Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz
Seine Freundlichkeit und Höflichkeit sind das wahre Geheimnis des politischen Phänomens Sebastian Kurz / picture alliance

Sebastian Kurz - Der übers Wasser läuft

Sebastian Kurz hat sein Kabinett gebildet. Gegen den jungen Kanzler Österreichs wirken alle Konkur­renten wie Leute von gestern. Ein sehr persön­licher Blick auf das politische Wunderkind

Joachim Lottmann

Autoreninfo

Joachim Lottmann gilt als Begründer der deutschen Popliteratur. Sein aktueller Roman heißt „Alles Lüge“ ( KiWi Verlag).

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Es ist angerichtet. Die so wichtige Pressekonferenz – das mit Spannung erwartete Wahlprogramm wird erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – findet in einem weithin unbekannten Gartencafé statt. Schon das ist ungewöhnlich – und typisch für den jungen Außenminister, auf den alle warten. Es ist elf Uhr vormittags im September, mit einem Licht wie bei den frühen Impressio­nisten. Das sonnenbeglänzte Grün der vollen Kastanienbäume lugt durch die hohen, geöffneten Fenster. Die verdeckten Starkstrom-Halogenleuchten tun ein Übriges und stürzen den kleinen Innenraum in verheißungsvolle Helligkeit.

Nicht angeberisch vorn, sondern in hinterster Reihe und ordentlich-präzise sind die gut 20 Fernsehkameras aufgebaut. Die ganze Welt will das politische Wunderkind sehen, und alles klappt wie am Schnürchen, wie immer bei Sebastian Kurz. Alle seine zumeist jungen Leute arbeiten lautlos und fehlerfrei, ohne Arbeitszeitbeschränkung. Es gibt keinen Kurz-Mitarbeiter, den man nicht auch um zwei Uhr nachts noch anrufen könnte. Und der dann nicht ausgesucht freundlich reagieren würde. Wahrscheinlich, weil er ohnehin noch am Schreibtisch sitzt. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 4. Oktober 2017 - 14:24

Ein hervorragend geschriebener Artikel, der uns Österreich auch in diesem sehr schwierigen Feld der Politik charmant nahebringt.
Dann kann Österreich doch rein gar nichts geschehen, wenn die Menschen so liebevoll eingestimmt sind...egal wie die Wahlen ausgehen.
Politisch gesehen beachtet der Autor eventuell zu wenig die Koalitionsmöglichkeiten für den amtierenden Ministerpräsidenten und die daraus resultierenden Schwierigkeiten für Herrn Kurz, wenn er eben nicht mit den Blauen zusammengehen will.

Maria Chladek | Sa., 14. Oktober 2017 - 14:31

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Basti Kurz wird mit den Blauen koalieren, das ist schon absehbar. Kurz ist schon so weit rechts gerückt, dass rechts von ihm kein Platz mehr frei ist. Kurz hat im letzten Jahr nicht anderes getan, als Vorschläge der FPÖ aufzugreifen u. zu verwirklichen, falls ihm das mit der bisherigen SPÖ-Koalition möglich war. Wenn Kurz i.d. FL-u.Migrantenpolitik einen von der FPÖ kopierten Vorschlag machte, wurde er bejubelt, während die FPÖ ins rechte Schnuddeleck - auch von DE u.d. EU - gestellt wurde. Es wäre für Österr. ganz gut , wenn die seit Jahrzehnten den Kanzler stellende SPÖ am Sonntag i.d.Opposition gewählt würde.

schön, dass Sie unrecht behielten. Für die Gesellschaft wär es von Vorteil, wenn Sie ´mal in eine kritische Analyse mit dem gehen, was in der Gesellschafter Welt passiert und was notwendig ist. Ungehemmte Globalisierung und Multikulti scheinen gescheitert. Leistung und Ordnung müssen wieder her und die Phantastereien müssen ein Ende haben.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 14. Oktober 2017 - 17:13

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

da ich das Ausscheiden Herrn Faymanns bei standard-online mitverfolgen konnte und es zutiefst bedauerte, allerdings von aussen, würde ich mich nicht dahingehend versteigen, dass gegen Kurz alle anderen wie solche von Gestern wirkten.
Es ist eher das was er vertritt und natürlich wie er es vertritt, dass er den Österreichern evtl. vor allem zu einer Alternative zu Strache werden könnte.
Darin Macron evtl. nicht unähnlich, denn auch von Kurz kann man nicht sagen, dass er ausgrenzen wollte, er will gestalten.
Wieso schaffen es die anderen nicht, dies `rüberzubringen?

