Donald Trump spielt Golf
Spielt Golf mit der Weltwirtschaft: Donald Trump / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jacquelyn Martin

Zollstreit um Grönland - Wie Trumps Protektionismus die Freiheit bedroht

Donald Trump liebt Zölle – und nutzt sie nicht nur als wirtschaftliches, sondern auch als politisches Machtinstrument. Zudem nährt Trumps Zollpolitik den Verdacht, dass er staatliche Macht mit persönlichen Interessen verknüpft – zum Schaden von Freiheit, Wohlstand und Rechtsstaat.

Autoreninfo

Rainer Zitelmann ist Historiker und Soziologe. Er hat 30 Bücher geschrieben, die in 35 Sprachen erschienen sind. Sein aktuelles Buch heißt "Weltraumkapitalismus".

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Donald Trump hat Ländern mit höheren Zöllen gedroht, wenn sie seinen Grönland-Plänen nicht zustimmen. Dies wirft ein Schlaglicht darauf, dass für Trump Zölle auch ein Machtinstrument im rein politischen Bereich sind. Er hat es wieder und wieder gesagt: „Für mich ist das schönste Wort im Wörterbuch ,Zoll‘. Es ist mein Lieblingswort.“ Er hat über die Jahrzehnte zu so ziemlich allen Dingen entgegengesetzte Meinungen geäußert. Mal forderte er eine hohe einmalige Steuer für die Reichen, dann eine allgemeine vom Arbeitgeber abzuschließende Krankenversicherung mit Zuschüssen für Bedürftige – dann wieder genau das Gegenteil. 

Zwischen 1999 und 2012 wechselte Trump sieben Mal die Partei. Nur in einer Beziehung blieb sich Trump treu, beim Thema „Zölle“. Früher machte er die Japaner bzw. das Handelsdefizit mit Japan für Amerikas Probleme verantwortlich. Er hat bei vielen Wählern Erfolg, wenn er abwechselnd Japaner, Deutsche oder Chinesen zum Sündenbock erklärt, auf die negative Handelsbilanz der USA hinweist und höhere Zölle fordert. 

Warum verbreiten Politiker wie Trump protektionistische Parolen, wenn alle Erfahrung zeigt, dass noch niemals ein Land durch Protektionismus reicher geworden ist? Viele Gründe können eine Rolle spielen: ökonomische Unbildung (ein Phänomen, das bei Vertretern aller Parteien anzutreffen ist), die Erfahrung, dass man mit protektionistischen Versprechen Wählerstimmen gewinnen kann, und der Einfluss von Lobbyisten aus Unternehmen, die sich vor ausländischer Konkurrenz schützen wollen.

Politisierte Wirtschaft

Aber es gibt noch ein Motiv, das gerade bei Donald Trump eine wichtige Rolle spielt: Die Zollpolitik ist ein Mittel, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. Wie viele staatliche Regulierungen macht auch eine willkürliche Zollpolitik Politiker sehr mächtig, da sie nach Gutdünken Zölle erhöhen oder aber – gegen entsprechende Gegenleistungen – Zölle wieder senken können. 

Die britischen Ökonomen Aris Trantidis und Nick Cowen haben in einem Papier mit dem Titel „Hayek versus Trump. The Radical Right’s Road to Serfdom“ eindringlich vor dieser Gefahr gewarnt, wie die Zollpolitik zur Erosion von politischer Freiheit und Marktwirtschaft führt: „Wenn partiell-diskriminierende Zuteilungen zur Regel werden, kann es für wirtschaftliche Akteure unmöglich werden, sich dem Einfluss einer politisierten Wirtschaft zu entziehen und die damit verbundene Ausübung von Zwang zu vermeiden. An diesem Punkt erzeugen partiell-diskriminierende Eingriffe nicht lediglich eine staatlich kontrollierte Wirtschaft, sondern eine politisch kontrollierte Gesellschaft, in der wirtschaftliche Akteure auf politischer Grundlage identifiziert, ins Visier genommen, belohnt oder diskriminiert werden können.“ Werde die Zuteilung von Chancen systematisch von einer einzigen politischen Kraft kontrolliert, die bestimmt, wie der Staat Ressourcen verteilt, gerieten soziale Gruppen in ein Abhängigkeitsverhältnis. Anstelle von Gewalt würden partiell-diskriminierende Zuteilungen als sozioökonomische Sanktionen einsetzt, um Bürger zur politischen Loyalität zu zwingen. 

