Passt auf die Zentralbanken auf!

Vor einem Jahr standen die Finanzmärkte weltweit am Abgrund. Heute scheinen die Systeme eine Stabilität gefunden zu haben. In Wahrheit treibt uns die Nullzinspolitik der Zentralbanken ins nächste Desaster.

Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main
() Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main
Warum Krisen? Die Ökonomen haben aus der Krise von 1929 für 2008 nichts gelernt. Lediglich andere Löschtechniken werden ausprobiert. Die Krise selbst bleibt ein Rätsel. Neu sind allerdings Bekenntnisse à la Peter Bofinger, dass in den Modellen der Wirtschaftsweisen ein Finanzsektor schlichtweg fehlt. Krisen entstehen, weil Unternehmen Vermögen sind, deren Eigentumsseiten gegen Preisverfall verteidigt werden müssen. Das versuchen sie durch Innovationen. Wird das Auto erfunden, weil es – wie Ford wirbt – nur frisst, wenn es arbeitet, fallen umgehend die Preise der Kutschenfabriken. Ihre Waren werden unverkäuflich. Der Kutschenfabrikant kann sofort aufgeben und das in der Fabrik steckende Vermögen verlieren. Er muss aber seine Existenzbasis verteidigen und verpfändet deshalb das Verbliebene für Kredit. Mit dem erlangten Geld revolutioniert er seinen Betrieb zu einer noch moderneren Autofabrik als Ford. Alle Kutschenfabrikanten kämpfen so ums Überleben und erzeugen dabei einen Aufschwung. Alle verpfänden. Geld wird geboten für Spezialisten, Gebäude, Maschinen und Rohstoffe. Alles steigt dabei im Preis. Die so teurer werdenden Firmenvermögen werden zusätzliches Pfand für weitere Kredite. In diesem Boom ahnen viele, dass alle zusammen mehr Autos produzieren werden als sich später verkaufen lassen. Das aber darf sie nicht kümmern. Kundenbedürfnisse sind sekundär gegenüber der Eigentumsverteidigung. Sie haben nur die Wahl zwischen sofortigem Runterpreisen ihres Vermögens oder der vagen Chance, am Ende zu den acht von zehn ehemaligen Kutschenfabriken zu gehören, die ihre Autos verkaufen können und mit dem Ertrag durch Tilgung und Zins ihr verpfändetes Eigentum für die Fortexistenz wieder auslösen. Ist die Innovation umgesetzt, geht es an die Auslöschung der Überkapazität. Sie ist die Krise. Keiner will in ihr verschwinden. Deshalb gehen alle mit den Preisen herunter. Dabei fallen die im Boom inflationierten Firmenpreise. Die mit ihnen besicherten Kredite werden dabei toxisch. Banken, die eine Million verliehen haben, können sich bei Vollstreckung nur eine halbe Million zurückholen und müssen die fehlende halbe Million aus dem Eigenkapital nehmen. Weil Schuldsummen immer fix sind, Pfandpreise im Crash aber stürzen, geht die Firmenkrise mit einer Bankenkrise einher. Auch Banken können am Beginn der Innovation lediglich umgehend aufs Geschäft verzichten oder eben hoffen, dass ihre Schuldner zu den acht erfolgreichen Umrüstern gehören. Bei umfassenden Innovationen – Energie, Transport, Kommunikation, Werkstoffe et cetera –, die alle Unternehmen für die Eigentumsverteidigung kaufen müssen, laufen Booms länger und gehen Crashs tiefer als bei rein brancheninternen Revolutionen. Beim Austilgen der Überkapazitäten mit dem Deflationieren oder Auslöschen von Kollateral (des verpfändeten Eigentums) können Geschäftsbanken nichts tun. Für den Ausgleich der Verluste an die Bankrotten müssen sie ja ihr eigenes Eigentum („Eigenkapital“) verringern. Das mindert ihre Fähigkeit, neue Forderungen gegen Schuldner zu unterlegen. Selbst überlebende Klienten stecken in nunmehr unterbesicherten Krediten, haben also kein Pfand für neue. Wo Geschäftsbanken scheitern, vermögen auch Zentralbanken nichts. Sie können bankrotten oder heruntergepreisten Firmen kein Eigentum für neuerliche Verpfändung schenken. Sie können bestenfalls ihren Gewinn an die Sozialminister für die Hilfe