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 > „Die Riester-Reform war ein großer Fehler“

Kapital

Altersarmut„Die Riester-Reform war ein großer Fehler“

Interview mit Rudolf Zwiener13. September 2012
picture alliance
Riester-Rente,Rentenversicherung,Geld
Glückliches Altern - auch eine Frage des Geldes
Schrift:

Das Ausmaß der Altersarmut wird höher ausfallen als von Ministerin von der Leyen prognostiziert und die vorgschlagenen Maßnahmen genügen noch lange nicht, meint Rudolf Zwiener, Rentenexperte der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung. Schuld sind niedrige Löhne und die Riester-Rente

Seite 1 von 2

Herr Zwiener, Frau von der Leyen warnt vor einer Welle der Altersarmut. Teilen Sie die Sorge der Ministerin?
Die Sorge ist sehr berechtigt. Die Zahl der Menschen, die mit dem Eintritt ins Rentenalter zum Sozialamt gehen müssen, wird nach unseren Schätzungen rapide steigen.

Von wie vielen Betroffenen reden wir?
Jeder zweite ostdeutsche Mann um die 50 läuft Gefahr,  in die Altersarmut abzurutschen. Das hängt vor allem mit der steigenden Zahl von gebrochenen Erwerbsbiografien und den niedrigen Löhnen zusammen. Frauen sind besonders betroffen – ihre Renten fallen niedriger aus als die der Männer, weil sie in der Regel weniger verdienen und Auszeiten zur Kindererziehung nehmen.

Dem Arbeitsministerium wird bei der Berechnung „Trickserei“ vorgeworfen.
Das Sozialministerium gibt eine recht hohe Schätzung ab, das stimmt. Die Prognose setzt konstante Reallöhne bis zum Jahr 2030 voraus – das ist unwahrscheinlich. Problematisch ist auch, dass eigentlich Riester-Renten mit eingerechnet werden müssten, weil nur Personen mit langjährigen Riester-Verträgen gefördert werden sollen. Trotzdem handelt es sich hier insgesamt keineswegs um Trickserei. Es gibt eindeutige Faktoren, die nicht erst seit gestern darauf hindeuten, dass wir in die Altersarmut steuern.

Welche?
Die Arbeitsmarktreformen haben dazu geführt, dass es zu einer starken Ausweitung von Zeitverträgen, Leiharbeit und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen gekommen ist. Mit diesen Reformen einher geht, dass das Rentenniveau bis 2030 massiv sinkt – insgesamt auf 40 Prozent des Bruttoverdienstes. Außerdem wirkt sich aus, dass Deutschland im Gegensatz zu allen anderen OECD-Staaten über keine Aufstockung bei niedrigen Renten verfügt. Wer dort zu Erwerbszeiten ein niedriges Einkommen hat, wird später im Rentensystem unterstützt.

Deutschland hat die Grundsicherung, die hilft im Notfall.
Wir wollen doch gerade nicht, dass Rentner massenweise auf die soziale Grundsicherung angewiesen sind.

Um das absinkende Rentenniveau aufzufangen, wurde die Riester-Rente vor zehn Jahren eingeführt. In einer aktuellen Studie setzen Sie sich mit dem Erfolg der Reform auseinander. Wie lautet Ihre Bilanz?
Die Art und Weise, in der die Riester-Reform beschlossen wurde, war ein großer Fehler. Die private Altersvorsorge kompensiert nicht den Rentenrückgang. Die Renditen werden lange nicht so hoch wie versprochen ausfallen, und gerade im Fall von kürzlich abgeschlossenen Riester-Verträgen werden sie noch weiter sinken. Gleichzeitig setzen die Versicherungsunternehmen die Kosten sehr hoch an.

Bildergalerie: 20 Gründe für die Rente mit 75

Wieso sind die Renditen so niedrig ausgefallen?
Es gibt eine Vielzahl von Gründen. Entscheidend ist sicherlich die Euro- und Finanzkrise. Den Versicherungen fällt es schwer, hohe Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Grundsätzlich aber gilt: Die Politik hätte das Rentenniveau nicht absenken sollen. Untersuchungen der OECD in Bezug auf die Auswirkungen der Finanzkrise haben gezeigt, dass in Ländern mit stark kapitalgedeckter Altersversorgung die Renten während der Krise heftig schwankten..

Das erklärte Ziel war, die Kosten für die Arbeitgeber zu senken und Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen…
Es war aber überhaupt nicht notwendig, die Beitragssätze auf einem derart niedrigen Niveau zu fixieren. Die deutschen Unternehmen sind eher zu wettbewerbsfähig, wenn man auf die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands innerhalb des europäischen Währungsraums schaut. Viele sagen, die jüngere Generation wäre nicht bereit, rund 13 Prozent ihres Gehalts in die Rentenkasse einzuzahlen. Diese Annahme halte ich für falsch.

Seite 2: Steuerfinanzierte Aufstockung als Modell

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Zitat aus der Frage im Artikel "Um das absinkende Rentenniveau aufzufangen, wurde die Riester-Rente vor zehn Jahren eingeführt."
Nööö - die Riester Rente wurde eingeführt, damit große Versicherungskonzerne und Banken an das Geld der Kleinsparer kommen. Die staatlichen Zuschüsse liefern ungefähr 1:1 die Kosten der Anbieter. Das bedeutet also, dass man genauso gut hätte, jedem Bundesbürger ein sicheres gebührenfreies Konto bei der Bundesbank hätte geben können, auf das er im Alter Zugriff haben kann. Dann wären aber die Anbieter nicht aus dem Steuersäckel subventioniert worden und Herr Riester dürfte nicht für 6 Stellige Jahresbeträge Vorträge auf Veranstaltungen der Anbieter halten.

  • Antworten
querdenker13.09.2012 | 13:51 Uhr

Kritik an allen Enden

Die Altersarmut ist wirklich ein Dorn im Auge. Menschen im Rentenalter gehen zum Sozialamt und nehmen Minijobs an um sich über Wasser zu halten. Alle schimpfen auf die Riester Renten Reform, auch die Versicherungspflicht für Selbstständige ist ein heißes Thema.
In der aktuellsten Ausgabe von Stiftung Warentest wurde die umstrittene Riester Rente und deren Anbieter getestet. Mehr dazu kann man hier lesen: http://www.finanzen.de/news/13414/stiftung-warentest-prueft-riester-rentenversicherung-5-von-29-sind-gut. Den Bürgern und mich dabei mit einbezogen, fällt es immer schwerer in dem Rentensystem Vertrauen zu finden, es wird an allen Enden kritisiert und man weiß nicht was man glauben soll. Mehr Transparenz und Aufklärung ist angebracht.

  • Antworten
Kristin S.18.09.2012 | 14:33 Uhr

Riester

und wie viele Menschen haben jetzt ihr Geld durch diese Täuschungen und Lügen- Verloren ? davon spricht Keiner mehr- Man sollte Diejenigen zur Rechenschaft ziehen , die diese Riester-Rente den gutgläubigen Menschen regelrecht , schon fast per Gesetz aufgehalst haben- diese Politsippe- sind für Mich, alle Ober- Verbrecher an dem eigenem Volk.

  • Antworten
Christina21.09.2012 | 13:23 Uhr

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