Die Wirkungen des Protektionismus gehen über die wirtschaftliche Schädigung hinaus

Trumps Zollpolitik steht zudem im Verdacht, ein Instrument zu sein, um sich und seiner Familie persönlich Vorteile zu verschaffen. Der Verdacht eines Zusammenhangs zwischen Trumps Zollpolitik und persönlichen Geschäftsinteressen zeigt sich etwa am Beispiel Vietnam. Anfang April 2025 drohte Trump Vietnam im Rahmen seiner neuen Handelspolitik mit Strafzöllen von bis zu 46 Prozent auf Exporte in die USA. Der renommierte amerikanische Ökonom Mark Skousen kommentierte das so: „Als Vietnam mit einem bizarren Zoll von 46 Prozent auf seine Exporte in die Vereinigten Staaten bedroht wurde, konterte die dortige Regierung mit dem Angebot eines Null-Prozent-Zollsatzes zwischen beiden Ländern – und Trump lehnte ab. Diese Weigerung Trumps, ein echtes Freihandelsabkommen zu akzeptieren, ist besonders unerquicklich: Ein früherer Feind wird bestraft, der den Marktkapitalismus übernommen hat und den Übeln des Kommunismus schließlich entkommen ist.“ Man sieht an diesem Beispiel auch, dass das Argument von Trump-Verteidigern, seine Drohung mit hohen Zöllen diene eigentlich nur dazu, die Zölle wechselseitig so weit wie möglich zu senken, unsinnig ist. 

Gleichzeitig verhandelten vietnamesische Behörden mit der Trump Organization über ein großangelegtes Golf- und Immobilienprojekt. Dieses Projekt mit einem Volumen von rund 1,5 Milliarden Dollar wurde im Mai 2025 von der vietnamesischen Regierung genehmigt. Die Genehmigung erfolgte auffallend schnell und in einer Phase intensiver handelspolitischer Spannungen mit den USA. Nur wenige Wochen später änderte Trump öffentlich seinen Ton gegenüber Vietnam. Anfang Juli 2025 erklärte er, dass Vietnam die angedrohten 46 Prozent Zölle doch nicht zahlen müsse. Stattdessen kündigte er einen Deal an, der pauschale Zölle von etwa 20 Prozent vorsah. Diese Reduktion wurde als Ergebnis erfolgreicher Verhandlungen dargestellt. Kritiker verweisen darauf, dass die zeitliche Abfolge von Zolldrohung, Resort-Genehmigung und Zollsenkung zumindest den Eindruck eines Interessenkonflikts erweckt. Die Trump-Seite bestreitet einen Zusammenhang, doch der Fall gilt als Beispiel dafür, wie staatliche Handelspolitik und private Geschäftsinteressen miteinander verschwimmen können.

Die Wirkungen des Protektionismus gehen also über die wirtschaftliche Schädigung hinaus und bergen auch immense politische Gefahren – sie können zur Erosion des Rechtsstaats führen.

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Sebastian Habel | Mi., 21. Januar 2026 - 13:05

"Kritiker verweisen darauf, dass die zeitliche Abfolge von Zolldrohung, Resort-Genehmigung und Zollsenkung zumindest den Eindruck eines Interessenkonflikts erweckt." - Wenn das mal nicht die Untertreibung dieses Jahrzehnts ist. Herr Zitelmann sollte in der FDP endlich eine größere Rolle spielen. Reden wie ein Politiker kann er ja schon einmal.

Markus Michaelis | Mi., 21. Januar 2026 - 13:22

Ob und wann welcher Protektionismus wem nützt oder schadet, das ist glaube ich komplexer. Was mir aber auch scheint: Trump ist die Dampfwalze, die eine alte Weltordnung zu Grabe trägt, die nicht mehr zur realen Welt passt. Die USA haben oft und lange ihre Dominanz ausgenutzt, aber auch ein stabiles Finanz- und Weltsystem geliefert, in dem sich viele entwickelt haben. Die USA werden schwächer, sich entwickelnde Länder haben an vielen Ecken nur auf eigene Vorteile geschaut und das alte System (und die USA) als unendlich belastbar angenommen. Es ist klar, dass das nicht unendlich geht, und jetzt wird es eben zu Grabe getragen.

Jetzt gibt es eben keine verlässliche Ordnung mehr (man hat lange genug über die alte geschimpft) und alle müssen sich neu orientieren und überhaupt mal feststellen, mit wem sie zusammen gehen wollten oder nicht, und auf welches Ziel hin.

Ich fände Europa gut, aber auch abhängig davon, für was Europa steht.

