Frankreich trauert
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Attentate von Paris - Nichts rechtfertigt Terrorismus

Terroristische Massaker wie in Paris sind nicht Folge von Armut, Unterdrückung oder einer verfehlten Nahostpolitik der USA. Terror lässt sich nicht legitimieren. Terroristen kämpfen nicht für, sondern gegen etwas: nämlich die Freiheit und das normale Leben

Autoreninfo

Judith Hart ist Ressortleiterin Weltbühne bei Cicero

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Die Fratze des Terrors ist nach Europa zurückgekehrt. In Paris haben Attentäter 132 Menschen ermordet und mehr als 350 Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Welt ist schockiert, die Anteilnahme groß, die Kommentare schnell geschrieben. „Ich bin Paris“ erklären Millionen Menschen in den sozialen Netzwerken, so, wie sie nach den Attentaten auf eine französische Satirezeitschrift und einen jüdischen Supermarkt im Januar (bei denen 15 Menschen erschossen wurden) alle Charlie Hebdo waren.

Ja, was am Abend des 13. November geschah, ist erschütternd. Es kann niemanden unberührt lassen, dass wieder einmal unbeteiligte Menschen ihres Lebens beraubt wurden. Ihr einziger Fehler war es, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein und das Leben freier Menschen leben zu wollen, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel ausdrückte: in einem Restaurant zu essen, in einer Bar zu trinken, ein Konzert zu besuchen oder einfach nur spazieren zu gehen.

Ursache: Menschenfeindlichkeit
 

Nur, was folgt daraus? Eine Erkenntnis muss endlich lauten: Terror ist Terror ist Terror. Immer und überall. Gleichgültig wo, in welcher Form und in welchem Ausmaß. Es gibt keinen „guten“, durch soziale oder politische Hintergründe irgendwie doch zu rechtfertigenden Terror. Keine vermeintliche Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle oder ein „Kampf für eine gerechte Sache“, die immer wieder als Erklärungsversuche bemüht werden, legitimieren diese kaltblütigste Form des Tötens. Diese Mörder – und nichts anderes sind Terroristen – töten Zivilisten, weil sie deren Lebensstil verachten, weil sie Freiheit und Selbstbestimmung bekämpfen, weil sie menschenfeindlich sind.

Terroristen kämpfen nicht für, sondern gegen etwas, nämlich die Freiheit und das normale Leben, das der Terrorist als „dekadent“ verachtet. Er hat in Wirklichkeit keine Vision, er will Angst und Schrecken verbreiten. Al Kaida wollte nie einen Staat, eine andere politische Ordnung für Muslime, sie wollte Rache an den USA, die sie am 11. September auch ausgeführt hat. Dass dabei auch Muslime getötet wurden, störte sie nicht im geringsten. Boko Haram trägt die Absicht schon im Namen: „Westliche Bildung ist Sünde“. Aber was bietet sie selbst außer einer haarsträubenden Interpretation der Scharia, die es erlaubt, zu vergewaltigen und Menschen zu versklaven?

Gleiches gilt für den „Islamischen Staat“. Auch Hamas geht es nicht um Gerechtigkeit für Palästinenser, in Gaza hat sie ein Schreckensregime errichtet. Dass sie nach dem Osloer Abkommen 1992 anfing, israelische Zivilisten durch Selbstmordattentate zu töten, zeigt nur allzu deutlich: Nichts fürchtete sie mehr als eine Normalität. Es ging Hamas darum, jeden Ausgleich zu verhindern und Juden zu töten.

Terror nicht von Terror unterscheiden
 

Wer den Terror bekämpfen will, der muss verstehen: Man kann Terror nicht von Terror unterscheiden. Das war schon falsch nach 9/11, als Kommentatoren den kaltblütigen vielfachen Mord mit der Nahostpolitik der USA hinweg zu erklären versuchten. Das war falsch nach den Attentaten in Madrid und London, als der Irakkrieg als Erklärung herhalten musste. Das ist falsch in Paris und ebenso falsch in Tel Aviv und Jerusalem. Man kann die Nahostpolitik der Amerikaner für ebenso falsch halten wie den Irakkrieg oder die israelische Siedlungspolitik. Doch nichts rechtfertigt den Mord an Zivilisten. Nirgendwo.

Wollen wir Freiheit und Sicherheit bewahren, dann brauchen wir für die Bekämpfung des Terrors diese analytische und moralische Klarheit.

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