Günter Johannsen | Do., 18. Januar 2018 - 12:51

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Wer gestern Abend"Sebastian Kurz bei Maischberger gesehen hat, wird mir sicher zustimmen können. Seit Mittwoch-Abend ist Frau Maischberger eine zahnlose Moderatorin, denn sie hat sich an Bundeskanzler Sebastian Kurz die Zähne ausgebissen: vergeblich alle hilflosen Versuche, ihn in die Nazi-Falle zu locken. Sie liefen ins Leere. Kurz war wohl eine gewaltige Nummer zu groß für Frau Maischberger. Aber nun weiß auch jeder, der dieses Eigentor der „Öffentlich Rechtlichen“ gesehen hat, was man von Maischberger halten darf?!
Schlussendlich hat auch das Herbeiholen fremder Hilfstruppen in Person eines links-grünen Trittin nichts gebracht, denn der entpuppte sich gleichfalls als
zahnloser Tiger. Sein Versuch, das Flüchtlingsthema auf eine weinerlich-emotionale Ebene runter zu ziehen, ist an Kurz´ brillierenden Diplomatie gescheitert. Ich beneide Österreich um diesen Kanzler!

Heinz Maier | Mi., 4. Oktober 2017 - 16:53

Gerade habe ich den Artikel von Herrn Lottmann gelesen, da kommt meine Frau in mein Arbeitszimmer und will wissen woher das Gelächter
kommt und wieso ich so glücklich strahle.
Lies doch mal selbst, sage ich.

Stefan Kliment | Do., 5. Oktober 2017 - 11:31

Antwort auf von Heinz Maier

Ich musste auch mehrmals laut lachen.

Was Hr. Kurz betrifft, so finden das in Österreich nicht alle so lustig. Hatte in meiner Familie schon eine hitzige Diskussion, als ich mich als Fan von ihm geäußert habe. Von wegen "der Kurz hat dem Mitterlehner das Hackl ins Kreuz g'haut". Wie dem auch sei, unter Mitterlehner würde die ÖVP jetzt nicht bei diesen Umfragewerten stehen.

Davina Dalmann | Do., 5. Oktober 2017 - 08:27

Im bräsigen, verstaubten EU Altersheim !

Brigitte Simon | Do., 5. Oktober 2017 - 17:36

Ein wunderschöner Artikel, der auch in Deutschland hoffen läßt.

Hoffentlich läuft Sebastian Kurz auch über die Donau, über den Rhein Richtung Spree. Die Elbe nicht zu vergessen.

Kurz´s wichtige Pressekonferenz findet in einem
unbekannten Gartencafe´statt. Warum? Kurz ging auf Nummer Sicher." In dieses unbekannte
Cafe´ würde sich niemals die kleine Nummer
namens Emanuell Macron verirren. Gut durch-
dacht Sebastian Kurz!

Serg Zork | Do., 12. Oktober 2017 - 14:59

Visegard, die Niederlande, Östereich, Teile von Skandinavien...

Was war nochmal das was _ihr_ mit Europa meintet...
ach, hatte ich vergessen -die sind ja unabhängig ?

so wie England... ^^

Walter Wust | Sa., 14. Oktober 2017 - 12:24

Ein angenehmer Zeitgenosse mit einem ehrlichen, offenen Gesicht und klaren Gedanken. Ein Mensch, der selbst eine Zukunft zu gestalten hat und nicht an seinem Erbe laboriert. Ich bin neidisch.

ingrid Dietz | Mi., 17. Januar 2018 - 21:13

Antwort auf von Walter Wust

dass die Österreicher richtig und klug gewählt haben !
Vor allen Dingen auch deshalb, weil sie die Grünen und die Grüninnen haushoch aus dem Parlament geworfen haben !

