Staatsschulden und Corona - Die Japanisierung Europas

Beim EU-Gipfel in Brüssel wird weiterhin hart über gigantische Corona-Hilfen verhandelt. Wohin grenzenloses Schuldenmachen führt, lässt sich in Japan seit fast 40 Jahren beobachten. Wie duldsam werden die Europäer den sinkenden Wohlstand ertragen, wenn wir diesem Weg nun folgen?

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Macron und Merkel beim EU-Gipfel: Wenn die Schulden grenzenlos steigen, sinkt der Wohlstand in der Eurozone / picture alliance

Autoreninfo

Gunther Schnabl ist als Ökonomieprofessor Experte für Geldpolitik. Er leitet das Institut für Wirtschaftspolitik an der Uni Leipzig. Foto: Universität Leipzig

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Seit die Corona-Krise die Volkswirtschaften heimsucht, haben die Regierungen in ganz Europa riesige schuldenfinanzierte Ausgaben- und Kreditprogramme auf den Weg gebracht. Die Europäische Zentralbank (EZB) flankiert diese Konjunkturprogramme mit immensen Ankäufen von Staats- und Unternehmensanleihen. Oft heißt es, diese Krise sei beispiellos.

So außergewöhnlich die Maßnahmen auch scheinen, vieles erinnert an Japan. Dort betreibt Ministerpräsident Shinzo Abe schon seit 2013 mithilfe des Zentralbankpräsidenten Haruhiko Kuroda unter dem Markennamen „Abenomics“ wirtschaftspolitisches Harakiri. Orientieren sich unsere Regierungen nun ausgerechnet am unheilvollen japanischen Modell? Die Folgen scheinbar grenzenlosen Schuldenmachens wären einschneidend. 

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Klaus Funke | Mo, 20. Juli 2020 - 08:37

Wieder einmal zeigt sich, diese EU ist kein Teil der Lösung, sie ist Teil des Problems. Nie wird es dieser Organisation gelingen zum echten Wohl ihrer Völker zu agieren. Immer geht es um Symbolpolitik und Egoismus - wie jetzt mit den gigantischen Corona-Hilfen, die am Ende wie immer versickern werden und keinen wirklich Bedürftigen erreichen werden, sondern nur die Banken reicher machen. Ebenso wie am Ende nur Merkels Scheckbuchdiplomatie siegen wird. Deutschland wird zahlen, Frankreich und Italien u.v.a. werden nehmen. Und Merkel wird als "Retterin" gefeiert. Sie wird das solange tun, bis es nichts mehr zu verteilen gibt. Diese Frau wird unser Land an den Bettelstab bringen. Die Grünen werden ihren Sieg feiern und die Migranten werden um das Kreuz tanzen. Merkel, die eigentliche Vernichterin des Abendlandes. Sie tat dies, und das ist das Schlimme, nicht aus bösem Willen oder aus Unvermögen, sondern nur, weil sie so lange wie möglich auf dem Thron bleiben wollte...

Wo haben Sie denn das her? In der Realität sind die Banken in Deutschland nur noch ein Schatten früherer Stärke und selbst bezüglich der Sparkassen kann man bereits Warnungen in der Presse lesen. Im europäischen Ausland sieht es nicht besser aus. Schuld daran ist die EZB, die das Geschäftsmodell der Banken und Versicherer kaputt gemacht hat, plus die ständigen Wirtschaftskrisen : Ist jetzt schon die wievielte, innerhalb weniger Jahre? Und das Großrisiko Italien steht uns noch bevor.

Christa Wallau | Mo, 20. Juli 2020 - 08:59

... hatten wir einmal in Deutschland, ehe wir uns auf das Abenteuer "EURO" eingelassen haben.
Zusammen mit Ländern, in denen es n i e eine harte Währung gegeben hat, konnte das nur bedeuten: Deutschland begibt sich langfristig ebenfalls auf den fatalen Weg, den Japan ganz allein beschritten hat: Gefangenschaft in horrender Verschuldung!

Und dies alles o h n e Not, ganz freiwillig!

Spätestens dann, als die Maastricht-Verträge
gebrochen wurden, hätten alle finanzpolitschen Alarmglocken schrillen müssen, und Deutschland - als größter Nettozahler in der EU - hätte dem Treiben ein Ende setzen müssen.
Vernünftige, verantwortungsvolle Ökonomen gab es genug, die das damals vorschlugen.

