Pharmazie - Apotheken-Apokalypse

Tausende deutsche Apotheken haben wirtschaftliche Probleme. Sind ausländische Versandapotheken wie DocMorris Schuld? Nicht einmal die FDP teilt diese Ansicht der mächtigen Apothekerlobby. Nur die Linkspartei unterstützt die Pharmazeuten in der Sache, um Patienten zu schützen

Blick am 21.04.2017 in eine Apotheke in Neuzelle (Brandenburg). In Deutschland geht die Zahl der Apotheken zurück - das macht sich bemerkbar.
Blick in eine Apotheke in Neuzelle (Brandenburg). In Deutschland geht die Zahl der Apotheken zurück / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero und Cicero Online.

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Wie zielführend sein Aufenthalt im Gesundheitsministerium war, darüber wunderte sich Friedemann Schmidt 2016 sogar selbst. Es war der 24. Oktober, als der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) den damaligen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in höchster Not aufsuchte und ihn darum bat zu handeln.

Fünf Tage zuvor hatten die Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) die vermeintliche Apokalypse für deutsche Apotheker losgetreten. Ihr Urteil: Es ist ausländischen Versandapotheken, wie DocMorris, Europa Apotheek oder Shop Apotheke Europe in den Niederlanden, erlaubt, deutschen Patienten nach eigenem Ermessen Rabatte bei verschreibungspflichtigen Medikamenten zu gewähren. Die deutsche Preisbindung gilt für sie nicht, so die Richter, sonst wäre wegen des Standortnachteils kein fairer Wettbewerb mit deutschen Apotheken möglich.

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Dieter Hegger | Fr, 1. Februar 2019 - 09:20

Gestern ein Schmerzmittel in der örtlichen Apotheke, gekauft, weil Notfall ! Das gleiche Mittel ist in der Online - Apotheke exakt um 32 % billiger und ab 40 Euro Bestellwert Portofrei. Nun kann geraten werden wo ich das nächste mal einkaufe ;-)
Ziemlich witzig, die Linkspartei unterstützt die Apotheker, die vorher noch die besten Kunden von Mercedes Benz & Co. waren.

gabriele bondzio | Fr, 1. Februar 2019 - 11:11

Globalisierung bringt halt auch verschärften Wettbewerb mit sich. Dazu tragen die Firmen aus anderen Ländern bei, in denen das Lohnniveau weiter unten angesiedelt ist. Sobald diese Firmen auf den heimischen Markt vordringen, werden die Preise gedrückt. Internetapotheke und Reale vor Ort, sind durch weitere stationäre Kosten getrennt.
Aber Spahn hat ja gleich für die Apotheker eingelenkt.
Wenn er bei den Versicherten auch so schnell wäre, könnte man das begrüßen. Aber ich denke, der Versicherte muss bei den Zuwendungen für die Apotheker auch draufzahlen.

wolfgang dubbel | Fr, 1. Februar 2019 - 11:13

Wäre nicht auch denkbar, dass der verschreibende Arzt das Medikament online bestellt und dem Patienten zustellen lässt?

Yvonne Walden | Fr, 1. Februar 2019 - 11:30

Eine Partei wie die FDP sollte sich weder für das Hotelge3werbe noch für den örtlichen Arzneimittelhandel (Apotheken) stark machen, sondern für diejenigen, die eigentlich keine Lobby haben, also Arbeitslose, prekär Beschäftigte in der Fleischproduktion und Geringverdienende beispielsweise bei Freiberuflern (Rechtsanwälte usw.). Apothekerinnen und Apotheker sowie die Betreiber im Gastgewerbe sind autark genug, sich selbst um ihre wirtschaftlichen Interessen zu kümmern. Leider setzen sich unsere deutschen Gewerkschaften so gut wie gar nicht für Geringverdienende ein, warum wohl? Weil deren Beiträge aufgrund geringer Einkommen ebenfalls äußerst gering ausfallen. Dann schon lieber auf Facharbeiter schielen, die als gute Beitragszahler gelten und am Ende auch bei Lohn- und Gehaltsanhebungen am meisten profitieren. Ungerechte Welt? So ist es offenbar, und kaum jemand versucht ernsthaft, den Status quo zu überwinden. Schon gar nicht die Pharmaindustrie über Preissenkungen für ihre Produkte

In der Apotheke im Ärztehaus brummt das Geschäft, und lohnt sich besonders, wenn dem Apotheker das Ärztehaus gehört. Ist er dort nur Mieter, profitiert der Vermieter besonders. Außerhalb der Innenstadt findet das große Apothekensterben statt, denn nur von verschreibungspflichtigen Medikamenten kann eine Apotheke nicht leben, außer im Ärztehaus.
Ich frage mich, inwieweit Rabatte, die Versandapotheken gesetzlich versicherten gewähren, legal sind. Eigentlich ist das Versicherungsbetrug. Oder wie sieht da aus, wenn ich einen Schaden am Auto von meiner Versicherung oder der des Unfallgegners bezahlen lasse, und ein paar Prozent des Rechnungsbetrags vom Firmenchef zugesteckt bekomme?
Ich bin nur Kunde der Apotheke in der Nachbarschaft, einmal im Quartal für die Dreimonatsration Augentropfen. Kostet mich 5€, die TK vielleicht 50€ oder weniger, schließlich verhandeln die Kassen ja Kassenrabatte mit exklusiven Lieferanten.
Deswegen muß das Präparat bestellt werden, für jede Kasse anders.

