Sinnlose Wettbewerbe behindern Wissenschaft und Forschung
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Sehr treffender, wichtiger Beitrag! Es ist schon beinahe Planwirtschaft.
Endlich!
wird dieses Thema einmal angesprochen, und das nicht aus der sektiererischen Ecke heraus, sondern von einem gestandenen Volkswirtschaftler wie Binswanger.
Wir „wettbewerben“ uns, wenn es so weitergeht, noch zu Tode.
Warum und wie?
Wettbewerb an sich ist nützlich, ja notwendig. Wettbewerb ist ein natürliches Prinzip, und wir verhalten uns dementsprechend, gleich ob wir Wettbewerb begrifflich dingfest gemacht haben oder nicht.
Nun haben wir uns aber in eine nicht mehr nur naturbestimmte Welt hineinentwickelt. Wir haben, zumindest im westlichen und im fernöstlichen Wirtschaftsraum, einerseits eine fast vollständige Deckung unserer materiellen und immateriellen Bedürfnisse erreicht, andererseits aber auch Produktionsmittel aufgebaut (auch für immaterielle Güter), die in ihrer Leistungsfähigkeit weit über das hinausgehen, was für die Bedarfsdeckung erforderlich wäre. Ob das Karl Marx schon richtig oder fälschlich so behauptet hat, spielt hier keine Rolle.
Fakt ist: Die teuren Produktionsmittel müssen ausgelastet werden, also kostendeckend arbeiten. Wie das? Wenn doch schon echter Bedarf gedeckt ist, die Märkte gesättigt sind.
Ergo: Wettbewerb muss her!
Bei der Deckung echten Bedarfs funktioniert das auch, nämlich über Qualität. Der beste Anbieter gewinnt (wenn man mal von Betrug absieht). Das hat Darwin schon in der Natur beobachtet.
Sind aber die Märkte mit qualitativ hochwertigen Gütern (nochmal: auch immateriellen) gesättigt, dann muss Bedarf künstlich erzeugt werden. Schließlich sollen die Investitionen in Produktionsmittel Ertrag abwerfen. Wir fangen an zu tricksen und zu täuschen. Unsinn zu produzieren, wie es Ihr Autor endlich auf den Punkt bringt. Innovation wird zu Perversion.
Seit Wettbewerb um jeden Preis – von Brüssel gefordert, von der Globalisierung erzwungen – stattfindet, divergieren die (schwer quantifizierbaren) Wettbewerbsaufwendungen und die (quantifizierbaren) Wettbewerbserfolge immer mehr. Würde man den wettbewerbsbedingten Anteil aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung herausnehmen, dann bliebe nur ein sehr mäßiges Plus übrig. Wenn nicht gar ein Minus.
Das alles ist keineswegs neu. Es wäre aber zu wünschen, wenn die Nationalökonomen selbst, wie von ihnen anhaltend gefordert, mehr innovative Ideen hervorbrächten, statt dem derzeitigen Wettbewerbs-Mainstream hinterherzuhecheln, weil es nach den Angebotstheoretikern wie Milton Friedman immer noch opportun ist.
Gut, dass Mathias Binswanger hier mal einen Anstoß gegeben hat!
Jürgen T. Honig
Ja, genauso isses!
Endlich tutet mal jemand nicht in das Horn von (kuenstlich aufgesetztem) Wettbewerb und (Pseudo)effizienz. Es gibt eben Lebensbereiche, die nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren. Dazu gehøren Wissenschaft, Gesundheitswesen, Bildungswesen, Kultur.
Man sollte hier keine kuenstlichen "Maerkte" zu schaffen versuchen, und auch das kritiklose Uebernehmen von "betriebswirtschaftlichen" Strukturen zur Verbesserung der Leistung und Effizienz ist fehl am Platze. Vieles erinnert da mehr an Kindergarten als an moderne Forschungspolitik.
Lasst die Leute in Ruhe ihre Arbeit tun, sie wissen schon am besten, wie sie sie machen. Und es gibt uebrigens in der Wissenschaft seit altersher einen Wettbewerb, dazu braucht man keine Erbsenzaehler und Buerokraten - die stellen eher ein Hindernis im wirklichen, internationalen Wettbewerb dar.
Sinnlose Wettbewerbe
Ich selbst unterlag zeitweise auch der Iedologie des Wettbewerbs um jeden Preis. Dass diese eben auch eine Ideologie ist wird mir zunehmend deutlich. Ich bin dem Autor sehr dankbar. Seine Beispiele lassen sich spielend auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen. Neben der Produktion von Unsinn müssen darüber hinaus die psychosozialen Kosten dieser Ideologie beachtet wrden.
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