ABER: Die Politiker (Traumtänzer) hörten nicht auf sie!
Als Bernd Lucke aus blanker Verzweiflung darüber eine neue Partei gründete u. eine Reform des Euro-Raumes forderte, wurden er u. seine Anhänger von Anfang an als böse Nationalisten diffamiert.

Wer nicht hören will, muß eben fühlen.
(Alte Weisheit)

der muss es eben ständig lesen.

Wir wissen es ja. Bernd Lucke wollte mit der Gründung einer "eurokritischen" (angeblich zunächst nicht europafeindlichen) Partei die währungspolitische Integration Europas stoppen. Was ihm natürlich nicht gelang. Der Souverän reduzierte die AfD zu einer Partei, die irgendwo (bundesweit)bei 10% stagniert. Und Bernd Lucke als ökonomisches AfD-Aushängeschild ist längst Geschichte.

Jegliche Diskussion mit der AfD über Währungspolitik ist eine Scheindebatte. Es geht der AfD nicht um eventuelle Vor- oder Nachteile des Euro: ein friedlich zusammenwachsendes, intergriertes Europa ist für jeden strammen Nationalisten, dem verbarrikadierte Staatsgrenzen und Abgrenzung zu anderen Nationen und Kulturen ganz grundsätzlich Wonneschauer bereiten, pures Teufelszeug.

Im Übrigen, um nur einen Punkt der "vorgeschobenen" Argumente aufzugreifen: Der Nettozahler Deutschland selbst hat in der Vergangenheit gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen.

Ekkehard Windrich | Mo, 20. Juli 2020 - 10:02

Sehr geehrter Herr Schnabl,

danke für Ihre informative Darstellung der wirtschaftlichen Situation Japans, die mir in diesem Ausmaß nicht bewusst war.

Mein bisheriges Bild war, dass Japans Ökomomie trotz mancher Probleme für die Zukunft besser aufgestellt sei als die Deutschlands oder der EU.

Im Bereich der Informationstechnologie hat doch Japan viel mehr zu bieten als Europa und auch die Automobilindustrie hat viel früher und konstruktiver auf den Markttrend reagiert, Toyota schon Jahre vor Tesla?

Liege ich falsch, wenn ich der japanischen Wirtschaft insgesamt höhere Innovationsfähigkeit als der europäischen unterstelle? Sehen Sie denn gar keinen Ausweg aus den Schwierigkeiten als den großen Zusammenbruch?

Es ist mir bewusst, dass Ihre Warnung, die EU solle Japans Weg in die Verschuldung nicht folgen, durch meine laienhaften Erwägungen und Nachfragen eher noch an Gewicht gewinnt.

Urban Will | Mo, 20. Juli 2020 - 10:13

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, weil es d i e Europäer im Vergleich zu d e n Japanern nicht gibt.

Diejenigen Europäer, denen man seit Jahren die Hauptlast aufbürdet, obwohl ihr Lebensstandard in vielen Bereichen weit im hinteren Bereich liegt, also die Deutschen, werden ruhig bleiben, zumindest in der Mehrheit.
Dafür sorgt ein großes Konglomerat einheitlich geschalteter Medien.

Es funktioniert ja schon seit Jahren gut, uns wird immer wieder vorgemacht, wie sehr w i r von der EU profitieren. Es mögen viele profitieren, aber der kleine Mann gewiss nicht.
Der arbeitet viel, hat wenig davon (hohe Steuern) und wird mit der Rente idR nicht auskommen.
Und eine eigene Immobilie wird für viele immer ein Wunschtraum bleiben.

Was Japan nicht hat: eine durch die irrsinnige Migrationspolitik zusätzlich aufgebürdete Last, die in naher Zukunft zusätzliche Milliarden verschlingen wird und – wie man in S und F sieht – weitere unkalkulierbare Folgen mit sich bringt.

Die Einwanderungspolitik von Japan hat sich in den letzten Jahren gelockert. Im übrigen halte ich Japan für ein gutes Beispiel dafür wie ein verhinderter gesellschaftlicher Wandel katastrophale Folgen hat. Wenn Kinder zur Last werden, dann hat das zur Folge, dass es weniger Kinder gibt. Genau hierbei ist Japan uns einige Jahre voraus. Leider hat Deutschland erst seit kurzem bei der Kinderbetreuung einen Politikwandel vollzogen, was immer noch nicht ausreichend ist. Japan steht da noch viel schlechter da. Im übrigen ist das das Kernproblem Japans und die Höhe Staatsverschuldung die Folge davon. - >Nachfrage im Inland fehlt.

