Besucher einer Ausstellung vor dem Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci.
Besucher einer Ausstellung vor dem Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci. Bild: picture alliance

Nach dem Brexit - Die EU ist nicht Europa

Kolumne Grauzone: Die Briten wollen nicht mehr Mitglied der EU sein und werden sofort als Anti-Europäer verunglimpft. Dabei läuft das politische Handeln der EU sogar darauf hinaus, an Europa das abzuschaffen, was europäisch war

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Januar erschien von ihm „Entfremdet. Zwischen Realitätsverlust und Identitätsfalle“ bei zu Klampen.

So erreichen Sie Alexander Grau:

Nur zur Erinnerung und weil es der eine oder andere anscheinend vergessen hat: Europa gab es schon lange vor der EU. Und wenn alles gut geht, wird man sich dereinst – irgendwann in 300 oder 500 Jahren – an Europa erinnern, auch wenn man die EU schon lange vergessen hat.

Denn die EU und Europa sind zwei verschiedene Dinge. Deshalb kann man auch die EU kritisieren, ohne ein Kritiker Europas zu sein, oder man kann aus der EU austreten, ohne sich dabei von Europa und seinen Traditionen loszusagen. Das alles ist banal. Aber wir leben in Zeiten, in denen man solche Banalitäten offensichtlich noch einmal in Erinnerung rufen muss.

Die überdrehte und bisweilen hysterische Reaktion auf den Ausgang des britischen Referendums macht deutlich, dass vielen Politikern und nicht wenigen Medienvertretern die Fähigkeit abhanden gekommen ist, zwischen Europa und der EU zu unterscheiden.

Aristoteles, Platon, da Vinci, Juncker, Schulz

Das ist doppelt ärgerlich. Zum einen, weil hier die legitime Kritik an einer Institution zu einer Kritik an einer Kulturtradition umgebogen wird – in der leicht zu durchschauenden Absicht, die Kritiker der EU außerhalb des kulturellen Erbes von Aufklärung und Humanismus zu stellen. Zum anderen, weil die EU hier geradezu zur Verkörperung europäischer Kultur und zum Ziel und zur Erfüllung europäischer Geschichte erhoben wird. Man sieht sie geradezu vor sich, die Galerie großer Europäer: von Aristoteles und Platon über da Vinci und Michelangelo zu Juncker und Schulz. Wenn es nicht so ärgerlich wäre, müsste man Tränen lachen.

Es sei an dieser Stelle daher noch einmal daran erinnert: Europa ist ein Kulturraum. Oder besser vielleicht: Es war einmal ein Kulturraum, bevor man sich entschloss, ihn in seinem eigenen Namen abzuschaffen und durch einen Verwaltungsraum zu ersetzen. Denn die Voraussetzungen, auf denen Europa basierte, werden von der EU systematisch und mit großem Ehrgeiz eliminiert. Europa droht zu einer Erinnerung zu werden, zu einem melancholischen Vermächtnis einer Zeit, als es seine Stärke aus Wettstreit und Föderalismus bezog, aus Zusammenarbeit, wechselseitigem Einfluss und dem Ehrgeiz, besser, schöner und kultivierter zu sein.

Die Blütezeit Europas

Nie war Europa daher europäischer als in den dreihundert Jahren zwischen Dreißigjährigem Krieg und Erstem Weltkrieg. Es war die Phase, in der Europa die Welt eroberte und der innere Kulturaustausch eine Intensität erreichte, wie sie davor und danach ohne Beispiel ist: Italienische Baumeister errichteten St. Petersburg, flämische Maler bereisten Italien, deutsche Komponisten arbeiteten in England, britische Philosophen legten die Grundlage für die französische Aufklärung. Man könnte die Liste beliebig verlängern.

Europa war immer Austausch und Bewegung, wechselseitige Beeinflussung, die Entwicklung eines regionalen Eigenen aus dem Allgemeinen. Deshalb gibt es auch keinen europäischen Barock, sondern einen römischen, einen französischen, einen bayerischen und einen sächsischen. Europa ist Vielfalt und Differenz. Und wir können von Glück sagen, dass es damals noch keine EU-Kommission gab, die festgelegt hat, was gemäß EU-Verordnung als Barock zu gelten hat und wie die einzig korrekte Palmette auszuführen ist. Europa wäre nicht Europa geworden, sondern schon damals EU-Land.

Vereinheitlichung statt Pluralismus

Folgt man der Rhetorik der EU-Enthusiasten, dann ist die Europäische Union ein heroisches Projekt von weltgeschichtlicher Bedeutung, ein Ausdruck von Mut und Entschlossenheit. EU-Kritiker sind dann konsequenterweise Kleingeister, verzagt und gestrig, Menschen, die in der Vergangenheit leben und sich (und die Jugend) um die Zukunft bringen.

Doch diese Einschätzung ist falsch und unsinnig. Sie übersieht, was Europa zu Europa macht. Anstatt sich auf die Stärke, den Pluralismus, die Verschiedenheiten und kreativen Reibungen Europas zu besinnen, setzt man kleinmütig auf Reglementierung und Vereinheitlichung, scheinheilig „Harmonisierung“ genannt.

