Donald Trump
Trump scheint Machiavelli mit fast unheimlicher Intuition zu befolgen – als hätte er das Werk verinnerlicht / Illustration: Lisa Rock

Trumps Wirtschaftspolitik - Fürst der Marktwirtschaft

Strafzölle, Deals und Rückzieher: Auf den ersten Blick wirkt Donald Trumps Wirtschaftspolitik erratisch. Tatsächlich steckt dahinter eine Strategie. Doch wer nun die Lehrbücher der Ökonomie nach Antworten durchforstet, der sucht vergeblich.

Thomas Mayer

Autoreninfo

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute mit Sitz in Köln. Zuvor war er Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe und Leiter von Deutsche Bank Research. Davor bekleidete er verschiedene Funktionen bei Goldman Sachs, Salomon Brothers und – bevor er in die Privatwirtschaft wechselte – beim Internationalen Währungsfonds in Washington und Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Thomas Mayer promovierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und hält (seit 2003) die CFA Charter des CFA Institute. Seit 2015 ist er Honorarprofessor an der Universität Witten-Herdecke. Seine jüngsten Buchveröffentlichungen sind „Die Vermessung des Unbekannten“ (2021) und „Das Inflationsgespenst“ (2022).

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Donald Trump hat die Weltwirtschaft in den vergangenen zwölf Monaten gehörig durcheinander gewirbelt. Der US-Präsident erklärte Freihandel und Globalisierung zur bösen Tat der Eliten, die Amerika dem Ausverkauf preisgegeben hätten, und er ließ das Räderwerk der Weltwirtschaft heftig knirschen. Trump begann einen Handelskrieg mit China und erpresste andere Länder mit Strafzöllen. Nimmt man Trump wörtlich, dann soll der neue amerikanische Protektionismus nicht weniger leisten als eine nationale Wiedergutmachung: Die industrielle Produktion soll heimkehren, wodurch Wohlstand und Stolz der „vergessenen Amerikaner“ wiederhergestellt würden. Washington und die globalen Eliten, so Trumps Anklage, hätten die arbeitende Mitte verraten – nun müsse sich das wahre Amerika selbst zurückholen.

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René Maçon | Do., 4. Dezember 2025 - 10:28

Importzölle wirken langfristig wie Exportsteuern. Die Besteuerung der H-1B-Visua für hochqualifizierte ausländische Arbeitnehmer wirkt in die gleiche Richtung. Die USA werden ihre Führung in den High Tech Industrien an China verlieren. MAGA ist in Wirklichkeit MCGA.
In der Außenpolitik lässt er sich von Putin leimen.
Wenn Trump abgeht, werden China und Russland die führenden Weltmächte sein. Machiavelli geht anders.

Peter William | Do., 4. Dezember 2025 - 11:45

während China in den letzten 20 Jahren zur Wirtschaftssupermacht geworden ist ist Deutschland im sozialistischen Europa geschrumpft, wirtschaftlich. Nice!

Ernst-Günther Konrad | Do., 4. Dezember 2025 - 12:32

ständig liest man, wie chaotisch Trump sei, dass doch so viele Fehler macht, dass er völlig unüberlegt handelt usw.
Und nun lese ich auch hier, neben vielen Fachleuten bei den alternativen Medien das auch sagen, dass er sehr wohl eine Strategie hat und eben nicht aus der Hüfte heraus nur schießt.
Man kann manche Entscheidungen kritisch analysieren, man muss Trump aber eines bescheinigen. Er denkt, wie er es versprochen hat, zuerst an sein eigenes Volk.
Und wenn er dabei selbst auch verdient? Ich hätte kein Problem damit, solange er es für sein Volk tut und dieses davon profitiert.

Markus Michaelis | Do., 4. Dezember 2025 - 14:05

Ich glaube dieser Politikansatz ist einfach nicht der richtige. Politik ist das Verhandeln von Interessen und gute Politik bekennt öffentlich, dass es (a) die Anderen gibt, und (b) dass die auch berechtigte Interessen haben. Unsere Moralpolitik will das ersetzen durch die Überwindung allen "Wir und Die"s und das Etablieren einer universellen Moral.

Zivilisierte Gesellschaften zeichnen sich aber vielleicht mehr dadurch aus, dass sie zwar anerkennen, dass für jeden Menschen und jede Gruppe Gerechtigkeit und Moral zu den höchsten Werten gehören, für die Menschen auch oft mit dem Kopf durch die Wand gehen, dass aber ein zivilisiertes politisches Zusammenleben verschiedener Wirs gerade daraus besteht, sich nicht von den widersprüchlichen und unerfüllbaren Gerechtigkeiten in Sackgassen davontragen zu lassen.

Zivilisiertes politisches Zusammenleben drückt Interessen aus und definiert Institutionen, Verhandlungsprozeduren und sinnvolle Grenzen zwischen widersprüchlichen Wirs.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 4. Dezember 2025 - 14:25

Trump finde ich gut beschrieben, aber ich glaube nicht, dass Merkel sich von Russland abhängig machte.
Sie nutzte deren Kapazitäten und forcierte dann sehr bestimmt die Erneuerbaren, also die Unabhängigkeit von Russland, dafür aber die militärische Abhängigkeit von den USA und die produktionstechnische von China?
Sie wurde doch auch als Machiavelli gefeiert, evtl. im Tagesspiegel?
Trump will vlt. die Weltherrschaft durch die USA?
Deshalb werde ich nicht müde, anderen Machtzentren zu erklären, dass die den USA m.E. nicht zusteht.
Ich bin für eine multipolare Weltordnung, vor allem eine lebendige/liebende, keine der Macht.
Aber die Bedeutung von Risikokapital für eine Weltleitwährung ist überhaupt nicht zu unterschätzen.
Das funktioniert in den USA, noch, denn zu einem hohen Preis für die Gesellschaft?
Der Euro ist dagegen eine Sternstunde der Währung und kein Machtinstrument, kann aber dazu missbraucht werden, wenn die EU "durchregiert" würde.
Versuche gab es?
Macht ist so überflüssig..

sie konsumieren und wenn es geht, evtl. nach ihren Bedingungen?
Höhere Steuern kann aber vlt. niemand in den USA durchsetzen, dann braucht der Staat Geld über andere Kanäle, als da wären Zölle und internationales Durchsetzen US-konformer Marktbedingungen, vielleicht sogar "Kauft nur bei Amis"?
Die USA können aber nicht auf eine Art Gleichgewicht wirtschaftlicher Beziehungen hoffen, weil die Produktionsbedingungen in anderen Ländern andere sind.
Das kann man erklären und eben Zölle nutzen.
Ein weiterer Punkt ist aber, dass die USA ein "Vielvölkerstaat" sind und zwar als "Siedlungsgebiet".
Die Bindungen an die Herkunftsländer werden so schnell nicht aufgegeben und erfordern eigentlich Produktionskapazitäten in den USA, dort dann aber unter US-"Bedingungen".
Dazu zählen bei niedrigen Steuern aber auch hohe Erbschaftssteuern?
Wie setzt man das für Unternehmensgewinne um?
Vielleicht ahnt Trump mehr als er weiss oder wissen kann?
Helfen wir den USA...