500.000 Euro bekommt Bill Clinton für eine Rede.
() 500.000 Euro bekommt Bill Clinton für eine Rede.
Große Worte für großes Geld

Bill Clinton, Joschka Fischer oder die Herzogin von York: Sie alle sind käuflich, sie reden für Geld. Der Markt für prominente Festredner ist seit Jahren ein Wachstumsmarkt. Barack Obamas Wahlerfolg hat die Nachfrage nach Kraft und Macht des gesprochenen Wortes weiter steigen lassen. Wer sind eigentlich die teuersten Redner der Welt?

Bill Clinton, das hat er versprochen, redet in Zukunft möglichst selten. Dieses Zugeständnis macht er seinem zukünftigen Amtsnachfolger Barack Obama und räumt damit die erheblichen Zweifel aus, die Hillary Clinton noch vom Posten der Außenministerin trennten. Der Verzicht dürfte dem ehemaligen Präsidenten aus zwei Gründen schwerfallen: Zum einen hört sich Bill Clinton gerne selbst reden; zum anderen hat er allein im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen Dollar damit verdient. Aber für den Mann der künftigen US-Außenministerin gilt nun Kommando: Mund halten. Bill Clinton steht ganz oben auf einer recht kurzen Liste von Namen, mit denen sich weltweit Millionen machen lassen. Auf 450000 Dollar pro Stunde schätzt die New York Times Clintons Verdienst als Redner. Mindestens 54 solcher bezahlter Gastreden hielt er 2007. Vermittelt hat sie das „Washington Speakers Bureau“ (WSB), eine kleinen Firma in einem Backsteingebäude in Alexandria, Virginia – von deren Internetseite er inzwischen gestrichen wurde. Damit rückt wohl Tony Blair auf Platz eins vor. Für eine zwanzig Minuten lange Rede vor Parteifunktionären und Geschäftsleuten in China erhielt der frühere britische Premierminister 2007 eine halbe Million Dollar. „Sie klang wie der Bericht eines chinesischen Landkreis-Beamten und enthielt keine Neuigkeiten“, schrieb danach die China Youth Daily. Eine teure Rede ist eben nicht unbedingt eine gute Rede. Dabei wird die Kraft und Macht des gesprochenen Wortes durch den Erfolg Barack Obamas gerade neu entdeckt. Auch Nicolas Sarkozy hat seine Begabung für deutliche Worte in ein Amt verwandelt. Er schafft es, seine Sätze stets korrekt zu Ende zu bringen – was im Bundestag nicht jedem Abgeordneten gelingt. Auch die deutsche Bundeskanzlerin ist keine begnadete Rednerin. Das wird sich nach einem Ende ihrer Laufbahn in Dollar-Summen ausdrücken lassen. Denn Politiker, die ihre Karriere zu Geld machen wollen, stellen sich einem erbarmungslosen Test. Der Markt für prominente Redner ist ein Charismatometer. Persönlichkeit zählt, nicht das Amt. „Entscheidend sind der große Name und die Faszination und die Strahlkraft einer Person“, sagt Felicitas Esser, Geschäftsführerin der Agentur Referendum Events. Wer geschliffenen Text vorträgt und inhaltlich Interessantes sagt, aber die Ausstrahlung eines Finanzbeamten hat, scheitert in diesem Geschäft. „Ehemalige Spitzenpolitiker sind immer weniger gefragt“, sagt Isabel Funke, Inhaberin der „Econ Referenten-Agentur“. „Das liegt sicherlich an der generellen Politikmüdigkeit, aber auch daran, dass die Unternehmen bei den Veranstaltungen neutral bleiben und nicht Partei ergreifen möchten.“ Dazu kommt, dass Politiker zwar häufig gute Rhetoriker sind, sagt Felicitas Esser, aber: „Bei der Glaubwürdigkeit trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Die Kunden akzeptieren eher, dass der Redner eine andere Meinung vertritt, als dass er keine Persönlichkeit hat. Auch Joschka Fischer ist bei den „Washington Speakers“ unter Vertrag. Er befindet sich immerhin in Kategorie fünf (von sechs) und kostet damit zwischen 25000 und 40000 Dollar. Der grüne Ex-Außenminister ist preisgünstiger als zum Beispiel Fergie, die Herzogin von York, der Immobilienexzentriker Donald Trump oder ein gewisser Joe Gibbs, ehemaliger Trainer des Football-Teams Washington Redskins. Sie alle kosten mehr als 40000 Dollar. Gerhard Schröder ist mit im Geschäft. Er ist bei der Agentur Harry Walker in New York untergekommen, wie schon sein Amtsvorgänger Helmut Schmidt. Bis zu 100000 Euro soll Schröder für eine Festrede kassieren können. Helmut Kohl dürfte noch teurer sein – er ist (wie Franz Beckenbauer) beim Londoner „Celebrity Speakers Bureau“ unter Vertrag. Deutlich günstiger sind da die Osteuropäer wie Lech Walesa