Foto: Zwei Fabrikschornsteine stoßen dichte, graue Rauchwolken in den Himmel.
Hier wird lediglich Staatsgeld verbrannt / picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Weinhäupl

Wirtschaftsforschungsinstitute korrigieren Prognose nach oben - Ein schuldenfinanziertes Strohfeuerchen

Die führenden Wirtschaftsinstitute heben ihre Prognosen an. Bundeskanzler Friedrich Merz fühlt sich deshalb bestätigt, dass die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen Wirkung zeigen. Für diesen Zweckoptimismus besteht wenig Grund.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

So erreichen Sie Mathias Brodkorb:

Für das laufende Jahr erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten sie noch mit 0,6 Prozent gerechnet. Damals hatten der Iran-Krieg und die stark gestiegenen Energiepreise die Erwartungen deutlich gedämpft: Man rechnete mit einem „Energiepreisschock“.  

Dieser fiel jedoch geringer aus als befürchtet. Die Weltwirtschaft entwickele sich „erstaunlich robust“, sagt Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die nun prognostizierten Effekte resultieren vor allem aus einem Anziehen der Exportwirtschaft und aus dem Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI).

Und noch etwas trägt zur aktuellen Belebung der Konjunktur bei: Langsam machen sich die schuldenfinanzierten Investitionsausgaben des Staates wirtschaftlich bemerkbar. Ein wirklicher Grund zur Freude kann das aber kaum sein. Wenn der Staat viel Geld ausgibt, hat das zunächst immer positive Effekte auf die Konjunktur. Das lässt sich nicht verhindern. Und zwar ganz egal, wofür das Geld ausgegeben wird.  

Bereits für 2027 gehen die Forscher nur noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus

Die entscheidende Frage ist, ob diese zusätzlichen, schuldenfinanzierten Ausgaben einen langfristigen Wachstumstrend auslösen. Nur dadurch stiegen die Steuereinnahmen und ließen sich Tilgung und Zinsen bedienen. Gelingt dies nicht, verschlechtert sich die Finanzlage des Staates durch steigende Zinslasten immer weiter. Und genau das prognostizieren die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute in ihrer heute veröffentlichen Gemeinschaftsdiagnose.

Bereits für 2027 gehen die Forscher nur noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus, ein Jahr später von nur noch 0,4 Prozent. Die Unternehmen dürften zunehmend an Kapazitätsgrenzen stoßen, während das Arbeitskräfteangebot schrumpft. Hinzu kommen hohe Energiepreise und steigende Sozialversicherungsbeiträge. Derzeit verharren privater Konsum und Unternehmensinvestitionen auf niedrigem Niveau. Ein nachhaltiger Aufschwung ist daher nicht in Sicht.

Ohne Strukturreformen wird es kein nachhaltiges Wachstum geben

Noch mehr schuldenfinanziertes Geld sollte der Staat nach Einschätzung der Experten aktuell nicht in die Hand nehmen. Schon jetzt macht das steigende Defizit des Staates ihnen Sorgen. Während die Wachstumskurven in der Prognose bis 2028 bereits wieder nach unten zeigen, steigt die jährliche Staatsverschuldung umgekehrt immer weiter an.  

Das ist ein im Kern dramatischer Befund. Auch die Verausgabung von immer mehr Staatsgeld reicht nicht aus, um private Konsum- und Investitionsentscheidungen zu stimulieren. Das Hauptproblem Deutschlands ist nicht, dass der Staat zu wenig Geld ausgibt. Das Land ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Ohne Strukturreformen wird es daher auch kein nachhaltiges Wachstum geben. Die Korrektur der Prognosen für die Jahre 2026 und 2027 erweist sich als ein schuldenfinanziertes Strohfeuerchen.

mit dpa-Material

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Rainer Mrochen | Do., 24. September 2026 - 15:57

An der deutschen Börse sieht man das wohl etwas nüchterner. Denn die dortigen Zahlen lassen bezüglich der gestellten Prognosen andere Schlüsse zu. Was Bestätigungen des Bundeskanzlers wert sind; nun ja?

ErnstGünther Konrad | Do., 24. September 2026 - 16:32

Wieder so eine Lüge, um den unfähigen Staatszerstörern den Ar... zu retten. Es wird aber nichts helfen. Die Menschen lassen sich nicht weiter belügen. Sie wissen, dass die angebliche Erhöhung des Wirtschaftswachstums ein Placebo ist, weil sich nur die Rüstungsindustrie an den Daten erfreuen kann. Der Rest der Wirtschaft schmiert ab und solche Zahlen sollen das Opium fürs Volk sein. Wer das glaubt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Ingo Frank | Do., 24. September 2026 - 19:07

positiven Entwicklungen an der Börse sichtbar sind.
Das Volk ist zu dumm das Wachstum zu erkennen wir müssen, dürfen, möchten, das alles nur besser erklären ……
Führende deutsche Wirtschaftsinstitute ……… der SPD nahestehende linke Ökonom Herr Fratzscher vom BIW Berlin ? Wer denn noch ?

Jürgen Goldack | Do., 24. September 2026 - 22:31

Die Prognosen der letzten Jahre bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung waren allesamt Lügen und Hirngespinste der Politik und ihrer willfährigen Helferlein, der sattsam bekannten Lügen-Medien. Aber was soll's, die "Regierenden" seit 2005 haben ein industrielles wie wirtschaftliches Trümmerfeld produziert und da beißt keine Maus einen Faden ab. Kritische Zungen meinen ja sogar, dass wurde durch Merkel so gewollt und in 16-jähriger fast Alleinherrschaft zielorientiert durchgezogen, um im Sinne Ulbrichts und Honeckers zu beweisen, dass nur die sozialistische Einparteiendiktatur, auch Diktatur des Proletariats genannt, das einzige seligmachende Herrschaftssystem ist. Für wen, das hat die "Gute" allerdings verschwiegen. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf wenn nicht der rechtschaffene deutsche Bürger endlich aufwacht, Brandmauern einreißt und nicht jeden Unsinn, den die Mainstreammedien und die ÖRR-Sendeanstalten im Halbstundentakt verbreiten, glauben sondern selbst denkend aufräumen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 25. September 2026 - 12:13

Herr Brodkorb, ohne Strukturreformen kommen wir nicht viel weiter.
Soviel als Laie dazu.
Dennoch, meines Erachtens beginnt die GROßE POLITIK vor allem von Merz, aber auch der Koalition jetzt Früchte zu tragen.
Hat denn Habeck nicht dasselbe gewollt, fragt in etwa Extra 3?
In meinen Augen ist es ein Riesenunterschied, ob ich evtl. vorauseilend Schulden aufnehme, dann auch noch mit dem Schwerpunkt "Klimarettung" oder ob Merz nach Trumps definitiver Haltung die Reissleine zog und den möglichen Beginn einer neuen "Emanzipation Europas" einleitete, auch mit Berücksichtigung des Klimawandels, aber hoffentlich aus gesamtgesellschaftlicher Sicht.
Europa sollte sich nicht übernehmen, aber Strohfeuerchen erwarte ich eher bei anderen Teilnehmern der Weltwirtschaft.
Jedenfalls dann, wenn Europa nicht seine konsolidierenden Arme ausstreckt.
Mensch, sind wir gut.
Erwarte mir noch viel von der Koalition, des weiteren auch, dass die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland das annähernd versteht...