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Berliner Republik

Griechenlandhilfe, die DritteAugen zu und durch

Von Daniel Martienssen30. November 2012
picture alliance
merkel,schaeuble,bundestag
Merkel schwieg und ließ heute ihren Finanzminister sprechen
Schrift:

Es ist wieder soweit. Die nächste außerplanmäßige Tranche im laufenden Rettungsprogramm in Höhe von 43,7 Milliarden Euro ist mit großer Mehrheit vom Bundestag verabschiedet. Was Anfang des Jahres noch ein Kraftakt war, ist mittlerweile matte Routine. Ein Kommentar

Die Bundestagssitzung erinnert ein wenig an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Bill Murray muss darin einen Tag immer und immer wieder neu durchleben. So ähnlich verhält es sich mit der Eurokrise. Die Argumente sind eigentlich seit langem ausgetauscht und trotzdem muss sich das politische Berlin immer wieder neu im Parlament zusammenfinden, weil alle neuen Hilfstranchen eigens vom Bundestag abgesegnet werden müssen.

Klar ist inzwischen, dass Griechenland in der Eurozone gehalten werden soll. Die Euro-Gruppe kam in dieser Woche der hellenischen Republik entgegen und gab ihr zwei Jahre mehr Zeit. Das klingt zunächst konziliant, bedeutet aber im Ergebnis, dass weitere 43,7 Milliarden Euro bereitgestellt werden müssen. Denn hinter zwei Jahren mehr Zeit für Strukturreformen verbergen sich Finanzierungslücken, die gestopft werden müssen. Gleichzeitig ist es ein Versuch, die griechische Schuldenlast deutlich zu senken. Das Ergebnis ist offen.

Bildergalerie: Merkel, ihre Männer und die Macht

Immerhin: Die politischen Akteure aus Regierung und Opposition haben versucht, einen gewissen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.

Die Kanzlerin selbst schwieg. Sie zog ihren Kurs eisern durch: Schritt für Schritt, ohne an eine größere Lösung auch nur zu denken. Stattdessen schickte sie ihren Finanzminister vor. Wolfgang Schäuble warnte in seiner Regierungserklärung davor, „wenn Griechenland die Eurozone verlässt, sind die Konsequenzen nicht absehbar. Der gesamte Euroraum könnte auseinanderbrechen.“ Auch vom Schuldenschnitt mochte er nichts wissen. Ein Schuldenerlass setze falsche Anreize und „falsche Spekulationen zur falschen Zeit lösen das Problem nicht“, sagte Schäuble.

Für die demokratische Kultur ist es sicherlich nicht förderlich, immer genau das vehement zu dementieren, was schon einige Wochen später mit großer Mehrheit abgesegnet wird. Im Sommer galt ein drittes Griechenlandpaket in den Reihen noch als „nicht mehr vermittelbar“, nun geht genau dieses Hilfsprogramm ohne großen Widerstand durch den Bundestag.

Mittlerweile hat man sich auch im Parlament an Schlagwörter wie „Dominoeffekt“ und „Zerfall der Eurozone“ gewöhnt. Was gestern noch Schreckensszenario gewesen ist, dient heute mehr schlecht als recht dazu, am eingeschlagenen Rettungskurs festzuhalten. Die Kritiker aus den Reihen von CSU und FDP indes sind mehr oder minder verstummt. Das Plenum war auch längst nicht gefüllt. Viele Abgeordnete haben sich krank abgemeldet.

Was bei der Abstimmung im Februar dieses Jahres zum zweiten Griechenlandpaket noch ein Kraftakt war, ist heute matte Routine. Die rein symbolische Kanzlermehrheit, die Angela Merkel genau bei dieser Abstimmung im Februar das erste mal verfehlte, verlangt heute niemand mehr. Sie gerät zur bloßen Fußnote im Abstimmungsprozedere. Merkel hat übrigens auch bei der heutigen Abstimmung die Kanzlermehrheit verfehlt.

