Sie können faltig, grauhaarig, dickbäuchig sein: Geld und interessante Jobs lassen Männer trotzdem sexy wirken. Und erfolgreiche Frauen? Werfen wir einen Blick in Online-Partnerbörsen, dem neuen Forschungsparadies für Partnerstudien
Dass inzwischen Millionen von Menschen in Online-Partnerbörsen nach dem Liebesglück suchen, hat zwei immense Vorteile: Singles können in einem viel größeren Pool nach potentiellen Partnern suchen (laut Stiftung Warentest lohnt die Suche hier besonders). Und gleichzeitig war es noch nie so einfach, den Menschen dabei zu zu gucken. Jeden Tag werden Tausende von Suchprofilen ausgefüllt und Kontaktanfragen beantwortet. Die Daten erheben sich also von alleine.
Betrachtet man den Heiratsmarkt wie eine Tauschbörse, wird hier auf den Markt geworfen, womit ein Partner werben kann: Schönheit, Einkommen, Bildung, Karriere. Auch Jugend ist ein Faktor. Das bekommen vor allem Singlefrauen über 55 zu spüren. 45 % von ihnen beurteilen ihre Chance auf dem Partnermarkt als schlecht bis sehr schlecht. Bei den gleichalten Männern sehen das nur 36 % so. Das liegt nicht daran, dass Männer mit dem Alter von sich aus schon netter oder schöner würden. Aber sie gleichen das mit Geld und Status wieder aus.
Der Hintergrund ist klar: Derzeit liegen Einkommen und Karrieren noch überproportional häufig auf dem Y-Chromosom verteilt. Die heute 55-Jährige hat – wenn überhaupt – um 1975 Abitur gemacht. Noch 1976 musste sie offiziell ihren Mann um Erlaubnis fragen, wenn sie einen Beruf ergreifen wollte.
Die spannende Frage ist nur, ob heutigen Frauen, die im Schnitt die besseren Schulabschlüsse machen, seltener in Krisenbranchen wie dem Braunkohlebau arbeiten und mitunter sogar mehr verdienen als ihre Altersgenossen, damit auch ihren Tauschwert auf dem Partnermarkt erhöhen konnten. Wird die 18-Jährige mit 55 wie selbstverständlich mit dem Porsche-Cayenne-Schlüssel klimpern, um attraktive Männer anzuziehen? Wird ihr superinteressanter Beruf wie ein Versprechen wirken auf seine Aufstiegschancen und Kontakte?
Im Netz sind alle gleich
Ganz gleich, ob jemand auf einem Schloss lebt oder mit einem besonders teuren Computer surft – als blinkender Cursor sehen alle Menschen gleich aus. Ein Arzt lernt im wahren Leben überdurchschnittlich viele Krankenschwestern kennen; im Internet trifft er nun auf Pianistinnen, Professorinnen, Bauarbeiterinnen. Das Netz, heißt es oft, trage zur sozialen Öffnung bei.
Doch in digitalen Partnerbörsen leben die traditionellen Rollenmuster ungehindert fort. Das hat ein Forscherteam um den Bamberger Soziologieprofessor Hans-Peter Blossfeld festgestellt. Das heißt: Auch im Netz tun sich Paare zusammen, bei denen Männer alles sind: älter, dicker, grauer, hässlicher – nur weniger gebildet oder ärmer, das sind sie nur in ganz wenigen Prozent der Fälle.
Frauen neiden Männern ihr höheres Einkommen












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