Mutig wäre es, sich auf die Traditionen Europas zu besinnen und sich nicht ängstlich einen Brüsseler Wohlfahrtskonkon zu basteln.

Den Namen Europas nicht missbrauchen

Doch Europa ist den EU-Ideologen ziemlich egal. Das europäische Europa ist für sie ein Museum im EU-Land, eine Event-Ausstellung, die man besucht, um „aus der Geschichte zu lernen“ und mit einer Bildung zu kokettieren, die einmal eine europäische war, die man ohne Online-Enzyklopädie jedoch nicht einmal mehr simulieren könnte.

EU-Land hat mit Europa wenig bis gar nichts zu tun. Im Gegenteil, das politische Handeln der EU läuft darauf hinaus, an Europa abzuschaffen, was europäisch war. Man kann das gut finden, aber man sollte den Namen Europas dafür nicht missbrauchen.

Romuald Veselic | Sa, 2. Juli 2016 - 11:22

Na endlich, wurde das Kind beim Namen genannant. Das Wichtigste, was Begriff Europa in die Welt sendet, ist primär Aufklärung und Humanismus und davon abgeleitete Demokratie, Toleranz und Meinungsvielfalt etc. und derer Verkündung. Die fremde Flutung, kann man diese Termini, nicht mal Aussprechen, geschweige bildlich umsetzen. Europa/EU sind auch mentale und materielle Unterschiede. Wo das Gleiche, in Finnland und Griechenland verschieden gedeutet und wahrgenommen wird. Deshalb Deutsche Sichtweise oder Sichtweise Frau Merkel, ist nicht kompatibel mit dem Sichtfeld eines Slowaken oder eines Litauers. Was absolut normal ist. Ansichten, kann man nicht normativ regulieren.
Das ist das Problem von Leuten wie Juncker, Schulz, Trittin und weiteren 9/10 der deutschen Politiker.
Und woran basiert dies?
An geschichtlichen Erfahrungen, die man nicht durch mediale Amnesie löschen kann.

Volker Münch | Sa, 2. Juli 2016 - 11:38

Da die schon lange geäußerte Kritik an der Verfasstheit der EU nicht angemessen berücksichtigt wurde, artikuliert sie sich ärgerlicherweise heute am prominentesten im rechten Lager. Dies macht es fast unmöglich, konstruktive Kritik am "Bürokratie-Monster Brüssel" zu äußern, ohne als Europagegner zu gelten. Man darf sich fragen, wie stark schematisiert und gespalten unser Denken geworden ist, wenn man nicht mehr zwischen dem politischen Konstrukt EU und der Historie und Idee von Europa unterscheiden kann oder darf. Der allgemeine Zeitgeist von Hysterisierung und Medialisierung ergreift unsere Weltwahrnehmung, unser Denken und Fühlen, und wir bemerken kaum, wie darüber eine lange Tradition differenzierten Denkens und Abwägens und Entscheidens, die Akzeptanz des Aushandelns von Kompromissen, wie sie für Demokratien wesensbestimmend sind, ausgehöhlt und beiseite geräumt wird. Wer dagegen ist, ist nicht zu bekämpfen, sondern dessen Ideen sind aufzugreifen und zu integrieren.

Karola Schramm | Sa, 2. Juli 2016 - 11:48

Die EU ist NICHT Europa. "Mutig wäre es, sich auf die Traditionen Europas zu besinnen und sich nicht ängstlich einen Brüsseler Wohlfahrtskonkon zu basteln," schreibt Hr.Grau. Doch da hat er sich leider verzettelt, denn ein "Wohlfahrtskonkon" war die EU NIE, sollte sie auch NIE sein zumindest für die Allgemeinheit.
Ziel war, erst heimlich und hinten herum, aus Europa den stärksten Wirtschaftsraum der Welt zu machen und zwar explizit NICHT für die Menschen, sondern für DIE Wirtschaft. Handel und Wandel ohne Grenzen, ohne Regulierung, keine Macht den Nationalstaaten, alles sollte unter den Hut von Brüssel. Wirtschaftlichkeit, Konkurrenz, Wettbewerb, Optimierung aller gesellschaftlichen und sozialen Interessen hin zu einer Null. Nichts gibt es mehr umsonst.
Die "vereinigten Staaten Europas" sollten es sein mit der turbokapitalistischen Agenda, die schon die USA u.a. Länder gespalten & menschlich ruiniert hat. Ein heimlicher Krieg: Reich gegen Arm. Und Reich will ihn gewinnen.

Harald Hotz | Sa, 2. Juli 2016 - 12:02

Danke für diesen treffenden Artikel! Europa ist und war so viel mehr als es sich die EU-Bürokraten vorstellen können! Vielfalt! Einfallsreichtum! Gegenseitige Bereicherung durch Verschiedenheit! Unvorstellbar wie öde und trostlos ein nach Merkel-Schäuble Doktrin diszipliniertes Italien oder Griechenland wäre! Der Austritt der Briten ist nachvollziehbar aber schade, denn ohne Großbrittanien entwickelt sich die EU zwangsläufig zum 4. Reich.

