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Salon

Eheleute WulffVom Ende eines strategischen Abkommens

Von Alexander Kissler7. Januar 2013
picture alliance
Wulff, Bettina und Christian Wulff, Trennung
Wer das Private seiner Lebensumstände in die politische Arena führt, der scheitert politisch, wenn er privat untergeht
Schrift:

Die Eheleute Wulff scheitern, wie sie einst begannen: treudeutsch und auf bunten Seiten. Vom Ende einer Neigungsehe, der die Neigung abhanden kam

Seite 1 von 2

Nun kam es, wie es kommen musste. Wieder einmal ist eine Geschichte erst dann erzählt, wenn sie ihr schlimmes Ende genommen hat. Wieder einmal geben die nunmehr gewesenen Eheleute Wulff allen Recht, die es schon immer wussten, bestätigen sie Vorurteil und Klischee. Noch im finalen Akt scheitern da zwei Menschen auf dem kleinen Verfahrensweg: kein Höllensturz, keine Tragödie, sondern eine treudeutsche Trennungsvereinbarung markiert den Schlussstrich. Das Großburgwedeler Klinkerhaus, über dem der Unstern stand, ist für Christian Wulff bereits Geschichte – Kleinbürgers Fratze leuchtet noch im Untergang.

Sie, die nunmehr gewesenen Eheleute Wulff, begannen ihr öffentliches Dasein auf den bunten Seiten. Dort werden sie jetzt enden. Der Boulevard, dem sie willig sich verschrieben, wird ihnen das letzte Geläut bereiten. Es war eine öffentliche Liebe, von der nur Öffentlichkeit blieb. Es war eine knapp fünf Jahre währende Neigungsehe, der die Neigung abhanden kam.

[gallery:Christian Wulff – Künstlerisches Protokoll eines Kontrollverlustes]

Eine Zugewinngemeinschaft,  die keine Gewinne mehr abwarf. Als Bettina Wulff eine irritierend gute Figur machte weit neben dem gerade zurücktretenden Ritter von der hageren Gestalt, an ihrem letzten öffentlichen Vormittag am 17. Februar 2012 auf Schloss Bellevue, war die Trennung schon räumlich vollzogen. Ihr Bekenntnisbuch sieben Monate später war der abermals öffentliche Sargnagel auf eine Zweitehe, die keine erstklassige Rendite mehr einspielte. Mit dem Geständnis, Christian Wulff habe eigentlich nicht zu ihrem „Beuteschema“ gehört, hatte sie ihre Unterschrift unter die Trennungsvereinbarung bereits damals gesetzt. Nun, am 7. Januar 2013, folgte die seine offiziell nach.

Seite 2: Die Wulff-Inszenierung war damals schon falsch und anmaßend

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"Das Leben ist eine Bühne"

Nein Herr Kissler, ich widerspreche Ihnen. Es war von Anfang an eine konstruierte Wirklichkeit. Eine nichtssagende private Selbstdarstellung ohne Substanz. Inszeniert für die Klatschspalten bestimmter Blätter. Die gesamte „Karriere“ der Wulffs war immer vom Aspekt der Wirksamkeit in der Öffentlichkeit und den Medien bestimmt. Als das selbst-konstruierte Bild zu bröckeln begann, durch immer neue Ungereimtheiten während der Zeit in Niedersachsen, die der Journalismus aufdeckt hat, wurde bundesweit spaltenlang diskutiert und erreichte den Höhepunkt mit dem ritualisierten „ Großen Zapfenstreich“. Das sollte nochmals die Stellung in der Gesellschaft symbolisieren. Es war die letzte Inszenierungsoption und der blinde Wille von der politischen Existenz das Image und die Bezüge zu retten, ohne die leiseste Beklemmung des Gewissens. Zu einer inszenierten Darstellung gehört natürlich immer eine Bühne, ein Medium. Erst daraus erwächst Bedeutung und eine ökonomische Funktion, die zum Werbeträger ausgebaut werden kann. Danach erst stehen Werbemaßnahmen nichts mehr im Weg. Auch wurde dieser Darstellerin eine künstliche Biografie angepasst, man glaubte, dass sie den Erwartungen des Publikums entspricht. Zugleich wurden kontinuierlich Details ihrer privaten Lebensführung an die Öffentlichkeit verfüttert, um das Interesse wachzuhalten ( „...mein Mann und ich gehen zum Therapeuten“) Die Darstellerin muss natürlich symbolisch leiden, „Schläge“ bezogen haben und sich wehren, verzweifelt sein und das auch sagen. Das Leiden ist ganz wichtig, damit die Geschichte weiter gehen kann, z.B. mit Interviews und öffentlichen Auftritten. Vielleicht kauft RTL 2 die Exklusivrechte an diesem Fortsetzungs-Kitsch, um einer geistig moralischen Verwirrung weiterhin Vorschub zu leisten. Thema der Soap: Wie kam es zur Scheidung vom Bundespräsidenten a.D..? Ich habe neulich in den Medien einen Werbespott gehört: „Das Leben sei eine Bühne“. Das ist doch fatal und völlig durchgeknallt.

