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Kapital

Millionär Peter Krämer „Ran an die Vermögen“

Interview mit Peter Krämer 13. September 2011
picture alliance
Peter Krämer will ran an die Vermögen
Peter Krämer will ran an die Vermögen
Schrift:

Der Hamburger Reeder und Millionär Peter Krämer fordert höhere Steuern für Reiche. Im Interview mit CICERO ONLINE spricht er über die Notwendigkeit einer Erbschaftssteuer nach britischem Vorbild, den bankrotten Euro und die Visionslosigkeit in der Politik.

Seite 1 von 3

Sie sind einer der reichsten Deutschen. Wie lebt es sich damit in Zeiten der Krise?

Da muss ich erst mal etwas richtigstellen: Ich gehörte nie zu den reichsten oder gar superreichen Deutschen. Bis vor drei Jahren vielleicht zu den zehntausend Reichsten in Deutschland. Infolge der Lehman-Brother-Pleite habe ich wie viele andere Reeder weltweit drei Viertel meines Firmenvermögens verloren. In der Schifffahrtszeitung „Lloyds List“, einer der ältesten Zeitungen der Welt, liest man täglich von Konkursen, von Arrestierungen von Schiffen. Die Finanz- und Währungskrise hat uns hart getroffen. Selbst die zweitgrößte Reederei der Welt, Cosco, die dem chinesischen Staat gehört, hat mit dem Marktabschwung zu kämpfen. Das zeigt, in welch schwieriger Lage wir uns befinden.

Augenscheinlich ist aber genügend Geld übrig geblieben. Schließlich fordern Sie, dass man den Reichen, also auch Ihnen, mehr Steuern aufbürdet. Finden Sie, dass der Staat Sie und andere Wohlhabende bislang zu sehr verschont hat?

Ja, selbstverständlich. Es gibt seit langem eine soziale Schieflage bei der steuerlichen Belastung hierzulande. Und die gehört endlich korrigiert.

Einige Ihrer Millionärs- und Milliardärskollegen wie Michael Otto oder Marius Müller-Westernhagen fordern eine Erhöhung der Einkommenssteuersätze. Die SPD hat soeben ein neues Steuerkonzept vorgelegt, wo genau das beschlossen wurde: Danach soll der Spitzensteuersatz von 42 auf 49 Prozent angehoben werden. Sind Sie zufrieden?

Nein, das sind doch Beträge, die lächerlich sind! Der Steuer-Effekt, den die SPD errechnet hat, ist viel zu klein. Ein symbolischer Akt ist das, mehr nicht. Das Ganze geht zudem in die falsche Richtung, weil es vor allem den Mittelstand trifft, beispielsweise Handwerksmeister, die genau rechnen müssen, um über die Runden zu kommen. Sie zu schröpfen ist kontraproduktiv. Zudem gibt es Steuerquellen, die für die Allgemeinheit sehr viel mehr Geld einbringen.

Etwa die Vermögenssteuer, die 1996 das letzte Mal erhoben wurde?

Die Vermögenssteuer auszusetzen war eine Riesendummheit. Allein Hamburg sind seitdem circa drei Milliarden Euro entgangen.

Bundesweit brachte die Vermögenssteuer jährlich neun Milliarden DM – Geld, das vor allem den Ländern zugutekam.

Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. International betrachtet hinken wir bei der Besteuerung von Vermögen hinterher. Da müssen wir ran! Und zwar nicht in erster Linie über die Vermögenssteuer, sondern über die Erbschaftssteuer. Die Briten bezahlen 40 Prozent Erbschaftssteuer und haben einen notwendigen Freibetrag von umgerechnet 300.000 Euro. Daran sollte man sich hierzulande orientieren.

Also her mit den Erbschaftsmillionen?

Die Erben leisten doch bislang so gut wie keinen Beitrag. Jährlich werden in Deutschland zwischen 150 und 200 Milliarden Euro vererbt. Davon sind 70 - 80 Prozent Privatvermögen. Wenn sie davon einen Teil abgeben müssten, tut das nicht weh. Dagegen bin ich strikt gegen die Erhöhung der Besteuerung von Firmenvermögen. Das träfe den kapitalschwachen Mittelstand, auf den wir hier in Deutschland dringend angewiesen sind: 70 Prozent der Beschäftigten sind dort tätig.

