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Salon

Richard David PrechtDas Bildungssystem muss revolutioniert werden

Interview mit Richard David Precht6. Dezember 2011
picture alliance
Richard David Precht, Bushido, Philosoph, Foyergespräch
Richard David Precht: „'Philosoph im Außendienst' finde ich nicht despektierlich"
Schrift:

Der Autor Richard David Precht debattiert am Sonntag, den 11.12, im Berliner Ensemble mit den Journalisten Frank A. Meyer und Alexander Marguier über die Bedeutung der Philosophie in der heutigen Zeit. Vorab sprach er mit CICERO ONLINE über Talkshows, Intellektuellenfeindlichkeit, Bushido und Bildung

Seite 1 von 2

Herr Precht, ich streite mich oft mit meiner Mutter wegen Ihnen. Sie hält Sie für einen profunden Intellektuellen, der eloquent die Welt erklärt. Ich wiederum möchte mir eigentlich von niemandem die Welt erklären lassen. Wer hat Recht?
Naja, ein Recht darauf, sich die Welt nicht erklären zu lassen, hat jeder. Wobei ich den Ausdruck „Welt erklären“ doch sehr gewaltig finde in Bezug auf das, was ich tue.

Sie werden nicht selten despektierlich als Ratgeberphilosoph oder auch als „Philosoph im Außendienst“ (Stern) gehandelt.
„Philosoph im Außendienst“ finde ich nicht despektierlich.

Ist das die Rolle, in der Sie sich dann auch selbst sehen?
Wenn der philosophische Innendienst der akademische Inner Circle ist, dann ist das eine gute Beschreibung. Denn es bedeutet, dass ich das, was in diesem inneren Zirkel akademischer Kreise besprochen wird, in allgemeinverständlicher Form nach außen bringe. Genau so verfahre ich in meinen Büchern und Aufsätzen. Es ist aber nicht das, was ich in Talkshows mache. In Talkshows kann man nicht philosophieren. Dazu fehlt einem hier schlichtweg die Zeit.

Sie sitzen derzeit in vielen Talkrunden und äußern sich zu den unterschiedlichsten Themen. Man hat den Eindruck, Sie könnten so ziemlich alles wegphilosophieren. Haben Sie keine Angst, irgendwann als beliebig zu gelten?
Schauen Sie, den größeren Teil der Einladungen in eine Talkshow, die an mich gestellte werden, lehne ich ab. Allein während der Guttenberg-Affäre hatte ich jeden Tag drei Anfragen. Es gibt Themen, zu denen ich mich einfach ungern äußere. Beispielsweise wollte man mich oft für Kernkraftthemen gewinnen, tatsächlich bin ich aber nur ein einziges Mal hingegangen. Zu bestimmten Thematiken sollten sich nur solche Leute äußern, die sich ihr halbes Leben damit befasst haben. Was Ihren Vorwurf der Beliebigkeit betrifft: Natürlich ist meine Bandbreite relativ groß. Wenn es in einer Runde darum geht, ob die Tötung Osama Bin Ladens Rechtens sei, dann ist das ja nicht nur eine juristische, sondern auch eine moralphilosophische Frage. Es kommt dann allerdings auch schon mal vor, dass die Sendung nicht so läuft, wie man sich das im Vorfeld erhofft.

So wahrscheinlich auch geschehen in der Sendung bei Markus Lanz, als sie mit Bushido, Sido und Peter Maffay fragwürdigen Bambi-Diskussionen ausgesetzt waren. Was ist dann schlimmer? Bushido und Sido moralisch in die Schranken zu weisen oder auf die scheinbar investigativen Fragen von Moderator Lanz einzugehen?
Nun, ich ging nicht zu Lanz, um moralisierende Phrasen an Bushido oder Sido zu richten. Auch habe ich das künstlerische Schaffen der beiden Herren nur wenig kommentiert. Im Grunde habe ich versucht, mich so weit wie möglich aus den Streitigkeiten rauszuhalten. Eingeschritten bin ich dann, als ich das Gefühl hatte, dass die Runde die Gestalt eines Tribunals annimmt. Aber natürlich hat mir der hintere Teil der Sendung gefallen, als wir über mein neues Buch sprechen konnten.