Christa Wallau | Sa, 2. Juli 2016 - 12:21

Noch nie haben Sie mir so sehr aus der Seele gesprochen wie mit diesem Kommentar,
lieber Herr Grau. Ich danken Ihnen dafür.

"EU-Land hat mit Europa wenig bis gar nichts
zu tun."
Diese Worte gehören in Stein gemeißelt.
Nur eine konsumorientierte, kultur- und geschichtsvergessene Bevölkerung in den
Ländern Europas kann sich mit der Gleichsetzung von EU und Europa zufriedengeben. Menschen wie Sie, lieber Herr Grau, wissen es besser. Die bisher im Namen der Brüsseler und Straßburger "EU-Elite"
errungenen "Fortschritte" (z.B. der unselige Euro) und die noch weitergehenden, geplanten Vereinheitlichungen laufen auf die Abschaffung all dessen hinaus, was Europa ausmacht:
V i e l f a l t, W e t t s t r e i t und dadurch gegebene gegenseitige B e f r u c h t u n g.
Ich bin nicht davon überzeugt, daß der Frieden in Europa durch die Nivellierung der unterschiedlichen Lebenskulturen erreichbar ist, wie uns die Politik weismachen will.
Nein: Unzufriedenheit wird gesät!

Wolfgang Tröbner | Sa, 2. Juli 2016 - 12:26

Vielen Dank für diesen sehr guten, längst überfälligen Artikel. Es war ja mittlerweile schon fast zum Verzweifeln, wie munter die Begriffe EU und Europa in der Öffentlichkeit verwechselt wurden. Ich habe mir des Öfteren schon die Frage gestellt, ob Politik und Medien auch in diesem Fall verwirrt sind oder aber verwirren wollen. Beides erscheint gleich plausibel. So wie vielen Politikern fehlt mittlerweile auch vielen Journalisten das, was man Bildung nennt (z.B. auch Kenntnisse der europäischen Geschichte und Kultur). Obwohl man vorgibt, für diese zu stehen. Glauben Sie, dass z.B. ein Herr Schulz mit den Namen Platon, Aristoteles und da Vinci überhaupt etwas anfangen kann? Zweifel sind mehr als angebracht. Andererseits gibt es aber auch die unheilvolle, stetig wachsende Tendenz, die Bürger wider besseren Wissens manipulieren zu wollen. Wen wundert es, wenn der Bürger zunehmend Politik und Medien mit Verachtung strafen?

Johann Prossliner | Sa, 2. Juli 2016 - 12:46

Das gilt auch für das "Christliche Abendland": Das Christliche an Europa ist nicht abendländisch, und das Abendländische ist nicht christlich.

Jacqueline Gafner | Sa, 2. Juli 2016 - 13:30

Ein grosses Merci für dieses Kommentar, der die quer in der Landschaft stehenden Bestrebungen gewisser "Berufseuropäer" ins richtige Licht rückt. Die blosse Vorstellung, dass anstelle von Briten, Italienern, Deutschen, Ungarn, Franzosen, Österreichern, Spaniern, Dänen, Portugiesen, Polen, Belgiern etc. dereinst eine Art "Smoothie-Europäer" den Kontinent bevölkern sollen, ist schlicht grauslich und mutet im innersten Kern beinahe schon totalitär an. Der "Sowjet-Mensch", der zum Glück im Stadium der Planung stecken blieb, lässt aus der Ferne leise grüssen.

Vincent Laymann | Sa, 2. Juli 2016 - 13:40

Ein fehlerfreier Text, der seinen Fehler darin hat, dem Großteil von Nichtsogebildeten nicht das alltägliche Rüstzeug für Debatten mitzugeben.

In Debatten brauche ich weniger geschichtseinordnende kontinentübergreifende Kulturvorstellungen, sondern eher einfach Mut, der Gleichheitsideologie entgegen zu treten:

...Aber braucht es nach den Weltkriege nicht einen starken europäischen Staat? Nein, eine friedliche Gesellschaft wird durch familiäre Werte und gute Erziehung gesichert.

...Aber sollen wir nicht die Schulden der Griechen bezahlen? Nein, die Griechen hängen zu 60% von einem ineffizienten und korrupten Staat ab. Besser wir handeln mit ihnen individuell.

...Aber wäre eine dezentrale europpäische Wirtschaft nicht instabil und ungerecht? Nein, das uns aufgezwängte Teilreservesystem der EZB war (und ist) die einzige Ursache für die Krise. Der freie Markt führt nicht zu Krisen. Und finanzielle Ungleichheit hat auch noch kein Staat verhindern können.

Willi Mathes | Sa, 2. Juli 2016 - 14:00

Wieder sehr erhellend Herr Grau . Danke !
Unseren berufsmäßigen " Harmonisierern " sei Ihre bestechende Zustandsanalyse wärmsten als Pflichtlektüre zu empfehlen.
Vielfalt statt Einfalt !

Cicero - weiter so !