an Entlassene ausschütten. Die Fehler von 1929: Zinsen hoch, Ausgaben runter Die zwanziger Jahre bringen mit Radio, Telefon, Elektroenergie, Fließbandautos und Petrolchemie Innovationen hervor, die einen Extremboom mit anschließender Krise in fast sämtlichen Branchen erzwingen. Alle übernehmen diese Neuerungen, um ihr Geschäft zu verteidigen. Lange vor Erreichen des Boomgipfels rückt die reine Spekulation, also Investition in höhere Preise nach vorne. Sie erfolgt über Investmentfonds – den Vorläufern der Investmentbanken. Die blähen die Aktienblase zusätzlich und ohne Ausgaben für Produkt- und Prozessinnovationen. Bei ihrer Bekämpfung werden zwei folgenschwere Fehler gemacht: (1) Die Zentralbanken reißen den Zins für alle hoch, um den Kredit für wenige Zocker zu verteuern. Damit aber treffen sie auch die Firmen, die ihr Eigentum durch Investitionen verteidigen müssen. Ein sehr niedriger Zins kann zu einer Investition in Umrüstungen nur dann verführen, wenn die für die Eigentumsverteidigung geboten und zudem Pfand für Kredit vorhanden ist. Ein zu hoher Zins jedoch kann Investitionen verhindern, weil ihn noch übersteigende Gewinne unwahrscheinlich werden. (2) Die Regierungen reduzieren ihre Ausgaben, kaufen also bei allen weniger und hoffen so, die Kaufkraft für die kleine Gruppe der Spekulanten irgendwie eindämmen zu können. Im Ergebnis stehen die immer nur über Verschuldung produzierenden Eigentümer vor weniger Käufern und unerschwinglichem Kredit. Beim Runterpreisen ihrer Waren für das Verbleiben in der Konkurrenz, fallen viele auf null und reißen ihre Hausbanken mit sich. Aus der großen Innovationskrise wird so zwischen 1929 und 1933 die globale Hyperkrise. Um die Börsentrittbrettfahrer des echten Technikbooms der Zwanziger zu stoppen, hätte die Unterbindung der Verpfändung von Aktien für Kredit zum Kauf weiterer Aktien gereicht. Gleichwohl wäre die Krise wuchtig geblieben. Die Amerikaner sind nach 1918 – ähnlich wie die Japaner in den achtziger Jahren – Technologieführer und dadurch globaler Exportweltmeister. Das bringt von überall her anlagesuchenden Barzufluss. Überdies ergehen Steuerermäßigungen für Reiche, die nicht noch mehr konsumieren können und die frischen Mittel anlegen müssen. Die Fehler nach 2000/2001: Zinsnullung 1989 beginnt ein neuer Superboom, weil Erfindungen wie Computer, Internet und Mobiltelefone gemacht werden, die alle Branchen für ihr Überleben übernehmen müssen. Wieder wird bis ans Limit verpfändet, wieder gehen alle Preise nach oben, und wieder tauchen an sämtlichen Vermögensbörsen Leute auf, die lediglich in wachsende Preise investieren. Als zusätzlicher Preistreiber wirkt ab 1996 das Geld mit einem Zins nahe null aus der zweitgrößten Zentralbank der Erde in Tokio. Das leihen sich internationale Banken und legen es dort an (carry trades), wo mehr Ertrag winkt, als die 0,1 bis 0,5 Prozent, die sie der Bank of Japan abführen. In Tokio wird die Zinsnullungsfeuerpatsche zuerst ausprobiert. Mit einem Prozent ab 1995 und einem halben Prozent ab 1996 soll Geld an Firmen gelangen, die seit dem 1989er Crash (Nikkei von 40000 auf 10000) von den Geschäftsbanken keinen Kredit bekommen. Schon 2002 melden die Japaner, dass im Firmensektor nur ein bis zwei von acht bis neun Yen ankommen, die aus der Bank of Japan herausgehen. Die Tokioter Zentralbanker verstehen ihr Scheitern nicht. Es rührt daher, dass im Crash die Schulden unverändert bleiben, während die Kollateralpreise von 100 auf 25 oder weniger fallen. Randvoll mit unterbesicherten Altschulden können die Banken nur an die eigene Rettung denken. Pfand für neue Schulden wird zum Rarissimum bei den Firmen Japans. Nur ihr durch Technologieführerschaft global verdienter Barzufluss aus Preisen, die eben nur Innovateure setzen