Sie sind Vorbild für viele Studierende, die sich für das doch eigentlich brotlose Fach der Philosophie entschieden haben. Sie sind so ziemlich der einzige Philosoph, der berühmt geworden ist. Sieht man mal von Sloterdijk und Habermas ab.
Zunächst einmal ist es nie mein Ziel gewesen, berühmt zu werden. Die Stelle eines „public philosophers“ war in Deutschland vakant. In anderen Ländern wie in Frankreich, England, Holland oder der Schweiz haben Sie gleich fünf oder sechs Prechts, also Leute, die eine ähnliche Rolle in der Gesellschaft spielen. Nur in Deutschland war diese Position, Sloterdijk mal ausgenommen, lange Zeit nicht besetzt. Der Anteil der sich wirklich einmischenden Intellektuellen ist hierzulande sehr gering und die philosophische Akademie hat sich längst von der Öffentlichkeit verabschiedet. Das sind sicherlich Gründe, weshalb ich so einen Erfolg haben konnte. Das führte allerdings auch zu Anfeindungen. Nicht aus der akademischen Welt, sondern aus den Feuilletons. Dort sitzt eine ganze Reihe von Leuten, die sich eine solche Position selbst auch erhoffen.

Ist das nicht auch beispielhaft für den Umgang hierzulande mit Intellektuellen? Diese unterschwellige Intellektuellenfeindlichkeit ist doch ein ziemlich deutsches Phänomen, oder?
Ich glaube nicht, dass das etwas mit Intellektuellenfeindlichkeit zu tun hat. Das Problem liegt eher bei den Feuilletonisten. Dort heißt es, dass ein Intellektueller, der in eine Talkshow geht, kein Intellektueller mehr ist. Viele dieser Leute lesen meine Bücher nicht, sondern kennen nur meine Talkshowbeiträge und kommen dann zu dem Urteil, ich sei doch kein Philosoph. Wenn sie einen 40-sekündigen Beitrag von mir zum Tertium comparationis erklären, als Maß dafür, ob ich philosophisch was draufhabe oder nicht, ist das doch sehr merkwürdig. Ich schreibe im Augenblick philosophische Fachaufsätze, in denen ich natürlich anders zu Werke gehe als in Talkshows.

Sie haben gerade zusammen mit Ihrem Sohn ein Kinderbuch geschrieben. Darin erklären Sie Ihrem Kind die Welt. Warum machen Sie es eigentlich nicht umgekehrt? Kann ein Kind denn nicht viel besser die Welt erklären als ein Erwachsener?
Nein.

Nein?
Die Antwort ist nein. Haben sie Kinder?

Nein.
Ein Kinderphilosophiebuch zu schreiben, ist sehr schwierig. Natürlich sagt sich so leicht, Kinder seien die besseren Philosophen, „Kindermund tut Wahrheit kund“ und vieles andere mehr. Aber es ist noch nie ein philosophisches Buch von einem Kind geschrieben worden. Das geht auch nicht, denn Kinder stellen philosophische Fragen genauso wie sie banale Fragen stellen. Wenn Sie das nicht ordnen, sie dem ganzen keinen Rahmen geben, dann kommt kein Buch dabei raus.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, warum Richard David Precht für eine Bildungsrevolution plädiert

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Reformen

Precht schliesst sich da einer langen, verhängsnisvollen Reihe an. Die seit den 60er Jahren vielleicht mit Edding gestartete Reformkette ist eine lückenlose Abfolge von Verschlechterungen, Substanzverlusten, Niveauabstürzen.

Und auch inhaltlich liegt Precht ganz im verhängsvollen Pädagogiktrend. Unter dem Blendertitel Didaktik, der für eine Unzahl von Lehrstühlen steht, wurde stets die Entfernung der Inhalte aus den Fächern betrieben, ganz nach dem Motto "Lernen lernen", eine zutiefst absurde und einer Industriegesellschaft nicht angemssene Ideologie. So wie der Münchener im Himmel um 11.00 Uhr "Frohlocken" hat, setzt Precht dann Philosophie und Lebensbewältigung an.

