Prokon-Pleite - Der dumme Anleger ist selbst schuld

Der Fall Prokon zeigt: Wer sein Geld anlegt, muss sich vorher selbst informieren und nicht blind auf hohe Renditeversprechen vertrauen

Die Sonne scheint durch dichte Regenwolken in Schleswig-Holstein auf Windräder. Prokon hat mit Windparks Geld machen wollen
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Til Knipper leitet das Cicero-Ressort Kapital. Vorher arbeitete er als Finanzredakteur beim Handelsblatt.

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Das Wort Kunde kommt vom althochdeutschen Begriff „kundo“, dem Wissenden, dem Kundigen, dem Eingeweihten. Wenn es in Deutschland um Kunden und Verbraucher geht, erinnert man sich aber nur ungern an diese ursprüngliche Bedeutung des Wortes. Deutsche Verbraucherschützer scheinen, wenn sie über die von ihnen zu schützende Klientel nachdenken, eher unkundige, nicht wissende Vollidioten vor ihrem geistigen Auge zu haben. Das zeigt auch die Diskussion um die vorläufige Insolvenz des Windparkbetreibers Prokon.

Das Unternehmen hatte sich am sogenannten grauen Kapitalmarkt finanziert über den Verkauf von Genussscheinen. Bis zu 7,5 Prozent Rendite sollten die Käufer dieser Wertpapiere damit erzielen können. Etwa 75.000 Anleger sollen rund 1,4 Milliarden Euro investiert haben.

Nun schreit die Politik sofort wieder reflexartig nach einer schärferen Regulierung des grauen Kapitalmarkts, die privaten Anleger sollten besser vor Risiken geschützt werden. Der neue Staatssekretär im Justizministerium, Gerd Billen, verkündet im Interview mit dem Handelsblatt sofort: „Wir werden prüfen, ob wir den Vertrieb intransparenter beschränken oder ganz verbieten.“ Sein Vorgesetzter, Justizminister Heiko Maas sagt an anderer Stelle: „Wo es Verbrauchern schwerfällt, sich selbst zu schützen, müssen wir für mehr Transparenz sorgen.“

Besser ein Unterrichtsfach Wirtschaft einführen


Aber fällt es denn den Verbrauchern tatsächlich so schwer, sich selbst zu schützen? Das Unternehmen Prokon bewegte sich im sogenannten grauen Kapitalmarkt, weil es sich bewusst und völlig legal für diese Form der Finanzierung entschieden hat. Grauer Kapitalmarkt, welchen Hinweis braucht ein durchschnittlicher Verbraucher noch, um zu wissen, dass sein Risiko hier wohl etwas höher sein wird als auf dem Sparbuch bei seiner Volksbank?

Es ist inkonsequenter, politischer Aktionismus, wenn man nun mit neuen Gesetzen vermeintlich höhere Sicherheit für Anleger schaffen soll. Wer Genussscheine erwirbt, geht bewusst ein unternehmerisches Risiko ein bis hin zum Verlust seines Einsatzes. Dieses Risiko wird im Erfolgsfall mit einer höheren Rendite belohnt. 

Genau das wird doch seit dem Ausbruch der Finanzkrise landauf, landab von der Politik gefordert: Risiko und Haftung gehören zusammen. Der Fall Prokon lässt sich auch nicht vergleichen mit Betrügereien eines Bernie Madoff, der per Schneeballsystem den Anlegern das Geld aus der Tasche zog. Denn das Geld der Genussscheininhaber von Prokon wurde in bestehende Windparks investiert. Ob das Unternehmen wirklich insolvent geht, muss sich erst noch zeigen, schreibt Die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe völlig zu recht. Einen Vollkaskoschutz für Anlger kann und darf es auch gar nicht geben und wer den Prospekt von Prokon gelesen hat, hätte wissen müssen, worauf er sich einlässt. 

Wenn die Politik wirklich so wenig Vertrauen hat in die ökonomische Bildung der Deutschen, sollte sie sich lieber für eine flächendeckende Einführung des Schulfachs Wirtschaft einsetzen, statt entsprechende Pilotprojekte wie in Nordrhein-Westfalen wieder abzubrechen. Für Anleger gilt bis dahin der Satz einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. „Ich kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Produkte ich auch verstehe“, pflegt die lebende Legende Warren Buffett seit Jahren zu sagen.

 

 

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