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Berliner Republik

Bettina Wulff rechnet abTagebuch eines Teenies

Von Wulf Schmiese 12. September 2012
picture alliance
Bettina Wulff,Jenseits des Protokolls,First Lady,Buch
Bettina Wulff rechnet ab
Schrift:

Um ihre Ehre zu retten, rechnet Ex-First Lady Bettina Wulff nun ab, will den Rufmördern ein für alle mal das Handwerk legen. In ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“ zieht sie dabei jedoch nicht nur das höchste Amt der Deutschen ins Banale

Seite 1 von 2

Warum bläst Bettina Wulff in die Glut, die kaum mehr glimmte? Erst jetzt entflammt doch richtig, was da im Netz zu versotten schien wie eine feuchte Zeitung im erlöschenden Kamin. Die Gerüchte über ihr vermeintliches Vorleben als Edelnutte hätten nach ihrem Rückzug ins Privatleben nicht mehr Feuer gefangen, wenn Bettina Wulff nicht selbst in ihnen stochern würde. Es sagt sich nur allzu leicht, dass sie dieses Buch nie hätte schreiben sollen.

Die Ex-Bundespräsidentengattin aber will eben gerade, dass die Flammen hochschlagen. Alles, was über sie gesudelt wurde, soll lichterloh verbrennen, um endlich in Asche zu zerfallen. Kein Buchstabe soll übrig bleiben von den Verleumdungen im Internet. Den Rufmördern will sie ein für alle Mal das Handwerk legen. „Gern hätte ich dies bereits getan, als mein Mann noch Bundespräsident war“, schreibt sie am Ende des Buchs, das treffend „Jenseits des Protokolls“ heißt. Aber sie habe sich „zusammengerissen“, der „Schaden für das Amt und auch das Land wäre zu groß gewesen“.

Bettina Wulff hat hier Demut und Mut zugleich bewiesen: Demut, weil sie sich nicht gegen anonyme Schlammwerfer wehrte, solange sie noch Frau des höchsten Deutschen war. Und Mut, weil sie es nun doch wagt – als Bürgerin Wulff, als Ehefrau, Tochter, Schwester und Mutter. Beides hat Würde. Doch reicht das simple Dementi, dass sie eben doch nicht aus dem Rotlicht stamme, kaum zum Füllen eines Buches aus.

„Die Gerüchte“ nehmen dann auch nur eines von 16 Kapiteln ein, dessen acht Seiten die stärksten des Buchs sind. Auf den restlichen 215 Seiten aber zieht Bettina Wulff Großes ins Banale – ihre Rolle als Präsidentengattin, die des Politikers Christian Wulff sowie das höchste Amt der Deutschen. Denn was sie schreibt, liest sich in weiten Teilen wie das Tagebuch eines Teenies.

Offenherzig berichtet sie, wie patschig der spätere Bundespräsident sie anbaggerte, vom Erheischen ihrer Visitenkarte bis zum SMS-Beschuss, der ihr offenbarte: „Der will doch was von dir.“ Schließlich der Heiratsantrag in einem „Beachclub“ auf Mallorca: „Ich war total gerührt“. All das gibt dem Vorleben des zehnten Bundespräsidenten den Anstrich einer Vorabendserie – und kratzt damit am Renommee der Republik.

Über ihre 598 Tage als First Lady schreibt Bettina Wulff wie eine Unglückliche aus dem Sommercamp: „Das Dasein als Gattin des Bundespräsidenten, es war total abgekoppelt von dem Leben, das Leander, Linus und ich in Großburgwedel führten. (…) Ich fühlte mich nicht privat, nicht richtig relaxt (…) wer da plötzlich alles etwas von einem möchte“. Die Rundum-Bewachung durch Sicherheitsbeamte habe zuweilen auch nachts das Eheleben beeinflusst: „Na, dann muss man ja verdammt leise sein, bei allem, was man so tut. Vielleicht sind die Wände ja doch nicht so dick.“ Sollten wir das wirklich erfahren über das höchste Staatsorgan?

Bettina Wulff aber will, „dass die Menschen mich sehen, wie ich bin: als eine ziemlich normale Frau“, ohne Gier nach Glamour, Luxus und Ruhm. Um das zu erreichen, geht sie über ihre Karteileichen: Ausführlich schildert sie ihre Partner vor Christian Wulff: einen Sylter Rettungsschwimmer, „nicht mit dem schlechtesten aller Bodys“; einen 15 Jahre älteren Besitzer eines Fitnessstudios sowie einen Immobilienmakler. „Ein bestimmter Typ ‚Mann‘, der mich besonders anzieht, gab und gibt es aber nicht. So stand ein Christian Wulff auch nicht auf einer Liste von wegen ‚Haben wollen‘ beziehungsweise habe ich ihn nicht von vornherein ausgeschlossen.“ Dass ein Verlag solche Sätze druckt, die höchstens über einen Prosecco hinweg gesprochen werden dürften, ist schade für den Leser und schädlich für das Ansehen von Frau Wulff.