können, bewahrt die Weltmarken vor dem Untergang. Nach Umsetzung der neuziger Technologierevolution geht es 2000/2001 wieder um die Beseitigung der Überkapazität über Preissenkungen und Bankrotte. Erneut fallen die Pfandpreise unter die Nennwerte der verliehenen Summen und verzehren das Eigenkapital der Banken. Weil man von 1929 gelernt habe, wird diesmal nicht der Zins hoch- und der Staatshaushalt runtergefahren, sondern von der Umkehrung dieser Akrobatik das Heil erwartet. Das Herunterzinsen für alle aber dreht den großen Innovationscrash von 2000/2001 in die Hyperkrise von 2007/2008. Schon im November 2002 senkt Alan Greenspan den amerikanischen Zentralbankzins auf 0,75 Prozent, „um eine befriedigende Wirtschaftsleistung zu fördern“. Die gleichzeitige Nachricht aus Japan, dass dort selbst ein mittlerweile auf 0,1 Prozent gesenkter Zins nicht geholfen hat, alarmiert ihn nicht. Gleichwohl ist die Zinsnullung nicht die Ursache der Krise. Sie folgt dem Mangel der neoklassischen Theorie, die vom Kollateral und seiner Preisvariabilität gegenüber den fixen Schuldsummen nichts weiß. Vor dem Bankrott stehende Firmen haben von Greenspans Minizins deshalb nichts, weil ihnen Pfand für frische Kredite fehlt. Die Fehler seit 2008: Mehr Nullzinsgeld Das Zentralbankgeld zwischen eins und null Prozent, das den Crash von 2000/2001 beenden soll, kommt zwar nicht zu den Firmen, aber alle Geschäftsbanken müssen danach greifen, weil jede verzichtende umgehend ihre Konkurrenzfähigkeit einbüßte. Die Nullzinsmacher werden zu den Teufelsgeigern auf den Finanzparketts. Sie zwingen alle in eine Tarantella, die nur durch Umkippen beendet werden kann. Von vier bis fünf frischen Dollar oder Euro findet zwischen 2002 und 2007 gerade einer zu den Firmen. Die übrigen stecken die Banken oder ihre Investmentleute in Preise aller Vermögensklassen. Bevor die Blase 2007/2008 platzt, machen US-Banken mit gerade fünf Prozent der US-Beschäftigten 40 Prozent aller Gewinne. Während sie 1980 normale zehn Prozent aller Schulden für eigene Investments auf sich vereinen, halten sie jetzt 50 Prozent aller Schulden und treiben damit sämtliche Vermögenspreise. Überdies geben sie 20 Millionen Hauskredite an Leute ohne Pfand. Weil alle wissen, dass damit die Lunte brennt, glauben sie mit Versicherungspolicen die Explosion schon überstehen zu können. Nun steigen die Preise so lange, wie die Erträge der spekulativ gekauften Titel noch knapp über den Kosten bei den Zentralbanken liegen. Was bei einer Million vier Prozent bringt, ist beim Preis von vier Millionen auf ein Prozent herunter und muss dann verkauft werden. Dabei gehen die Preise wieder auf eine Million herunter. Zwischendurch aber haben die letzten Käufer vier Millionen geliehen und dafür auf vier Millionen inflationierte Titel verpfändet. Weil die Schuld von vier Millionen bleibt, das Pfand aber auf eine Million fällt, muss für das Decken der fehlenden drei Millionen nun quer durch alle Vermögensklassen verkauft werden. Dabei fallen auch die Kollaterale der Spitzenfirmen, die intern alles richtig gemacht haben, weshalb ihre Anteile überhaupt noch Käufer finden. Nun verlieren durch Preisverfall auch sie ihre Verschuldungsfähigkeit. Die Billiggeldmedizin beginnt ihr Werk der Vergiftung. Die Fehler 2009: Wieder kein Erkennen der Inflation Das Blähen der Vermögenspreise ab 2002 und wieder ab März 2009 mit dem „traumhaften“ Anstieg der Aktien- und Rohstoffbörsen wird nicht als Inflation verstanden, weil die an den Preisen für Kühlschränke gemessen wird. Wer aber Konsumgüter kaufen will, kommt nie und nimmer an den Nullzins der Zentralbank. Stattdessen büßt er in der Krise Lohn ein, weshalb die verschuldeten Kühlschrankproduzenten die Preise senken müssen. Diese Deflation gedeiht direkt