Kleiner Junge bei Demo
Früh übt sich.... / picture alliance/KEYSTONE | PETER KLAUNZER

Sozialstaat und Arbeitsmarkt - Wir können uns Eure Lifestyle-Teilzeit nicht mehr leisten

Teilzeit aus Freizeitgründen, alimentiert durch den Staat: Dieses Modell rechnet sich für immer mehr Arbeitnehmer. Doch kann man einen Sozialstaat, der Work-Life-Balance subventioniert und dafür Leistung entwertet, wirklich als solidarisch bezeichnen?

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

So erreichen Sie Mathias Brodkorb:

Wie das Magazin Stern berichtet, will die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU den „Rechtsanspruch auf Teilzeit abschaffen“. Aus den eigenen Reihen gab es dazu prompt Kritik. Dennis Radtke, der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, verteidigte die „Wahlfreiheit“ der Arbeitnehmer. Allerdings wird dadurch kein einziges der objektiv bestehenden Probleme gelöst. Bereits seit einigen Jahren weisen wissenschaftliche Institute darauf hin, dass das insgesamt geleistete Arbeitsvolumen in Deutschland im historischen Trend ansteigt. Im Jahr 2024 belief es sich auf etwa 55 Milliarden Zeitstunden. Im Jahr 2005 waren es nur 47 Milliarden.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Pamina | So., 25. Januar 2026 - 17:49

wenn man von vornherein nur einen Teilzeitjob hat?

„Das könnte heißen: Er müsste weiterhin seinen bisherigen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen ...“

Das würde ja sonst nur die Treffen, die von höheren Stunden reduzieren. Diese Ungleichbehandlung wird wohl nicht durchgehen. Außerdem dürfte dann bei Reduzierung der Arbeitszeit auch keine Grundsicherung gezahlt werden. Und wie ist das dann bei denen, die sich clever gleich von vornherein einen Teilzeitjob suchen? Oder die Arbeitsstelle wechseln und so nur Teilzeit beschäftigt werden? Fragen über Fragen. Der Staat sollte sich lieber mit denen befassen, die gar nichts in die Sozialsysteme einzahlen.

Pamina | So., 25. Januar 2026 - 18:02

verzichtet auf Geld und führt vielleicht ein nicht so auf Konsum ausgerichtetes Leben. Manche möchten vielleicht auch noch Zeit haben, sich sozial oder ehrenamtlich zu engagieren. Das muss jedem selbst überlassen bleiben, wie er sich sein Leben vorstellt und einrichtet. Da hat sich die Politik nicht reinzuhängen. Oder ist der Mensch nur noch ein Arbeitssklave der Politik? In Frankreich zählt übrigens die 35-Stunden-Woche als Vollzeit.

Angelika Sehnert | So., 25. Januar 2026 - 19:02

Es ist, gerade bei Unverheirateten, die Regel, dass wegen der Progression eine höhere Tarifstufe oder Gehaltserhöhung zu deutlich höheren Steuern und Abgaben und so zu weniger Netto als vorher führt. Nicht wenige, gerade Besserverdiener lösen diesen paradoxen Nachteil nachvollziehbar mit einer Reduktion der Stunden. Warum auch nicht? Wer arbeitet schon umsonst? Das Problem ist doch, dass Steuern und Abgaben völlig aus dem Ruder gelaufen sind, genau wie die sozialstaatlichen Wohltaten. Mit Solidaritätsappellen kann man das nicht mehr rechtfertigen, denn die Fakten lassen sich nicht mehr verschleiern: Die Fleißigen sind in der Tat die Dummen und allmählich in der Minderheit. Das System wieder leistungsgerecht zu gestalten ist nicht in Aussicht, nicht mit der SPD und auch nicht mit Teilen der CDU. Auch der Vorstoß der MIT ist nur ein hilfloses Herumdoktern an Symptomen. Genau das haben die Leistungsträger langsam satt. Die Frustration nimmt zu. Eine bedenkliche Entwicklung.