Gruss willi

Reiner Kraa | Sa, 2. Juli 2016 - 14:16

Bravo, Herr Grau! Man kann es kaum präziser sagen. Ihren Darlegungen kann man zu 100% folgen. Aus Vielfalt, Differenz und kreativer Reibung erwächst alle Produktivität in allen Lebensbereichen und nicht aus einem "harmonisierten" Einheitsbrei. Jedes Volk muss seine Lebensformen frei wählen können, genau so, wie der Austausch von Gedanken und Ideen zwischen den Völkern frei sein muss. Und wer ein bestimmtes Licht wählt, in dem er sich sonnt, der wählt damit auch einen bestimmten Schatten, den er aushalten muss. So ist es immer gewesen und so wird es auch immer sein.

Gabriele Bondzio | Sa, 2. Juli 2016 - 14:20

werden von der EU systematisch und mit großem Ehrgeiz eliminiert. Da gebe ich ihnen völlig recht, Herr Grau. Präsident Roosevelt sagte zu seiner Zeit schon den bezeichnenden Satz: „Das in der Politik, nichts passiert aus Zufall; wenn es passiert, können Sie sicher sein, dass wir es so planten!“ David Rockefeller (1994) schlägt in die gleiche Kerbe: "Alles, was wir brauchen, ist die eine richtig große Krise und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren" Genau das ist die Brille durch die man die Europakrise betrachten muss. Die Regierungsgewalt soll in die Hände
einer nicht kontrollierten, unsichtbaren Regierung in Brüssel übergehen. Wie gut passt da der Satz von Junker zur Brexit-Debatte im Parlament: "Sie müssen wissen, dass jene, die uns von weitem beobachten, beunruhigt sind."

Ursula Schneider | Sa, 2. Juli 2016 - 14:55

Endlich mal jemand, der das ganze EU-Kartenhaus mit dem Heiligenschein "Europa" in sich zusammenfallen lässt, seine Anmaßung, Machtgier und Regulierungswut als das entlarvt, was es ist: ein kleinmütiger, ängstlicher, inzwischen starr gewordener Verwaltungs- und Versorgungsraum, der mit Europa nur wenig zu tun hat.

Ebenso durchsichtig und hohl, wie Kritiker der EU als "Europafeinde" zu bezeichnen, ist allerdings auch, Skeptiker der Migrationspolitik oder der Euro-Rettung als "Fremdenfeinde" oder ewig Gestrige zu beschimpfen. Das Totschlagargument schlechthin lautet "Rechtspopulismus".

Hier warte ich immer noch auf eine einleuchtende Definition und Abgrenzung nicht nur vom "Linkspopulismus" (gibt es ihn überhaupt?), sondern auch von den etablierten Parteien, die angeblich das Privileg haben, nicht populistisch zu sein.

Nur Mut, Herr Grau, das wäre doch auch mal ein dankbarers Thema!

Anthro Protos | Sa, 2. Juli 2016 - 15:39

Sie übertreiben Ihre EU-Kritik etwas. Es stimmt zwar, dass der EU-Apparat Vereinheitlichungen vorantreibt, die mit dem zentralen Argument der Konkurrenzfähigkeit innerhalb eines globalisierten Wettbewerbs eine monoideellen, wirtschaftsliberal geprägten Kultur das Wort redet.
Aber allem Anschein nach wollen wir so leben, jedenfalls die schweigende Mehrheit der Europäer. Die Bevölkerung huldigt diesem Lebensstil geradezu, der die Verfügbarkeit eines preiswerte, breiten Angebots an Möglichkeiten, an Waren und Dienstleistungen als zentrales Motiv hat.
Die andere Seite ist, dass es trotz dieser dominanten wirtschaftlichen Monokultur offenbar eine soziale Gegenbewegung gibt, die kulturelle Eigenheiten bewahren will. Die Leute haben es vermutlich einfach satt, vorgeschrieben zu bekommen, was sie denken, empfinden, sagen dürfen. Aus diesem Grund wird die Kopfgeburt EU scheitern, wenn sich ihre Akteure nicht auf grundsätzliche (politische) Tugenden besinnen: Demut, Geduld, Mäßigkeit.

Martin Kadlec | Sa, 2. Juli 2016 - 16:32

Deutsch gab es schon lange vor Deutschland. Und gerade der Partikularismus - die Teilung, Auf- und Zerspaltung - war doch *die* deutsche Tugend schlechthin.
Dann kamen die Nationalisten und brachten eine Katastrophe nach der anderen. Heute sind die Deutschen besessen von der Einheit - wer gegen die Einheit ist, ist gleich ein Verfassungsfeind. DIN über alles!
Und was hat es uns gebracht? Wenn ich irgendwo in einem Supermarkt außerhalb von Rhein-Main Grüße Soße kaufe, ist da immer noch Dill drin. Zum kotzen! ;)