neben der Inflation der für Nullzinsgeld gekauften Vermögen. Als Medizin gegen diese Deflation soll noch mehr und noch niedriger gezinstes Zentralbankgeld helfen, das doch wieder nur in Vermögen geht und die dann lehrbuchartig inflationiert. Alle Zentralbanken befeuern nun die Tarantella, weil keine ihre eigenen Geschäftsbanken durch höheren Zins schlechter stellen darf. Aus all diesen Zentralbanken gehen jetzt Carry Trades à la Japan (ab 1996) in Territorien mit noch höherem Zentralbankzins – Brasilien, Indien, Ostasien und selbst China – und bewirken auch dort Inflationen der Vermögenspreise à la OECD zwischen 2002 und 2007. Schon Mitte 2009 entfallen auf Banken mit jetzt weniger als fünf Prozent der Beschäftigten wieder 23 Prozent der Börsenkapitalisierung in den G-20-Staaten. Sie werden von Politikern und Nobelpreisträgern schwer getadelt, weil sie den Firmen nichts leihen. Denen aber fehlt nun mal das für Kredite unverzichtbare Kollateral. Und doch könnte wenigstens verschuldungsfähigen Firmen geholfen werden: Die 100 Milliarden Euro, die bisher allein in Deutschland die Bankenrettung gekostet hat, hätten eine Good Bank mit 100 Milliarden Euro Eigenkapital, also mit einem Kreditvergabepotenzial von einer Billion Euro ermöglicht. Wer jetzt Eigentum verteidigen muss und auch Pfand stellen kann, bei den Geschäftsbanken aber wegen deren Unterkapitalisierung abgelehnt wird, könnte sich hier zu einem Kreditvertrag einfinden, an dem der Steuerzahler sogar verdienen könnte. In Verbindung mit der Einlagengarantie hätte man die Investmentbanken fallen lassen können. Das eine Prozent ganz Reiche wäre dann allerdings nicht nur – wenn überhaupt – von 100 auf 90 gefallen, sondern auf 20. Stattdessen wurde entschieden, die Differenz zwischen 90 und 20 mit neuen Schulden für die 25 Millionen Leistungsträger zu decken, die in Deutschland noch vollumfänglich Steuern zahlen. Märkte kann man nicht am Markt regulieren Rettung zumindest für die Zukunft erhofft man sich von mehr „Märkteregulierung“. Doch Märkte sind beim Wirtschaften nachgeordnet: Man kann für 100 Euro nur dann etwas verkaufen, wenn diese 100 Euro zuvor in einem Schuldkontrakt zwischen Eigentümern geschaffen werden. Dabei müssen die Geldschaffer unphysisches Eigentum für die Besicherung (das Wertvollmachen) des Geldes belasten. Sie verlieren im Kreditzeitraum die freie Verfügbarkeit über ihr Eigentum und verlangen für diesen Verlust Zins. Nur die physische Besitzseite ihres Vermögens nutzen die Geldschaffer weiter. Die Schuldner hingegen müssen Eigentum für die Besicherung des Kredits belasten und gewinnen für dieses Unfreimachen ihres Eigentums das Geld. Geld ist also kein physisches Besitzgut, das angesammelt werden müsse, um etwas herstellen zu können, sondern eine körperlose Sache, die aus Eigentum gemacht wird. Deshalb kommt das Geld nicht vom Sparen, sondern das Sparen wird erst möglich, wenn Geld zwischen Eigentümern geschaffen worden ist. Auch die Unternehmen, die mit ihrem Eigentum Schulden machen, nutzen selbstverständlich die sächliche beziehungsweise Besitzseite ihres Vermögens weiter. Gerade dort investieren beziehungsweise innovieren sie ja für neue Prozesse und Produkte, um den Zins auch verdienen zu können. Gelingt ihnen dann ein Verkaufsvertrag, durch den sie Markt erst schaffen, können sie den darüber rangierenden Kreditvertrag erfüllen. Dann haben sie den Preis der Eigentumsseite ihres Vermögens verteidigt. Es ist vor Vollstreckung bewahrt und für neuerliche Verpfändung frei. Obwohl nur Eigentumsgesellschaften Märkte haben – sie fehlen in den reinen Besitzsystemen Stamm, Feudalismus und Realsozialismus –, sind Märkte lediglich Kinder der Eigentumsbelastungen in den für die Ökonomie so rätselhaften Finanzsektoren. Die nun