Paradise Papers - Ein Steuergebirge ist auch keine Lösung

Die Empörung über die Enthüllungen der Paradise Papers ist groß. Dabei kämpft letztlich jedes Land darum, möglichst attraktiv für Unternehmen zu sein. In Deutschland hingegen steigen die Belastungen stetig. Das wird gegen dreiste Steuervermeider kaum helfen

Stadtansicht von Amsterdam
Stadtansicht von Amsterdam, Niederlande: eine der „schlimmsten Steueroasen der Welt“ / picture alliance

Autoreninfo

Wolfgang Bok war Chefredakteur und Ressortleiter in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn Strategische Kommunikation. Regelmäßig schreibt er für verschiedene Medien Kolumnen zu gesellschaftspolitischen Themen und ist Buchautor.

So erreichen Sie Wolfgang Bok:

Ist Gerhard Schröder, der sich angeblich so skrupellos vor Putins Propaganda-Karren spannen lässt, auch noch ein übler Steuerhinterzieher? Der Name des ehemaligen SPD-Kanzlers ist jedenfalls in den 13,4 Millionen Dokumenten zu finden, die das Journalisten-Netzwerk ICIJ ausgewertet hat und nun mit viel medialer Wucht in die Welt schleudert. In seiner Funktion als Aufsichtsrat des russisch-britischen Energieunternehmens TNK-BP soll der „Genosse der Bosse“ 2009 die Kanzlei Appleby um Rat gebeten haben. Appleby gilt als Marktführer bei windigen Offshore-Geschäften und residiert auf den Bermudas. Das britische Überseegebiet zählt zu den berüchtigten Steueroasen mit vielen Briefkastenfirmen. Neben US-Handelsminister Wilbur Ross soll auch Queen Elizabeth II in dubiose Finanzgeschäfte verstrickt sein, ebenso ein Vertrauter des kanadischen Premiers Justin Trudeau.

Kaum Handhabe gegen Steueroasen

120 Politiker aus 50 Ländern tauchen namentlich auf diesen Listen auf. Zusammen mit vielen „prominenten Privatpersonen“ sowie zahlreichen Unternehmen. Von Apple über Facebook bis zu Sixt und Siemens reichen die großen Namen der Firmenwelt, die von Süddeutscher Zeitung und ARD genannt werden, als sei man einen Welt umspannenden Netzwerk krimineller Steuertrickser auf die Spur gekommen. Prompt apportieren Finanz- und Justizministerium in Berlin, dass der Kampf gegen Steuerflucht und Schlupflöcher nun noch entschiedener geführt werden muss. Und wie vor einem Jahr, als dasselbe Datenleck die „Panama Papers“ publik gemacht hat, rufen Steuergewerkschafter auch jetzt wieder nach mehr Personal und schärferen Prüfmöglichkeiten.

Dabei offenbart die regelmäßige Empörung über die bekannten 19 „Steueroasen“ doch gerade, wie beschränkt die nationalen Möglichkeiten sind. Allen internationalen Absprachen zum Trotz sind diese bis heute nicht ausgetrocknet. Über die Bermudas oder die Jungferninseln mit ihren 200 000 Offshore-Firmen halten die Briten ihre schützende Hand. In den USA gilt Delaware, unweit vom Uno-Sitz New York gelegen, als Bundesstaat mit auffallend vielen Briefkastenfirmen. Auf gerade mal eine Million Einwohner kamen dort 2016 fast 300 000 Unternehmenssitze. Für die Hilfsorganisation Oxfam wiederum gehören Niederlande, Schweiz und Singapur zu den „schlimmsten Steueroasen der Welt“, die den Armen allesamt jährlich rund 100 Milliarden Dollar vorenthalten. Andere Kalkulationen kommen gar auf den fünffachen Betrag.