Dieter Suchan | Sa, 2. Juli 2016 - 17:50

Chapeau ! Erlauben Sie mit ein 'Gut gemacht'. In beinahe allen sog. Medien offenbart sich mit der Vermengung und Gleichsetzung von EU mit Europa eine beschränkte Geistesstärke, einesteils, oder eben mangelnde Professionalität. Wobei man sich fragt was schlimmer ist. Ohne große Mühe kann man feststellen, dass der Organisationsraum EU, ohne unsere britischen Freunde aus dem Vereinigten Königreich, in absehbarer Zeit nur noch aus 27 Staaten bestehen wird, wohingegen EUROPA - je nach Rechnung - weitere 11 Länder umfasst, rd. 30% der europäischen Staaten.
Zu Großbritannien ist zu sagen, dass das Land nach dem BIP (in EUR) das zweitgrößte EU-Land ist, nach Bevölkerung konkurrieren sie mit Frankreich.
Die EU ist, mit meinem Wort ausgedückt, ein Organisationsraum. In ihm haben sich organisatorisch und geografisch selbständige Staaten, Völker, Nationen zusammengefunden. Sie sprechen von einem Verwaltungsraum, der Begriff scheint mir jedoch zu eng gefasst.

peter hauser | Sa, 2. Juli 2016 - 18:31

Europa war noch nie durch "Piraten" definiert, die sich Macht und mit ihren angelsächsischen Bastaden Weltbedeutung gesichert haben..... time will change.

Europa hat ganz andere Traditionen___:-)

Hans Furrer | Sa, 2. Juli 2016 - 19:02

Geschätzter Herr Grau
Meine herzliche Gratulation zu diesem Artikel: Das rechte Wort zur rechten Zeit. Ich hätte gerne selber so etwas ähnliches geschrieben - bin aber nicht fähig dazu. Besten Dank, dass Sie es getan haben!

Dimitri Gales | Sa, 2. Juli 2016 - 20:35

Ich finde auch, dass Europa in früheren Jahrhunderten wesentlich vielfältiger und kulturell interessanter war als heute, denn jetzt erleben wir eine triste Uniformität, so als wolle man die USA imitieren - aber die USA sind nicht Europa - Amerika hat eine ganz andere Entwicklungsgeschichte.
Im Brüsseler Europa-Palais herrscht reine Interessenpolitik, die Lobbys geben sich dort die Klinke in die Hand. Da geht meistens es um wirtschaftliche Interessen, um Vorteilnahme und auch um die Karrieren der (viel zu zahlreichen) EU-Bediensteten. Eine Bastion, die sich von den Brügern Europas abgekoppelt hat und jetzt nicht wahrhaben will, dass man immer weniger Bürgern die Fata Morgana vom vereinigten Europa als heilsbringend und als friedensbewahrende Bedingung vorgaukeln kann.

Diana Weisheit | Sa, 2. Juli 2016 - 20:36

Und ich dachte schon, ich stünde mit meiner Meinung alleine da. Danke für diesen Artikel, Herr Grau.

Was ich noch anmerken möchte: Ich bin sicher, es gibt in Europa so gut wie niemanden, der eine europäische Vereinigung nicht begrüßt - auch nicht die sogenannten "Rechten" (das Unwort populistisch spare ich mir jetzt). Unterscheidungen gibt es nur bei der Frage, "wie" diese Vereinigung aussehen soll. Da unsere Politik-Riege die aktuelle demokratie-freie EU als alternativlos darstellen will, wird diese Frage nicht gestellt. Aus diesem Grund sehe ich den Brexit als sehr positiv an (falls er wirklich durchgezogen wird), weil er die Chance auf eine wirkliche Vereinigung, mit Libertè, Egalitè und Fraternitè anstatt von Junkertè, Schulztè und Merkeltè bietet, bei dem die Briten sicherlich gerne wieder dabei sein wollen.

Ellen Spaniel | Sa, 2. Juli 2016 - 21:00

Treffender hätte man den beklagenswerten Zustand dieses kleingeistigen, traurig machenden Konstrukts nicht beschreiben können.

Peter Bigalk | Sa, 2. Juli 2016 - 21:21

Endlich mal wieder ein Artikel im Cicero, dem ich komplett zustimmen kann. Die Briten haben sich nicht von Europa verabschiedet, die EU hat sich von den EU-Bürgern verabschiedet und bekommt jetzt die Quittung. Europa hat so viel Potential als Erfolgsmodell, wird aber gesteuert von Lobbyisten aus Wirtschaft und staatlich bezahlten NGO´s und einer Politikerkaste, die es fertigbringt, sich trotz Finanzkrise und teils 50% Jungendarbeitslosigkeit lieber um linksgrüne Ökoprojekte, die Abschaffung der Glühbirne und den Zuzug von Millionen von Migranten zu kümmern. Die Welt kann man so sicher nicht retten, Wohlstand und Frieden für die EU Bürger aber auf´s Spiel setzen. Mit der EU Osterweiterung und der Einmischung in Libyen sowie im nahen Osten und der Ukraine haben die Eurokraten jedenfalls schon mal ihre Unfähigkeit zur Außenpolitik bewiesen - die Türkei wird das nächste Beispiel!

Jens Richter | Sa, 2. Juli 2016 - 22:54

"Nie war Europa daher europäischer als in den dreihundert Jahren zwischen Dreißigjährigem Krieg und Erstem Weltkrieg."