werden unter Überdruck gesetzt, wenn Zentralbanken die Bankregeln – Sicherheit für den Kredit und Zins für die Eigentumsbelastung des Geldemittenten – außer Kraft setzen. Während die Regierungen mit der einen Hand immer neue Gesetze für immer mehr Feuerlöscher auf den Märkten unterschreiben, werden mit der anderen Hand immer mehr Brandbeschleuniger in Form von Nullzinsgeld den Geschäftsbanken angedient und von diesen in die Märkte geschleudert. Wieder wird – wie vor 2008 – vor allem in Preissteigerungen aller Vermögensklassen, nicht aber in innovative Produktionen und die Löhne der dafür erforderlichen Arbeitskräfte investiert. Von 100 Dollar Nettovermögenszuwachs im zweiten Quartal 2009 der USA entfallen 98 Dollar auf solche Blähungen der Vermögenspreise (Aktien, Rohstoffe, Immobilien et cetera). Wieder wird diese Inflation nicht erkannt und der Nullzins für ungefährlich gehalten. Wieder schaut man auf Konsumgüterkäufer, die an das Nullzinsgeld ohnehin nicht herankommen. Weil die sich längst über fallende Kühlschrankpreise freuen, wird diese Deflation als Gefahr ausgemacht, gegen die nur noch mehr Nullzinsgeld helfe. Geld-Pingpong ohne Kontakt mit den Leistungssektoren Wenn im Euroraum – aus den letzten beiden Tendern 2009 – eine halbe Billion Euro für ein Jahr zu einem Prozent Zins aus den Zentralbanken an die Geschäftsbanken geht, dann können die dafür noch ein Jahr laufende Staatsanleihen kaufen, die hier eineinhalb, in Südasien oder Osteuropa aber auch vier Prozent bringen. Bei den Zentralbanken sind für die halbe Billion fünf Milliarden Euro Zinsen fällig. Für die halbe Billion Staatsanleihen aber werden von den Steuerzahlern 7,5 oder auch 20 Milliarden Zins gezahlt. Nach zwölf Monaten bleiben den Geschäftsbanken 2,5 bis 15 Milliarden Gewinn – alles per Mausklick und ohne jede Berührung mit dem Leistungssektor in den Firmen. Stattdessen haben Arbeitslose in ihrer Gestalt als Staatsbürger ihre Schudlen erhöht. Das Ganze läuft ohne Risiko, weil die Zentralbanken selbst Staatsanleihen aufkaufen und so dafür sorgen, dass die nicht plötzlich von 10000 Nennwert auf 5000 Nennwert fallen. Ähnlich läuft es mit noch höher rentierenden Firmenanleihen, wobei kleinere Unternehmen, denen die Kosten für eine Anleihemission zu hoch sind, ohnehin nicht zum Zuge kommen. Märkte sowohl für Staats- als auch für Firmenanleihen werden von den Zentralbanken zerstört, weil sie endlos kaufen können. Und doch können sie so eine Bereinigung nur verzögern, aber die viel größere in der Zukunft nicht verhindern. Globale Aufsicht für die Zentralbanken Zur Märkteregulierung, die am doch nachgeordneten Markt nicht gelingen kann, soll eine strengere Bankenaufsicht gerade durch die Einrichtungen erfolgen, die als Zentralbanken alle Bankregeln verletzenden Entscheidungen für die Verwandlung der Krise in eine Hyperkrise verantworten. Die bisherige Bankenaufsicht, die durch das Nullzinsgeld der Zentralbanken kastriert wird, soll nun ebenfalls den Zentralbanken unterstellt werden. Nie ist mehr Bock für eine Gärtnerposition vorgeschlagen worden. Was es braucht, ist eine Bankenaufsicht auch für die Zentralbanken. Denn ihre Unabhängigkeit kann nicht bedeuten, dass sie den Zins wie einen Fahrstuhl rauf- und runterfahren, um mal zu schauen, was passiert. Dabei geht es nicht um Tausende von Häusern und Händlern, sondern lediglich um zwei Dutzend Einrichtungen. Dazu hätten die G 20 in Philadelphia handeln sollen, aber sie knüppelten mit den Investmentbanken und ihren Boni lieber den Sack, um die zentralbanklichen Esel nicht anrühren zu müssen. Deshalb stehen wir für das Krisenmanagement nach Platzen der jetzt schwellenden Blase immer noch bei null oder – genauer – beim Nullzins.

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