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Chinesischer Internetgigant - Alibabas Rekordbörsengang

Der Rekord-Börsengang des chinesischen Onlinekonzerns Alibaba zeigt vor allem eins: Das Internetgeschäft bestimmen Unternehmen aus den USA und China, Deutschland und Europa hinken hoffnungslos hinterher

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Til Knipper leitet das Cicero-Ressort Kapital. Vorher arbeitete er als Finanzredakteur beim Handelsblatt.

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Wer sich die deutsche Seite von Alibaba.com anguckt, wird zunächst eher amüsiert sein als beeindruckt. In holprigem Deutsch, generiert offenbar durch Übersetzungssoftware, werden dem Kunden dort „Jungfrau-brasilianisches Menschenhaar“ für 38 US-Dollar, „Mindestbestellmenge: 1 einheiten“, oder „tragbare Audios mit dem lautes Geräusch“, Mindestbestellmenge immerhin „500 einheiten“ (zu haben ab 7,67 US-Dollar) angeboten.

Aber nichts wäre dümmer als den chinesischen Internetgiganten, der in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist, zu belächeln oder zu unterschätzen. Bei seinem Börsengang an der New York Stock Exchange wird Alibaba voraussichtlich knapp 25 Milliarden US-Dollar einsammeln bei einem Ausgabepreis der Aktie von etwa 68 Dollar. Der 1999 vom ehemaligen Englischlehrer Jack Ma gegründete Konzern, der eine chinesische Mischung aus Amazon und Ebay ist, wird damit den größten Börsengang aller Zeiten aufs Parkett legen. Mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 162 Milliarden Dollar ist Alibaba dann auf einen Schlag das drittwertvollste Unternehmen der Branche hinter Facebook und Google.

Bisher ist Alibaba zwar fast ausschließlich in China aktiv, hat dort aber seine Hauptkonkurrenten Amazon und Ebay weitestgehend verdrängt. Mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent beherrscht das Unternehmen E-Commerce und Internet-Auktionen in seinem Heimatmarkt. China ist mit 300 Milliarden Dollar Umsatz bereits jetzt der größte Markt für Onlinehandel weltweit. Bis 2015 sollen es 540 Milliarden Dollar werden – mehr als der Umsatz in den USA, in Großbritannien, Japan, Deutschland und Frankreich zusammengerechnet.

Europa und Deutschland hinken hinterher
 

Mit dem beim Börsengang eingesammelten Geld verschaffen sich die Chinesen jetzt das Kapital, um das bisher noch sehr überschaubare Auslandsgeschäft zu vergrößern. Jack Ma hat während der Roadshow bei den großen Investoren dieser Welt im Vorfeld des Börsengangs schon mehrfach verkündet, dass er sich in Zukunft stärker in Europa und in den USA engagieren will. Einige Start-Ups aus dem Silicon Valley haben die Chinesen in den vergangenen Monaten bereits übernommen.

Auch wenn Ma erstmal beweisen muss, dass er auch außerhalb Chinas Erfolg haben wird und Gewinne erzielen kann, zeigt Alibabas Börsengang vor allem eins: Den Kampf um die Marktanteile im Internet tragen derzeit ausschließlich Unternehmen aus den USA und China aus. Europa und Deutschland hinken weit hinterher.

Daran ändern auch die bevorstehenden Börsengänge des Online-Modehändlers Zalando und von Rocket-Internet, der Beteiligungs-Holding der drei Samwer-Brüder, nichts. Sie sind eher Ausnahmen als der Start einer groß angelegten Aufholjagd.

Um tatsächlich bei den Großen mithalten zu wollen, fehlt es in Deutschland an fast allem: Die digitale Infrastruktur mit einer flächendeckenden Breitband-Internetversorgung steht nicht zur Verfügung, Wagniskapital und Kredite von den Banken gibt es nicht in ausreichender Höhe und auch die Anzahl der Gründer mit tragfähigen Geschäftsideen ist trotz des Hypes um die Berliner Start-Up-Szene überschaubar.

Stattdessen bekämpft man neue Trends aus dem Internet hierzulande lieber mit Lobbyarbeit und Gesetzen. Die Taxifahrer wehren sich gegen neue Konkurrenz durch Dienste wie Uber mit Unterlassungsanträgen und versuchen ihr Monopol mithilfe des Personenbeförderungsgesetzes zu verteidigen. Die Verleger bekämpfen Google mit dem weltweit einzigartigen Konstrukt des Leistungsschutzrechts, indem sie in Zukunft Geld von dem Suchmaschinenanbieter dafür verlangen, dass Google ihnen Leser bringt. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass die deutschen Autohersteller von der Bundesregierung ein Einfuhrverbot für die Elektro-Autos von Tesla verlangen. Ein innovatives, selbstbewusstes, technologisch fortschrittlich agierendes Land sieht anders aus.

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