bisher predigen die Profiteure, besonders die, die vom bisherigen System besonders profitiert haben immer wieder – in verschiedenen Versionen – den Neokapitalismus, der viele Euro- Länder in Drittweltländer verwandelt.

Wo bleibt ein neues Konzept des Kapitalismus (kann nur ein am Verteilungskonzept und prozentual festgelegtes Konzept sein, das dauerhafteren Bestand hat als das jetzige kaputte System)?

Vor lauter Raffgier setzen alte, überholte Kräfte auf Uraltrezepte (die haben begriffen, dass es jetzt die allerhöchste Zeit ist, noch vor dem Euro-Zusammenbruch, zu raffen, was zu raffen ist). Die ungebildete Schicht (möglicherweise identisch mit dem Bevölkerungsteil von 69 %, der die Eurokrise überhaupt nicht begreift), bleibt handlungsstarr und wartet – wie in der Vergangenheit – einfach ab und wählt wegen dieser Unwissenheit die Euro - befürwortenden Parteien. Fröhliches Erwachen.

  • Antworten
Realo4101.11.2012 | 13:50 Uhr

EU zum Scheitern verurteilt

Der Appell an die Turboeuropäer, sie mögen sich ihres Verstandes bedienen, wird wohl fruchtlos bleiben. Längst geht es ihnen nicht mehr um die Europa-Idee als solche.

Die Europa-Sonntagsredner brauchen das Sujet um ihre eigene vermeintliche Wichtigkeit herauszukehren: Das Werk der großen Europäer darf nicht scheitern; die europäische Idee hat uns den Frieden bewahrt; ein Scheitern des EURO wäre verhängnisvoll. Sie, die Sonntagsredner, wissen um die immense Bedeutung des Europagedankens und "erklären" ihn uns. Natürlich immer in apodiktischer Tonlage, damit niemand auf falsche Gedanken kommt.

Die EU-Profiteure (EU-Parlamentarier, EU-Beamten und EU-Journalisten) würden gegen ihre eigenen pekuniären Interessen handeln, ließen sie den Europagedanken fallen und würden sich wieder den Interessen des eigenen Landes widmen.

Ich fürchte, der ganze EU/EURO-Wahnsinn wird sich erst nach einem gewaltigen Wirbelsturm auf den Finanzmärkten verflüchtigen. Ich freue mich schon auf die vielen Artikel und Bücher, die uns dann erklären, warum das EU-Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

  • Antworten
Wolfgang Schäfer02.11.2012 | 12:17 Uhr

Lektüreempfehlung; Aufsatz von L. Poullain im Cicero

Von Ludwig Poullain gab es vor wenigen Wochen diesen sehr lesenswerten Aufsatz hier im Cicero:

http://www.cicero.de/kapital/zeit-fuer-einen-schlussstrich-bei-der-eurorettung/52063

Prädikat: besonders wertvoll.

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Bakwahn02.11.2012 | 12:37 Uhr

Verzweifelt gesucht: politische Alternativen

@ Alle

Es reicht nicht, mit guten Argumenten gegen die laufende Eurorettungspolitik anzuschreiben. Es muß auf politischer Ebene bei Wahlen etwas geschehen. Die jetzigen Oppositionsparteien, die SPD und die Grünen, wollen noch mehr Geld für die „Eurorettung“ opfern.

Die einzige Partei oder besser Wählergemeinschaft scheint mir die „Bundesvereinigung Freie Wähler“ zu sein. Ich habe mich der „Wahlalternative 2013“ angeschlossen.

Die Berichterstattung in unseren links-liberalen Leitmedien (auch der Cicero gehört hierher) inklusive des Staatsfernsehens, der Euro sei kein Taxi, aus dem man an der nächsten roten Ampel aussteigen kann, wenn einem die Fahrt nicht mehr gefällt, suggeriert dem Publikum eine Alternativlosigkeit und bestärkt ein Illusionsdepot: „es wird noch alles gutgehen“.
Der jetzige Zustand der Euro-Zone erscheint wie ein moderner Hochgeschwindigkeitszug, der ohne Tempolimit in ein Nirgendwo hineinrast – in ein „no-where-land“ oder „no-man's-land“ –, von dem niemand weiß, ob es dort überhaupt Schienen gibt. Gleichzeitig beschleicht die Reisegesellschaft das Gefühl, die Lokomotive werde von einem Haufen Komiker und Europaclowns geführt.

http://www.freiewaehler.eu

http://www.wa2013.de

  • Antworten
Bakwahn02.11.2012 | 12:40 Uhr

Der Sündenbock

Wäre der Euro das Problem, dann müßte ein Land wie Großbritannien aufblühen. Tut es aber nicht. Ist der Euro Schuld an der desolaten Situation Griechenlands? Nicht eher eine ausgeprägte Form von "bad governance"? Ist der Euro Schuld an dem desolaten Zustand Spaniens? Nicht eher das Platzen einer riesigen Spekulationsblase, welche sich über Jahre unter dem Beifall auch vieler deutschen Ökonomen und für jedermann sichtbar aufgebaut hatte? Und Irland?

Warum steht der Lohnsektor des produzierenden Gewerbes in allen europäischen Staaten unter einem derartigen Druck? Warum schließen immer mehr Industriebetriebe in Europa? Warum ist die Arbeitslosigkeit in Europa auf einem Höchststand? Es ist zu billig und noch dazu falsch, dem Euro hierfür die Schuld zu geben.

Nein, Herr Poulain, der Grund liegt in einer dogmatischen, blinden Freihandelspolitik des laissez-faire der EU, welche die europäische Industriestruktur seit 36 Jahren zerstört. Der Grund liegt in einem Bankwesen, welches vollkommen den Boden unter den Füßen verloren hat, und welches nach freiem Gusto seine zerstörerische Wirkung entfalten darf. Der Grund liegt in einer Geldordnung, welche den Banken erlaubt unkontrolliert Giralgeld durch Kreditausweitung "aus dem Nichts" zu schöpfen und dadurch die Geldmenge für Spekulationszwecke aufzublähen.

Dass es überhaupt zu einer "Eurokrise" gekommen ist, ist allein dem intellektuellen Bankrott der politischen Klasse -gerade auch der deutschen- und der herrschenden Natioanlökonomie zuzuschreiben. Ihr französischer Kollege, der Investmentbanker Christian Gomez, hat zu diesem Thema seine Meinung kundgetan: http://monetativeordnung.blogspot.fr/2012/03/die-finanzkrise-ein-intellektueller-und.html

Dieser Artikel, sehr geehrter Herr Poulain, ist Ihrer nicht würdig.

  • Antworten
Frank Linnhoff02.11.2012 | 16:41 Uhr

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