Offshore-Geschäfte Ausdruck von Missständen

Doch wer so rechnet, verkennt, dass man nicht jedem, der in einer dieser Listen auftaucht, „automatisch rechtliches oder moralisches Fehlverhalten unterstellen kann“, wie selbst die Süddeutsche Zeitung im Kleingedruckten ihre marktschreierisch verkündete Enthüllung relativiert. Auch für Briefkastenfirmen gebe es viele legale Zwecke, schreibt die FAZ. In manchen Branchen gehörten sie zum Alltag, etwa bei international agierenden Unternehmen. Oder sie „helfen Prominenten beim anonymen Kauf von Grundstücken und schützen sogar bisweilen vor Verbrechen“.

Und nicht jedem, der große Summen in Fonds investiert, wie etwa die britische Königin, dürften die verschlungenen Wege der Steueroptimierung bewusst sein. Doch diese sind eben Teil der Renditen, die über der europäischen Nullmarke liegen. Die Neue Zürcher Zeitung warnt daher vor einer generellen Kriminalisierung: Offshore-Geschäfte seien nicht Ursache, sondern Ausdruck von Missständen wie Rechtsunsicherheit und Bürokratie in vielen Ländern.

Jedes Land buhlt um Unternehmen

Die Debatte verkennt vor allem, dass sich auch Deutschland im internationalen Steuerwettbewerb befindet. Entgegen allen Bekenntnissen, Steuerschlupflöcher zu stopfen und Abgabensätze zu harmonisieren, kämpft letztlich doch jedes Land darum, möglichst attraktiv für Unternehmen zu sein. London droht der EU mit Steuerdumping, sollte Brüssel die Brexit-Folgen nicht mit großzügigen Handelsabkommen abmildern. Für US-Unternehmen und Superreiche setzt Präsident Donald Trump in den USA gerade deutlich geringere Steuersätze durch. Und selbst Frankreich reduziert unter Präsident Emmanuel Marcon, der vielen Deutschen als Retter Europas gilt, seine hohen Belastungen für Unternehmen und kippt die Vermögenssteuer. Irland und die Staaten Osteuropas lehnen wiederum Mindeststeuersätze, wie von Berlin gefordert, vehement ab. So gesehen erfüllen tatsächliche und vermeintliche Steueroasen sogar einen guten Zweck: Sie fördern den Wettbewerb und bremsen die Gier der Finanzminister.

In Deutschland ist diese Einsicht noch nicht angekommen. Hier droht das Gegenteil einer Steueroase, nämlich ein Steuergebirge. Rechnet man Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Abgeltungssteuer und Solidarzuschlag zusammen, unterliegen Unternehmensgewinne schon jetzt bei rund 50 Prozent, was als Grenze zur Enteignung gilt, vor der doch eigentlich Grundgesetz-Artikel 14.1 schützen soll. Gutverdienende Singles müssen insgesamt 62,3 Prozent ihres Einkommens an Staat und Sozialkassen abtreten, rechnet der Bund der Steuerzahler vor. Bei Familien (Ehepaar mit zwei Kindern), die alle Parteien angeblich fördern wollen, sind in der Spitze 48,7 Prozent abzuführen. Damit nimmt Deutschland im internationalen Schröpf-Ranking hinter Belgien den unrühmlichen zweiten Platz ein. Eine ähnlich traurige Spitzenposition haben wir mittlerweile bei den Stromkosten erreicht.

In Deutschland gäbe es Spielraum für Steuersenkungen

Doch darüber verlieren die möglichen Jamaika-Koalitionäre kaum ein Wort. Lieber profiliert man sich mit neuen Ausgabenprogrammen. Für Bildung, Digitales, Soziales und natürlich für den Kampf gegen den Klimawandel, den wir uns mittlerweile rund 30 Milliarden Euro kosten lassen. Mindestens ebenso viel kosten die mittlerweile 1,6 Millionen Flüchtlinge den deutschen Steuerzahler im Jahr.

Den politischen Jamaikanern kommt daher die Debatte über reiche Drückeberger und halblegale Steueroasen nicht ungelegen. Lenkt sie doch davon ab, dass Bund, Länder und Kommunen mit Rekordeinnahmen von bald 750 Milliarden Euro allein in diesem Jahr reichlich Spielraum für Steuersenkungen hätten. So aber kann man das Sparen zum Tabu erklären und behaupten: Nicht schlechtes Wirtschaften ist Schuld, wenn die Abgabenlast leider nicht wirklich gesenkt werden kann, sondern die gierigen Steuervermeider, die dreist ihren Obolus verweigern.