Hans Jürgen Wienroth | So., 25. Januar 2026 - 19:22

Wenn ich Ihre Vorschläge weiter verfolge, dann darf der „arbeitsscheue“ Bürger überhaupt keine Unterstützung mehr bekommen. Da hätten Sie aber ganz schnell das BVerfG. auf dem Plan wegen der Menschenrechte.

Aber wo wollen Sie die Grenze setzen? Wer Arbeit hat muss (bis auf die genannten Ausnahmen) Full-time arbeiten? Wenigstens die Familie mit Kind darf (NOCH!) einen Teil des Tages mit diesem verbringen und muss es nicht ganztags in die Staatsbetreuung geben. Was ist mit den „Heimchen am Herd“? Bekommen die keine Krankenversicherung mehr bzw. müssen sich privat versichern?

Wie wäre es, wenn der Staat seine „gierigen Hände“ soweit zurücknehmen würde, dass sich Arbeit wieder lohnt? Dann würde sich ggf. manches Problem von selbst erledigen und man müsste nicht eine Ungerechtigkeit durch eine andere ersetzen.

Markus Michaelis | So., 25. Januar 2026 - 20:39

Warum ist es zulässig eine Ausbildung zu machen, die kein hohes Einkommen bringen wird? Unsere Diskussionen über Sozialstaat, Menschenrechte, Leistungen für Bedürftige, Schutzberechtigte, für Klima, vieles mehr, sind voll mit Erschütterungen, weil es Leute nicht verstehen können, dass Reiche das nicht einfach zahlen müssen, wo diese Rechte jedem Menschen zustehen. Das Problem: auf die Zahlen geschaut, scheint es, dass wir nicht genug "Superreiche" haben, die auch zu wenig Vermögen haben, und das noch meist in Firmen, die man schlecht wegbesteuern kann.

Wenn soviele Menschen diese unverhandelbaren Rechte haben, scheint es mir daher klar, dass viele andere die Pflichten dazu haben müssen, also Geld und Leistungen bereitstellen müssen. Wenn diese Pflichten (und Rechte) so unverhandelbar klar sind, leuchtet es mir nicht ein, dass man es sich frei aussuchen kann, durch Teilzeit und schlechte Jobs dazu nichts beizutragen. Oder wir setzen weniger Rechte als unverhandelbar?

Ganz recht geehrter Herr Michaelis! Oder wie schon im April 2001 ein gewisser Herr Schröder von der SPD formulierte:"Es gibt kein Recht auf Faulheit.Basta!"Gut,das Basta habe ich dazu erfunden,doch der Rest stimmt.Stelle mir wie des Öfteren gerade vor angesichts unserer Weltmeister in der Disziplin des zurückruderns,welche mediale Sprengkraft eine solch getätigte Order aus berufenem Munde heutzutage entwickeln würde.3 Wochen Stadtbild rauf und runter nähmen sich dagegen geradezu lächerlich aus!Und was den sogenannten Fachkräftemangel bezüglich Politik betrifft,so sind wir Bürger und Wähler/innen ja wohl am meisten gestraft falls Sie verstehen was ich meine;).Oder die armen Säue,die in jeder Woche ins Land gehend durch unser politisches Dorf-Idyll getrieben werden🐷. MfG

Haben Sie den Artikel nicht gelesen? Herr Brodkorb verhandelt gerade das Recht auf Teilzeit. Als "freier" Publizist teilt er sich seine Arbeit schon seit vielen Jahren selbst ein. Dieses Privileg möchte er nicht gern mit profan Angestellten Teilen.

Heidemarie Heim | So., 25. Januar 2026 - 21:32

Denn die von Ihnen genannten Sozialleistungen verehrter Herr Brotkorb sollen laut der mit einigem Unwillen;) bekannt gegebenen Angaben seitens der jeweiligen Regierungskoalitionen ja nur ein kleiner Teil des vorhandenen, bzw. dem dummen Leistungsträger mit Hang zur 40 Std -Woche unbekannten Inhalts des sozialen Portfolios sein.Der Umgang damit oder die eigene Wertschöpfung daraus zu ziehen erfordert somit eine gewisse Intelligenz und darüber hinaus natürlich Zeit,die der von uns erwähnte Dumme mit fulltime Job gar nicht hat.Und wenn man es ganz klug anstellt,so zeigen immer mehr Beispiele braucht man wie schon in der Bibel erwähnt weder zu säen,sondern nur zu ernten um frei wie die Vöglein im besten Sozialstaat von allen zu gedeihen 🥳. Man bringe mir meinen Bademantel! MfG

