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Erwin RommelDer Held, der keiner war

Von Konstantin Sakkas30. Oktober 2012
picture alliance
ARD,Rommel,Hitler,NS,Film
Ulrich Tukur verkörpert im ARD-Film „Rommel“ Hitlers Generalfeldmarschall – am kommenden Donnerstag, 20.15 Uhr
Schrift:

Was geschah unmittelbar vor Rommels Tod? Dieser Frage widmet sich das TV‑Dokudrama „Rommel“ – eine Frage, die für Kontroversen sorgen wird

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Wir werden fechten, wo wir stehen, keinen Fußbreit Boden ohne Kampf aufgeben. Und wenn wir einen Fußbreit aufgeben, sofort wieder vorstoßen. Und wir sind ja so glücklich, es seit gestern zu wissen, dass unser Generaloberst Rommel …“ Weiter kommt Hitler in seiner Rede zum neunten Jahrestag der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1942 im Berliner Sportpalast nicht. Tosender Beifall unterbricht den „Führer“. Der Name des hochdekorierten Truppenführers, der mit seiner Panzerarmee seit einem Dreivierteljahr die britischen Truppen in Nordafrika in Schach hält, reißt die Zuschauer zu Jubelstürmen hin. Rommel ist nicht nur ein General, er ist ein Phänomen, ein Mythos, der NS-Ritter ohne Fehl und Tadel, ein schwäbischer Biedermann in Epauletten und Schirmmütze, mit Pourle- Mérite und Ritterkreuz. Glühende Nationalsozialisten können sich ebenso mit ihm identifizieren wie nüchterne, „unpolitische“ Militärs und heimliche Gegner Hitlers.

Vor allem um Letztere geht es in den vergangenen Jahren immer wieder. Das Verhältnis von Johannes Eugen Erwin Rommel – letzter Dienstgrad Generalfeldmarschall, geboren am 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz, gestorben am 14. Oktober 1944 auf einer Autofahrt bei Herrlingen nahe Ulm – zum deutschen Widerstand gegen Adolf Hitler gehört zu den letzten ungelösten Rätseln des Dritten Reiches. Ein TV‑Dokudrama, das am 1. November im Abendprogramm der ARD ausgestrahlt wird, versucht nun, im 70. Jahr seines Bestehens, die Annäherung an den „Mythos Rommel“. Es ist ein großer Film, sicherlich auch dank der umsichtigen Beratung durch den renommierten Widerstandsforscher Peter Steinbach. Wäre er in Hollywood gedreht worden, käme er in die Kinos, für das Fernsehen ist er fast zu schade. Die Dialoge sind, von den offenbar unvermeidlichen Fehlerchen im historischen Detail abgesehen, präzise. Mit Geschick bedient man sich cineastischer Anleihen, vor allem aus dem US‑Epos „The Longest Day“ von 1962. Und Johannes Silberschneider spielt Hitler um Längen besser als der geifernde Bruno Ganz in „Der Untergang“.

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Den Marschall selber, dessen letzte Monate der Film erzählt und der als deutsche Schlüsselfigur des Jahres 1944 inszeniert wird, stellt Ulrich Tukur dar. Zwar scheint er nicht so recht zu wissen, ob er sächseln oder schwäbeln soll, aber seine biedere Gymnasialrektorenstatur bildet den Charakter und das Dilemma des Württemberger Mittelstandskinds Rommel ziemlich ideal ab.

An seiner Seite spielt Benjamin Sadler als Stabschef Hans Speidel den intellektuell soignierten Einflüsterer, gleichsam einen guten Mephisto. Der Generalleutnant – Spiritus Rector der deutschen Küstenverteidigung und nach dem Krieg Viersternegeneral der Bundeswehr und schließlich Oberbefehlshaber der Nato-Landstreitkräfte – ist der zweite Heldentenor in dieser Besetzung. Auch er ist ein gespaltener Charakter. Seinen unentschlossenen Oberbefehlshaber hält er erst aus der Schusslinie der NS‑Verfolger, nach dem Krieg modelt er ihn zum Widerstandshelden um. Er schleust ihn beim Feldmarschall Cäsar von Hofacker ein, den Emissär der Widerstandsgruppe um Stauffenberg in Berlin. Der wiederum informiert Rommel vermutlich über die Attentatsplanungen, ohne ihm allerdings eine eindeutige Stellungnahme gegen Hitler abzuringen. Rommel weiß, dass der Krieg mit Hitler an der Spitze nur verloren werden kann; als deutscher Generalfeldmarschall im Jahr 1944 weiß er mit großer Sicherheit auch, dass im Osten Juden ermordet werden.

Auch wenn er mit dem Letzteren nichts zu tun haben will und es als Truppenführer in Frankreich, Nordafrika und Italien auch nicht musste, so hat er qua Amt mit Ersterem so viel zu tun, dass ihn sein nüchternes Tatsachenwissen um die himmelhohe Überlegenheit der Alliierten und den absehbaren Erfolg der Invasion bald in Opposition zu Hitler bringt. Die legendäre Lagebesprechung mit dem „Führer“ kurz nach der alliierten Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 verlässt er als von der Hitler- Kamarilla misstrauisch beäugter Querulant. Vom Bombenattentat Stauffenbergs am 20. Juli erfährt er aus dem Radio, nachdem ihn ein Tieffliegerangriff drei Tage zuvor ans Krankenbett geworfen hat. Den Oberbefehl über die Heeresgruppe verliert er Anfang August, und bei den Verhören, die die Gestapo mit den verhafteten Verschwörern anstellt, fällt immer wieder sein Name als der eines möglichen Mitwissers.

Seite 2: Was geschah unmittelbar vor Rommels Tod?