In diesem einen Satz findet sich der Begriff "Krieg" gleich zwei Mal. Gab es in der Geschichte Europas einen Zeitraum von 71 Jahren, in dem kein europäisches Land gegen ein anderes Krieg führte? Hat vielleicht die EWG/EU auch einen gewisses Verdienst an dieser verhältnismäßig langen Friedensperiode? Könnte es sein, dass dieser innereuropäische Frieden inzwischen so selbstverständlich geworden ist, dass es leicht fällt, die EU zu schmähen? Diese Zeilen bedeuten ganz und gar nicht, dass das "Werk EU" vollbracht ist. Im Gegenteil, da gibt es noch viel zu tun, es muss noch viel Wichtige noch aufgebaut und einiges bestimmt auch abgebaut werden. Ich habe noch keinen Krieg erlebt und bin froh darüber.

Anke Ney | So, 3. Juli 2016 - 07:33

Sehr guter Artikel,einer der wenigen ,die zu diesem traurigen Thema veröffentlicht worden sind.Es ist nichts hinzuzufügen .Hoffentlich begreifen immer mehr Europäer,was passiert ist.

Siegfried Niese | So, 3. Juli 2016 - 10:22

Der Beitrag ist wichtig. Man sollte weniger regeln und in der Förderung nicht so sehr ins Detail gehen aber die Vision eines größeren wirtschaftlich starken Staatsgebildes in Europa nicht aufgeben.

Bernhard K. Kopp | So, 3. Juli 2016 - 17:05

Spätestens seit Maastricht und Lissabon versucht man mit der EU eine transnationale Staatlichkeit zu schaffen, die es richtigerweise aus der historischen Tradition von 28/27 nie geben kann. Auch das Streben nach einer 'ever closer union' hat noch nie jemand breitenwirksam als überholt diskreditiert und dann abgeschafft. Herr Schulz möchte immer noch eine 'richtige EU-Regierung' aus der Kommission, wie gestern zu hören war. Herr Kauder fordert im Bundestag eine europäische Bundespolizei zur Aussengrenzensicherung bei den Staaten, die es nicht alleine 'können'. Dabei ist jede Aussengrenze der EU auch die Grenze eines souveränen Landes und die polizeiliche Grenzsicherung eine sehr sichtbare staatliche Machtausübung. Er versteht wahrscheinlich garnicht, dass er damit einem halben Dutzend Ländern mit dem Knobelbecher über die nationale Seele trampelt. Aber, er ist auch Opfer der Konzeptionslosigkeit. Die Konfusion darüber, was die EU sein kann und will, wird allmählich zum Albtraum.

Gerhard Leuner | So, 3. Juli 2016 - 17:35

Ich habe Herrn Grau hin und wieder kritisiert, aber für diesen Beitrag kann ich mich nur bedanken. Es hat Spaß gemacht, das zu lesen und in der heutigen Zeit, der Vereinfacher, Hetzer und Pöbler ist das ein seltenes Vergnügen.

Benno Pluder | So, 3. Juli 2016 - 20:00

"Denn die EU und Europa sind zwei verschiedene Dinge." und
"Im Gegenteil, das politische Handeln der EU läuft darauf hinaus, an Europa abzuschaffen, was europäisch war. Man kann das gut finden, aber man sollte den Namen Europas dafür nicht missbrauchen."
Nur wird sich diese, vom Autor treffend als banal beschriebene Erkenntnis nicht (mehr) durchsetzen. Sie ist zu leise, um sich im Gebrüll der EU-Enthusiasten noch Gehör verschaffen zu können, zumindest in nächster Zeit. Das ist sehr schade, weil schädlich. Und nicht nur für jene, die sich europäischer Traditionen im Wortsinne verhaftet und verpflichtet fühlen.

Paul Alexy | So, 3. Juli 2016 - 21:02

Sehr geehrter Herr Grau,
Europa hat genug von Spannungen und Kriegen erlebt. Europa hat das Recht, sich von Entwicklungen zu schützen, die es erneut in Unruhe und Chaos stürzen. Die aktuelle Massenimmigration aus dem aussereuropäischen Raum in der mommentanen Art und Qualität ist eine solche Gefahr. Da hilft kein Philosophieren über europäische Grenzen.

Mahdi Sameh | So, 3. Juli 2016 - 21:21

Sehr geehrter Herr,
vielen Dank für diese Ausführungen, beschreiben sie das gedankliche Niveau der einseitig ausgelegten Debatte doch sehr treffend.
Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass im Rahmen der europäischen "Integration" mehrfach der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wurde - im Fall der Einführung des Euro handelte es sich gar um den zwanzigsten. Meist entgegen dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung.
Übrig geblieben ist in der öffentlichen Wahrnehmung der brüsseler Apparat, besetzt mit zumeist zweit- bis drittrangigen Politikern, diese in ihrer Heimat wiederum zumeist aussortiert.
Ich kann mir nun nicht so recht vorstellen, dass dieser Personenkreis Ihren Text einer ernsthaften Lektüre unterziehen wird und noch weniger, dass man dort bereit ist diesen gedanklich zu verwerten. Einfach bitter!

