Die ganze Welt freut sich auf ein sommerliches Fußballfest. Doch während der Europameisterschaft in der Ukraine droht Tristesse. Höchste Zeit, dass Europa einen Fußballpakt schließt und für ein heiteres Turnier sorgt. Zum Beispiel in Stockholm und London, Paris und Madrid, Wien und Tallin. Ein Kommentar
Am 19. Mai findet in München ein großes europäisches Fußballfest statt. Selbst notorische Bayernhasser, wie der Autor dieser Zeilen, freuen sich auf das Spektakel, wenn einige der besten Fußballer Europas das Finale um die Europameisterschaft für Vereinsmannschaften austragen, nichts anderes ist die Champions League. Bayern gegen Chelsea, das verspricht Emotionen und Spektakel, Kampf und Tore. Und die ganze Welt schaut begeistert zu.
Und dann? Anschließend könnte der europäische Fußball ein trauriges Kapitel aufschlagen. Gut drei Wochen später, am 9. Juni und damit einen Tag nach dem Eröffnungsspiel im polnischen Warschau, beginnt in Charkow und Lwiw der ukrainische Teil der Fußball-Europameisterschaft. Erst trifft Niederlande auf Dänemark, anschließend spielt Deutschland gegen Portugal. Wieder kämpfen einige der besten Fußballer Europas um jeden Meter auf dem Platz.
Doch heitere Spiele wird es kaum geben. Auf der Tribüne werden sich die autoritären Machthaber und die korrupten Eliten des Landes feiern lassen, westliche Politiker hingegen werden die Stadien meiden. Bonjour Tristesse.
Natürlich geht es in der Ukraine nicht so zu wie in Weißrussland oder China, die Opposition kann sich öffentlich artikulieren, aber trotzdem hat eine mafiöse Politikerkaste das Land fest im Griff. Menschenrechtsverletzungen, Einschränkungen der Pressefreiheit, willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Auf den Straßen des Landes hingegen geht die Angst vor weiteren Terroranschlägen um, deren Hintergründe sind völlig unklar. Nur wenige Kilometer vom Stadion in Charkow entfernt, wo dann am 13. Juni der Klassiker Deutschland gegen Niederlande stattfinden soll, wird die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko im Gefängnis sitzen.
Auch bei vielen Fußballfans ist die Vorfreude auf die Europameisterschaft längst getrübt. Die Infrastruktur des Landes ist schlecht, Hotelpreise sind explodiert, selbst der Uefa-Präsident Michel Platini nannte die ukrainischen Hotelbesitzer „Betrüger und Ganoven“. Darüber hinaus muss sich erst noch erweisen, ob die ukrainische Polizei mit den Emotionen umgehen kann, die die Fans zu einem Fußballspiel mitbringen. Den rechtsextremen ukrainischen Hooligans hingegen eilt bereits jetzt ein ziemlich übler Ruf voraus.
Trotzdem versichern alle Fußballfunktionäre und auch alle Politiker in Europa, eine Absage der Europameisterschaft sei genauso wenig ein Thema, wie ein Boykott. „The Business must go on“, heißt das Motto, das ukrainische Regime hat schließlich ziemlich viel Geld in den Zuschlag für die Europameisterschaft investiert, nun will es in aller Ruhe seine Geschäfte machen. Die Uefa, die europäischen Fernsehanstalten und Sponsoren stehen dem kaum nach. Die Europameisterschaft ist ein gigantisches Geschäft, für viele scheinen Fußballspiele da nur Mittel zum Zweck.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum Europa einen Fußballpakt braucht












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