Die Opposition aus SPD und Grünen kann gar nicht erst ihrer Rolle als Kritikerin der Regierung gerecht werden. Rot-Grün ist längst der Zählgemeinschaft von Union und FDP beigetreten. Die Grünen stimmten sogar geschlossen für das dritte Griechenlandpaket. Weder Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch Grünen-Chef Jürgen Trittin konnten in ihren Reden nennenswerte Akzente setzen. Steinmeier sagte, „wir wollten Griechenland immer in der Eurozone. Der Ungeist, den Sie selbst hier beschworen haben, ist jetzt nicht mehr einzufangen.“ Er spielte auf CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und FDP-Chef Philipp Rösler an, die im Sommer darüber spekulieren durften, ob Griechenland die Eurozone verlassen muss. Ein abgegriffenes Argument: Diese Geschichte ist auserzählt.

Schließlich segnete eine deutliche Mehrheit von 473 Stimmen das dritte Griechenlandpaket ab. Dabei ist den meisten im Plenum klar gewesen: Wenn sie in einigen Monaten über ein viertes oder fünftes Griechenlandpaket abstimmen müssen, dann ist der Schuldenschnitt eine veritable Option.

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Griechenlandhilfe, die Dritte !

Was waere die Alternative zur Griechenland-Hilfe ? Der Stattsbankrott, natuerlich.
Was wuerde bei einem Staatsbankrott passieren ? Der Staat koennte Pensionen, Renten,
Gehaelter der Staatsbediensteten (Polizei, Justiz, etc...) nicht zahlen.
Ausserdem koennten Gehaelter fuer dasGesundheitswesen, Schulen und Universiteaeten
nicht gezahlt werden. u.s.w., u.s.w....

- Koennte sich ein deutscher Rentner vorstellen: es ist Monatsende, und keine
Rente ist auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Staatsbedienstete vorstellen , es ist Monatsende und noch
nicht sein Gehalt auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Lehrer vorstellen, es ist Monatsende und noch kein Gehalt
auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Diabetiker vorstellen, er geht zur Apotheke um sein Insulin zu holen,
und es gibt kein Insulin mehr ?

- Koennte sich ein deutscher Krebskranker vorstellen, er muss dringend operiert werden, und es
gibt keinen Arzt, der bereit waere kostenlos die Operation durchzufuehren ?

Antworten auf diese Fragen sollen diejenigen deutschen Parlamentarier geben, die
heute gegen (GEGEN !) die "Griechenland-Hilfe" abgestimmt haben.

Die Frage heute am Bundestag, war nicht eine Frage der "Politischen Gesinnung", bzw.
"Politischen Ideologie" (links oder rechts), sondern eine Anwort auf einen Hilferuf
einer "sterbenden Person". Wuerden sie , lieber Leser, einer sterbende Person helfen (wenn sie
irgendwie koennten), oder sie lieber schneller ins Grab befoerdern ?

  • Antworten
Nick Nolte30.11.2012 | 18:08 Uhr

Griehenand, die Dritte.

Ja, man hätte von Anfang an nicht zahlen dürfen !!!!!!
Wäre auch für die Griechen besser gewesen und schon jetzt auf dem
Wege der Besserung !!!

  • Antworten
Klamm02.12.2012 | 20:10 Uhr

Staatspleite

@nolte:
Ein Staat mit eigener Souveränität, sprich eigener Währung, kann im inneren nicht pleite gehen. Die Renten etc. würden in Drachme gezahlt. Lediglich bei den Auslandsschulden, die in Devisen beglichen werden müssten, würde es zum Ausfall kommen (siehe Argentinien). Hören Sie also auf, solchen Unsinn zu verbreiten und auf die Trändendrüse zu drücken. Wenn ein Mann wie Papandreou 550 Mio € auf Schweizer Konten hat (siehe Lagarde Liste), vermutlich nicht versteuert, sollte hier angesetzt werden

  • Antworten
WSI03.12.2012 | 11:10 Uhr

@Nick Nolte

Dass die Griechen mehr ausgeben als sie an Steuern einnehmen (wollen), ist, mit Verlaub, ein griechisches Problem. Darauf hatten wir bisher keinen Einfluss und werden ihn auch künftig nicht haben. Es ist durch von den Griechen gewählte Politiker verursacht, und die müssen das beheben, womöglich, Gott bewahre!, mit der Erhebung von Grundsteuern oder für Reeder oder andere Millionäre. Das passiert aber nicht. Weil das Geld ja auch so fließt. Sie, lieber Herr Nolte, sind herzlich eingeladen, aus "Solidarität" ihre Altersvorsorge komplett in griechischen Staatsanleihen anzulegen, dann reden wir weiter, vorher nicht.