Karl Schade | So, 3. Juli 2016 - 21:35

Es ist ja nicht so, als hätte es in Europa nie den Ansatz zur Vereinheitlichung gegeben. Zum Glück konnten sich die Zentralen hier nie lange genug durchsetzen, um den Teilen dauerhaft ihren Willen aufzuzwingen. Zerfallen sind das Reich Karls des Großen und die Einheit der christlichen Kirche. Zerfallen sind die Vielvölkerreiche von Österreich-Ungarn bis zu Jugoslawien und der Sowjetunion. Von dieser Emanzipation der partikulären von den universalen Gewalten haben wir Europäer ungeheuer profitiert, bis hin zur Entwicklung von Aufklärung, Naturwissenschaften und Technik, in der wir das bis ins 17. Jahrhundert führende Großreich China seitdem überflügelt haben. Wir haben gelernt, dass wir Kompromisse schließen müssen, wenn wir gut leben wollen. Hanse und Schweizer Eidgenossenschaft, der Westfälische Frieden und der Zwei-plus-Vier-Vertrag, Nationalstaaten, Bündnisse und Kompromisse sollten wir uns für die Zukunft zum Beispiel nehmen - nicht die völkerzwingenden gescheiterten Großreiche.

robert renk | So, 3. Juli 2016 - 23:51

Gesunde Sicht auf eine kranke Situation.
In Brüssel deutet man die Botschaft aus England falsch, auch die deutsche Regierung reagiert nur beleidigt.
Wer ist nicht dankbar für die Jahrzehnte des Friedens auf dem Kontinent ?
Das aber ist die Frucht eines de Gaulles, eines Adenauers und von mir aus auch eines Helmut Kohls und Mitterands. Die wiederum repräsentierten nur den Wunsch der europäischen Völker nach Frieden und Freiheit. Die Kritik an dem Moloch EU abzuwürgen und die derzeitige Politik als "alternativlos" darzustellen ist unwürdig und fatal. Ja, Europa ist mehr als Schulz und Juncker uns weismachen wollen.
Der EU-Kritiker wird zum Kriegstreiber stigmatisiert, die Krönung der Geschmacklosigkeit
Unsere Eliten verspielen ihren letzten Kredit !

Heinz Westermann | Mo, 4. Juli 2016 - 09:17

Bisher der beste Artikel, den ich in Bezug auf das EU-Drama gelesen habe. Auf zum nächsten Akt!

Bernhard Jasper | Mo, 4. Juli 2016 - 09:18

An Leonardo, an Michelangelo, an den schöpferischen Werken der „Renaissance“ kann man erkennen, wie sich in dieser Zeit das Menschen- und Weltbild verändert hat. Der individuelle Mensch mit seinen Fähigkeiten stand im Zentrum. Die Künstler der damaligen Zeit befreiten sich von mittelalterlich/feudalen, engen kirchlichen und Fesseln durch die Zunft, durchbrachen die Regeln des Handwerks, erschlossen sich die Wissenschaft, hatten Anteil an Mathematik, Linearperspektive, Mechanik, Optik, Anatomie, usw.. Sie stellten neue Fragen und gaben neue Antworten. Sie ließen sich nichts mehr vorsagen, wie man es bei Kindern tut, denn der Mensch kann nur erfinden, indem er findet. Im Laufe der Kulturgeschichte Europas, gab es eine Vielfalt von schöpferischen Individuen die auch unser Welt-Bild veränderten.

Bernhard Jasper | Mo, 4. Juli 2016 - 09:21

Wer jedoch glaubt mit neuen Erkenntnissen ist die Sache gemacht, irrt gewaltig, denn es gab immer Reaktionen auf neue Erkenntnisse. Politische Programme die sich gegen Aufklärung und Vernunft richteten haben immer viel Übel und Leiden angerichtet. Immer wenn Ideologen glaubten „künstliche“ Gemeinschaften konstruieren zu können, zerlegte und zerstörte es ganze Gesellschaften, oft ein blutiger Vorgang. Es bliebt aber immer eine Differenz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, zwischen Plan und Ausführung, oft wurde es inhuman. Dieses Denken führte bis zu den Verbrechen an der Menschheit durch die Nazis. Die Konstruktion des Lebens liegt im Augenblick erneut in der Gewalt von wirren und irren Überzeugungen. „Form follows fiction“, wird erneut zum Wirklichkeitsmodell in der politisch/ medialen Öffentlichkeit, durch Populisten und Hasardeure vorgetragen. Der Sinn des europäischen Denkens, Handelns und Hoffens galt jedoch auch immer einer Befreiung von diesen äußeren Mächten.

Jacqueline Gafner | Mo, 4. Juli 2016 - 12:53

Sehr gut formuliert perfekt auf den Punkt gebracht. Merci!