Am Abend des 1. Juni 2010 wurde Christian Wulff von Angela Merkel im Bundeskanzleramt gebeten, Nachfolger von Horst Köhler zu werden. Seine Frau, wie wir von ihr erfahren, verbrachte die Wartezeit in einem privaten Klub in Berlin, dem „Soho House“. An ihrer Seite war ausgerechnet David Groenewold. „Fast paradox, wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte kennt und somit weiß, dass es die Freundschaft zu David Groenewold beziehungsweise Vorwürfe im Zusammenhang mit ihm waren, die Christian letztlich zum Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten bewogen.“

Seite 2: An entscheidenden Stellen fehlt jede Aufklärung

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"Der Rubikon ist überschritten"

Liebe Cicero-Redaktion, bitte beenden Sie diese konstruierte PR-Wirklichkeit. Diese nichtssagende private Selbstdarstellung muss nicht an jedem Ort stattfinden. Vielleicht in den Klatschspalten bestimmter Blätter, jedoch nicht in einem Magazin für politische Kultur. Wenn jemand im Netz etwas behauptet, kann es zu einer Wirklichkeitskonstruktion kommen, die so gar nicht stattgefunden haben braucht, das wissen wir. Dagegen kann man in unserem Land mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgehen. Darum geht es aber nicht. Die gesamte „Karriere“ der Wulffs war immer vom Aspekt der Wirksamkeit in der Öffentlichkeit bestimmt. Als das selbst-konstruierte Bild zu bröckeln begann, durch immer neue Ungereimtheiten während der Zeit in Niedersachsen, die der Journalismus aufdeckt hat, wurde bundesweit spaltenlang diskutiert und erreichte den Höhepunkt mit dem ritualisierten „ Großen Zapfenstreich“. Das sollte nochmals die Stellung in der Gesellschaft symbolisieren. Es war die letzte Inszenierungsoption und der blinde Willen von der politischen Existenz das Image und die Bezüge zu retten, ohne die leiseste Beklemmung des Gewissens. Zu einer inszenierten Darstellung gehört natürlich immmer eine Bühne, ein Medium. Erst daraus erwächst Bedeutung und eine ökonomische Funktion, die zum Werbeträger ausgebaut werden kann. Danach erst stehen Werbemaßnahmen nichts mehr im Weg. Dieser Darstellerin wurde eine künstliche Biografie angepasst, von denen man glaubt, dass sie den Erwartungen des Publikums entspricht. Zugleich werden kontinuierlich Details ihrer privaten Lebensführung an die Öffentlichkeit verfüttert, um das Interesse wachzuhalten ( „...mein Mann und ich gehen zum Therapeuten“)Die Darstellerin muß natürlich symbolisch leiden, „Schläge“ bezogen haben und sich wehren, verzweifelt sein und das auch sagen. Das Leiden ist ganz wichtig, damit die Geschichte weiter gehen kann, z.B. mit Interviews in Frauenzeitschriften und vielleicht auch bald in öffentlichen Auftritten. Vielleicht kauft RTL 2 die Exklusivrechte an diesem Fortsetzungs-Kitsch, um einer geistig moralischen Verwirrung weiterhin Vorschub zu leisten.Thema der Soap: Wie kam es zur Scheidung vom Bundespräsidenten a.D..?

  • Antworten
B 12812.09.2012 | 14:48 Uhr

Der Rubikon ist mehr als überschritten

Sehr geehrter Herr Schmiese und Cicero-Redaktion. Was bezwecken Sie eigentlich mit solch einem Ramschkommentar? Halten Sie uns Leser für subnormale Volltrottel? Mit Verlaub, darf ich Sie fragen, ob Sie Provision für das Pushen eines derartigen Schundes wie diese Schnulze einer gewissen Bettina W. kassieren? Anders kann man sich das Verfassen eines dermaßen hirnlosen Artikels ja nicht erklären.

  • Antworten
Gabriele Rack13.09.2012 | 12:09 Uhr

ach, google muss nicht bei

ach, google muss nicht bei der Verbreitung von Falschmeldungen helfen und sich dumm stellen, aber die große Vermessenheit war ja, dieses Amt zu begehren.

  • Antworten
Ralf Bönt12.09.2012 | 20:00 Uhr

Gegenprogramm

Liebe Cicero-Redaktion,
vielleicht eine redaktionelle Anregung, wenn Sie erlauben, ein ausführliches Portrait vom Musiker Till Brönner, lebt in Berlin, also kurze Wege für die Cicero-Redaktion. Ich oute mich jetzt, habe Ihn erst kürzlich gehört. Große Klasse. Musikfreude pur. Weltklasse! Unterrichtet auch als Professor für Jazz, Rock und Pop an der Dresdner Hochschule für Musik. Da ist Substanz vorhanden. Das erwarte ich eigentlich auch von einem Magazin für (politische) Kultur. Ästhetische Authentizität, eine Welt der Möglichkeiten und neuer Erlebnisweisen, in den bildenden und angewandten Künsten. Es existiert weiterhin. Freundliche Grüße Bernhard Jasper

  • Antworten
bernhard Jasper12.09.2012 | 22:17 Uhr

Was wäre schlimmer?

