Porsche
Ein Porsche in einer Autowaschanlage am Stuttgarter Westbahnhof / Foto: Sven Cichowicz

Stuttgarts Automobilindustrie - Das neue Detroit?

Der Geburtsort der Automobilindustrie könnte zu ihrem Grab werden. Ein Großteil der Firmen baut Stellen ab, und das massiv. Damit droht einer der reichsten Regionen Europas der Niedergang. Denn hier hängt der Wohlstand an nur einer Technologie: am Verbrennermotor.

Autoreninfo

Wolfgang Messner ist Investigativjournalist und Chefreporter der Zeitschrift Wirtschaftsjournalist:in.

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In den 1960er Jahren war Detroit eine der größten und reichsten Städte der Vereinigten Staaten. Prachtvolle Hochhaustürme und extravagante Villen reihten sich an Grand­hotels, Ballsäle, Theater und Museen. Jeder verdiente gut in „Motorcity“, und jeder, der etwas auf sich hielt, wollte hierher. Dann wurden den großen Drei – Ford, General Motors und Chrysler – die Gewerkschaften zu mächtig. Sie beließen ihre Firmensitze in der Stadt, siedelten ihre Werke wegen der günstigeren Löhne aber um, erst in die US-Südstaaten, nach Tennessee, Kentucky, Alabama oder ­Georgia, später dann nach Mexiko und Kanada. Die Rassenunruhen im Jahr 1967 gaben der Stadt den Rest. Der Niedergang setzte ein. Innerhalb von nur einem halben Jahrhundert verlor Detroit mehr als eine Million Menschen und damit 60 Prozent seiner Bevölkerung.

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Jens Böhme | Sa., 9. August 2025 - 19:02

Autobauer hört sich an, als wäre das ein erlernter Handwerksberuf mit goldenen Händen.

Hans Jürgen Wienroth | So., 10. August 2025 - 09:21

Antwort auf von Jens Böhme

Genau das ist es!

Detroit war das erschütterndste auf unseren USA Reisen, aber es wurde auch von den Gewerkschaften mit überzogenen Rentenfonds zerstört.

Bei uns ist es das pol. Diktat zum E-Auto, ohne dass (umwelt-)technisch darüber diskutiert wurde. Politiker (& Gewerkschafter!) entschieden, wie in der DDR, wohin der Weg der Autoindustrie zu gehen hat. Ob es für den Kunden sinnvoll ist, spielte keine Rolle. Für den in D verbreiteten Mietwohnungsmarkt ist das E-Auto wenig brauchbar, Zeit & hohe Strom-Kosten an der Ladesäule sind unattraktiv.

SPD und IG-Metall haben entschieden, dass VW in jedem Werk E-Autos baut. Das Invest war verlorenes Geld, das für andere Investitionen fehlt & Zinsen kostet. Hinzu kommt die Unsicherheit der Kunden, was mit dem eigenen Job wird, welches Auto gefahren werden darf und woher ausreichend grüner Strom kommt. Von der tatsächlichen Klimaneutralität dieses Stroms ganz zu schweigen. Der Medienhype um die angebl. tollen, billigen China-Autos schadet auch.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 9. August 2025 - 19:58

Gut bezahlte Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und starke Sympathien für GRÜNE Politik, das schien in Stuttgart und Umgebung lange Jahre gut zusammen zu passen. Noch vor kurzem wurden die an den Markt gebrachten Aktien der Porsche AG hoch gehandelt, nun ist der Gewinn um 90% eingebrochen. Die Mercedes-Luxusstrategie ist passé. Alles Zeichen, dass längerfristige Entwicklungen von den (weiter amtierenden) Vorständen falsch eingeschätzt wurden. Das gravierendste Problem sind aber fehlende Perspektiven für Schul-und Uniabgänger. Meist bleibt nur die Möglichkeit, den beruflichen Einstieg anderswo zu suchen. Wer einmal weg ist, kommt nicht wieder. Das Ruhrgebiet und die neuen Bundesländer in den Wendejahren lassen grüßen.

Dr. Michael Bauer | Sa., 9. August 2025 - 20:29

Der Verbrenner hat keine Zukunft - er wird durch die elektrische (autonome) Mobilität ersetzt werden. Und nicht aus Umwelt- sondern aus strukturellen Kostengründen. Da hilft kein Jammern; man muss sich darauf einstellen oder untergehen. Das erfordert tiefgreifende Strukturänderungen -insbesondere in Hinblick auf die Verfügbarkeit von viel und günstiger elektrischer Energie. Leider macht D hier mit der sog. „Energiewende“ aktuell (noch) einen Kardinalfehler.

Thomas Veit | So., 10. August 2025 - 01:33

Antwort auf von Dr. Michael Bauer

nicht nur einen sondern gleich mehrere Kardinalfehler..., auf den unterschiedlichsten Ebenen und Gebieten... - politisch wie wirtschaftlich.

