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 > Merkels Fiskalpakt ist am Ende

Kapital

EuropaMerkels Fiskalpakt ist am Ende

Von Til Knipper5. Mai 2012
picture alliance
Merkel in Europa
Steht Kanzlerin Merkel in Europa bald ganz alleine?
Schrift:

In zwei europäischen Ländern wird am Sonntag gewählt. In Griechenland gibt es Parlamentswahlen und in Frankreich wird ein neuer Präsident gesucht. Die schwäbische Hausfrau Angela Merkel könnte in Europa anschließend ziemlich alleine dastehen.

Seite 1 von 2

Es hört sich immer so einfach an, was die schwarz-gelbe Koalition zur Überwindung der Eurokrise zu sagen hat. Mit aller Macht, aber wohlmöglich gegen jede ökonomische Vernunft, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in den vergangenen zwei Jahren ihren Fiskalpakt in Europa durchgedrückt und allen anderen Eurostaaten ein striktes Spardiktat verordnet.

Das Prinzip meint auf den ersten Blick auch jeder zu verstehen: Wer sich in der Vergangenheit zu hoch verschuldet hat, muss jetzt halt kürzertreten. Stichwort: Schwäbische Hausfrau. Vor allem innenpolitisch ist dieses Vorgehen für Merkel sehr praktisch: Dem eigenen Volk erklärt sie, wir hätten unsere Hausaufgaben schon gemacht, jetzt seien eben die anderen dran. So wird den Deutschen in der Krise wenig abverlangt. Die Anpassungen müssen die anderen vornehmen.

Wozu das führt, lässt sich gerade in ganz Europa beobachten: Griechenland spart sich kaputt, Spaniens Wirtschaft hat auch kaum Chancen sich zu erholen und die Arbeitslosigkeit steigt in besorgniserregende Höhen. 

Wahrscheinlich wird sich die von Deutschland propagierte Sparpolitik ohnehin in Kürze erledigt haben. Mehrere europäische Regierungen sind schon wegen der Sparexzesse aus dem Amt gewählt worden, zuletzt scheiterte die niederländische Minderheitsregierung. Und am Sonntag stehen die Parlamentswahlen in Griechenland an sowie die Entscheidung, wer die kommenden fünf Jahre als französischer Staatspräsident im Pariser Elyseepalast residieren wird.

In Athen treten 32 Parteien zur Wahl an. Immerhin 10 davon werden realistische Chancen eingeräumt, die Dreiprozenthürde zu überspringen. Sieben davon haben sich im Wahlkampf gegen die von der EU und dem Internationalen Währungsfonds erzwungenen Strukturreformen ausgesprochen, zwei streben sogar den Austritt aus dem Euro an. Bei unklaren Mehrheitsverhältnissen nach der Wahl sind Diskussionen über einen endgültigen Staatsbankrott daher vorprogrammiert.

In Frankreich verkündet Präsidentschaftskandidat François Hollande, der bei den letzten Umfragen weiter vor Amtsinhaber Sarkozy lag, schon seit Wochen, dass man den Fiskalpakt neu verhandeln oder zumindest um ein Wachstumsprogramm ergänzen müsse.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Merkels Wirtschaftspolitik absurd ist

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Nur aus der Asche unseres Systems wird eine neue Gesellschaft

Wann endlich wird der Sprachgebrauch in Sachen EURO-Rettung ehrlicher?
Worum geht es denn wirklich bei diesem sogenannten "Fiskalpakt"?
Doch wohl unzweideutig darum, große Vermögen - entstanden durch riskante Spekulationsgeschäfte - vor der Entwertung zu retten.
Und um die Stabilisierung von Banken und Investmentgesellschaften, die durch derartige "Schrottpapiere" an den Rand der Ruins, der Insolvenz, geraten sind.
Da hilft eigentlich nur eines: unser kapitalistisch-orientiertes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in den Bankrott zu schicken, um ein neues und vor allem gerechteres Gesellschafts- und Finanzsystem zu schaffen.
Da aber wollen die Mächtigen in Politik und Wirtschaft mit aller Kraft vermeiden.
Wann endlich schreiben Zeitungen, Zeitschriften und Gazetten endlich die ganze, die reine Wahrheit?

  • Antworten
Yvonne Walden05.05.2012 | 18:21 Uhr

Hausaufgaben

...gut das einer die Hausaufgaben macht, dann können die Anderen eben abschreiben und die stehen somit nicht allein da.... ;)

  • Antworten
plüschio05.05.2012 | 23:11 Uhr

Der Fiskalpakt ist tot! Wettbewebsfähigkeit ist der Schlüssel.