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Neues Dossier anlegen:

Neue Männer braucht das Land...

Napoleon schwach, Rommel schwach: Was ist blos mit den "Helden" los?

Das Erwin Rommel nicht zum Widerstand gehörte, ist nicht neu. Ein Held war er auch nicht; vielmehr ein tapferer Offizier und ein fähiger Truppenführer. Aber ein Vertreter einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft"?

Die Offiziere seiner Generation hatten als junge Männer den militärischen Zusammenbruch im Herbst 1918 erlebt. Die Niederlage wollten sie nicht anerkennen; die Dolchstoßlegende kam ihnen zur Hilfe.

In den letzten Jahren des Krieges konnte Hitler immer wieder geschickt an dieses Trauma appelieren. Durchhalten bis zum Auseinanderfallen der antideutschen Koalition, bis zum Einsatz neuer Waffen, bis zur Erschöpfung der Gegner, die auch schon am Ende ihrer Kräfte wären. Gerüchte über Kriegsverbrechen wurden als Greuelpropaganda der Feinde abgetan, und wenn sie nicht mehr zu leugnen waren, auf das Konto der SS gebucht: Die Front war "sauber".
Hinzu kommt der professionelle Ehrgeiz von Generälen, die nicht verlieren wollten.

Aus heutiger Sicht hat diese Elite moralisch versagt. Menschen wie Rommel standen vor einer Situation, für die es keine generalstabsmäßige Lösung gab. Vielleicht half da nur noch der Tunnelblick, um den Kopf frei zu haben für die eigentliche Aufgabe, die Führung des Krieges.

Rommel war kein Niemand. Er war ein typischer General seiner Zeit. Nur reichte das in Hitlers Wehrmacht nicht mehr.

  • Antworten
Katharina K.31.10.2012 | 00:58 Uhr

Ein typischer General seiner Zeit

dürfte Rommel eher nicht gewesen sein. Er bewies schon im I. WK persönliche höchste Tapferkeit, dafür erhielt der den Pour le Merite.
Andeere spätre Generale sassen während des gesamten I. WK ausschließlich in Stäben. Auch erklomm Rommel die Karriereleiter bis zum Generalfeldmarschall ohne jemals eine Generalstabsausbildung erhalten zu haben. Mir scheint er war, wie jeder wirklich denkende Mensch ein Mensch mit Widersprüchen. Auf der einen Seiten stand seine Loylität zu Hitler, auf der anderen sein Wissen um die militärische Lage.Für mich ist und bleibt Rommel eine tragische, zweispältige Figur. Das will ich den meisten anderen Generalen und Feldmarschällen des III. Reiches nicht behaupten. Typische Generale ihrer Zeit waren für mich v. Manstein, Keitel, Guderian, Paulus, um hier nur einige der bekanntesten zu nennen.

  • Antworten
Bambus0731.10.2012 | 16:05 Uhr

Die Moral danach- welch Hochnäsigkeit

Fürwahr: Es muss doch herrlich-herrisch sein, so am Schreibtisch sitzend, dem PC seine ebenso nachdenklichen wie grässlich hochnäsigen Worte in die Tasten zu klopfen: Über diesen kleinbürgerlichen Rommel -ein Kriegsheld zwar, doch vor allem ein Held der Nazis...selber schuld, nicht wahr?! Nein überhaupt nicht wahr, weil nur teilwahr! Gewiss: Er lief mit, er wurde hochdekoriert, er war der Liebling Hitlers...doch umso großartiger, dass er trotzdem erkannte, was so viele nicht erkannten... und dass er zum Widerstand schwenkte...natürlich zögernd,doch war nicht Grund genug zum Zögern? Wer würde mitmachen? Wer von der Armee, der er dann in den Rücken fiel..? ja, das mag, ja das muss einer von Rommels Gedanken gewesen sein...Wie immer: ich habe >Hochachtung vor einem solchen Mann, der gerade durch seinen Tod für mich zum Helden wurde! Dass einer wie er zuvor hin und her schwankte, er, der im Felde viel weniger schwankte...mag ihm anzukreiden sein...doch ich bitte doch nicht so oberflächlich-schlau über einen Mann zu urteilen, dessen grässliche Entscheidungs-Situation kaum einer heute noch genau beschreiben kann.

  • Antworten
Jörg Beckmann31.10.2012 | 19:23 Uhr

Ich kann

Herrn Beckmann nur zustimmen.

Und der Film hat mir gut gefallen.

  • Antworten
Katharina K.01.11.2012 | 23:13 Uhr

Untersucht lieber die Spur des blutigen Geldes aus der NS-Zeit

Lasst doch das historische Suchen, nach der Stecknadel im Sauhaufen. Untersucht lieber die Spur des blutigen Geldes aus der NS-Zeit, bei den notbremsenden und den eigenen Arsch rettenden Lamettaträgern. Diese Spur führt bis in die BRD und auch in die DDR. Beispiel Baron Leonrod, Arisierer, München Möhlstraße, der dann seinen Beichtvater ans Messer lieferte Der Verbrecher Freisler warf bei seinen Blutprozessen, den Widerstands-Krämpfern vor, vom Anfang mit dabei gewesen und sich bereichert zu haben. Dennoch Danke, ein Stück näher der Wahrheit.

  • Antworten
Antonius Theiler. geb.194102.11.2012 | 11:19 Uhr

Und ich kann

der Katharina zustimmen, die dem Herrn Beckmann zustimmt. Beim lesen des Artikels stellte sich mir nur noch die Frage, ob der Autor auf biegen und brechen etwas schreiben musste, was am Ansehen Rommels kratzt.

Schwacher Journalismus meiner Meinung nach.

  • Antworten
Alexander Goretzky21.11.2012 | 11:59 Uhr

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