Soziologen sagen, dass die Wohlhabenden die großen Gewinner der zurückliegenden Steuerreformen waren. Haben die Regierungen aller Couleur bislang in der Frage der Verteilungsgerechtigkeit versagt?

Ich frage mich tatsächlich, was für eine effektive Lobby die nicht-organisierten Reichen und Superreichen haben. Ich habe viele Freunde im Ausland, die sich über den deutschen Schonkurs gegenüber Wohlhabenden wundern. Nehmen wir die Familie Quandt, denen 40 Prozent von BMW gehört. Das ist deren Privatvermögen. Für den Fall, dass wir die britischen Gesetze hätten, würde nur in diesem Fall über die Erbschaftssteuer ein Milliardenbetrag zusammen kommen – von einer einzigen Familie. Insgesamt würden rund 20 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse gespült, Jahr für Jahr. Dagegen sind das, was die SPD jetzt plant, Peanuts.

Wie sehen denn andere Superreiche Ihren Vorstoß? Haben Sie schon böse Anrufe erhalten?

Es gibt eine höchst menschliche Eigenschaft. Man redet mehr über Menschen als mit ihnen. Ich weiß, dass über mich gesprochen wird. Aber das ist mir nicht so wichtig. Mir geht es darum, meine Ideen einzubringen und Dinge zu verändern.

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Heute wird gemeldet, die FDP habe Schuld dass der Euro so schlecht dastehe, die Kanzlerin ist auch schon sauer. Wieder zu viel gequatscht. Es muss übrigens Südeuro heissen, bleibt doch alles an Bayern hängen. Die Niederländer stellen nämlich den Verkauf Ihrer Coffee Shops ein.
Wer wird uns retten? Die Türken, ja auch dies ist kein Tabu mehr. Bedingung? Kopftuch für Schwule !! Wer wird wieder alles versauen ?

  • Antworten
Subwayslim13.09.2011 | 11:12 Uhr

Vielleicht ein Paradigmenwechsel

Peter Krämer fordert höhere Steuern für Reiche und denkt dabei insbesondere an die Erhöhung der Erbschaftssteuer. Dafür sei ihm zu erst einmal gedankt. Vor allem dass er diese Idee erneut in die öffentliche Diskussion bringt. Sie ist dringend notwendig, denn die Schere zwischen öffentlicher Armut und privatem Reichtum lässt sich kaum noch weiter öffnen. Jeder Bürger weiß, dass die wenigen Reichen und Superreichen den größten Teil des nationalen oder internationalen Geldvermögens besitzen und dass sich dieses Geldvermögen aufgrund des Zinseszinseffektes in immer schnelleren Abständen verdoppelt und das ohne Arbeit.

Sind dem überhaupt noch Grenze gesetzt fragt sich der normale Bürger? Antwort: Ja, die Grenzen gibt es. Sie sind im kapitalistischen System inoperabel eingebaut und führen zum Schluss zur Implosion des Systems.

Dieses illustriert besonders deutlich das Beispiel vom Seerosenteiches: Auf diesem Teich verdoppelt sich die Zahl der Seerosen pro Tag, so dass am 30. Tag der See zugewachsen ist. Er würde dann an Sauerstoffmangel zugrunde gehen. Jeder der am 29. Tag auf den See schaut meint jedoch er brauche sich noch nicht um den Teich zu sorgen, schließlich sei er erst bis zur Hälfte zugewachsen. Soviel zum exponentiellen Wachstum.

Übertragen auf die weltweite Verschuldung hieße das, dass der Zinseszinseffekt alle Staaten dieser Welt eine Zinslast bescheren würde, die sie vielleicht noch bis zum 29. Tag bedienen könnten, danach nicht mehr, so dass das System ähnlich wie der Seerosenteich implodiert. Es implodiert, weil keine Wirtschaft der Welt auf Dauer eine Angebotssteigerung erbringen könnte, die die ständig steigende Zinslast in dieser astronomischen Höhe verdienen kann. Zum Schluss stünde dann ein Jubeljahr ins Haus und alle Schulden würden auf Null gestellt.