Der Fiskalpakt ist eine Totgeburt, solange die betreffenden Länder wirtschaftlich nicht in Schwung kommen. Und das dauert nun einmal mit einer Einheitswährung deutlich länger, da Exporte nicht einfach durch Abwertung angekurbelt werden können. Die interne Abwertung - das Senken von Löhnen und Preisen im zweistelligen Prozentbereich - ist psychologisch schwierig und kommt nur zäh voran. Dabei werden auch die nicht abgewerteten Schulden der Firmen und Privatleute immer drückender.

Da liegt es nahe, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen: den Bedarf nach Konsumgütern mit frisch gedruckten EZB-Euros mit Einkäufen im produktiveren Ausland zu decken und die eigene Wirtschaft durch massive staatliche Ausgabenprogramme zu stützen. Damit rückt das Ziel, wettbewerbsfähig zu werden, in immer weitere Ferne.

Dieses Ziel wird sich kaum anders als durch eine Aufspaltung der Eurozone in Währungsverbünde von Ländern mit vergleichbarer Wettbewerbsfähigkeit und Stabilitätskultur erreichen lassen. Auch wirtschaftliche Investitionen werden erst wieder im notwendigen Maße in den Europroblemstaaten stattfinden, wenn sie den Währungsschnitt hinter sich haben. Vorher warten doch alle bloß ab, wohin die Reise geht.

  • Antworten
Karl Schade06.05.2012 | 01:08 Uhr

Hausaufgaben

Leider ist das so, dass man einen Schritt nach dem Anderen macht. Das heißt, dass man nicht mit 150 Kg anfängt zu joggen, sondern erst einmal seine Hausaufgaben macht und abnimmt. Das selbst das schmerzhaft ist, bei all den Leckereien ist klar. Auch spricht man nicht von einer Top Figur, da man schnell die Handlung dafür verliert. Also erst abnehmen, dann Sport machen und zum Schluß stylen. War bisher eigentlich immer so? Ha, nennt man auch einen logischen Handlungsablauf. Wobei man kann auch mit 150 Kg anfangen zu joggen. Die Möglichkeit gibt das her, hat mit Logik jedoch nichts zu tun. Ungewiss was dann passiert!

  • Antworten
plüschio06.05.2012 | 10:36 Uhr

Merkels Fiskalpaket ist am Ende

Stimmt!Das Fiskalpaket ist ebenso Papier wie die "Maastrichtverträge".
"Muster ohne Wert"! Wie lautete noch das sarkastische Bonmot des
LE FIGARO?:
"Maastricht ist Versailles ohne Krieg. (Die Deutschen zahlen)".
Und nicht vergessen: der EURO wurde nur deshalb eingeführt, um die international "schwache" DM durch die "starken" DRACHME/PESETE/LIRA/ESCUDO zu stützen. Ist doch klar!
Nun mag das "SPAREN" in der Rezession in der Tat falsch sein, aber
wenn von "kaputtsparen" und von "Spar-Exzessen" geredet wird, obwohl
nur die Netto-Neu-Verschuldung (auch so ein Euphemismus) weniger
stark ausfällt als geplant (auch in Deutschland), dann ist das
"irgendwie" Verblödung. Es wird weiter aufgeschuldet.
Irgendwie wird man also weiter Geld in den EURO-Raum pumpen.
Von 2000 bis 2010 hat (haben) SPANIEN ca. 60 Mrd. EURO (netto) und GRIECHENLAND$ 47 Mrd. (netto) via BRÜSSEL erhalten. Kurzfristig mag das auch wirklich helfen. Aber dann?
Bis 2030 geht der Bevölkerungsanteil der 25 bis 59ig-Jährigen in Deutschland um ca. 8 Millionen zurück. Pro Jahr wandern etwa 100 000
Deutsche, im Alter zwischen 25 und 45 Jahre, in der Regel gut qualifiziert, aus. Wir haben ca. 7,5 Millionen sogenannte "strukturelle" Analphabeten in Deutschlandl. 50% der 15 bis 65ig-Jährigen in BERLIN beziehen ein sog. "Transfereinkommen".
Die Zahl der Rentner, Pflegefälle (Demente) wird bis 2030 deutlich steigen. WER soll die ALTEN und die international kaum noch wettbewerbsfähigen PIGS-Länder WIE bezahlen?
Ein europäischer 'Länderfinanzausgleich' nach deutschem Muster wird nicht funktionieren.
Also: WER soll WAS, WIE in Europa bezahlen?
Eine Antwort wäre schön. Danke.

  • Antworten
Wolram Wiesel06.05.2012 | 10:41 Uhr

Wer soll das bezahlen?