Das erzählen sie mal dem Piloten oder CNC-Dreher, der nach einem Millionenfehler fröhlich, den Pädagogen erfreuend verkündet, aber gelernt zu haben.

  • Antworten
F.Franz06.12.2011 | 09:06 Uhr

Gegenfrage: Der Pilot oder

Gegenfrage: Der Pilot oder CNC-Dreher hat seine Fähigkeiten durch das Lesen von Werther oder dem Auswendiglernen des Zitronensäurezykluses in Biologie erworben?

Nur weil man gegen etwas ist und denkt, aus einem kurzen Interview eine wissenschaftlich 100x bestätigte These herauslesen zu können, sollte man nicht immer herablassend kommentieren. Vor Allem dann, wenn der eigene Beitrag gehaltlos ist.

Dass wir heute in einer Zeit angekommen sind, die vollkommen andere Bedürfnisse aufweisen, als es zu der Zeit der Gründung des heutigen Schulsystems der Fall war, sollte jedem Menschen mit etwas Bildung klar sein.
Wie diese Revolutionierung zu vollziehen wäre, ist ein anderes Thema. Dass es, dank unseres ebenfalls veralteten politischen Systems nicht geschieht, erleichtert es jedoch, diese Diskussion nicht zu ernst zu nehmen.

  • Antworten
Gerd Huebner06.12.2011 | 15:13 Uhr

Dünne Argumente

Ich liebe sie, diese tausendmal gemachten Forderungen etwas zu völlig revoltionieren zu wollen, beonders dann wenn die Argumente dann zu tiefgehend und hintersinnig sind wie :Homo Faber ist doch heute Opa-Literatur, und ich kann meinem Kind nicht plausibel erklären, warum gerade sie oder er sich mit yxz auseinandersetzen soll, wo es doch mit Sicherheit später mal etwas ganz anderes machen will, und das müsste die Schule doch einsehen und einen nicht weiter damit belästigen, sondern bitte unbedingt die eigene Lebenswelt spiegeln und nicht etwa verschiedene Realitätszugänge zu suchen.
Nicht dass ich nicht genug an der Schule zu kritisieren wüsste, aber die Crux liegt ja auch gerade in der Realitätsferne jugendlicher 'Lebensentwürfe': Mit einem geringen Maß an Anstrengungsbereitschaft ein Höchstmaß an Befriedigung zu erreichen. besser wird die Schule durch eine solche Einwegphilosophie sicher nicht.

  • Antworten
Carlo Siemers06.12.2011 | 13:50 Uhr

Werther ist gerade heute wertvoll

Der Wert von "Die Leiden des jungen Werther" steigt mit der Anzahl der Jugendlichen, die sich aus Liebeskummer etwas antun wollen.

  • Antworten
Tobias Hoffmann06.12.2011 | 14:27 Uhr

Philosophisches

Philosophisches findet nicht mehr im öffentlichen Raum statt mag stimmen im Allgemeinen nicht aber im Speziellen.Wir philosophieren in
Bookrix: Gruppe Philosophisches.Da wird die ganze Bandbreite des philosophischen Denkens praktiziert.Mangel an Themen gibt es nicht.
Von Aristoteles bis Hume aber auch die moderne Philosophie werden behandelt.Im Idealfall kommen auch originelle, eigene Ein- und Aussichten der Philosophie als Beitrag zu ihrem Recht.Kommentierung und Wertungen sind gewünscht. Philosophari necesse est...Gerade in Krisenzeiten sollte die politische Philosophie betrieben werden.Das Ansammeln von Wissen und das Denken über das Denken.

  • Antworten
bernd06.12.2011 | 17:01 Uhr

Voll gut, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Postulat: Wir brauchen eine Bildungsrevolution!

Impetus: Nicht kleckern. Pah! Klotzen.

Resultat: "Und was und wie sollte man revolutionieren?" "Äh...Goethe und Frisch sind ziemlich überbewertet und so. Naja. Äh...." Vielen Dank Herr Precht für das anbiederische, schnarchige Blümchenphilophiegespräch."

Fazit: Hätte man sich auch schenken können.