Besser man liest einfach nix mehr..., dann tut einem auch nix weh. /Sarkasmus

PS: Der große Vorteil der Chinesen ist mMn der, dass sie eine mittel- und auch langfristige große Strategie haben..., und diese auch staatlich gefördert und überwacht durchsetzen. (ja, ich weiß, dort ist auch nicht alles Gold was glänzt...)

Wo ist unsere große mitrel- und langfristige Strategie, ausser beim CO2...? Nur ÜBERLEBEN! als Hauptstrategie wird nicht ausreichen... ...

Wir brauchen dringend ein 'Reset' - politisch und wirtschaftlich!

Sollten zu alledem zukünftig Personalien wie Brosius-Gersdorf und Richterkandidatin Ann-Katrin Kaufhold unsere Geschicke wesentlich mit bestimmen können sind wir/D endgültig am Popo - dauerhaft. Von so etwas wie 'der Ampel' mal ganz zu schweigen... - DAS können wir uns nicht mehr leisten, ganz einfach.

Achim Koester | So., 10. August 2025 - 08:50

Antwort auf von Dr. Michael Bauer

Strukturelle Kostengründe? Dann müsste ein E-Auto aber auch günstiger sein als ein Verbrenner, das sind derzeit nur die Chinesen. Warum überlassen wir die Entscheidung nicht dem Markt, der es besser regeln wird als die Politik?
Die Zukunft gehört m.E. beiden Fahrzeugtypen, jeder hat individuelle Vorteile, die beim Kauf ausschlaggebend sind. Unsere Regierung betreibt in dieser Hinsicht eine Planwirtschaft, unsere Landsleute im Osten wissen, wo das hinführt.

Hans | So., 10. August 2025 - 15:42

Antwort auf von Achim Koester

Wo bleibt die wissenschaftliche Diskussion über das Für und das Wider der Antriebsarten, einschließlich der ehrlichen und wirtschaftlichen Diskussion um die Umweltauswirkungen? Wann wird das „Totschlagargument“ von den „erneuerbaren und klimaneutralen“ Energien als das entlarvt, was es ist: eine große Lüge?

Hans Meiser | Mo., 11. August 2025 - 12:45

Antwort auf von Dr. Michael Bauer

... dass funktioniert aber nur mit Planung und nicht mit Ideologie.
Bis fachfremde, egozentrische Ideologen wie Habeck nicht vollständig (!) von Positionen entfernt sind, in denen sie mehr als Bleistifte anspitzen dürfen, wird das leider nichts.
Aber egal - für D. ist eh nichts mehr zu retten. Um strukturiert auf erneuerbare Energien und e-Mobilität umzustellen braucht man Geld -und das wurde ausgegeben und kommt auch nicht mehr rein (siehe Artikel).

Maria Arenz | Sa., 9. August 2025 - 21:17

wird es in Stuttgart wohl nicht kommen aber ein Trauerspiel ist es allemal, was uns hier bevorsteht. Und es macht nicht nur taurig, sondern einfach nur wütend. Weil es so überflüssig ist wie der berühmte zweite Kropf. Es ist das Ergebnis der "Geschmeidikeit", mit der sich gewisse hochbezahlte Herren in der Hoffnung auf einen satten Strahl von Muttis Gnadensonne in Form von Subventionen bei ihr lieb Kind gemacht haben. Statt ebenso freundlich wie stur bei einer ebenso klaren wie einfachen Ansage zu bleiben: Sorge Du - Staat- erstmal für verlässliche CO 2 freie bzw. arme Energie und lass so lange, bis Du das zuverlässig geschafft hast, einen Wettbewerb aller Antriebsarten zu. Wenn diese Bedingung dann mal zuverlässig funktioniert, ist der Elektromotor das kleinste Problem, der ist schon lange erfunden. Solange Elektromobilität aber, -wie z.B. in China - nur mit dreckigem Kohlestrom möglich ist, werden wir den Teufel tun und Euren grünen Phantastereien das Wort reden

Patenter Anwalt | So., 10. August 2025 - 08:38

Ich habe einen genauen Blick auf Stuttgart. Ich sehe täglich Muttis mit Lastenfahrrad ihre Kinder herum fahren, Autos verteufeln, während der Mann als Ingenieur bei MB/Bosch/Mahle schufftet. Grün ist mit Abstand stärkste Partei; zusammen mit der SPD oder Linke besteht eine absolute Mehrheit. Die beiden Autos (davon mindestens 1 Verbrenner) werden immer ein paar Straßen weiter geparkt und gleichzeitig sitzt man im Stadtrat für die Grünen. Die lernen das erst, wenn es wirklich den Bach runter ist!

es muss! alles erst noch einmal deutlich schlimmer werden und auch die (westlichen 😉) rot-grünen Wohlstandsfettzellen wie eben Stuttgart treffen, bevor 'sie' überhaupt irgendetwas merken..., und da ist von 'ändern' noch nicht die Rede...