  • Antworten
bernhard jasper07.01.2013 | 18:43 Uhr

Teil 2: "Das Leben ist eine Bühne"

Zitat: „Und unsere politische Elite ist genauso durchschnittlich, vorhersehbar und fantasielos wie wir alle. Das sind die Lehren aus der tragikomischen Geschichte von den gewesenen Eheleuten Wulff.“
Diese Aussage weise ich entschieden zurück! Millionen von Menschen arbeiten nicht auf einer Bühne mit Inszenierungsoption des Medienprodukts. Es stellt sich jedoch immer öfters heraus, dass diese Personen eher berüchtigt als berühmt werden. Ihr als Medien müsst scheinbar irgendwo und irgendwas produzieren, es liegt scheinbar auch an dem Mangel an schillernden Akteuren. Das sind die Lehren. Sie waren noch niemals für irgendetwas verantwortlich, sie haben immer in ihrer eigenen Welt gelebt, abgeschottet, nicht die Ahnung, was Wirklichkeit ist. Die machen ihre Welt selbst, und glauben wir löffeln ihren Scheiß aus, was alles daraus an Konsequenzen entsteht. Wie ihr als Medien derartige Personen bedient, ohne jegliche Distanz, bleibt für mich weiterhin rätselhaft. In einer Zeit, die das Individuum zu begünstigen scheint, wird der Selbstdarstellung, dem Sich-unterscheiden-Wollen-breiten Raum in der Öffentlichkeit gegeben. Akzeptiert. Was wir jedoch an Inszenierungen über uns ergehen lassen müssen, ist nur noch grauenerregend und heuchlerisch, wie aus der Zeit gefallen, für halbwegs gebildete Bürgerinnen und Bürger. Ihr konstruiert das Leben als eine Kette von Ereignissen. Diese Inszenierungen finden ja auch augenblicklich im Wahlkampf statt. Wer da so alles antritt, wie bestimmte Personen tatsächlich die Bundesrepublik Deutschland, oder ein Bundesland repräsentieren wollen, bleibt für mich weiterhin rätselhaft. Anything goes? Nein, Hauptsache jemand kommt gut rüber, nicht wahr? Inhalte, Fehlanzeige.

  • Antworten
bernhard jasper07.01.2013 | 23:53 Uhr

Menschen aus Reibach

Zwei Menschen mit fragwürdiger Moral haben versucht den grossen Reibach zu machen.

Sie haben es geschafft.

Die Demütigung ist nur gespielt.

Der ausgeglichene Kontostand und Erinnerungen daran ganz oben gewesen sein lässt diese Art Menschen ruhig schlafen.

Sie werden es auf jeden Fall ihren "Status" für sich gewinnbringend nutzen.

Er, der abgehalfterte Einfaltspinsel, weniger als SIE.

Das "Politmagazin" BILD wird das gewinnbringend begleiten.

Alles beim Alten.

Bis zum nächsten mal (Paar).

Amen.

  • Antworten
Differenzierer08.01.2013 | 10:32 Uhr

wann Endlich ?

wird dieser Person- Wulff der Ehrensold für immer entzogen ? Dieser Person steht nichts Zu- Denn von Ehre ist hier nur noch die Lüge übrig geblieben- und ein Lügensold gibt es nicht.

  • Antworten
Christina08.01.2013 | 20:52 Uhr

Ehepaar Wulff

Herr Kissler, Ihren Artikel habe ich mit Erstaunen gelesen. Irgendwo haben sie mal gesagt, Sie seien gegen die Talkshows im TV. Aber warum schreiben Sie dann so, wie dort meistens geredet wird? Alles andere hat H.Jasper bereits kommentiert.