Es gibt unehrenhaftere Berufe als Prostituierte (wenn man mal sieht, dass Waffenhändler, Gierbanker, etc. auch mit Verdienstkreuzen geehrt werden) - finde ich diese Dienstleistung wahrlich nicht schlimm.
Allerdings muss man doch sagen, dass Bettina Wulff im weitesten Sinn sich und ihren Mann mit dem Buch - des Geldes und nicht des "guten Rufes" wegen "entblättert" hat. Solche Bücher gibt es eigentlich nur von Ex-Ehefrauen und darauf läuft das Ganze wohl auch hinaus.

  • Antworten
Mitleser13.09.2012 | 08:55 Uhr

Abwarten

Als Wulff noch das Amt des Bundespräsidenten bekleidete, aber zögerte, den Posten aufzugeben, während doch alles schon einen Rücktritt unumgänglich erschienen liess, wurden Stimmen laut, die geltend machten, dass, wenn Wulff das Amt loswird, er auch seine Frau Gemahlin loswerden wird. Wir werden ja sehen, ob an dieser Prognos etwas dran war.

  • Antworten
Jonardo Tenner13.09.2012 | 15:01 Uhr

Jenseits des Großburgwedels

Alle reden drüber. Hier wird´s gelesen. Und zwar genau.

"Jenseits des Großburgwedels" - ab dem 11.09.12 geht es hier http://www.walk-the-lines.de/blog/ um die Lektüre/n von "Jenseits des Protokolls".

  • Antworten
Doris Brockmann15.09.2012 | 09:30 Uhr

Gehört wohl nicht in dieses Magazin

Die selbst sprachlich erschreckend platten Banalitäten der Dame haben wohl vor allem den Zweck, den pekuniären Nutzen aus ein paar Monaten Präsidentenamt zu maximieren. Da scheint sie doch wieder zu ihrem Gatten zu passen. All das ist das Gegenteil von politischer Kultur.

  • Antworten
Helgoo15.09.2012 | 16:21 Uhr

Selbst-Demontage

Bettina Wulff diskreditiert sich mit diesem Buch selbst. Erstaunlich, dass sie (als PR-Fachfrau, die sie ja sein soll) so realitätsblind glaubte, mit diesem Buch die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Alles, was über sie zu lesen ist, belegt, dass sie wirklich in einer Paralell-Welt lebte und lebt.

  • Antworten
Jonas15.09.2012 | 23:05 Uhr

Guter Artikel

Danke für diesen Artikel!
Der Verfasser bringt die Dinge ziemlich gut auf den Punkt.

  • Antworten
niga17.09.2012 | 15:25 Uhr

Si tacuisses, philosophus mansisses, möchte man ihr sagen

Jeder hätte verstanden, wenn Frau Wulff sich nur gegen Gerüchte gewehrt hätte. So hat sie aber gemeint, sie lande einen PR Coup. Das goutiert kein klar Denkender. Sie schadete ihrem Ansehen und dem ihres Mannes - der mir (oh Wunder!) fast schon wieder leid tut. Darüber hinaus schadete sie dem Amt (ich meine wir brauchen keine First Lady, hat keiner gewählt und wir bekommen einfach eine, auch wenn sie sich nicht identifizieren mag. Dann soll doch einfach ein Präsidentenpaar gewählt werden, nach Änderung der Verfassung), aber am meisten schadet sie ihren Kindern, die nun nochmehr erfahren, als Kinder je von Eltern wirklich wissen wollen oder sollten.

Sie hat wohl auch schon einige fünfstellige Beträge Schmerzensgeld erhalten von Verbreitern der Gerüchte. Was hat sie eigentlich damit gemacht? Dunstabzugshauben in der Dienstvilla und Ehrensold werden ja wohl vom Steuerzahler bezahlt. Na ja, geht wohl aufs Urlaubskonto.
Sie macht Umsätze mit damit, dass sie früher keine einschlägigen Umsätze erzielt habe, die in den Gerüchten kursierten.
Merkwürdiger Ansatz.

Im Übrigen meine ich, dass Cicero sehr wohl einen Artikel bringen darf. Wer nicht lesen mag, klickt auf einen anderen Artikel.

  • Antworten
B. Engelhart17.09.2012 | 18:16 Uhr

Darf ein Kulturmagazin über

Darf ein Kulturmagazin über ein kulturelles Non-Event berichten? Oder nicht? Muss es das? Oder wegen der Auflage?

Mir persönlich gefällt das nicht.

  • Antworten
blattmacher18.09.2012 | 12:47 Uhr

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