Bernhard Kaiser | So., 25. Januar 2026 - 21:37

… Beschäftigte holt sich durch Teilzeit und möglicherweise zusätzlichen Sozialleistungen nur ein Teil von dem zurück, was ihm der Staat zuvor geraubt hat … der unendlich gierige Staat respektive das jeweilige Regime ist das Problem, nicht der Lohnsklave …

Sabine Lehmann | So., 25. Januar 2026 - 23:13

Normalerweise kommt bei Parasitenbefall der Schädlingsbekämpfer. In der deutschen Politlandschaft versucht man sich jedoch seit zig Jahren darin Schmarotzer zu pampern, zu pudern u. mit viel gutem Zusprech zur Raison zu bringen, im Klartext ans Arbeiten zu kriegen. Gleichzeitig bläht sich der Anteil von Transferleistungen(neudeutsches Wording für Stütze und Sozialhilfe) in jeder öffentlichen Kasse auf Bundes- Landes- u. Kommunaler Ebene auf wie ein Luftballon, der kurz vorm Bersten steht. Zur Verschlimmbesserung dieses ohnehin schon katastrophalen Zustands holt man sich Millionen Neubürger ins Land, deren Zugewinn für unsere Gesellschaft höchstens aus der Bereicherung der Kriminalitätsstatik u. der Belegung vieler Betten in den Kreißsälen besteht, will uns das allerdings nach wie vor als Zugang von Arbeitskräften verkaufen.
Was jetzt noch stattfindet, ist reine Schadenverwaltung, mehr nicht. Der Overkill liegt schon hinter uns, es hat nur keiner den Schuss gehört. Typisch deutsch eben.

Sabine Lehmann | So., 25. Januar 2026 - 23:37

Der Steuerzahler als Ressource für Steuerverschwendung und eine linksradikale Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, die nur noch von der noch kränkeren Klimaideologie getoppt wird. Das ist der aktuelle Zustand Deutschlands.
Demnächst wird der verbeamtete Hausmeister an der Grundschule nebenan eine Ecke mehr verdienen als ein Ingenieur eines kleinen mittelständischen Betriebs, so lange es überhaupt noch Betriebe gibt in Germanys Lost-Camp aus Work-Life-Balance-Usern u. Israel-Hassern. Wozu soll der deutsche Michel denn überhaupt noch arbeiten? Für wen, das weiß er längst und er überlegt sich gut, ob es sich für 10 oder 15 % mehr Geld im Portemonnaie als ohne Arbeit, aber mit Bürgergeld, wirklich lohnt, früh morgens oder besser erst nachmittags aufzustehen, die Jogginghose und die neuesten Prada Turnschuhe anzuziehen, um in der nächsten Shisha Bar ordentlich einen durchzuziehen.
Ob Radwege in Peru oder Kühlschränke für Kolumbien, deutsche Prioritäten kommen wirklich direkt aus dem Irrenhaus!

@Sabiene Lehmann,

Sie schreiben hier seid Monaten immer wieder den gleichen Lesebrief mit stetig verschlechterter Laune. Die Deutschen sind alle strunzdumm und Sie wähnen sich umzingelt von Sozialschmarotzern. Das sollte nun überall angekommen und verstanden worden sein.

Was soll bitteschön an Teilzeitarbeit linksradikal sein. Rechtsdrehende Milchsäure ist besonders bekömmlich, rechtsdrehender Unsinn nicht. Zumindest nicht wenn er bei jeder Gelegenheit, passend oder nicht, wiederholt wird!

Bernd Windisch | Mo., 26. Januar 2026 - 00:32

Teilzeitarbeit ist für die Arbeitgeber kostenneutral bis leicht teurer, wenn Prozesse unverändert bleiben. Mit guter Planung (Job-Sharing, klare Übergaben, flexible Arbeitszeiten) lässt sich das meist vermeiden – teils entstehen sogar Einsparungen.

