Axel-Springer-Chef

Aspen-Institut zeichnet Aspen-Alumnus Mathias Döpfner aus

Die Medienkolumne: Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner war jahrelang Kuratoriumsmitglied des Berliner Aspen-Instituts. Jetzt hat der amerikanisch-deutsche Think Tank seinem Alumnus einen Preis verliehen. Die Bild berichtete. Das ruft Kritik hervor

Mathias Döpfner, Chef der Axel Springer SE
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Petra Sorge ist Verantwortliche Redakteurin Online bei Cicero. Ihre Themen sind Politik und Digitales, außerdem schreibt sie die Medienkolumne. Sie studierte Politikwissenschaft und Journalistik in Leipzig und Toulouse.

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Diplomaten sind ja für gewöhnlich eher zurückhaltend, wenn es um menschliche Beziehungen geht. Bei Mathias Döpfner, Chef des Verlagshauses Axel Springer, aber konnte sich der frühere US-Botschafter Philip Murphy dann doch nicht zurückhalten. Einen „persönlichen Helden“ nannte der Politprofi den Boulevardzeitungskönig.

Seine Lobrede hielt Murphy im Atrium der Deutschen Bank; 150 hochrangige Vertreter aus Politik, Kultur und Wirtschaft waren zugegen. Das Berliner Aspen-Institut feierte an jenem 9. Oktober seinen 40. Geburtstag.

Zu diesem Anlass wurde erstmals ein besonderer Preis verliehen, der „Shepard Stone Award for Outstanding Transatlantic Leadership“. Hinter der Auszeichnung steht die Shepard-Stone-Stiftung, die nach dem früheren Direktor des Berliner Aspen-Instituts benannt ist.

Der Begünstigte: Mathias Döpfner. Er habe sich mit Leidenschaft und Mut für die transatlantische Wertegemeinschaft eingesetzt, begründete Murphy die Auswahl.

Nun könnte man sich mit Döpfner freuen und ihm für sein Lebenswerk gratulieren, für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement für die Völkerverständigung. Doch bei Journalismusforschern und Verbandsvertretern regt sich Kritik.

In den Jahresberichten des Aspen-Instituts Berlins war Mathias Döpfner jahrelang als Mitglied des Kuratoriums, des „Board of Trustees“, aufgeführt. Der letzte Jahresbericht stammt aus den Jahren 2011/2012. Ein neuerer Jahresbericht ist noch nicht vorgelegt worden. Das Aspen-Institut versichert auf Nachfrage, dass Döpfner jetzt nicht mehr im Kuratorium sitze. Er ist also gerade noch rechtzeitig zurückgetreten, um nun selbst den Preis empfangen zu dürfen.

„Eine bestimmte elitäre Gruppierung bestätigt sich selbst“


Für den Deutschen Journalisten-Verband hat die Verleihung des Shepard Stone Awards an Döpfner „ein Geschmäckle“, sagt Pressesprecherin Eva Werner. „Dass es so kurze Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Kuratorium passiert, wirft ein Schatten auf die Auszeichnung.“

Seinen Mitgliedern rät der Verband: „Die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Journalismus gebieten es, dass Journalisten keine aktive Rolle in Organisationen ausüben, über die sie berichten.“

Mathias Döpfner ist der Vorstandsvorsitzende einer der führenden digitalen Verlage in Europa, dem auch die größte europäische Tageszeitung gehört. Erhoffte sich das Aspen-Institut durch seine Preisverleihung eine positive Erwähnung in der Bild? Tatsächlich fand sich sich am Tag danach ein wohlwollender Zeitungsbericht auf Seite 2: „Aspen-Institut ehrt Mathias Döpfner“.

Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger erforschte jüngst in seiner Netzwerkstudie „Meinungsmacht“, wie eng deutsche Medienmacher mit Eliten aus Politik und Wirtschaft verflochten sind. Für Krüger erweckt die Aspen-Zeremonie „den Anschein, dass hier ein Preis sozusagen innerhalb der Familie vergeben wurde, also eine bestimmte elitäre Gruppierung sich selbst bestätigt und selbst erhält“. Döpfner gehöre selbst zum Kern des transatlantischen Elitenmilieus in Deutschland, betont Krüger.

Der Axel-Springer-Verlag weist darauf hin, dass der Preis erst im Zusammenhang mit dem 40-jährigen Bestehen von Aspen in diesem Jahr „erfunden“ wurde. „Schon allein deshalb kann es da überhaupt keinen Zusammenhang oder gar Interessenkonflikt geben“, sagt Unternehmenssprecherin Edda Fels. Dass Axel Springer sich für die transatlantische Freundschaft stark mache, sei bekannt und in den Verlagspräambeln transparent dokumentiert.

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