Die reichsten Firmen zahlen am wenigsten

Dabei sitzen die wenigsten von ihnen in Deutschland. Auffallend viele hingegen in Kalifornien. Vor allem die Tech-Unternehmen Apple, Facebook, Amazon und Google sind wahre Meister in der Kunst, der Progression ein Schnippchen zu schlagen: Die wertvollsten und reichsten Unternehmen der Welt zahlen am wenigsten Steuern. Und wenn, dann schon gar nicht in Deutschland oder Europa. Gleichwohl werden die amerikanischen Digitalkonzerne auch bei uns hoch angesehen. Trotz Höchstpreisen ist Apple Kult und kann für sein neues iPhone X weit über Tausend Euro verlangen.

Der Name Schröder wird in diesem Zusammenhang übrigens ebenso rasch in der Versenkung verschwinden wie so viele Namen, die vor einem Jahr in den „Panama Papers“ vorschnell der Schurkerei bezichtigt wurden. Aber Hauptsache, die Anklagen sind prominent unterfüttert.

Achim Lefker | Di, 7. November 2017 - 11:35

Jeder 7. Deutsche ist ein Beamter! Der Staat gibt für jeden Deutschen 200.000 € für ein höchstens mittelmäßiges Bildungssystem aus! Selbst jemand, der einem anderen nur die Haare schneiden will, braucht eine 3-jährige staatliche Ausbildung, obwohl ich mir auch ohne dies selbst die Haare schneide!

Die EU wurde angeblich gegründet, um einen wirtschaftlich besonders effizienten Wirtschaftsraum zu schaffen. Heute wächst die Wirtschaft in der EU weltweit am langsamsten! Also verglichen mit afrikanischen Argrarwirtschaften und sozialistischen Diktaturen!

Auch war der Staat an der Finanzkrise 2008 schuld. Denn das von ihm vorgeschriebene ungedeckte Teilreservegeldsystem schafft durch künstliche Inflation Finanzblasen!

Ich habe nichts gegen einen angemessen Sozialstaat und faire Steuern. Aber es wäre schön, der Staat würde eine natürliche Ordnung wenigstens nicht verschlimmern!

helmut armbruster | Di, 7. November 2017 - 11:50

ein Staat, der fähig ist seine Bürger wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 5 km/h mit Strafzettel u. notfalls Gerichtsvollzieher zu verfolgen, sollte nicht fähig sein, sich Milliarden entgangene Steuern zurückzuholen?
Natürlich ist er dazu fähig, nur er will nicht.
Das gilt nicht nur für D, sondern für die EU, USA u. weltweit.
Zu viele Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft u. in den höchsten Verwaltungsebenen profitieren direkt oder indirekt davon.
Warum wohl gelingt es dem italienischen Staat seit vielen Jahrzehnten nicht die Mafia auszurotten oder wenigstens unter Kontrolle zu stellen?
Aus demselben Grund, warum es nicht gelingt die Steueroasen trocken zu legen. Zu viele profitieren davon, sind käuflich oder drücken gegen einen Gefallen beide Augen zu.
Eine Hand wäscht die andere.
Traurig für "Normalbürger". Verheerend für die Moral und ein Brandbeschleuniger für den Zerfall.

Christa Wallau | Di, 7. November 2017 - 11:58

Die schlichte Tatsache, daß letztlich j e d e r Mensch u. jeder Staat sich selbst immer der nächste ist, macht eine freiwillige Zusammenarbeit auf dem Steuersektor von vornherein zu einem aussichtslosen Unterfangen.
Gäbe es in der EU jetzt - nach dem Ausscheiden der Briten - Einigkeit darüber, die Steuersätze innerhalb aller EU-Länder zu vereinheitlichen, sähe die Sache etwas anders aus.
Man könnte dann g e m e i n s a m gegen die Steuer-Oasen in aller Welt vorgehen, indem man einheitliche Gesetze bzw. Sanktionen gegen Steuer-Umgehungs-Unternehmen erließe.
Aber davon ist man meilenweit entfernt!
Siehe Niederlande, Irland, Malta ...!

