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Salon

Kurt Krömer„Ich würde überall dort rauchen, wo es verboten ist“

Von Kurt Krömer7. Oktober 2012
picture alliance
Krömer, Buschkowsky, Neukölln
Noch mal rauchen, ganz viel rauchen
Schrift:

Klappe zu, Affe tot: Warum sich Komiker Kurt Krömer vor seinem Tod noch  mit Heinz Buschkowsky versöhnen würde

Na jut. 24 Stunden also. Ganz klar. Ich würde überall dort rauchen, wo es verboten ist. Und ich würde spazieren gehen. Im Grunewald. Den Tag, den ich dann noch zu leben hätte, möchte ich für mich haben. Teilweise würde ich den Leuten gar nichts sagen. Die Mitleidsschiene brauch ich nicht. Was mir auf den Sack gehen würde, wären Leute, die sagen, „Oh, dit is ja traurig. Kieck ma, 17 Stunden noch, ach dit is ja schade, wa? Wir leben alle weiter und du musst jehn.“ Nein. Ich würde all das machen, was man nicht machen darf: So richtig viel essen, viel saufen, mit dem Auto übern Ku’damm fahren. Ich hab ja keinen Führerschein. Also alles auf die Spitze treiben.

Obwohl. Vielleicht sollte ich nicht ganz so viel trinken, sonst vergisst man ja wieder alles. Und dann vergesse ich vielleicht, dass ich nur noch 15 Stunden zu leben hätte, und am Ende verpasse ich dann den eigenen Tod.

In meine letzte Sendung würde ich all die Leute einladen, die bis jetzt nicht gekommen sind. Denen würde ich sagen: „Ick hab nur noch einen Tag zu leben und denn muss ick qualvoll sterben. Können Se nich kommen, Herr ­Adorf.“ Oder Udo Lindenberg. Ich würde sagen: „Udo, komm ma morgen, ick hab nich mehr so lang.“ Nach der Show würden wir dann einen trinken gehen. Zwei große Bier und dann vom Tresen fallen. „Lasst mich liegen, trinkt weiter uff mein Wohl!“, würde ich rufen. Und die Rechnung bliebe auch aus.

Vielleicht könnte ich mich auch mit Heinz Buschkowsky versöhnen. Meine Harmoniebedürftigkeit würde vermutlich durchschlagen. Obwohl. Er hat ja angefangen, mich zu beleidigen. Für sein gutes Gewissen würde ich es tun. Nicht, dass er am Ende von meinem Tod aus der Zeitung erfährt und sich sagt: „Mensch, der Krömer, mit dem hatte ich mich doch gestritten und jetzt isser tot. Mensch, hätt ick mal …“ Ich würde in sein Büro gehen, ihm die Hand reichen und sagen: „Buschkowsky, ick nehm dit uff meene Kappe, es war meine Schuld, ick entschuldige mich in aller Form bei Ihnen.“ Beim Rausgehen würde ich dann denken, was ich für den Blödmann alles gemacht habe, das geht auf keine Kuhhaut, und dann treff ich mich mit Udo. Davon darf Buschkowsky aber nichts erfahren.

Wie viele Stunden hab ick noch? Oh. Ich würde noch mal gern jemanden zusammenschlagen, mal so richtig ohrfeigen. Ich prügele mich ja nie. Einmal rausfinden, wie das ist. Am besten in meiner Sendung. Und die Intendantin sagt dann: „Ab morgen können Sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen, Herr Krömer.“ Es müsste auf jeden Fall einer sein, der es verdient hat. Einer, bei dem alle sagen: Jawohl. Es dürfte auch niemand sein, der einen Kopf kleiner ist. Und es müsste jemand sein, bei dem man weiß, wenn man den schlägt, dann ist dit übel …

Aber den Namen nehme ich mit ins Grab. Echt. Man muss, auch wenn man tot ist, noch Geheimnisse haben. Ich schreibe den Namen dann auf ein Zettelchen, der kommt in einen Umschlag, den ich in der ausgestreckten Hand halte. Und dann geht die Kiste zu. Klappe zu, Affe tot.

Aufgeschrieben von Timo Stein

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Otto Meyer10.10.2012 | 16:11 Uhr

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