Diesbezüglich - abwärts! - sind wir aber auf dem richtigen Wege - absolut! /Sarkasmus

Eco | So., 10. August 2025 - 09:44

Zum einen, weil sie seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten keine neuen Entwicklungen mehr hervorgebracht hat. Hier liegt der Anfang aller Probleme. Dann hat man versucht, sich durchzutricksen, Abgasskandal, aber auch unsinnige Verkaufsstrategien, die den Kunden verärgert haben.
Beim E-Auto wird man nicht mehr in Führung gehen können; diese Autos werden in China gebaut werden.
Langfristig ist damit das Ende des deutschen Autowunders gekommen. Das kann man nicht mehr aufhalten. Die Politik verschärft aber die Probleme. Ich glaube nicht, dass es in Zukunft überhaupt keine Verbrenner mehr geben wird; es wird eher eine bunte Mischung aus Verbrenner mit alternativen Brennstoffen, Hybrid- und E-Autos geben. Hier aber einen neuen Platz zu finden macht die Politik mit sturen Vorgaben kaputt. Wir können gar nicht genug Strom produzieren, damit alle nur noch E-Autos fahren.

Urban Will | So., 10. August 2025 - 10:21

ihr gewählt u gefördert habt. Viele haben vor vdL gewarnt, eine verkappte Grüne unter der Fuchtel der Ober-Grünen Merkel, der dieses Land, die Menschen, deren Wohlstand,etc. so egal ist wie ein Sack Reis in China.
Wer jetzt erst kapiert, was mit diesem Klima-Wahn,dem ganzen Irrsinn drum herum (eben auch das Verbrenner-Verbot, der „GreenDeal“, all der Blödsinn, dessen Auswirkungen auf d „Weltklima“ gleich Null sind, was jeder Trottel kapiert, der einmal in der Welt unterwegs war) angerichtet wurde, den darf man gewiss keinen „Experten“ nennen. Und wenn der MP Kretschmann jetzt daher redet von „Ruhrgebiet“,dann muss man ihn auslachen, denn es ist seine Partei, die all den Irrsinn möchte.Aber nicht die Sekte ist anzuklagen: es ist erneut die Union, der wir diesen Niedergang zu verdanken haben,diesen elenden Duckmäusern.
Man wird immer Verbrenner brauchen (Landwirtschaft, Luftverkehr, angetr. auch v efuels). Wie konnte man nur so dumm und verblendet sein, alleine auf E-Motoren zu setzen.

Ernst-Günther Konrad | So., 10. August 2025 - 10:39

Selbst mitgewähltes Schicksal. Da sind ja einige auf den Klima Zug aufgesprungen. Eine Autoindustrie, die erst viele Subventionen abgegriffen hat und weiter verdiente, eine immer grün werdende Wählerblase hat sich einlullen lassen und bis zu vielen Kommunalpolitkern den teils grünen Schwachsinn mit der Verbannung der Autos aus den Städten und E-Autos für alle mitgemacht. Wer hat denn diese Industrievernichter gewählt? Das grüne Ländle bekommt jetzt die Quittung, die es verdient. Diese Quittung hat die Überschrift *Realität* und wird nicht diese Region hart treffen. Und wer glaubt, nur mal schnell auf schwarz-grün wechseln zu können und dann wird wieder alles gut dürfte jetzt mit großen Schmerzen erwachen. Sie schreiben es ist fünf vor Zwölf. Ich sage, die Turmuhr hat bereits zwölf geschlagen und die Politik hört den Glockenschlag einfach nicht. Noch immer wird an der Klimalüge festgehalten und noch immer wird nicht radikal in der Wirtschaft umgesteuert. Nein, die wollen es nicht anders

A. Müller | So., 10. August 2025 - 14:16

Ich komme aus der Region und habe als Berufsschullehrerin und Honorardozentin für Metallberufe einen, wenn auch nur indirekten, Einblick in die Automobil- und Zuliefererbranche. Es hängt nicht nur Stuttgart sondern auch die komplette Region in einem hohen Maß von eben dieser Branche ab, die für lange Zeit ein Garant für Wohlstand und Prosperität war. Das Firmensterben bei den Mittelständern hat bereits begonnen, auch außerhalb des Automotive-Sektors. Die Energiepreise sind zu hoch, die Bürokratie ist zu viel. Ein neues Detroit? Wahrscheinlich nicht, unser Mittelstand ist sehr innovativ. Dennoch wird es einen bedenklichen Strukturwandel mit Wohlstandsverlusten geben. Die Urban-grüne Parallelwelt will das nicht wahrhaben, obwohl die grüne Politik einen großen Anteil an der Misere hat. Wer finanziert zukünftig den Spaßbetrieb in Berlin, wenn über den Länderfinanzausgleich kein Geld mehr aus Ba-Wü mehr kommt?🤔