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Weltbühne

UngarnDer Rechtsextremismus erreicht die Mitte

Von Keno Verseck6. März 2013
picture alliance
Rechtsextremismus in Ungarn
Schrift:

Ungarns rechtsextreme Politiker hetzen gegen „Zigeuner“, Ungebildete und Juden. Die Regierung nimmt sich dieser Rhetorik an, um den Aufstrebenden Einhalt zu gebieten. Der Preis ist gering: Die EU hat andere Probleme und die eigene Jugend glaubt den einfachen Parolen.

Seite 1 von 4

Das Baby weint. Der junge Vater steht am Fenster und wiegt es sanft im Arm. Das Kindermädchen hat abgesagt, deshalb ist das Töchterchen nun beim Interview dabei. Die junge Mutter schaut kurz lächelnd zu ihrem Mann und ihrem Kind, dann antwortet sie wieder konzentriert auf die Fragen.

Im Gespräch geht es um die bürgerliche Demokratie, ein System, von dem die Mutter und ihr Mann sagen, es sei „gescheitert". Es geht um die „Vorteile autoritärer Regime", um das „Opfer-Business der Juden", um „Zigeunerkriminalität" und die „überproportionale Vermehrung" der Roma. Die junge Mutter sagt, dass „Zigeunerkinder in Erziehungsheime” kommen müssten, und sie plädiert dafür, Ungebildeten das Wahlrecht zu entziehen. Der Vater spricht über einen angeblichen jüdischen Ritualmord im Jahre 1882 und den „Ausverkauf Ungarns an israelische Investoren". Zwischendurch weint das Baby. Die jungen Eltern trösten es zärtlich.

Besuch bei Elöd Novák und Dóra Dúró im ungarischen Parlament. Novák, 32, ist stellvertretender Vorsitzender der rechtsextremen Partei Jobbik, die 25-jährige Dúró Sprecherin der Partei. Die beiden Abgeordneten sind Aushängeschilder des Rechtsextremismus in Ungarn, und das Gespräch mit ihnen ist ein Lehrstück in Jobbik-Ideologie. Sie ist nicht einfach nur antiziganistisch, antisemitisch und antieuropäisch. Mitunter bekennt sich die Partei offen zum nationalsozialistischen Rassenwahn, so wie Ende November vergangenen Jahres, als der stellvertretende Jobbik-Fraktionsvorsitzende Márton Gyöngyösi im Parlament forderte, die „in Ungarn lebenden Juden in Listen zu erfassen" und zu prüfen, „welche Juden ein Sicherheitsrisiko darstellen".

In der Regel treten Jobbik-Anführer bei ihrem Rückgriff auf den Nationalsozialismus nicht auf wie dümmliche Ewiggestrige. Im Gegenteil: Noch nie war Rechtsextremismus in Europa so modern, so smart und so mittelklassekompatibel wie in Ungarn. Auch dafür sind Elöd Novák und Dóra Dúró ein Paradebeispiel.

In der Öffentlichkeit inszenieren sich die beiden als Traumpaar der ungarischen Rechtsextremen. Sie sind gebildet, erfolgreich und nutzen begeistert die sozialen Netzwerke im Internet. Bilder und Videos auf Partei-Webseiten zeigen sie mal Rücken an Rücken sitzend, im Schoß jeder einen Laptop, mal in Designer-Volkstrachten, mal als glückliche Eltern, die sich umwelt-, ernährungs- und bildungsbewusst geben und sich gleichberechtigt um ihr Kind kümmern.

„Die Jobbik-Leute sind keine Verlierer und verbitterten Proletarier“, sagt der ungarisch-jüdische Schriftsteller György Dalos, „sie gehören zur jungen Mittelschicht.“ Studien belegen das: Jobbik hat nach einer Erhebung des Budapester Tárki-Instituts die meisten Wähler in der Gruppe der unter 35-Jährigen, die Mehrheit von ihnen ist gebildet und materiell relativ gut abgesichert.

Ihren politischen Durchbruch erlebte die 2003 gegründete „Bewegung für ein besseres und rechteres Ungarn“, wie Jobbiks vollständiger Name lautet, bei den Europawahlen im Juni 2009, als 15 Prozent der ungarischen Wähler für die Partei stimmten. Im Jahr darauf, bei den Parlamentswahlen vom April 2010, waren es bereits 17 Prozent. Jobbik etablierte sich damit als drittstärkste politische Kraft in Ungarn – nur knapp hinter den wendekommunistischen Sozialisten.

Vom friedlichen Musterreformland zu einer Hochburg des Rechtsextremismus in Europa – es ist ein weiter Weg, den Ungarn in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgelegt hat. Verantwortlich dafür sind nach Ansicht nahezu aller ungarischen Experten in erster Linie die unbewältigten Probleme des Transformationsprozesses und das Versagen der politischen Elite bei der Modernisierung des Landes.