Also: Alles nur viel Wind um etwas, das man nicht
im Griff hat u. niemals in den Griff bekommen wird!

Ich sag's immer wieder gerne u. sehe keinen Grund, von meiner Meinung abzuweichen:
Wenn man überhaupt etwas zum Wohl der Bürger tun kann, dann ist es n u r im e i g e n e n Land, falls man dort dem gesunden Menschenverstand eine Chance läßt.

Peter Lieser | Di, 7. November 2017 - 12:09

Nur ein temporäreres Thema, wie Diesel, Massentierhaltung, Sexübergriffe usw. für 3-4 Tage, dann verschwindet es und steht in 2-3 Jahren wieder auf der Tagesordnung. Und man regt sich wieder auf !

Yvonne Walden | Di, 7. November 2017 - 12:09

Gerhard Schröder - ein Steuerhinterzieher? Wen würde dies wundern, wenn es denn zutrifft?
Dabei ist der Ex-Bundeskanzler finanziell optimal versorgt - aber er ist eben auch kein Martin Winterkorn, der über ein zig-faches Millionenvermögen verfügen dürfte.
Warum fordert Wolfgang Bok in seinen Beitrag Steuersenkungen?
Wäre es nicht sinnvoller, mit den staatlichen Mehreinnahmen Staatsschulden zu tilgen?
Oder die vorhandene Infrastruktur zu verbessern? Oder konsequente Bildungsförderung auf allen Ebenen zu betreiben?
Es ist gut, daß die Steuer-Oasen inzwischen transparenter wurden, damit sie auf diese Weise "eintrocknen" können.
Denn welcher wirklich Prominente möchte permanent an den Pranger gestellt werden ob seiner Schwarzgelder auf Auslandskonten?
Aber auch die Bundesregierung hat in Wahrheit niemals ernsthafte Anstrengungen unternommen, um Steuerhinterziehung ernsthaft aufzudecken.
'Schon die viel zu geringe Anzahl der Steuerfahnder spricht Bände. Ob das bald besser wird?

Die Staatsverschuldung beträgt 70% und es kommen mindestens weitere 70% für die ausstehenden Eurorettungszahlungen hinzu. Gezahlt werden soll dies in einem Geldsystem, das zu 90% überbewertet ist. Wir werden also entweder nächstes Jahr mit 0,08 % des diesjährigen Budgets bestreiten oder dies auf Jahre verteilen müssen. Die Sache ist also gelaufen. Wir müssen strukturell und nicht ergebniskosmetisch denken. Ich würde die Bildung privatisieren, 90% der Marktregulierungen abschaffen, die Energiewende beenden, und keine weiteren Bankfilialen in Griechenland retten. Wie lautet Ihr Vorschlag?

Josef Garnweitner | Di, 7. November 2017 - 14:34

In reply to by Achim Lefker

wir sind doch selbst eine Oase für wenige. Wir haben zwar die meisten Gesetze dieser Welt die Steuern betreffen, aber diese sind voll von Schlupflöchern, durch die ganz gewollt die Richtigen durchschlüpfen können.

Wir haben mehr als 15.ooo Steuergesetze und dazu noch mehr als 9o.ooo zusätzliche Bestimmungen, Verordnungen und Ausnahmeregelungen. Selbst die Finanzämter und Steuerberater schütteln darüber die Köpfe.

Diesen Wildwuchs zu beseitigen nimmt keine Regierung in Angriff. Weshalb wohl?