  • Antworten
Medley07.12.2011 | 03:02 Uhr

Kommentare zum Gespräch

Herablassende Polemik ist zwar ein Teil der Meinungsfreiheit, aber zeugt von schlechtem Stil und mangelhafter Reflexion.
Es sind Ideen und Visionen gefragt, um diese Gesellschaft zu verbessern.

  • Antworten
Gschwind Jahn07.12.2011 | 18:08 Uhr

si tacuisses...

Alles, was ich meiner Tochter nicht erklären kann, ist unnütz. Abiturklausuren prüfen Lebensfähigkeit. Wissen und sein Nutzen müssen unmittelbar überprüfbar sein. Lernen hat nur eine Ebene, nämlich die konkrete Anwendung, keine indirekten oder mittelbaren, tiefergehenden Effekte und Wirkungen. Ich habe ein Buch von Herrn Precht gelesen und finde, er ist ein schlechter Autor. Also raus aus den Schulen mit ihm!
Philosoph? Ha ha.

  • Antworten
Langdon Olger07.12.2011 | 20:53 Uhr

eindimensionales Lernen

Daß Lernen nur die konkrete Anwendung als Ebene und Ziel und und keine tiefergehenden Wirkungen habe, trifft nur auf bestimmte Lerninhalte und -weisen zu: Ein wirklich kontinuierliches Lernen & Üben hat natürlicherweise sehr oft tiefergehende Wirkungen auf Geist & Seele - und gerade deshalb ist es so wichtig, welche INHALTE man dem Intellekt (und damit mittelbar dem am Geistigen beteiligten Seelenleben) zuführt:
Selbst das GRÜNDLICHE, kontinuierliche Erlernen einer Sprache kann z. B. tiefergehende, disziplinierende, formende Wirkungen auf Geist & Seele haben, die über das reine Sprechen- und Verstehenkönnen der Sprache hinausgehen.
Die Beschäftigung mit schöngeistigen Inhalten (die meist keinen konkreten "Zweck" hat) hat oft harmonisierende Wirkung und erzieht den Geist zu ruhiger, betrachtender Abwägung von Qualität(en) - eine Fähigkeit, die z. B. viele Akademiker (inklusive Lehrer) gar nicht mehr erkennen lassen, weil sie so sehr in Einzelfragen, Sekundärliteratur (Produktion wie Rezeption) verstrickt sind, daß sie ein GANZES gar nicht mehr wirklich überblicken - ergo können sie die Fähigkeit der ruhigen, abwägenden Betrachtung, auch nicht mehr vermitteln.

  • Antworten
Christoph Dohrmann24.04.2013 | 15:13 Uhr

Interview - nichts Neues für das Leben

Einer interessanten Headline folgt die ernüchternde Suche nach der Revolution im Bildungssystem. Das Interview zeigt deutlich, dass sich der Medienphilosoph von heute schwer tut. Zu beliebig sind ständige wechselnde Strömungen und die Ansprüche der Medien an Interviewinhalte und Botschaften.
Nach Rechts- und Naturphilosophen, den dann folgenden Aufklärern, sind nun die Strömungsphilosophen (neudeutsch: Philosophen der Gegenwartsentwicklung) Notnagel zur gelegentlichen Präsentation wissenschaftlicher Betrachtungsweisen.
Würden Leute wie Precht auf Strömungen der aktuellen Epoche eingehen, wäre das noch sinnvoll. Aber Tagesströmungen –ohne weiter greifende Gesamtschau- „im Aussendienst“ umzusetzen ist dann zurecht despektierlich.
Der überschriftlich fixierten Bildungsrevolution folgen langatmige Betrachtungen zu quotenschwachen Talksendungen, die Einschätzung, dass andere Länder fünf oder sechs „Prechts“ haben (welche Geistes-, Denk-, oder Realitätseinheit ist „ein Precht“?), das Bedauern, von verschiedenen Feuilletonisten nicht als Philosoph geschätzt zu werden, ein Stichwortausflug in die Entwicklungspsychologie, Familienerlebnisse mit schulpflichtigen Kindern und kurze Hinweise auf das „System Humboldt“.
Achja – zu viele Kinder lernen nicht für das Leben, sondern für die Abiturprüfung.
Das Interview strotzt vor Beliebigkeiten, obwohl es um Fragen ging, die nicht in 30 Talkshow-Sekunden zu beantworten waren. Sicherlich hätte Cicero noch „ein paar Zeilen dranhängen“ können.
Die Prechts unserer Tage dürfen sich nicht wundern, nicht nur von den Feuilletonisten als nicht so bedeutend eingeschätzt zu werden.
Das Interview sagt dem Menschen aus dem Alltag nichts Neues für das Leben. Es füllt Zeilen, nicht mehr und nicht weniger.

