Vier Berliner betreiben ein Online-Magazin, das dokumentiert, wie Kreative in der Hauptstadt wohnen. Jetzt erscheint es in Buchform
Berlin, die große Kreativmetropole, sie lebt. Nicht nur als Kulisse in Werbung und Seifenopern, sondern in Wirklichkeit – als mehr oder weniger gut funktionierender Mikrokosmos mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, in dem sich ein weitgehend selbstbestimmtes Arbeitsleben ohne Krawatte, Kostüm oder feste Bürozeiten realisieren lässt. In dem nicht über Firmenwagen, Bausparverträge und schon gar nicht über den nächsten Bonus gesprochen wird, sondern über Gründungszuschüsse und darüber, wie man die entsprechenden Anträge formuliert. Über Ateliers, die man alleine oder gemeinschaftlich bezieht und über Magazine, Blogs oder Agenturen, die man mit Gleichgesinnten gründet.
Natürlich scheitern viele dieser Projekte, und natürlich existiert gerade in Berlin das von der Autorin Katja Kullmann in ihrem Buch „Echtleben“ beschriebene Kreativ-Prekariat: Intellekt und Geschmack, zeitweise auf Hartz IV. Aber zunehmend gibt es eben auch Erfolgsgeschichten.
Es sind die Geschichten jener, die sich eine Nische geschaffen haben, die mit ihrer Expertise oder ihrem Handwerk mittlerweile Geld verdienen und es sich so in ihren vier Wänden gemütlich gemacht haben. Dort manifestiert sich dieser Erfolg nicht durch repräsentativ zur Schau gestellten Luxus, sondern durch einen speziellen Kultivierungsgrad, den man entweder beherrscht oder eben nicht. Es geht um einen bestimmten Geschmack, den man auch als Geschick bezeichnen könnte: verhältnismäßig günstige Stücke zu romantisieren, ihnen durch anekdotische Überhöhung eine Persönlichkeit zu verleihen und sie vor hellgrauen Wänden und zwischen Fünfziger-Jahre-Mobiliar zu einem Stimmungsbild zeitgenössischer Berliner Bohème zu arrangieren.
Genau dieses Berlin des improvisierten guten Geschmacks wollten die vier Macher von „Freunde von Freunden“ zeigen, als sie 2009 mit der gleichnamigen Website starteten. Tim Seifert, Frederik Frede, Thorsten Bergler und Ailine Liefeld waren, wie in Berlin so häufig, „um eine Agentur herum“ organisiert, „die mit mittelmäßiger Auftragslage so dahin dümpelte“. Aus dem Gedanken, dass man aus dem großen Netzwerk an Freunden und Bekannten, „richtig guten Leuten, die spannende Projekte, Läden oder Wohnungen haben“, doch irgendetwas machen sollte, entstand mit freundevonfreunden.com ein Online-Magazin, das als visuelle Bestandsaufnahme der Lebensumstände der Berliner Kreativszene funktioniert.
Warum die Bildsprache der "Freunde" so erfolgreich ist, auf der nächsten Seite













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