Yvonne Walden | Di, 7. November 2017 - 15:29

In reply to by Josef Garnweitner

Endlich einmal jemand, der die Dinge auf den Punkt bringt, weil er die Steuer-Realität in Deutschland erkannt hat.
Diese Abweichung von "Anspruch" und "Wirklichkeit" ist typisch für Deutschland.
Gerade hier bei uns hat die Lobby der Finanzstarken klar durchgesetzt und schreibt über deren Verbände, Kammern und Think-Tanks die Steuergesetze in Deutschland. Da sind Expertinnen und Experten am Werk, gegen die unsere Steuerbeamten "kleine Lichter" sind.
Allerdings: Bei den Steuerbehörden sollen ja auch keine richtigen Fachleute arbeiten, denn dann würde mancher Reiche nicht durch diverse Steuerschlupflöcher hindurchgleiten.
Und von einer Jameika-Regierung dürften auf diesem Gebiet keine Änderungen zu erwarten sein, zumal die FDP ja schon immer eine Partei der Steuer-Ermäßiger war (vgl. Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotel-Übernachtungen).
Aber der "Deutsche Michel" nimmt dies stumpfsinnig hin und setzt auf die AfD in der Hoffnung auf Besserung. Vergebende Hoffnung....

Gerhard Schröder hat die Kanzlei um Rat gefragt und wie wunderbar wir haben einen Schurken. Nichts genaues weiß man nicht aber er gibt als Buhmann so viel her, gelle. Erinnert mich an die Panama Papers da waren Herr Putin und Herr Assad die Oberschurken beide tauchten nicht auf in den Papieren (dafür immer wieder in heute und der Tagesschau) aber huch gottseidank hat man bei Assad einen Cousin oder Onkel gefunden und bei Herrn Putin einen "engen" Vertrauten die in den Papieren auftauchten. Nach dieser Logik hätte bei der Steueraffäre "Uli Höhnes" jedes mal das Konterfei der Kanzlerin erscheinen müssen war Herr Höhnes doch ein sehr enger Vertrauter mit direktem Draht ins Kanzleramt und Herr Schäuble hatte just so ein wunderbares Gesetz auf den Weg gebracht "Zinsabschlagsgesetz mit der Schweiz" das haarscharf genau auf die Situation von Herrn Höhnes gepasst hätte (anonyme Zinszahlungen der Schweiz an die Bundesregierung).

Dr. Roland Mock | Di, 7. November 2017 - 16:01

In reply to by Juliana Keppelen

Huch, da haben wir ja wieder schön abgelenkt von SPD-Schröder und seinen russischen Freunden auf CDU-Schäuble. Der seinerzeit „anonyme Zinszahlungen aus der Schweiz“ plante. Natürlich nicht, um Milliarden an anonymen Geldern ins Land zurückzuholen sondern um einen einzigen Fußballmanager zu schützen. Apropos anonyme Zinszahlungen: Die werden üblicherweise als Zinsabgeltungssteuer bezeichnet, und wer war denn derjenige der eine solche auch in Deutschland durchsetzte mit dem legendären Spruch: „Besser 25% von etwas als 40% von nix“. Huch, das war ja Finanzminister Steinbrück, und huch, der war ja Sozialdemokrat😳

Juliana Keppelen | Di, 7. November 2017 - 17:23

In reply to by Dr. Roland Mock

war die Parole aber mit Bezug zum Zahler und nicht anonym (wie bei Schäuble). Und das betraf wie wir heute wissen nicht nur eine Person sondern sehr viele die hatten nur das Glück nicht so im Rampenlicht zu stehen wie der Herr aus Bayern. Und die Milliarden sind inzwischen auch geflossen mehr als durch diese anonyme Zinsabschlagpauschale vorgesehen waren. Die 25% Kapitalertragssteuer wurde viel eher eingeführt also unter den "Sozen" während die anonyme Zinsabschlagspauschale mit der Schweiz man erst viel später aushandelte das Gesetz wurde dann im Bundesrat gestoppt.

1. Die Abschlagssteuer wird zwar nicht anonym erhoben, aber pauschal auf alle Kapitalerträge direkt an der Quelle. Ohne daß das Kapitalvermögen angegeben werden muß. Das Prinzip ist also dasselbe wie bei der geplanten Pauschalbesteuerung anonymer Erträge in der Schweiz, und es macht aus dem von Steinbrück gemachten Grund Sinn. 2. Die Suche nach praktischen Lösungen, Geld von dem Staat nicht bekannten Konten zu holen, wurde von Finanzexperten parteiübergreifend (außer PDS) als sinnvoll bezeichnet. Eine wie auch immer geartete Abgeltungssteuer bot sich an und ist international erprobt. Leider setzten sich bei der SPD die Ideologen durch und so wurde das Projekt fallen gelassen. Mit Hoeneß und sonstigen Promis hat dies nichts zu tun.