oder Václav Klaus. Und es geht noch billiger: „Wir haben Duzende großartiger Redner für 15000 Dollar und weniger“, wirbt WSB. Bei seinen ersten Schritten im neuen Terrain trat Ex-Kanzler Schröder allerdings gleich in einen größeren Fettnapf. Auf einer Jubiläums-Gala der österreichischen Hedge-Fonds-Gesellschaft Superfund hielt er 2006 die Festrede – während Franz Müntefering für solche Unternehmen gerade den Begriff „Heuschrecke“ etabliert hatte. Heute wirbt Harry Walker mit einem Superfund-Zitat unter Schröders Porträt: „Es war ein toller Event! Wir hatten mehr als 900 Gäste in der Wiener Hofburg, und Kanzler Schröders Vortrag war wirklich exzellent.“ Als gut fürs Geschäft erweist sich für Schröder sein Nein zum Irakkrieg, denn in muslimischen Ländern ist er populär und reist für 45-Minuten-Vorträge zum Beispiel in die Vereinigten Arabischen Emirate. Zum Honorar kommen dabei noch die Spesen. Anfahrt, Übernachtung und Verköstigung des Festredners können teuer werden – die Universität von Colorado kostete eine Rede von Ex-Uno-Chef Kofi Annan am Ende 160000 Dollar. Das Mutterland des bezahlten Vortrages sind natürlich die Vereinigten Staaten. Schon Mark Twain verdiente mit Auftritten und Lesungen Geld. In Deutschland dagegen ist das Geschäft noch unterentwickelt – die Summen sind erheblich niedriger. „Wer in Deutschland vom Reden leben will, der lebt bescheiden“, sagt Agenturchefin Felicitas Esser. Im kleineren Rahmen erfolgreich sind vor allem Vorträge, die dem Auditorium Nutzwert bieten. Sehr beliebt ist zum Beispiel Zahnarzt und Fußball-Schiedsrichter Markus Merk, der es versteht, seine Erkenntnisse über Erfolg auf dem Platz auf den Büroalltag zu übertragen. Der Unternehmer Karlheinz Kögel ist hierzulande einer der wenigen, der bereit ist, im internationalen Millionenpoker mitzubieten. Auf diese Weise gelang es ihm, eine von ihm erdachte Veranstaltung namens „Deutscher Medienpreis“ bekannt zu machen. Der Unternehmer (Media Control. L’TUR) leistet sich dazu jedes Jahr einen internationalen Top-Redner: Nelson Mandela, Bono, Juan Carlos von Spanien – oder eben Bill Clinton. Stattdessen spendet er für die Stiftungen der Ausgezeichneten und engagiert sich für ihre Anliegen, zum Beispiel dem Kampf gegen Aids in Afrika. „Eine Preisverleihung ist eine Auszeichnung und kein bezahltes Rede-Engagement“, sagt Kögel. „Bei jedem der Ausgezeichneten gibt es eine andere Entstehungsgeschichte – oft waren es zufällige Bekanntschaften oder Empfehlungen früherer Preisträger.“ Spenden an Clintons Stiftung regelt Kögel über die Agentur Harry Walker. Dafür überreichte er Clinton den Preis 1999 persönlich, im Weißen Haus. Ganz auf sein Geschäft verzichten will Clinton offenbar nicht. Vor allem dank seiner Einnahmen als Vortragsreisender konnte er schließlich seine Anwaltskosten in Millionenhöhe zahlen, die die Lewinsky-Affäre verursachte. Ja, nun legt er die Namen der rund 208000 Spender offen, die seiner Stiftung insgesamt eine halbe Milliarde Dollar gespendet haben, und verspricht, alles zu tun, um seiner Frau ins Kabinett zu helfen. Aber auch künftig wird Bill Clinton vereinzelt Reden halten – er meldet sie lediglich einem Ethik-Beauftragten des State Department und wenn nötig dem des Präsidialamtes. Das wäre doch eine originelle Überraschung, beispielsweise zur Eröffnung eines Autohauses: Eine Rede des Ex-Präsidenten. Das ist einfach eine Frage des Preises. Redner und ihre Preise Honorare in Euro Bill Clinton (Politiker) - 500000 Tony Blair (Politiker) - 450000 Alan Greenspan (Ökonom) - 300000 Rudolph Giuliani (Politiker) - 270000 Henry Kissinger (Politiker) - 250000 Bono (Musiker) - 200000 Al Gore (Politiker) - 200000 Colin Powell (Politiker) - 150000 Madeleine Albright (Politikerin) - 150000 Kofi Annan (Politiker) - 100000 Gerhard Schröder (Politiker) - 100000 Günther Jauch (Moderator) - 80000 Johannes B.Kerner (Moderator) - 65000 Thomas Gottschalk (Entertainer) - 60000 Michail Gorbatschow (Politiker) - 50000 Helmut Schmidt (Politiker) - 45000 Sarah Ferguson (Society) - 45000 Friedrich Merz (Politiker) - 10000 Antje Buschschulte (Schwimmerin) - 3250 Quellen: Washington Speakers Bureau, New York Times, Guardian, Forbes Foto: Picture Alliance

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.