Diana Weisheit | Mo, 4. Juli 2016 - 14:06

Sorry, Herr Jasper, ich kann Ihnen nicht folgen. Was meinen Sie mit: "Die Konstruktion des Lebens liegt im Augenblick erneut in der Gewalt von wirren und irren Überzeugungen. „Form follows fiction“, wird erneut zum Wirklichkeitsmodell in der politisch/ medialen Öffentlichkeit, durch Populisten und Hasardeure vorgetragen. Der Sinn des europäischen Denkens, Handelns und Hoffens galt jedoch auch immer einer Befreiung von diesen äußeren Mächten."
Wer sind denn die Populisten und Hasardeure, die das Wirklichkeitsmodell "Form follows fiction" in der politsch/medialen Öffentlichkeit vortragen? Ihrem Text zufolge kann damit nur der EU-Apparat gemeint sein, was mich wundern würde.
Wen meinen Sie mit "diesen" äußeren Mächten: die Politiker, alias Populisten und Hasardeure oder die irren und wirren Überzeugungen?
Mit Verlaub, hier wäre eine Überarbeitung angebracht. (bearbeitet, die Redaktion, bitte bleiben Sie sachlich)

Mein letzter Satz war keineswegs unsachlich gemeint. Sollte er jedoch so erscheinen, danke ich der Cicero-Redaktion dafür, dass sie ihn gelöscht hat.

Ruth Falk | Mi, 6. Juli 2016 - 17:17

Danke, Herr Grau, endlich das Richtige gesagt.
Und die bürokratischen Kleingeister Juncker, Schulz, und auch Merkel den Giganten der Geschichte gegenüber zu stellen hat denn auch den Frust in ein (Aus-)Lachen verkehrt.

Thomas Nichterlein | Mi, 6. Juli 2016 - 20:46

Europas Alleinstellungsmerkmal ist die Pluralität der Nationalstaaten. Wir sollten uns dies von den Bureaukraten nicht kaputtmachen lassen. Wir sollten die Briten assoziieren, behalten und integrieren, soweit sie das wollen. Und alle anderen Dissidenten auch. Dann wird durch minimale Differenzen zwischen den Staaten (denn es gibt einen Grundkonsens) ein Optimum an Entwicklung entstehen.
Man versteht, bitte, Unterscheidung, wenn sie nicht zu gross wird, ist DER Entwicklungsmotor. In Wirtschaft, in Kunst, in ALLEM. Norm ist Verblödung, wenn sie die kleinen Unterschiede nicht zulässt.

Walter Wust | Do, 7. Juli 2016 - 11:54

Sehr gut formuliert, Herr Grau. Die EU-Komission als eine europaweite Handelsagentur und Kontaktadresse für den Welt-Handel ist Aufgabe genug für Dilettanten wie Juncker und Schulz etc. pp. Einen ganzen Kontinent mit dieser geschichtlichen und geistigen Elite als Stammbaum von einigen Krämerseelen politisch zu vergewaltigen und versklaven zu lassen, dazu braucht es schon einen extrem suizidären Zerstörungswillen. Ich danke den Briten für ihre Weitsicht und bete für Rest-Europa, daß auch hier bald der Verstand obsiegt.

Werner Kaunzner | Do, 7. Juli 2016 - 14:51

… zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und Erstem Weltkrieg

Fast 99 % Beifall für die scheinbar klugen Worte des Philosophen, da traut man sich kaum, Wasser in den Wein der Begeisterung über den Text des Herrn Grau zu schütten.

Wer will ein Europa mit einem Dreißigjährigen Krieg und einen Ersten Weltkrieg, mit einem Deutschland mit mehr Ländern und Fürstentümern als das Jahr an Tagen hat?
Wer will Deutschland und Frankreich als Erbfeinde? Krieg Preußen ./. Österreich?

Herrn Grau ist nicht bewusst, dass durch die Globalisierung und Amerikanisierung die von ihm hochgelobte kulturelle Vielfalt Vergangenheit ist. Ob Frankfurt, Moskau oder Athen: Den Reisenden begegnet als Erstem McDonald.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und die EU auch nicht. Die EU ist ein heroisches Projekt von weltgeschichtlicher Bedeutung. Mut und Entschlossenheit gehörte von Anfang an dazu. Dass sich inzwischen eine Clique von Bürokraten und Schmarotzer etabliert hat, ist ein Mißstand.

Werner Kaunzner | Do, 7. Juli 2016 - 14:52

… zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und Erstem Weltkrieg

Fast 99 % Beifall für die scheinbar klugen Worte des Philosophen, da traut man sich kaum, Wasser in den Wein der Begeisterung über den Text des Herrn Grau zu schütten.

Wer will ein Europa mit einem Dreißigjährigen Krieg und einen Ersten Weltkrieg, mit einem Deutschland mit mehr Ländern und Fürstentümern als das Jahr an Tagen hat?
Wer will Deutschland und Frankreich als Erbfeinde? Krieg Preußen ./. Österreich?

Herrn Grau ist nicht bewusst, dass durch die Globalisierung und Amerikanisierung die von ihm hochgelobte kulturelle Vielfalt Vergangenheit ist. Ob Frankfurt, Moskau oder Athen: Den Reisenden begegnet als Erstem McDonald.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und die EU auch nicht. Die EU ist ein heroisches Projekt von weltgeschichtlicher Bedeutung. Mut und Entschlossenheit gehörte von Anfang an dazu. Dass sich inzwischen eine Clique von Bürokraten und Schmarotzer etabliert hat, ist ein Mißstand.

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