  • Antworten
Helgoo30.11.2012 | 19:45 Uhr

Griechenlandhilfe, die Dritte !

Es ist absolute richtig, die Griechen habenueber ihre verhaeltnisse
gelebt. Es ist ebenso absolute richtig, die griechischen Politiker sind
verantwortlich fuer ihre Staatspleite. Es ist ebenos absolute richtig,
dass die griechischen Reichen und Steuerbetrueger, ihre Milliarden in der Schweiz gebunkert haben. Muessen aber 10 Millionen Einwohner
Griechenlands fuer die Verbrechen dieser Minderheit (Politiker, Steuersuender, Steuerhinterzieher) zahlen? In der Regel zahlen immer die Schwaecheren fuer die Verbrechen der Staerkeren ("Naturgesetz").
Wenn es nach mir ginge, wuerde ich es begruesen wenn die Steuer-Betrueger ins Gefaengnis, fuer viele, viele Jahre geworfen wuerden.
Was wuerde aber dem gemeinem Volk das nutzen ohne Brot, ohne Medikamente, zu leben ? Das System ueberhaupt ist faul, und man
kann sich ueberlegen ob es ein anderes besseres System gebe...

  • Antworten
Nick Nolte01.12.2012 | 12:53 Uhr

Zustimmung

Herr Nolte, das währungstechnische Projekt „Euro“ in gegenwärtiger Form ist kein auf den Menschen bezogenes Projekt, eine auf einheitliche Normen und Werte basierende Gemeinschaft, die sich gegen die Not, Aussichtslosigkeit, Verbitterung und existenzielle Bedrohung wendet. Es befördert nicht soziale Nähe, Verantwortungsgefühl und Anerkennung, sondern soziale Kälte und Verantwortungslosigkeit, mit den verheerenden Auswirkungen und Folgen. Hier sind Technokraten am Werk, die in die Geschichtsbücher eingehen wollen. Es sind immer wieder diese größenwahnsinnigen und allmächtigen Welt-Entwürfe und letztlich Menschen-Experimente der Politik, die dann eines Tages sich belehrt finden, dass ihr Verhältnis zur Wirklichkeit eine Illusion und Fiktion ist. Heute breitet sich im Süden des europäischen Kontinents die Landschaft der Melancholie aus, durch das Krisen auslösende radikalisierte Kapital. Ich stimme Ihnen zu, es ist unerträglich, auch ich ertrage diese Politik nicht mehr. Da stehen Schauspieler auf der Bühne, die jetzt mit ihren Irrtümern konfrontiert werden, die im Süden Europas menschliche Tragödien auslösen.

  • Antworten
bernhard jasper01.12.2012 | 09:37 Uhr

Herr Nolte

na ja, so einfach wie Sie es darstellen ist die Sache nun nicht! Unser Sozialsystem ist doch etwas anders aufgebaut als Sie hier darstellen. Unser Sozialsystem beruht auf Solidargemeinschaft und unsere Kassen, sprich Renten und Krankenkassen werden aus den Mitteln der Versicherten und Arbeitgebern gefüllt, unsere Politiker haben sicher die Möglichkeit des Zugriffs, aber nicht die Möglichkeit der maßlosen Kürzungen wie wir sie derzeit in Griechenland sehen, insofern halte ich Ihre Ausführungen für eher Stimmungs und Panikmache um ein Verfahren zu Rehabilitieren, welches dem konfusen Treiben der derzeitigen Regierung nur Rechtfertigung geben soll.
Richtig ist allerdings, daß Beamte durch Politikereingriff betroffen sein könnten, aber mal ehrlich, keine Regierung würde dies in unserem Lande durchsetzen wollen und können.
Gruß

