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(picture alliance) Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann könnte der einzige Gewinner bleiben.

Doppelspitze - Fauler Kompromiss bei der Deutschen Bank

Bei der Nachfolgeregelung für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann haben alle Beteiligten Schaden genommen. Vor allem die deutsche Politik sollte den Neuanfang als Chance nutzen, mehr Abstand von der Finanzbranche zu gewinnen. Ein Kommentar

"Wir sind die Gewinner", heißt der Lieblingssatz von Anshu Jain. Das hört sich auf den ersten Blick wie ein gutes Motto für die designierte Doppelspitze  der Deutschen Bank an, die der Investmentbanker Jain gemeinsam mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ab dem kommenden Jahr an der Spitze des größten deutschen Geldhauses bilden wird, auch wenn man Investmentbankern unterstellen muss, dass sie "Ich" meinen, wenn sie "Wir" sagen. Auch die gegenseitigen Liebeserklärungen, in den Fitschen sich "keinen besseren Partner als Anshu vorstellen" kann und Jain sich "zutiefst geehrt" zeigt, "diese großartige Institution zusammen mit Jürgen führen zu dürfen“, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfolgeregelung für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann lediglich ein fauler Formelkompromiss ist, bei dem alle Beteiligten Federn gelassen haben.

Ackermann hat zwar den Machtkampf gegen den schon seit Jahren glücklos bis inkompetent agierenden Aufsichtsratschef Clemens Börsig gewonnen, muss aber nun selbst an die Spitze des Kontrollgremiums rücken. Einer anderen deutschen Lichtgestalt, Franz Beckenbauer, nicht unähnlich interessiert es ihn dabei nicht, dass er diesen Schritt in seiner bisherigen Lebensplanung immer ausgeschlossen hatte. Sein eigentlich ganz vernünftiges Geschwätz zu diesem Thema, bei dem er sich die Qualifikation als Kontrolleur absprach, "weil ich viel zu stark im Geschäft bin und nicht loslassen könnte", scheint er erfolgreich verdrängt zu haben. Um Börsig loszuwerden, musste Ackermann zudem dessen favorisierte Doppelspitze Jain und Fitschen akzeptieren, obwohl er an Fitschens Stelle wohl lieber seinen Schweizer Landsmann Hugo Bänziger, den Risikovorstand der Bank, gesehen hätte.

Jain und Fitschen treten ihre Ämter als gleichberechtigte Co-Vorstandsvorsitzende im kommenden Jahr ebenfalls nicht unbelastet an. Sie müssen mit dem Makel leben, dass ihr Vorgänger und Aufsichtsratsvorsitzender in spe lieber den ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber auf seinem Stuhl gesehen hätte. 

Insbesondere dem ehrgeizigen Jain wird es auch nicht gefallen, dass man ihm das Amt des alleinigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank noch nicht zugetraut hat und dies sich wohlmöglich auch in Zukunft nicht ändern wird. Denn mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Privatkundenvorstand Rainer Neske bis 2017, die ebenfalls am Montagabend verkündet wurde, steht der Nachfolger für Fitschen schon bereit, der 2015 aus Altersgründen aufhören muss.

In der Tat ist es anachronistisch, dass die global agierende Deutsche Bank, die auch im ersten Halbjahr 2011 mehr als 60 Prozent ihrer Erträge im Investmentbanking verdiente, offenbar noch immer nicht reif ist für einen Inder an ihrer Spitze, der zu den besten Investmentbankern der Welt gehört. Die Rolle als Ansprechpartner für deutsche Unternehmen und die Politik hätte Fitschen auch wie bisher als einfaches Vorstandsmitglied weiterhin wahrnehmen können.

Auch die immer wieder vorgetragenen Bedenken, Jain spreche kein Deutsch, erscheinen etwas albern bei einer Bank, deren Aktien sich mehrheitlich in ausländischem Besitz befinden, die große Teile ihrer Erträge außerhalb des Heimatstandortes erwirtschaftet und einer Branche angehört, die früher als die meisten auf die Globalisierung gesetzt hat.

Diese Tatsache scheint vor allem in der deutschen Politik noch nicht angekommen zu sein. Gerade die schwarz-gelbe Bundesregierung, die zwar öffentlich zu Ackermann auf Distanz gegangen ist, ihn aber in Krisensituationen immer wieder zu Rate zieht und ihm mehr Einfluss gewährt als ein Unternehmenschef ohne demokratische Legitimation haben sollte, scheint geradezu erleichtert, dass er sich nicht komplett zurückzieht. Dabei wäre es viel wichtiger, wenn gerade in der deutschen Politik und den zuständigen Ministerien verstärkt eigene Finanzexpertise aufgebaut würde und der internationalen Finanzindustrie auch eine international koordinierte Finanzregulierung gegenüber zu stellen. Sich stattdessen von Ackermann in Krisensituationen beraten zu lassen, der selbst nie einen Hehl draus gemacht hat, dass er in erster Linie die Interessen der Bank und Anteilseigner zu vertreten hat, ist definitiv der falsche Lösungsansatz.

Für Jain und Fitschen wird dagegen entscheidend sein, inwieweit es Ackermann gelingt, "loslassen zu können". Mischt er sich als Aufsichtsratschef weiterhin ins operative Geschäft ein, bleibt am Ende alles beim Alten und am Ende ist Joe der Gewinner.

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