Sabine Lehmann | Mi., 21. Januar 2026 - 15:13

Ich bin heute mal nicht unflott und klaue mir die Titelzeile von Herrn Hanselle;-)
Nur dass ich selbstverständlich nicht den Abschaffer der Demokratie aus Schleswig-Holstein meine, sondern den polternden Campingklops von der anderen Seite des großen Teiches. Denn es gibt einen ganz gravierenden Punkt, in dem Trump immer wieder genau ins Schwarze trifft:
Das Versagen Europas, der Weg in den wirtschaftlichen u. kulturellen Abgrund. Er beschreibt mit seinem recht einfachen Vokabular was Sache ist. Er spricht von Leuten, die von Reisen aus Europa zurück kommen u. dieses Europa nicht mehr wieder erkennen. Das kenne ich auch, ich wohne hier Zeit meines Lebens u. das was ich sehe, täglich erlebe, ist beängstigend! Unkontrollierte u. falsche Massenmigration & exorbitante Staatsausgaben (hängt kausal zusammen)!
Es gibt 3 Gruppen in Europa:
Die Einen wollen nicht verstehen.
Die Anderen können nicht verstehen.
Und die Dritte, die schlimmste(!), versteht diesen Untergang und tut nichts dagegen!!

Die SPD will nicht verstehen …..
Grüne & SED- Erben können nicht verstehen ……
Die Union, die „Schlimmsten“ haben diesen Untergang verursacht haben es auch verstanden, zumindest der größere Anteil wie ich vermute, tun aber nichts dagegen ……
Um mal die Parteien mal beim Namen zu nennen, die Sie wohl meinen 👍

Aber Frau Lehmann, das „System der drei Affen“ was Sie letztlich beschreiben, kommt immer mehr unter Druck … Die Günther‘s tun ihr übriges …..
Ich weiß nicht wie’s in ihrer Heimat aussieht, wenn wir in den Supermarkt gehen, hören wir mehr & mehr offene, unverblümte, teils sehr scharfe Kritik an den derzeitigen deutschen Verhältnissen mit eindeutiger offener Bekundung wer bei den nächsten Wahlen des „Volkes Stimmen“ erhält…. Jedenfalls nicht die drei, bzw., mit den SED Erben, die „vier Affen“ …. Niemand braucht sich über den „Osten“ zu wundern. Bis auf die wenigen alten SED- Schranzen will keiner mehr „Links “ ….. von „Grün“ ganz zu schweigen!
MfG a d Erfurter Republik.

Thomas Veit | Mi., 21. Januar 2026 - 15:21

Wohlergehen seiner Familie und des engsten politische Kreises, so letzterer gehorcht.

Das ist doch offensichtlich, oder?

Sein Intellekt ist drittklassig, sein Erfolg nur auf Aggressivität gegründet - mehr ist da nicht...

Brigitte Miller | Mi., 21. Januar 2026 - 18:22

"Prahlen, fordern, aufrütteln: Trumps Davoser-Reder lieferte reichlich Stoff für Trump-Hasser. Wer hinhören wollte, vernahm indes viel Wahres
Wer von Trumps Rede in Davos Inspiration erwartete, wurde enttäuscht. Wer auf neuen Stoff für seine Trump-Phobie hoffte, wurde belohnt.
Auf die Rechnung kamen aber auch alle, die Trump dafür schätzen, dass er als einziger Politiker der Welt ohne Rücksicht auf Verluste Tacheles redet.
Doch Trump lieferte in seiner Ansprache auch Positives: Erstens präsentierte er sich einmal mehr als eingefleischter Verkäufer, der das Wohl seines Volkes über alles stellt. Bisweilen wünscht man sich, die eigene Regierung würde sich für unser Land so ins Zeug legen.
Weckruf: «destruktiven Politik» in Europa: «Geringeres Wirtschaftswachstum, niedrigerer Lebensstandard, niedrigere Geburtenraten, sozial destabilisierende Migration, grössere Anfälligkeit gegenüber feindlichen ausländischen Gegnern und deutlich kleinere Streitkräfte.» Urs Gehriger WW. Srimme dem zu.

Martin | Mi., 21. Januar 2026 - 18:57

Zu der Kritik an den Zöllen trumps. Weitgehend unbekannt ist aber, dass die Zölle der EU auf US amerikanische waren vor trump höher waren. Und die EU masst sich auch an, die US tech- Konzerne mit sondersteuern zu überziehen.

Meine Frage an die Redaktion und das forum: ich stehe den trump Zöllen kritisch gegenüber. Warum aber habe ich über den neuen EU europäischen schutzzoll CBAM noch keine Kritik im selben Maße gehört? Dadurch werden schutzzölle zugunsten der heimischen Industrie geschaffen, da diese dank der eu klimapolitik dann nicht mehr wettbewerbsfähig wären. Zum Nachteil der Verbraucher, die deutlich verteuerte Produkte erhalten. Und "grüner stahl" ist halt nicht wettbewerbsfähig und hat von den Eigenschaften keinen unterschied zum "grauen". Hier zeigt sich, wie die eu mit schutzzoll unser aller Leben schlechter und teurer macht.

Frage an alle: warum gibt es laute Kritik nur an trump und nicht an CBAM?