Was geschah unmittelbar vor Rommels Tod? Dieser Frage widmet sich das TV‑Dokudrama „Rommel“ – eine Frage, die für Kontroversen sorgen wird
Wir werden fechten, wo wir stehen, keinen Fußbreit Boden ohne Kampf aufgeben. Und wenn wir einen Fußbreit aufgeben, sofort wieder vorstoßen. Und wir sind ja so glücklich, es seit gestern zu wissen, dass unser Generaloberst Rommel …“ Weiter kommt Hitler in seiner Rede zum neunten Jahrestag der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1942 im Berliner Sportpalast nicht. Tosender Beifall unterbricht den „Führer“. Der Name des hochdekorierten Truppenführers, der mit seiner Panzerarmee seit einem Dreivierteljahr die britischen Truppen in Nordafrika in Schach hält, reißt die Zuschauer zu Jubelstürmen hin. Rommel ist nicht nur ein General, er ist ein Phänomen, ein Mythos, der NS-Ritter ohne Fehl und Tadel, ein schwäbischer Biedermann in Epauletten und Schirmmütze, mit Pourle- Mérite und Ritterkreuz. Glühende Nationalsozialisten können sich ebenso mit ihm identifizieren wie nüchterne, „unpolitische“ Militärs und heimliche Gegner Hitlers.
Vor allem um Letztere geht es in den vergangenen Jahren immer wieder. Das Verhältnis von Johannes Eugen Erwin Rommel – letzter Dienstgrad Generalfeldmarschall, geboren am 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz, gestorben am 14. Oktober 1944 auf einer Autofahrt bei Herrlingen nahe Ulm – zum deutschen Widerstand gegen Adolf Hitler gehört zu den letzten ungelösten Rätseln des Dritten Reiches. Ein TV‑Dokudrama, das am 1. November im Abendprogramm der ARD ausgestrahlt wird, versucht nun, im 70. Jahr seines Bestehens, die Annäherung an den „Mythos Rommel“. Es ist ein großer Film, sicherlich auch dank der umsichtigen Beratung durch den renommierten Widerstandsforscher Peter Steinbach. Wäre er in Hollywood gedreht worden, käme er in die Kinos, für das Fernsehen ist er fast zu schade. Die Dialoge sind, von den offenbar unvermeidlichen Fehlerchen im historischen Detail abgesehen, präzise. Mit Geschick bedient man sich cineastischer Anleihen, vor allem aus dem US‑Epos „The Longest Day“ von 1962. Und Johannes Silberschneider spielt Hitler um Längen besser als der geifernde Bruno Ganz in „Der Untergang“.
Den Marschall selber, dessen letzte Monate der Film erzählt und der als deutsche Schlüsselfigur des Jahres 1944 inszeniert wird, stellt Ulrich Tukur dar. Zwar scheint er nicht so recht zu wissen, ob er sächseln oder schwäbeln soll, aber seine biedere Gymnasialrektorenstatur bildet den Charakter und das Dilemma des Württemberger Mittelstandskinds Rommel ziemlich ideal ab.
An seiner Seite spielt Benjamin Sadler als Stabschef Hans Speidel den intellektuell soignierten Einflüsterer, gleichsam einen guten Mephisto. Der Generalleutnant – Spiritus Rector der deutschen Küstenverteidigung und nach dem Krieg Viersternegeneral der Bundeswehr und schließlich Oberbefehlshaber der Nato-Landstreitkräfte – ist der zweite Heldentenor in dieser Besetzung. Auch er ist ein gespaltener Charakter. Seinen unentschlossenen Oberbefehlshaber hält er erst aus der Schusslinie der NS‑Verfolger, nach dem Krieg modelt er ihn zum Widerstandshelden um. Er schleust ihn beim Feldmarschall Cäsar von Hofacker ein, den Emissär der Widerstandsgruppe um Stauffenberg in Berlin. Der wiederum informiert Rommel vermutlich über die Attentatsplanungen, ohne ihm allerdings eine eindeutige Stellungnahme gegen Hitler abzuringen. Rommel weiß, dass der Krieg mit Hitler an der Spitze nur verloren werden kann; als deutscher Generalfeldmarschall im Jahr 1944 weiß er mit großer Sicherheit auch, dass im Osten Juden ermordet werden.
Auch wenn er mit dem Letzteren nichts zu tun haben will und es als Truppenführer in Frankreich, Nordafrika und Italien auch nicht musste, so hat er qua Amt mit Ersterem so viel zu tun, dass ihn sein nüchternes Tatsachenwissen um die himmelhohe Überlegenheit der Alliierten und den absehbaren Erfolg der Invasion bald in Opposition zu Hitler bringt. Die legendäre Lagebesprechung mit dem „Führer“ kurz nach der alliierten Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 verlässt er als von der Hitler- Kamarilla misstrauisch beäugter Querulant. Vom Bombenattentat Stauffenbergs am 20. Juli erfährt er aus dem Radio, nachdem ihn ein Tieffliegerangriff drei Tage zuvor ans Krankenbett geworfen hat. Den Oberbefehl über die Heeresgruppe verliert er Anfang August, und bei den Verhören, die die Gestapo mit den verhafteten Verschwörern anstellt, fällt immer wieder sein Name als der eines möglichen Mitwissers.














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