Seite 2: Die Spaltung der Gesellschaft macht Ungarn anfällig für rechte Polemik

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"Der Rechtsextremismus erreicht die Mitte"

Schon der Titel "Der Rechtsextremismus erreicht die Mitte" ist eine Verdrehung der Wahrheit über Ungarn. FIDESZ ist nicht Jobbik, und Viktor Orbán nimmt keine "Ideen" von die Rechtsextremen an!!! Wer das nicht richtig, wahrheitsgemäß verstähen und nachvollziehen kann, der sollte bitte mal erst ungarisch sprechen lernen und dann dort eine weile leben, berichterstattungen von parlamentarische Sitzungen anhören.
Nur weil manche gern Schwachsinn verbreiten, heißt noch lange nicht dass das auch wahr ist. Und das was die Herrschaften hier behaupten, ist einfach Schmarrn!

  • Antworten
Nikolaus Tringl08.03.2013 | 08:47 Uhr

Hat die EU das Recht ...

Mitgliedländer politisch dermaßen einzuschränken. Leider gibt es ja immer noch keine europäische Verfassung und der Artikel lässt offen, welche politischen Maßnahmen seitens der EU getroffen werden sollten. Sicher ist nur, dass man sich mit solchen Forderungen völkerrechtlich auf einem ganz dünnen Eis befindet. Noch besteht die EU auf souverränen Nationalstaaten. Ehrlich gesagt fehlt mir auch das Wissen, um die Lage völkerrechtlich einzuschätzen. Es besteht jedenfall die Gefahr, dass eine demokratisch auf europäischer Ebene nicht legitimierte Kommission, versucht demokratisch gewählte Parteien und Politiker zu verbieten. Damit dürfte sich das "Elitenprojekt" Europa wohl endgültig ad Absurdum führen. Wir haben in vielen Teilen der EU rechte Bewegungen, die bis zu 20% der Wählerstimmen erreichen. Sie kommen und gehen bisher auch wieder. Europa braucht eine demokratisch legitimierte Verfassung und Ansätze eines demokratisch legitimierten Zentralstaates um Forderungen, wie sie in diesem Artikel gestellt werden, entsprechen zu können.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann10.03.2013 | 10:52 Uhr

Das nicht durch die Politik gezähmte Kapital

...

schafft Armut, Zorn, Wut und im schlimmsten Fall Rassismus bzw. Faschismus.

Ungarn bewegt sich schon zum Letzteren hin.

Auf Grund der oben genannten Umstände.

.

  • Antworten
Differenzierer11.03.2013 | 18:48 Uhr

Wie wärs, wenn man die

Wie wärs, wenn man die jetzige Entwicklung als Reaktion auf die vorausgegangenen linken Idiotien anschauen würde?
Die Schreihälse dürften wohl eher links stehen und denen ist die Mitte, sprich Normalität schon zu ordentlich. Dabei sind sie es, die mit ihren Schnapsideen nur Streit, Unruhe und Leid begünstigen. Alles was wir auch allein halbwegs fertigbrächten, findet bei ihnen Förderung und Zustimmung.

  • Antworten
Konrad Kugler15.03.2013 | 22:35 Uhr

Der Rechtsextremismus

Der Rechtsextremismus erreicht nicht die Mitte, sondern vernünftiges Denken wird von Extremisten völlig übersteuert.

Gibt es in rein autochtonen Gesellschaften Fremdenfeindlichkeit? Nein.
Wer willkürlich Ausländer massenhaft importiert, wird über kurz oder lang genau mit diesem Phänomen konfrontiert sein, aber, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, andere Gründe suchen/erfinden, um nicht Farbe bekennen zu müssen.

  • Antworten
Konrad Kugler15.03.2013 | 22:43 Uhr

Alles hat einen Grund, auch falscher Hass.

Ich bin kein Rechter meiner Heimat

Freizeit ist teuer, Vater arbeitslos,
soll meine Heimat verlassen,
viele gegangen wurden, Fremde,
Flexibilität ist der Regionen Tot.

Unser Land ist schön, auch hier,
muss ich nach Bayern, nach Sylt,
weil unser Land nicht unser ist,
Oma, Opa, Mama, Papa bei mir.

Politiker haben uns vergessen,
geteilt in arm, reich, Korruption,
keine Vorbilder, keinen Halt,
Zeit wird an Verfall bemessen.

Im TV läuft Hitler, seine Vasallen,
Glanz, Stärke, Wehr, Vorbilder,
Heimat, Zusammenhalt, mein Land,
so kamen sie sich Jugend krallend.

Schwarz, rot, grün, Hitler ist egal,
stell mich mit in eine Gemeinschaft,
gehöre dazu, es kostet meine Seele,
aber Zuhause, Politiker ihre Wahl.

Führer leben, weltweiter Epos,
ihre Demokratie, ihr Kapital,
ihr Wachstum, unser Verfall,
stehe suchend im braunen Tross.

Jeder Krieg frisst seine Opfer,
jeder Frieden nicht friedlich ist,
Halt, Geborgenheit, Familie,
mein Sinn, Deinem Schöpfer.
Frank Poschau
14.01.13

  • Antworten
Frank Poschau16.03.2013 | 19:25 Uhr

Hemmungsloser Liberalismus ...

.

funktioniert nicht in autochtonen Gesellschaften.

Deswegen wird er prinzipiell dafür sorgen, dass solche Gesellschaften sich auflösen.

Siehe USA und UK.

.

  • Antworten
Differenzierer17.03.2013 | 15:43 Uhr

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