Kostas Aslanidis | Di, 7. November 2017 - 18:04

In reply to by Juliana Keppelen

Russland zu diffamieren. Bei den Panama Papers, wie sie richtig feststellen das gleiche. Beweise braucht die Presse gegen Russland nicht. Zu was auch. Wir sind die selbsternannten " Guten ". Auch dieser Bericht als Einleitung, Russland und Putin. Was sich die deutsche Presse gegen Russland leistet ist an Hetze nicht zu überbieten. Wahnvorstellungen.

Heidemarie Heim | Di, 7. November 2017 - 12:39

Hinter den Belgiern nur die Silberne? Das kratzt am
Sieger-Image! Aber 87% der Wähler sowie die
"Mächtigste-Frau-der-Welt-auf-den-medialen-Thron-Heber" sind mit dieser Platzierung augenscheinlich sehr zufrieden.Doch nicht so ganz?!
Tja Pech liebe Mitbürger und gekniffene Leistungsträger! Irgendwo müssen die jährlich zu
versenkenden Zweistellenmilliardchen schließlich herkommen. Und um es mit der Sichtweise unserer
Kanzlerin zu untermalen:"Ich weiss zwar nicht
was ich hätte anders machen sollen????,aber
gedenk unseres Imperativs "Yes we can!",Kopf
hoch,BSP und Steuermoral steigern,keine Biefkästen im Ausland und ein warmes Unterhemd
bevor Ihr in`s Kalte geht ;)! Die von Herrn Bok so
trefflich aufgezeigte Heuchelei weltweiter Finanzpolitik mit all ihren verheerenden Folgen
auf die Mehrzahl treudoofer Steuerbürger,gebiert
ein um`s andere Mal nur noch Brechreiz! MfG

Markus Gerle | Di, 7. November 2017 - 13:07

In reply to by Heidemarie Heim

Vor allem sind wir eigentlich Weltmeister bei Steuern und Abgaben. Ich habe einige Zeit in Belgien gearbeitet. Auf dem Papier sind die Steuern dort zwar höher. Aber in der Praxis läuft so ziemlich jeder 4. Euro am Fiskus vorbei. Ein Fall eines befreundeten Freiberuflers aus Belgien fand ich sehr erheiternd. Der hat lange in Deutschland geschafft und selbstverständlich keine Steuern gezahlt. Das viel dann bei der Betriebsprüfung bei seinem Kunden auf. Deutschland wollte dann ne halbe Mio. EUR von ihm. Aber da hat er einfach das Land verlassen und hat glücklicherweise keine Besitz in DE. Somit hat DE keine Chance, auch nur einen Cent zu sehen. Für ihn kam das alles ziemlich überraschend, da es in Belgien anscheinend normal ist, Einnahmen im Ausland nicht zu deklarieren. Aber wehe, er wäre beim Autofahren geblitzt worden. Da funktioniert das Geldeintreiben auch grenzüberschreitend.
P. S.: An alle, die hier von Steuerharmonisierung phantasieren: Auf welchem Niveau denn bitte?

Danke Herr Gerle für Ihre Korrektur;) des Rankings! Wie Sie berichten (grenzüberschreitende Verfolgung des Verkehrssünders) bestraft der deutsche
Staat kleine Sünden sofort.Für die großen Sünder gibt es ebenso große Lücken
zum hindurchschlüpfen. Aber warum diplomatischen Ärger mit dem Nachbarn riskieren wo man sich schon genügend mit den eigenen Cum Ex und CumCumEx-
Mehrfacherstattungen blamiert seit Jahren und mehreren Finanzministeramtszeiten! Die haben`s echt drauf die Jungs in den Rechtsabteilungen der Firmensitze,gell? Das Einzige was in der EU harmonisiert wird,
ist der Verfall unserer Sparguthaben und Altersabsicherung durch die EZB mit ihrer
Zero-Zins-Politik bei gleichzeitigem Aufbau einer weiteren Immobilienblase.Dabei
gäbe es eine simple Lösung.Ich glaube in USA zahlt jede Firma mit Produktionssitz
bzw.registriertem Firmensitz-/Nebenableger usw. vor Ort Steuer,piepegal wo der
internationale Hauptsitz ist.Und Banken die nicht spuren oder zahlen,sind schnell
weg vom Markt.FG