  • Antworten
Buntstift08.12.2011 | 15:14 Uhr

R.D. Philosoph?

Hätte der Herr die Apokatastasis doch nur bis zu den Henaden der Dyas geschafft, würde er nicht diesen Philosophatsch produzieren, sondern würde wissen, daß Schönheit nie und nimmer Symmetrie sein kann oder in der Natur nichts Zufälliges kreucht und fleugt.

  • Antworten
Odowin Clos09.12.2011 | 18:13 Uhr

Wozu muss ich das wissen? - ?!

"Wenn meine 17-jährige Stieftochter im Physikunterricht irgendwas lernen muss und mich fragt, warum sie das wissen muss, dann kann ich ihr darauf keine positive Antwort geben."

Wenn ein rückengeplagter Bürohengst fragt, warum er in der Reha irgendeine Bewegung machen soll, dann versucht kein vernünftiger Mensch, ihm klar zu machen, wozu er diese Bewegung am Schreibtisch oder im Fernsehsessel braucht.
Denn: Wenn die Frage falsch gestellt ist, dann kann keiner eine positive Antwort darauf geben.

  • Antworten
Robert Voppmann13.04.2012 | 14:32 Uhr

Schulsystemreform

Daß das System Schule an sich "längst überholt" sei, ist eine völlig überzogene Aussage Prechts.

Der Sinn des Humboldt’schen Systems war mitnichten, nur geeignete Leute für die Verwaltung hervorzubringen: Humboldt WOLLTE eindeutig ALLGEMEINBILDUNG im Sinne der Erzeugung eines "geistigen Kosmos" in sich und im Sinne einer Persönlichkeitsbildung, die zu selbständigem Denken und selbständiger wissenschaftlicher
Arbeit befähigt.

Wer Zaimoglu als Oberstufenliteratur fordert, sollte sich fragen, ob er überhaupt versteht, was qualitativ wertvolle Bildungsinhalte ausmacht.

Den Werther in der Schule abzuhandeln, hat weniger mit dem Thema Liebe zu tun als damit, ein kulturelles Verständnis für die kulturgeschichtlich bedeutende Epoche des Sturm & Drang zu wecken. Das "Thema" Liebe "beackern" die Jugendlichen schon ohne Lehrer.

Wir sollten darüber NACHDENKEN, was eigentlich zur ALLGEMEINBILDUNG gehört und was nicht, welche Fähigkeiten und welches Wissen bei guten Schulabgängern ausgeprägt sein sollten und welche eher entbehrlich sind: DIES ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Schulsystem. GUTE, d. h. differenzierte Beherrschung der eigenen Sprache und des Englischen wie mindestens einer weiteren Fremdsprache, fände ich z. B. eine gute Forderung an das Gymnasium.
Außerdem wäre es wohl sehr wünschenswert, wenn man in der Schule auch ganz praktische Dinge lernen würde - z. B. wie man sich gesund erhält (Ernährung, Achtsamkeit, autogenes Training ...), Selbstverteidigung, Umgang mit Geld, Zeitmanagement etc..
Intelligente Menschen sind sich wohl meist einig, daß eine Schule, die nur immer mehr Wissen - und viel unnötiges - in die Köpfe stopft, eine dumme Schule ist: Aber ein ungegliedertes Schulsystem, nur noch Gesamtschulen, keine Noten mehr, nur noch "Lern-Projekte", wie es Precht fordert - DAS kann es auch nicht sein!

  • Antworten
Christoph Dohrmann24.04.2013 | 14:46 Uhr

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