Das tief wurzelnde Misstrauen eines "Sozialdemokraten" gegen Arbeitnehmer, die zu Lasten des Sozialstaates absahnen wollen ist jedenfalls durch seinem Artikel nicht sachlich begründet. Belege, für das, "was wir uns nicht mehr leisten können", bleibt Herr Brodkorb schuldig.

Das ist arm.

Peter William | Mo., 26. Januar 2026 - 08:45

"Je geleisteter Arbeitsstunde „verdient“ er dann deutlich mehr Geld, als wenn er Vollzeit arbeiten würde."

Hören sie mir auf mit ihrem moralischen Gelaber! Ein Lars Klingbei der wohl 52k € pro Monat 'verdient' nimmt offensichtlich alles mit was geht. Wenn das die normalen Arbeitnehmer machen...

Ihr habt diese Gesetze geschaffen, SPD und CDU zusammen und wundert euch wenn diese genutzt werden. Ihr Politiker seid kein Vorbild in dieser Hinsicht. Arbeiten in Deutschland lohnt sich halt nicht mehr, Scholz war damit angetreten das zu ändern und es wurde nur noch schlimmer! Ihre ehemalige Partei Herr Brodkorb ist ein Sammelsurium der Unfähigkeit, ähnlich schlimm wie die grüne Partei. Und Merz koaliert mit denen, keine Ahnung warum. Die Moralkeule anstatt von Logik und Bezahlung, dass zieht halt nicht. Hat es nie und wird es auch niemals.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 26. Januar 2026 - 12:16

Solange ein Mann oder auch Frau it ihrem Verdienst nicht eine Familie mit mindestens zwei Kindern ernähren kann, ein Elternteil arbeitet, das andere die Kinder betreut, egal ob Mann oder Frau oder beide halbtags arbeitend gemeinsam genug verdienen, damit sie jeweils eine halbe Stelle besetzen können, solange wird es diese Auswüchse in unseren Arbeitszeitsystemen geben. Aber wie soll das heute noch gehen? Ich konnte 1987 noch zwei Kinder mit Ehefrau zu Hause ernähren. Da ging sogar noch ein kleiner Urlaub. Aber wer sich heute die Steuerbelastungen ansieht, die Energiepreise, die Mietpreise, Grundsteuer und Wassergeld, GEZ und viele spezifische andere Abgaben, wie notwenige div. Versicherungen, private Krankenkasse, u.v.m., weiß, es geht mit einem Verdienst längst nicht mehr. Und das liegt nicht immer an Unterbezahlung, sondern an den horrenden Steuer und Lebenshaltungskosten. Lebensmittel, Kleidung, will auch bezahlt werden. Nicht wenige machen kleine Jobs, um die Kitagebühren zu zahlen

Ihr Kommentar landet auf dem Punkt. Wenn der Zwang zum Zweit- oder Drittjob als Lifestyle abgekanzelt wird zeugt das nicht von Lebenserfahrung.

Über Kitagebühren spricht man nicht, die hat man. Zumindest in bestimmten Kreisen.

Enka Hein | Mo., 26. Januar 2026 - 13:02

...werter Herr Brodkorb.
Wir haben mindestens 2 Millionen andere finanzielle B... in D. Und es wird nicht weniger.
Und bevor die Ausgabenseite im Asyl- und Bürgergeldbereich beseitigt sind, ist das Geschilderte eher Peanuts.

Enka Hein | Mo., 26. Januar 2026 - 15:18

..steht zumindest im GG.
Wieso betreibt der Cicero vorauseilenden Gehorsam?

Wenn ich dieses Beitrag als Scheindebatte bezeichne um von den wirklichen Problemen abzulenken und man den rosa Elefanten mal wieder nicht benennt.
Die Asyl- und Burgergeldempfänger sind unser Hauptproblem.
Es sind diejenigen die diesen Staat und genauer gesagt dem Steuerzahler den Lebenssaft aussaugen.
Mal sehen wie lang dieser Kommentar drin bleibt oder überhaupt rein kommt.