Bernhard Jasper | Di, 7. November 2017 - 13:02

Meine persönliche Kritik an der selbsternannten „vierten Gewalt“ im Staate (Medien) ist ebenso scharf geworden. Diejenigen, die so berichten, haben nicht die geringste Ahnung in der Sache, nämlich von unserem Steuerrecht, schon gar nicht vom hochkomplizierten Unternehmenssteuerrecht. Da holen wir lieber die bewährte „Moralkeule“ raus, nicht wahr? Ebenso sind ja Steuern auch ein Steuerungs- und Wettbewerbsinstrument. Steuerharmonisierung auf EU-Ebene? Wer das glaubt wird selig. Große Steuerreform in Deutschland? Ach was! Ist die Entlastung von Familien, oder die mit mittleren Einkommen, oder ist die Abschaffung des Soli noch ein Ziel in den Sondierungsgesprächen?

Peter Huber | Di, 7. November 2017 - 13:23

Man kann darüber diskutieren, aber ändern wird sich nichts. Die Entscheider sind nicht Lösung sondern selbst Teil des Problems. In den Hinterzimmer der einschlägigen Anwaltskanzeleien, hat man schon die Lösung in den Schubladen. Gruss aus der Schweiz, die Mutter der Steueroasen.

Juliana Keppelen | Di, 7. November 2017 - 13:34

und die Aufregung wird in 1 Woche wieder vorbei sein besonders wenn prominente "Gute" dabei sind. Und die üblichen Bösewichter werden die Schlagzeilen wieder beherrschen. Und die diversen Finanzminister werden froh sein nun doch nichts ändern zu müssen um ihrer Sponsorenklientel auf die Füße zu treten.

Ekkehard Möller | Di, 7. November 2017 - 14:14

Wolfgang Bok zeigt die wahren Hintergründe und Ursachen für die Steuervermeidung auf, die immer gerne von Moralpredigern und Weltverbesserern sofort als Steuerhinterziehung gegeißelt wird. Das jedenfalls ist auch wieder Ziel und Absicht der verschworenen Inquisitoren bei ARD, ZDF und der Süddeutscher Zeitung, auf den Bildschirmen nicht genehme Steueraktivitäten zu kriminalisieren, auch wenn sie ganz legal erfolgen, und den Sozialneid und Gerechtigkeitswahn im Land zu schüren. Am besten macht man sich bei komplexen Vorgängen wie bei den Naturwissen-schaften das Ergebnis mal an Grenzfällen klar. Das heißt hier: wo keine Steuern, da auch keine Steuer-umgehung, noch Fragen?

Ursula Schneider | Di, 7. November 2017 - 14:40

Wen interessiert das eigentlich? Ein Ablenkungsmanöver von notwendigen Steuersenkungen und vielen anderen Problemen, die wir haben, wie Herr Bok richtig bemerkt.

Warum hört man z. B. so wenig von Mario Draghi und seiner perfiden Umverteilungspolitik? Er verhindert mit der Notenpresse den Bankrott der Südländer (gegen alle EU-Vertragsregeln!), türmt Schuldenberge auf und enteignet dabei schleichend die Spargelder und Alterssicherungen der anderen im Euroraum.

Ich finde das wesentlich beunruhigender als die Frage, wo die Reichen und Schönen dieser Welt ihr Geld lassen. Das ist mir ehrlich gesagt piepegal.

Auf ihre Weise sind diese Finanzakrobaten, ob sie Draghi oder Appelby heißen, jeder für sich eine Seuche, die unser soziales Gefüge erodieren.
Aber - Wie man sieht: Man kann durchaus Flöhe UND Läuse haben. Wenn man wirklich Pech hat ...