Maria Chladek | Sa., 14. Oktober 2017 - 14:22

für viele der Hoffnungsträger für Österreich, nachdem die SPÖ, die in den letzten 10 J. den Kanzler stellte, an ihrer Wählerschicht, den Pensionisten u. Arbeitnehmer total vorbeiregiert hat. Viele Öst befürchten allerdings, dass AM Kurz ein trojanisches Pferd ist, weil hinter ihm die alten ÖVP-Politiker stehen, die ja keiner mehr will. Es ist richtig, dass Öst seit Jahrzehnten keinen solchen Ausnahmepolitiker mehr hatte. Er verkauft die rechte Politik (kopiert v.d.FPÖ) an Pensionisten, Arbeitnehmer genauso gut, wie er auch linke Themen den Jugendlichen vermitteln kann. Dazu gehört schon eine besondere Begabung. Die Wahl wirds zeigen, ob ihm u. seiner (angeblich) neu aufgestellten Partei vertraut wird. LG aus Wien

Kay Schroeder | Sa., 14. Oktober 2017 - 21:50

Sehr gelungener Artikel. Die Kommentare zeigen, dass Herr Lottman wieder einmal den Nagel auf den Kopf und damit die österreichische Volksseele getroffen hat. Ebenso werden kurz, strache, lunacek und kern wahrgenommen. Dass die Unmenschlichkeit eines kurz, der immerhin in seiner Jugendorganisation (jvp) antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut salonfähig gemacht hat, heutzutage gesellschaftskonform ist, dass ein strache als liebenswürdiger Opa gilt, obwohl seine Partei nach wie vor ein Sammelbecken für Nazis aller Art ist, dass Fremdenfeindlichkeit und Xenophobie damit in die Welt exportiert werden, dass die viel beschworenen Integrationsforderungen dieser Herrn eine Assimilation mit Ausbildung zum Nazi nach sich ziehen, anders wäre das mit deren Überzeugungen auch nicht vereinbar, so dass selbst Ausländer zu Fremdenfeinden werden, ist nicht nur verachtenswert, sondern vielmehr bedrohlich. Am Ende waschen die Österreicher ihre Hände in Unschuld. Schuld sind die anderen. qed

Martin Arndt | So., 17. Dezember 2017 - 19:07

Sebastian Kurz ist ein Hoffnungsträger: Intelligent, selbstdiszipliniert und rhetorisch kompetent –im grossen Unterschied zu den viele nur stammelnden deutschen Politikern ohne Bildung und Ausbildung. Er hat sein sein Abitur mit Auszeichnung bestanden – und muss nicht - wie der Mann aus Würsel populistisch damit werben, dass er es trotz allem geschafft hat. Er will die Fleißigen belohnen – und Leistungsbereitschaft nicht verunglimpfen. Es ist zu hoffen, dass er die Kolonialisierung Europa stoppen wird und Sozialleistungen nach erbrachten Leistungen verteilt.

Sepp Kneip | So., 17. Dezember 2017 - 22:00

Man kann die Österreicher nur um dieses große politische Talent beneiden. Was heiß hier Talent? Er ist ein Mann mit Charisma, den man hierzulande so sehr vermisst. Die Symbolkraft der Vorstellung sener Regierung am Kahlenberg ist gewaltig. Haben nicht hier anno 1683 die Habsburger die Osmanen zurückgeschlagen und vertrieben? Dadurch wurde die Islamisierung Europas verhindert. Kann Kurz das Fanal sein für eine nochmalige Verhinderung einer Islamherrschaft?

Der von Merkel ausgelöste "Flüchtlings"-Tsunami muss gestoppt werden, sonst ist Europa verloren. Kurz und Strache geben sich zwar europafreundlich. Allerdings sieht ihr Europa-Bild anders aus, als es sich jetzt präsentiert. Dies zu ändern, dürfte sich die neue österreichische Regierung auf die Fahnen geschrieben haben. Zusammen mit den Visegràd-Staaten.
Dies darf aber nicht im Sinne der Macron'schen Phantastereien mit den Vereinigten Staaten von Europa gesachehen. Nein, es gilt zunächst die Verkrustungen der EU aufzubrechen.

