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VW-Machtkampf - Piëch und Winterkorn sind das Problem

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und Großaktionär Ferdinand Piëch zählt in aller Öffentlichkeit den Volkswagen-Chef Martin Winterkorn an. Hinter dem Machtkampf zweier Männer offenbart sich ein Strukturproblem des Konzerns

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Til Knipper leitet das Cicero-Ressort Kapital. Vorher arbeitete er als Finanzredakteur beim Handelsblatt.

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Lesen Sie in der aktuellen April-Ausgabe des Cicero ein Interview mit VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Darin schildert der mächtige Betriebsrat und Aufsichtsrat, wen er sich als Nachfolger von Martin Winterkorn vorstellen kann. 

 

Seit Freitagnachmittag tobt bei Volkswagen ein öffentlicher Machtkampf. Ein Satz reichte, um ihn auszulösen. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, sagte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dem „Spiegel“. Es wäre nicht das erste Mal, dass der VW-Patriarch Piëch sich mit einem kurzen Statement ohne weitere Begründung von einem Vorstandschef trennt. So erging es schon Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, nachdem dieser mit seiner Übernahme des VW-Konzerns gescheitert war.

Es wäre aber das erste Mal, dass der Konzern dem Patriarchen die Gefolgschaft verweigert. Die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, allen voran der mächtige Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, stehen geschlossen hinter Martin Winterkorn. Auch die beiden Vertreter Niedersachsens, Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies, haben sich zu Winterkorn bekannt. Das Land ist der zweitgrößte Aktionär mit einem Anteil von 20 Prozent hinter dem Porsche-Piëch-Clan, der 50,7 Prozent der Aktien besitzt. Und auch innerhalb der Familie sind Piëch Aussagen umstritten. Wolfgang Porsche, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats, kritisierte die Äußerungen seines Vetters Ferdinand Piëch als dessen Privatmeinung, „welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt“ waren.

Kein Blatt Papier
 

Nun fragen sich alle Beteiligten, warum sich der „Alte“, wie Piëch bei VW gerne genannt wird, ausgerechnet jetzt von Winterkorn distanziert? Von dem Vorstandschef, den er einst selbst von Bosch zu Audi geholt und stets gefördert hat. Zwischen die beiden leidenschaftlichen Ingenieure passte jahrelang kein Blatt Papier. Piëch sagte einmal über Winterkorn: „Winterkorn und ich denken in technischen Belangen so ähnlich, dass man vieles nicht besprechen muss. Er handelt so, wie ich handeln würde.“

Genau das macht Piëchs Schritt so absurd und gleichzeitig liegt hier genau das Problem des Volkswagenkonzerns. Vordergründig betrachtet ist der Konzern unter der Führung der beiden erfolgreich gewesen. Seitdem der damalige Audi-Chef Winterkorn 2007 nach Wolfsburg an die Spitze von VW gewechselt ist, haben sich der Absatz der Fahrzeuge und der Umsatz verdoppelt. Mit ihren 12 Marken bedienen sie alle Segmente vom Massengeschäft, über Luxus- und Premiumfahrzeuge bis hin zu LKWs.

Aber das Duo Piëch Winterkorn hatte dabei bisher immer nur das Ziel vor Augen, der größte Autohersteller der Welt zu werden und Toyota von Platz eins zu verdrängen. Das ist aber kein Wert an sich, wenn es bei der Rendite hapert und die liegt konzernweit nur bei 6 Prozent, bei der Kernmarke VW sogar unter drei Prozent. Weit hinter der Konkurrenz von Toyota oder BMW, die zweistellige Renditen erwirtschaften.

Hier rächt sich sowohl das schnelle Wachstum der Wolfsburger, als auch die Technikversessenheit von Piëch und Winterkorn an der Spitze. Volkswagen produziert einfach zu teuer, was auch daran liegt, dass häufig noch spät in der Entwicklung eines neuen Modells Änderungen von ganz oben angeordnet werden. Das verursacht Kosten in dreistelliger Millionenhöhe, hört man aus dem Konzern.

Führungsstil nicht mehr zeitgemäß
 

Aber auch sonst wurden auf dem rücksichtslosen Wachstumspfad wichtige Entwicklungen vernachlässigt: In dem immer stärker wachsenden Segment der sogenannten Budgetcars unter 10.000 Euro ist das Unternehmen so gut wie gar nicht vertreten. Beim Elektroantrieb hinkt Volkswagen Tesla oder BMW weit hinterher, anders als BMW und Daimler hat sich VW bisher kaum für das Phänomen des Carsharings interessiert.

Hinzu kommt der nicht mehr zeitgemäße Führungsstil von Winterkorn und Piëch, der sich immer mehr als Flaschenhals erweist. Ein Konzern mit 12 Marken, der weltweit aktiv ist, kann nicht weiterhin von einem kleinen winzigen Zirkel in Wolfsburg geführt werden, der am liebsten noch die Form jedes Scheinwerfers bis ins Detail diskutieren möchte.

Das bestmögliche Ergebnis des Machtkampfes wäre daher, wenn am Ende sowohl Winterkorn als auch Piëch das Feld räumen müssten.

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