Die Situation wird im Beitrag treffend dargestellt. Wo sind die Politiker, die die brennenden Fragen ansprechen und angehen? Wo sind die Politiker, die weitsichtige Sanierungs- und Zukunftspläne entwickeln? Wenn ein Problem kaum lösbar ist, teilt man es oft auf und kommt so zu Lösungen. Vielleicht wäre das auch für die gegenwärtige Finanzkrise in Europa ein Ansatz: jeder Staat sorgt selbst dafür, wieder wettbewerbsfähig zu werden. Dazu braucht es in erster Linie Ideen und Reformen und nicht grosse Mengen von Geld. Und es braucht das Geschick, die Bevölkerung zu überzeugen und hinter sich zu stellen.

  • Antworten
Hans-Rudolf Koch08.05.2012 | 12:00 Uhr

Yvonne Walden

Ach, Frau Walden. Das hatten wir irgendwie doch alles schon einmal.
Die DDR hatte "Keine REICHEN, die immer reicher wurden, keine VERMÖGENDEN, die immer mehr Vermögen anhäuften, keine internationale Spekulation, keine GROSS-Grundbesitzer, billlige, bezahlbare Mieten, keine Ausbeutung durch Vermieter, gerechte, zentral festgelegte Mindestlöhne, keine privaten BANKEN, keine neo-liberal-kapitalistische Ausbeutung, keine Arbeitslosen, hervorragende Umwelt-Standards, eine international geachtete, stabile Währung....usw., usf.! Hatten wir doch alles schon mal......!
Also: noch einmal! (?)

  • Antworten
Wolram Wiesel06.05.2012 | 10:52 Uhr

Einzige Alternative: Geldausgeben?

Die "sogenannten Maastrichtkriterien" sollten den einheitlichen Wirtschaftsraum simulieren, den die Eurozone in dieser Zusammensetzung nie dargestellt hat. Insofern müsste Herr Knipper sich mal fragen, ob nicht eine Reform der Zusammensetzung der Eurozone hilfreicher wäre. Also: Griechenland, Spanien, Portugal wieder raus aus diesem Verein. Aber solche Gedanken dürfen von den Wahren Linken ja nicht gedacht werden.
Die Frage ist auch, ob weitere Ausgaben- und Wachstumspakete irgendetwas an der Situation verändern würden. Seit 2009 sind doch schon Megapakete zur Konjunkturanfeuerung verabschiedet worden. Das Ergebnis: Noch höhere Verschuldung der Staaten bzw. Staatspleiten, ein Strohfeuer bei den Aktienkursen und bei den Exporten, was alles sehr schnell wieder zu Ende sein wird. Wenn die Peripheriestaaten des Euros nicht sparen, aber auch nicht durch reale Abwertung ihrer eigenen Währung ihre Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen können, ist die Alternative immer nur weiter Schulden machen, für die die Nordeurostaaten bürgen müssen. Das ist keine Lösung, sondern der Beginn der richtigen Krise.
Die wirklich interessante Frage, die Herr Knipper nicht zu stellen wagt ist: Wer wird diese ganzen Schulden bezahlen und wie wird das umgesetzt?

  • Antworten
Grinario06.05.2012 | 11:33 Uhr

Nein, bitte keine weitere

Nein, bitte keine weitere Aufspaltung der Eurozone in weitere Währungsverbünde. Es reicht die Rückkehr zu den Nationalstaaten mit ihren nationalen Währungen. Das hat Jahrzehntelang recht gut funktioniert! Europäer sind wir automatisch, dafür brauchen wir keine gemeinsame Währung. Dieses EU-Experiment war ein Schritt zurück ins finsterste Mittelalter. Eine Rückkehr zur Oligarchie, die es sich zu Lasten des Fußvolkes gut einrichtet, und alle anderen gleichmässig verarmt sehen will. Das ganze ist von Tag zu Tag immer weniger zu ertragen. Ich kann diese ganzen Gesichter nicht mehr sehen, egal ob Politiker oder andere Entertainer in diesen überflüssigen Massenmedien. Diese Gesellschaft ist tatsächlich nur noch schwer zu begreifen, ich hoffe auf einen radikalen Reset zu Gunsten eines Neustarts.

  • Antworten
Leidgeprüft07.05.2012 | 00:16 Uhr

Sehe ich ähnlich

Je länger wir um jeden Preis am Euro festhalten, desto stärker geht die Schere bei der Leistungsfähgikeit auf, während im Gegenzug Schulden und Guthaben immer mehr nivelliert werden. Am Ende könnte der Euro dann aus gegenseitiger Verärgerung ganz auseinanderfallen, selbst wenn kleinere Währungsunionen die wirtschaftlich bessere Lösung wären.

  • Antworten
Karl Schade07.05.2012 | 12:50 Uhr

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