  • Antworten
rehse09.01.2013 | 10:41 Uhr

Partylöwen gehören nicht in die Politik

Bis heute weiß ich nicht so recht, ob ich das Ehepaar Wulff bedauern oder mit Verachtung strafen soll.
Für Christian Wulff war sein gesamtes berufliches Leben und Streben offenbar ein großes Mißverständnis.
Er setzte alles daran, nach oben zu gelangen und von anderen hofiert zu werden. Schließlich kommt er aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Menschen wie Carsten Maschmeyer, der AWD-Gründer, waren für ihn Lichtgestalten, weil sie finanziell aus dem Vollen schöpfen konnten.
Obwohl auch er als Landtagspolitiker, Ministerpräsident und späterer Bundespräsidenten über sehr gute Einkünfte verfügte, konnte er dennoch nie in der ersten Liga der Multimillionäre oder Milliardäre mitspielen.
Das muß ihn zeitlebens gewurmt haben.
Auch er wollte ein Finca in Spanien besitzen, ein Chalet in der Schweiz oder eine Appartmentwohnung in New York.
Dazu reichten seine Bezüge jedoch nicht aus. Also biederte er sich reichen Freunden an, die ihm "finanziell aushalfen" in der Hoffnung auf politische Gegenleistungen.
Wer allerdings so naiv ist wie es Christian Wulff war, darf sich nicht wundern, wenn er dadurch auf dem politischen Parkett ins Straucheln gerät.
Seine zweite Frau Bettina liebte offenkundig den Glamour und das Rampenlicht; gemeinsam mit Veronika Ferres ins Blitzlichtgewitter zu gelangen, war ein Highlight für sie.
Menschen wie Bettina und Christian Wulff dürfen dies alles zwanglos tun, nur eben nicht als politische Amtsträger oder dessen Ehegattin.
Noch immer frage ich mich, weshalb Christian Wulff nicht bei seinem reichen Freund Carsten Maschmeyer (AWD) eingestiegen ist.
Ein Millionengehalt wäre ihm dort sicher gewesen. Und damit hätte er sich für den Rest seines Lebens - gemeinsam mit Bettina Wulff - als Partylöwe betätigen können.
Als Finanzmanager hätte er sich all` dies leisten können, nur eben nicht als Politiker.

  • Antworten
Yvonne Walden09.01.2013 | 12:08 Uhr

Kennt

Bosheit Grenzen?

Anscheinend nicht.

  • Antworten
Leo13.01.2013 | 00:21 Uhr

Die Medienkampagne geht

Die Medienkampagne geht weiter. Hier durch Veröffentlichung verleumnderischer Kommentare wie z. B. der von Frau Walden.

Zitat:
"Auch er wollte ein Finca in Spanien besitzen, ein Chalet in der Schweiz oder eine Appartmentwohnung in New York.
Dazu reichten seine Bezüge jedoch nicht aus. Also biederte er sich reichen Freunden an, die ihm "finanziell aushalfen" in der Hoffnung auf politische Gegenleistungen."

Das sind keine zulässige Meinungsäußerungen, sondern unwahre Tatsachenbehauptungen, noch unterhalb von BILD-Niveau.

Traurig, dass sich auch diese Zeitschrift für so etwas hergibt.

  • Antworten
Harald Huesch10.01.2013 | 11:09 Uhr

Es wäre, angesichts privaten

Es wäre, angesichts privaten Unglücks, einfach mal Zurückhaltung gefragt. Nur weil auch das Glück gelegentlich öffentlich inszeniert wurde, wird ein Mensch von Geschmack und Charakter trotzdem nicht darauf verfallen, über die Trennungsgründe zu spekulieren, von gestelzten Betrachtungen über die Durchschnittlichkeit "unserer politischen Elite" (meine ist es nicht) einmal ganz abgesehen.

Wer Kisslers Kommentare auf "The European" verfolgt hat, weiß, dass er sich in Christian Wulff regelrecht verbissen hat. Dass er nun auch noch in der privaten Katastrophe nachtritt -- ach, das soll er mit seinem Beichtvater abmachen.

  • Antworten
Thomas ex Gotha11.01.2013 | 16:06 Uhr

Macht und Ansehen

Wenn es eine machtbesessene Frau aus eigener Kraft nicht schafft hochzukommen, sucht sie sich eben einen Aufzug, mit dem dies möglich ist. Und dieser Aufzug war Christian Wulff.

Die Trennung ist für Herrn Wulff nicht das Schlimmste, denn seine Frau Bettina hat in meinen Augen die Eigenschaften einer Gottesanbeterin, einer eiskalten, gnadenlosen Fangschrecke.

Herrn Wulff wünsche ich alles Gute.

  • Antworten
Schneetiger14.01.2013 | 17:32 Uhr

Kommentar

Man kommt nicht umhin, sich daran zu erinnern, dass Herr Wulff seinerzeit für Bettina seine langjährige Ehe aufgab. Und auch wenn Schadenfreude mit Sicherheit nicht angebracht ist, kann man nur hoffen, dass er aus seinen Fehlern lernt.

  • Antworten
Thomas11.03.2013 | 19:50 Uhr

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