Das wissen auch die Reichen und Superreichen. So ist Manches, was jetzt nach Großzügigkeit aussieht mehr eine Furcht vor dem Jubeljahr oder vor dem 30. Tag des Seerosenteiches. Und bevor sie alles verlieren geben sie lieber einen Teil zurück. Eine Einsicht, die vielleicht ein Paradigmenwechsel hervorruft. Inwieweit sie zu dieser Einsicht als unabhängiger Akteur gekommen sind, bleibt eine offene Frage. Altmeister Goethe würde sagen: Du glaubst du schiebst, doch wirst du nur geschoben.

  • Antworten
Heinz Pelzer13.09.2011 | 13:28 Uhr

Mehr Steuereinnahmen

Das wird wohl letztendlich erforderlich sein... doch wer kann dann die verstärkte Geräuschkulisse in Berlin ertragen? Dort wird das jetzige Steueraufkommen mit Energie zum Fenster hinaus geworfen... und dann noch mehr.

Differenzierter ausgeben... immer auf mehr Einnahme setzen ist wohl nur jammervoll. Haushalten...

  • Antworten
wpev14.09.2011 | 12:57 Uhr

Dieser Herr sollte erst mal

Dieser Herr sollte erst mal seine Schiffe wieder unter deutscher Flagge laufen lassen und seinen Besatzungen anständige Löhne zahlen!

  • Antworten
eaglefour14.09.2011 | 13:38 Uhr

Woher wissen sie das er seine Schiffe ausgeflaggt hat

Der Neid spricht wieder, typisch

  • Antworten
peter maier14.09.2011 | 21:39 Uhr

Euro Krise endlich die Wahrheit

Danke fuer diesen Bericht Herr Kraemer. Leider drehen sich die Windmuehlen nicht gegen den Wind. Die Deutschen sind in die Haende von
moechte gerne Darstellern gefallen.
Keiner dieser Politiker hat nur eine Ahnung von Wirtschaft. Ja zur Erb-
schaftssteuer. Nur die laesst sich den Dummen Buerger schlecht verkaufen.
Gruss aus Neuseeland.

  • Antworten
peter maier14.09.2011 | 21:35 Uhr

Interview Peter Krämer

Herr Krämer sollte sich lieber um das Wohl seines Unternehmens kümmern, als sich laienhaft zu Themen zu äussern, von denen er offensichtlich nichts versteht.
Zur Sache :
1. z.Zt.beträgt die Erbschaftssteuer zwischen 20-40% je nach
Verwandtschaftsgrad bei 1 Mio. zu versteuerndem Vermögen. Größere
Vermögen entsprechend mehr.
Freibeträge wurden im Wesentlichen für Steuerklasse 1 errhöht,
nachdem Immobilienvermögen mit dem Zeitwert angerechnet wird.
Diese Regelung ist schwierig umzusetzen, weil die Wertermittlung
nicht nur schwierig ist, sondern Grundstückswerte ständigen
Schwankungen unterworfen sind. Was ist, wenn sich später für den
ermittelten Wert kein Käufer findet ?
2. Vermögenssteuer wurde s.Zt. aufgrund eines Urteils des BVG
abgeschafft und durch andere Steuerhöhungen u.a. Grunderwerbs -
steuer mehr als kompensiert !
Eine Unterscheidung zwischen Firmen-u.Privatvermögen ( sein
Firmenvermögen möchte Herr Krämer nicht betroffen wissen !) ist
nach dem Gleichheitsgrundsatz nicht zulässig !
Bestandssteuern verringern den Bestand und damit Die Ertragssteuern
aus dem Bestand. Milchmädchenrechnung !
3. Der Vergleich mit anderen Ländern ist nur sinnvoll, wenn die
Gesamtbelastung durch alle Steuern verglichen wird. Die Betrachtung
einzelner Steuerarten ist kontraproduktiv !
4. Last but not least : Nicht die Einnahmenseite sondern die
Ausgabenseite von Staat, Länder und Gemeinden sind das Problem.
Dazu die Unfähigkeit, die Casinomentalität des Finanzsektors
zu unterbinden .

  • Antworten
Sirius16.09.2011 | 19:00 Uhr

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