Bernd Muhlack | Fr, 1. Februar 2019 - 14:28

würde Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier dazu sagen.
Es wird doch inzwischen aus jedem "Problem" sofort auf den kollektiven Untergang geschlossen, awwer bisher hätt noch alles joht jejange, gell?
Also hier in Nordbaden sehe ich weder massive Probleme ob der Versorgung mit Ärzten noch mit Apotheken. Natürlich kann es keine Versorgung nach Wunsch selbst für das kleinste Wehwehchen geben, da muss man eben durch und den "schmerzlosen Indianer" kopieren. Im Radius von etwa 20 km sind 16 Apotheken ansässig, alle mit Lieferservice => ist das nicht bemerkenswert?
Eine Apotheke firmiert (schon immer!) als "Mohren-Apotheke" und es gab vor etwa zwei, drei Jahren den Aufschrei der üblichen Verdächtigen! Ja, sie heißt immer noch Mohren-Apotheke und das ist auch gut so!
In diesem unseren Lande wird doch alles nur noch schlecht geredet, als schädlich befunden.
Liebe Leute: NEIN, WIR müssen nicht die Welt retten, sondern UNS selbst!!!
& für 40 Apothekentaler bekommt man einen Kasten Bier!

Gerhard Lenz | Fr, 1. Februar 2019 - 14:39

sich seine Pillen per Versandhandel ins Haus zu schicken lassen. Das ist nicht anders, als bei CDs, Büchern, Kleidern...zunehmend auch Lebensmitteln und etlichen anderen Gebrauchgegenständen des täglichen Lebens. Angeblich wird hier und da bereits psychologische Betreuung und eine erste ärztliche Konsultation per Internet angeboten.
Dass das auch Apotheken treffen würde, kann doch nicht verwundern.

Es wundert auch nicht, dass die FDP den Apothekern nicht zur Hilfe eilt: In jeder zweiten Aussage eines FDP-Politikers wird auf das Loblied der Digitalsiserung gesungen - bzw. deren zögerliche Verwirklichung beklagt.

Mit fortschreitender Digitalisierung wächst aber zweifelsohne auch der Internethandel, was zu Lasten des niedergelassenen Handels geht.

einfach Unverzichtbar! Zum Arzt muss ich schon in die nächstgelegene Kleinstadt, bestimmte Fachärzte sind nur in Großstädten ansässig. Bekommt man krankheitsbedingt Medikamente verschrieben, die nicht so häufig über den Ladentisch gehen, muss der Apotheker sie erst bestellen. Man muss wieder dorthin fahren, denn ein Lieferservice findet nur in der gleichen Stadt statt. Da lobe ich mir meine Versandapotheke. Da stecke ich das Rezept in den Freiumschlag und in der Regel bringt der Postbote die Medikamente spätestens am übernächsten Tag.

So ist die Digitalisierung von der FDP nun nicht gedacht. Vielmehr geht es hier um neue Technologien usw..
Unfairer Wettbewerb, wie er momentan dem gesamten ortsansässigen Einzelhandel in Deutschland viel stärker als Apotheken das Leben schwer macht, so dass deutsche Handwerker in Konkurrenz zu 1.40 EUR Stundenlöhnen in China und Indien ihren Lebensunterhalt bei happigen Steuern und Sozialabgaben verdienen müssen, muss begrenzt werden.
Das gilt auch bei Apotheken, erfordert aber keine Totalverbote, sondern nur
faire Rahmenbedingungen. Die begrüsse ich auch als engangierter FDP-Anhänger.
Leider ist es die GroKo-Bundesregierung, die diese Konsequenzen der Globalisierung
untätig hinnimmt!

dass es immer mehr Menschen gibt, die sich ihre Medikamente per Internet besorgen. Fortschreitende Digitalisierung dürfte durchaus eine vermehrte Nutzung des Internets zur Folge haben, oder glauben Sie nicht? Und wenn es so bequem ist, warum darauf verzichten?

Weiter: Schauen Sie sich nur das Apothekensterben in ländlichen Gebieten an - das gibt es tatsächlich. Notdienste sind zuweilen so organisiert, dass Sie für dringende Pillen zuweilen 20 km (und mehr) fahren müssen. In solchen Notfällen ist der Internethandel natürlich nicht hilfreich, aber es wächst bei Ihnen die Einstellung, dass es ja - grundsätzlich - nicht so umständlich sein muss, sich ein Medikament zu besorgen - wenn Internet und Post locken.

Was das jetzt allerdings mit asiatischen Billiglöhnern in anderen Branchen zu tun hat, erschliesst sich mir ehrlich gesagt nicht. Ich wüsste nicht, wo solche Billiglöhner Alternativen zu Apotheken anbieten, die einen entsprechenden Rückgang fördern.

Dorothea Maurer | Fr, 1. Februar 2019 - 18:04

Ich werde meiner Apotheke treu bleiben.
Sie gibt mir ein dringend benötigtes Medikament
schon am Samstag, wenn ich das Rezept erst am Montag vorlegen kann. Un wenn ich spare kommt meine Ersparnis ohnehin nur meiner Krankenkasse zugute,

Axel Thom | Fr, 1. Februar 2019 - 20:45

Eine Apotheke ist heute nur noch ein teurer Zwischenhändler zwischen Arzt Großhandel und Patient (außer Btm) ich benötige keine Apotheke die mir verordnete Medikamente aushändigt.MfG.

Bernd Schiebener | So, 3. Februar 2019 - 14:05

Ist nun nun auch in unserer Kleinstadt sichtbar geworden. Die Gattin unseres Apothekers ( 2 Fillialen Abstand ca. 900 Meter ) ist vom Porsche 911 Carrera silber metallic auf einen schnöden MB A 180 umgestiegen. Ich habe dem Ehepaar natürlich spontan mein Beileid ausgesprochen.