Volker Leyendecker | Mo., 18. Dezember 2017 - 07:54

Ich habe nur eine Frage an die Kommentatoren : Warum sind Bürger eines Landes die für Recht und Gesetz eintreten Nazis ? Ist ihr Weltbild so einfach das alles was nicht in ihr Gutmenschen Schema passt Nazis ? Denken Sie doch mal an einen Staat ohne Recht und Gesetz !! Wollen Sie das haben ?

In Amerika wird von konservativer und evangelikaler Seite Law and Order gefordert und praktiziert, ohne daß jemand Anstoß daran nimmt. Das Gesetz wurde geschaffen um den Bürgern einen Rahmen vorzugeben und wer diesen übertritt im Sinne von Straffälligkeit oder anderen Vergehen, hat durch Recht und Ordnung auch die Konsequenzen daraus zu ziehen. Wir haben hier zwar ein Strafrecht, aber durch unsere Vergangenheit sind wir bei der Durchsetzung des Rechtes leider oftmals zögerlich, denn niemand will in die Ecke von Nazimethoden gestellt werden, was auf der einen Seite zwar verständlich ist, aber dem Recht nicht immer dienlich ist und das beginnt ganz oben, so oder so, und endet unten in den kleinsten Amtsstuben.

Achim Scharelmann | Mo., 18. Dezember 2017 - 12:17

Zugegebenerweise ein geschickter Taktiker mit dem Charme eines künftigen Schwiegersohnes aber dennoch nicht durchschaubar und es wird sich zeigen, ob sein Auftreten Taktik war um die Kanzlerschaft zu erreichen oder ob er tatsächlich eine Veränderung will, nachdem die Sozis Österreichs mit den gleichen Methoden wie die Deutschen ihr Land in sozialistischen Sinne vergesellschaften wollten und die Schwarzen in beiden Ländern sich dieser Regierungsform stark angenähert haben. Jetzt müßte eigentlich der Kampf gegen die sozialistische Mehrheit in Brüssel beginnen und wenn der entsprechend gut geführt wird, wäre das überzeugend, daß man wirklich eine Veränderung will. Wer sich anpaßt oder laufend Kompromisse akzeptiert wäre der falsche Mann am falschen Platz und deshalb ist es richtig spannend diese Entwicklung weiter zu verfolgen, denn bislang hatten wir ja nur die sozialistische Einheitsmeinung und das könnte nun vorbei sein.

Rolf Pohl | Mo., 18. Dezember 2017 - 14:09

Ich persönlich glaub ja nicht dran, dass der Sebastian Kurz übers Wasser laufen kann.
Egal, wenn es denn so sein sollte, soll er es auch machen. Denn, machte er es nicht würde ihm wohl demnächst der Vorwurf nicht erspart bleiben, er könne nicht schwimmen.

Heidemarie Heim | Mi., 17. Januar 2018 - 19:13

Bezüglich der heutigen Pressekonferenz zum Antrittsbesuch, kann man nur sagen: Wow! Der Bursche (nicht respektlos gemeint!),hat sogar unsere sonst sehr steif wirkende Bundeskanzlerin mit zum Glänzen gebracht. Kein Geschwurbel was das vorher stattgefundene Gespräch zwischen Beiden betraf, keine übermäßig gekünstelten Sympathieaufführungen und scheinbar n i c h t das, was die geladene Presse(meute) sich erhoffte zu hören. Die sich dann auch in üblicher
Einthematik/Manier, (nur Fragen zur "rechten" Koalition in Austria), eine bravouröse Abfuhr bei dem charmanten aber äußerst selbstbewussten Kanzler Kurz einhandelten. Das ließ wie gesagt sogar die neben ihm stehende und eben so angesprochene Bundeskanzlerin zu neuer Form auflaufen. Schade um die verpassten "guten Fragen" unserer Medienvertreter, bzw. die unter Sensationsmache begrabene Chance, auch mal politisch relevante Antworten zu bekommen. Ihr habt`s mal wieder versaut für den interessierten Bürger und TV-Seher! MfG

Peter Lieser | Do., 18. Januar 2018 - 10:43

An Kurz werden unsere Alten im Bundestag mit dem Kukident-Gebiß schwer zu kauen haben. An Merkel wird er sich nicht orientieren auch nicht in der EU Politik. Gibt es in D. Neuwahlen, werden die Karten neu gemischt.