Gerhard Schwedes | Mo, 20. Juli 2020 - 12:39

Die Schuldigen einmal der Reihe nach aufgezählt: 1. die Politiker. Sie haben nicht auf die Ökonomen gehört sind unfähig, über den Tag, die eigene Tasche und die eigene Karriere hinauszudenken. Jetzt geht es ihnen einzig nur noch darum, sich den Hals zu retten. Das sind keine Volksvertreter, sondern Laienschauspieler und Egomanen. Und immer noch halten sie sich gegenüber den warnenden Stimmen der Ökonomen die Ohren zu. 2. Die Medienvertreter: Schuldig, weil sie ideologisch verseucht und ökonomisch zu ungebildet sind. Hätten sie ökonomischen Sachverstand besessen, dann hätten sie den Politikern ordentlich eingeheizt. Durch reinste Dummheit haben sie ihre Chance als 4. Gewalt verspielt. 3. Der Wähler: Woher soll sich denn der Durchschnittswähler seine Informationen holen, wenn nicht aus den Medien? Nur ein Teil bezieht sie aus den sozialen Netzwerken. Bleibt eine letzte Informationsquelle: das Bauchgefühl bzw. der Instinkt. Bei allen Qualitäten, Instinkt hat er nicht, der Deutsche.

Gisela Fimiani | Mo, 20. Juli 2020 - 13:21

Wie wollte man gegen das schöne Märchen von der omnipotenten All-Regierung, die sich väterlich (mütterlich) um das Wohlergehen ihrer Untertanen kümmert, Punkten? Erfahrungs-Wissen, Wirklichkeitssinn, rationales Denken, Klarsicht erfordern Anstrengung und Mut. Diese Tugenden wurden längst zu Gunsten von Feigheit und Opportunismus ersetzt.

Norbert Heyer | Mo, 20. Juli 2020 - 16:31

Frau Merkel hat heute die „entscheidende“ Runde der Einigung über den EU-Haushalt vor sich. Ich nehme es vorweg: Man wird sich in der nächtelangen Verhandlung auf ein Ergebnis einigen, dass allen entgegenkommt, nur uns nicht: Die Mittelmeerländer erhalten Geld ohne Bedingungen, die „geizigen“ Kleinen stimmen zu, weil wir ihre Mehrbelastungen übernehmen. Im Theater nennt man so etwas eine Schmierenkomödie. Nicht Recht und Gesetz bestimmen die Handlungen von Frau Merkel, sondern ausschließlich Totschlagargumente: Solidarität, Alternativlosigkeit, Humanität und die vielbeschworene europäische Gemeinsamkeit. Diese Veranstaltungen suggerieren dem Betrachter, hier geht es um höhere Werte. Nein, es geht nur um schnöden Mammon und dem, der am Ende die Zeche bezahlt. Frau Merkel will einen letzten Erfolg, was stört es sie da, dass sie die finanzielle Belastbarkeit unseres Landes gnadenlos ausreizt. Viele Bürger sehen das leider völlig anders, aber das wird sich garantiert mittelfristig ändern.

Jan Dutschmann | Mo, 20. Juli 2020 - 17:49

dem Tag an dem die Masse aller künstlichen Krisen nicht mehr recht um diesen Finanzunsinn unter der Wasserlinie zu halten.

Fritz Elvers | Mo, 20. Juli 2020 - 20:22

dass Japan auf alle Gebieten wenigstens sehr viel zu bieten hat.
Deutschland nur noch im Maschinen- und Anlagenbau.
Durchschlagende Innovationen kommen nur noch aus den Gender-Wissenschaften.

Christoph Kuhlmann | Di, 21. Juli 2020 - 05:41

desto mehr werden die ökonomischen Strukturen erstarren - hätte ich jetzt fast gesagt bevor mir sie USA eingefallen sind, deren technologische Führung im IT Sektor nahezu ausschließlich auf eine staatliche Initiative namens Internet. Das aus einem dezentralen militärischen Informationssystem hervorging und dem die USA noch heute ihre Technologiegiganten verdanken. Aber mal ehrlich, glaubt jemand dass der Staat in Deutschland für 80 Milliarden Glasfaser verlegt und Programmieren als Schulfach einführt? Das Geld wird in alte unproduktive Bereiche gesteckt.

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