  • Antworten
Arcins01.12.2012 | 11:04 Uhr

Augen zu und durch

Erstens: auch wenn beim nächsten Hilfs-Rettungs-Paket den Griechen (fast) alle Schulden erlassen werden, kann Griechenland seinen Staat (Rentner/Pensionäre/Bildung/Gesundheitswesen/Infrastruktur/Armee ......IMPORTE!) auf dem jetzgen Nieveau nicht bezahlen. D.h. die 'Nord-Länder' (Deutschland) müssen weiter zahlen.
Zweitens: sind die Griechen etwas Besonderes? Das, was den Griechen zusteht, das steht den PORTUGIESEN/SPANIERN/ITALIENERN/ZYPRIOTEN auch zu. Oder?
Drittens: ca. 1 Milliarde Menschen haben kein sauberes Trinkwasser und müssen von ca. 1,-- EURO pro Tag leben. Wieso helfen wir den Griechen und nicht den 'wirklich' Armen?
Viertens: das "Spiel" ist dann zu Ende, wenn Deutschland 'pleite' ist, d.h. z.B. die deutschen Renten gekürzt werden müssen bzw. bei ca. 4 bis 5% Inflation ständig an Wert verlieren.
Das dauert noch ein wenig. Aber 2030, dann gibt es in Deutschland ca. 25 Millionen Rentner, davon ca. 4 Millionen Pflegefälle, davon wiederum ca. 2 Millionen 'dement', könnte es so weit sein. Aber die Bevölkerun im Alter zwischen 25 und 59 Jahren wird um ca. 8 Millionen geringer sein.
Vielleicht sind bis dahin auch noch ca. 2 Millionen Deutsche ausgewandert.
Und dann Herr Nolte?
Aber vielleicht haben sich die 'blöden' Deutschen bis dahin doch aufgerafft und für sich - nach einer Währungsreform - eine neue Währung eingeführt. Die 'Süd-Länder-Mehrheit' im EZB-Rat wird bis dahin weiter ordentlich Geld drucken.
Schau'n wir mal.

  • Antworten
Wolram Wiesel01.12.2012 | 18:06 Uhr

Griechenlandhilfe

- Koennte sich ein deutscher Rentner vorstellen: es ist Monatsende, und keine
Rente ist auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Staatsbedienstete vorstellen , es ist Monatsende und noch
nicht sein Gehalt auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Lehrer vorstellen, es ist Monatsende und noch kein Gehalt
auf sein Konto eingegangen ?

- Koennte sich ein deutscher Diabetiker vorstellen, er geht zur Apotheke um sein Insulin zu holen,
und es gibt kein Insulin mehr ?

- Koennte sich ein deutscher Krebskranker vorstellen, er muss dringend operiert werden, und es
gibt keinen Arzt, der bereit waere kostenlos die Operation durchzufuehren ?

Könnten Sie, Herr Nolte sich vorstellen, dass das passiert, wenn alles Geld, das die Deutschen erarbeitet haben, von den PIGS Staaten verbraucht wurde?

Was Sie in Ihrem Beitrag in Grass-scher Manier vortragen ist lediglich die lyrische Ausschmückung der Merkelschen Alternativlosigkeit. Sie sollten sich im BK-Amt als PR-Manager bewerben.

  • Antworten
Rudolf Stein02.12.2012 | 23:55 Uhr

Griechenlandhilfe, die Dritte

das ist korreekt:
a) Europa soll auseinander gehen, wer braucht schon eine "Europa-Unionm" ?
b) die PIGS_Länder sollten keine Deutsche Erzeugnisse mehr importieren
c) jedes Land sollte seine eigene Währung haben (z.B. Toilettenpapier)

dann klappts prima mit den Schulden, und Deutschland wird weiterhin "prosperieren" !

  • Antworten
Nick Nolte03.12.2012 | 11:57 Uhr

Griechenlandhilfe, die Dritte

ich habe es nicht noetig mich zu bewerben,
ich bin zufrieden mit meinem beruf und verdientst.
ich stelle ihnen anheim, sich für das amt des Bundeskanzlers
zu bewerben.

  • Antworten
Nick Nolte03.12.2012 | 12:07 Uhr

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