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 > RWE-Chef warnt vor hohen Strompreisen

Kapital

Jürgen GroßmannRWE-Chef warnt vor hohen Strompreisen

Interview mit Jürgen Großmann21. Juli 2011
Christian Thiel
RWE-Chef Jürgen Großmann: „Deutschland will Industrieland bleiben"
WE-Chef Jürgen Großmann: „Deutschland will Industrieland bleiben"
Schrift:

Im Interview mit CICERO ONLINE verteidigt der RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann die Klage des Energiekonzerns gegen den Atomausstieg, fordert bezahlbare Strompreise, damit Deutschland ein Industrieland bleiben kann und spricht über die Ziele der Zusammenarbeit mit dem russischen Gaskonzern Gazprom

Seite 1 von 5

Herr Großmann, ist der Ausstieg aus der Kernenergie der schwarz-gelben Merkel-Regierung die größte politische Enttäuschung ihres Lebens?
Das Leben ist kein Wunschkonzert, dass Erwartungen nicht erfüllt werden, gehört dazu. Im Grunde fing meine Enttäuschung  im vergangenen Herbst bei der Laufzeitverlängerung an.  Denn durch die Einführung der Brennelementesteuer war schon damals klar, dass es der Regierung nicht darum ging, Zusatzgewinne aus der längeren Nutzung der Kernenergie abzuschöpfen. Fiskale Aspekte waren offensichtlich wichtiger. Der Staat wollte die großen Energieversorger für die Energiewende zu den Erneuerbaren zwar bezahlen lassen, aber den Umbau nicht dem Markt überlassen.

Aber hat sich die Situation durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima nicht einschneidend verändert?
Ich kann verstehen, dass die Regierung nach den Ereignissen in Japan rasch die Energiepolitik ändert. Aber man sollte das möglichst überlegt und  im Dialog tun und dabei versuchen, die Schäden für alle Beteiligten gering zu halten. RWE ist von diesen Entscheidungen hart getroffen, unsere Position im europäischen Wettbewerb ist deutlich geschwächt. Sie werden sicherlich nachvollziehen können, dass das eine schwierige Situation für einen großen Energieversorger ist.

Wurden Sie von der Kanzlerin eigentlich vorab informiert, über ihren Salto rückwärts in der Energiepolitik?
Ich weiß nicht, ob man das einen Salto nennen kann. Bei einem Salto springt man doch von einer bekannten Position ab und landet auch wieder auf einer solchen. CDU, CSU und FDP, die alle noch kurz vorher die Kernenergie als einen der Pfeiler des Energiemixes der Zukunft bezeichnet haben, haben nach der Katastrophe in Japan auf dem Absatz kehrt gemacht. Dabei ist das Ereignis bis heute nicht vollkommen aufgearbeitet. Es wurde einfach unter nicht zu kontrollierendem „Restrisiko“ abgebucht. Nach heutigen Erkenntnissen war es aber kein Restrisiko, sondern die Anlage war für bekannte Risiken nicht ausreichend ausgelegt. Ein Tsunami, wie er sich im März in Fukushima ereignet hat, ist in Japan kein sehr seltenes Ereignis. Deutsche Kernkraftwerke sind gegen hier vorkommende Ereignisse wie Erdbeben und Hochwasser in einem deutlich höherem Maß abgesichert.

Bildergalerie: Besuch bei Jürgen Großmann, Vorsitzender des RWE
  • Besuch bei Jürgen Großmann, Vorsitzender des RWE
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  • Besuch bei Jürgen Großmann, Vorsitzender des RWE
  • Besuch bei Jürgen Großmann, Vorsitzender des RWE

Fukushima hat aber gezeigt, dass der Einsatz der Kernenergie auch in hoch entwickelten Ländern wie Japan gefährlich sein kann.
Das kann man so sehen. Auch RWE akzeptiert völlig, dass es in Deutschland eine neue energiepolitische Ausrichtung gibt. Deutschland will Weltmeister sein mit seinen CO2-Minderungszielen und Ausbauzielen für Erneuerbare. Gleichzeitig wollen wir Industrieland bleiben und müssen darum auch für bezahlbare Strompreise sorgen. RWE arbeitet konstruktiv mit, um die Energiewende voran zu bringen. In diesem und den kommenden Jahren fließen 70% unserer Investitionen in Projekte, die der Energiewende zugute kommen. Aber wir müssen auch sagen, dass uns mit der Atomkraft ein Teil unseres CO2-freien Energiemixes fehlt. Und dass sich dieses Fehlen auch bei unseren Ergebnissen bemerkbar macht. Dieses Geld fehlt für zusätzliche Investitionen in die Energiewende. Hinzu kommt, dass auch die Kosten für die CO2-Zertifikate steigen werden. Wenn wir ab 2013 voll dafür bezahlen müssen, kostet uns das etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr.

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  • Antworten
Siegfried Niese21.07.2011 | 19:24 Uhr

Dezentrale Energieerzeugung

Dezentrale Energieerzeugung muss her! Natürlich gibt's dann keine Möglichkeit mehr, über Abhängigkeit der Abnehmer und Preisabsprachen bequem abzusahnen - aber wenn jemand Ausdrücke wie 'der (!) Primat der Politik' benutzt, traue ich ihm auch nicht zu, den Begriff Allgemeinwohl definieren zu können.

  • Antworten
NJT21.07.2011 | 23:52 Uhr

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