Petra Wilhelmi | Di, 7. November 2017 - 14:46

Na und? Grauzone ist Grauzone. Wenn ich z.B. amazon wäre, würde ich ebenso handeln. Es ist nicht verboten und ungesetzlich, was die Unternehmen machen. Unternehmen sind keine altruistische Vereinigungen.

Dr. Roland Mock | Di, 7. November 2017 - 14:52

Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf: Nicht Steuer p a r a d i e s e sondern Steuer g e b i r g e sind das Problem. Und wer regt sich in schönster Regelmäßigkeit auf darüber? Linke. Linke Medien (SZ, Spiegel & Co.), linke Politiker (Maas, Stegner, Wagenknecht & Co.) und eher (nicht immer) linkstickende Zukurzgekommene, die als Ursache ihres eigenen beruflichen Mißerfolgs nie sich selbst sondern regelmäßig „Reiche“ und ferne Inseln vermuten. Und selbst in aller Regel kaum Steuern bezahlen. Diese Diskussion langweilt mich nur noch. Apropos Linke und Steuervermeidung: Welche Partei stellte denn in den 90 ern und in den 00 er Jahren überwiegend den Finanzminister???

Romuald Veselic | Di, 7. November 2017 - 16:02

Steueroasen sind ebenso notwendig, wie Saharaoasen. Wieso sollte ich nicht die Möglichkeit ausnutzen, um mein Geld vor der sträflich verschwenderischen Politik schützen - siehe das Agieren der EZB. Diese Bank ist schlimmer, als alle Steueroasen zusammen.
Apropos: Mich wurde die rechtliche Lage interessieren, unter der die SZ /NDR/WDR an diese Dokumente gelangen sind. In der angelsächsischen Rechtsprechung, haben illegal erworbene Dokumente, keine rechtliche Grundlage, um sie gegen einen/mehrere anzuwenden. Und: Wer kontrolliert die „investigativen“ Journalisten?
Halten sich die Journalisten an geltendem Recht? Die Aussage; nicht alles, was Gesetz zulässt, ist auch moralisch - laut SZ.
Wo leben wir den, dass die SZ-Leute über was/was nicht moralisch ist, bestimmen würden. Führen auch diese Journalisten privat einen moralisch einwandfreien Leben?

wird unbedingt benötigt. Sie ist unverzichtbar. Sie wird regelmäßig als Teil eines Rechercheverbundes genannt, weil die GEZ finanzierten es allein nicht können....
hüstel.....

Romuald Veselic | Di, 7. November 2017 - 16:04

Wovon sollen all die Bahamas/Bermudas/Guernseys leben? Aus ihren tribalen Schnitzereien etwa? Oder planen die Globalplayer in den S-Oasen ihre Großproduktionsstätte öffnen, um Menschen dort gut verdienen lassen?

wolfgang spremberg | Di, 7. November 2017 - 17:00

buhlen um Unternehmen und Steuereinnahmen ?
Deutschland auch ? Die linken Parteien besonders ?
Warum sollen deutsche Firmen, deutsche Reiche ausgerechnet in Deutschland Steuern zahlen ?
Ist das nicht Ausdruck von völkisch, nationalistischem denken ? hüstel.....Und die Medien prangern dies völkisch, nationalistische denken nicht lautstark an ? Merkwürdig.....

Peter Dünkelhofen | Di, 7. November 2017 - 17:05

Steueroasen und Steuertricksereien sind ein Problem welches Demokratien nicht lösen können, weil die gewählten Repräsentanten selbst zur Steuerflucht neigen wenn sie an der Macht sind.

Demokratien könnten die Probleme leicht lösen, wenn die Exekutive DIE Macht hätte, die ihr in der Demokratie zusteht. Dann bräuchten wir auch keinen ständigen Medien-Alarmismus mehr.

Heinrich Niklaus | Di, 7. November 2017 - 18:58

Ich verstehe die Aufregung nicht. „Der Tatbestand der missbräuchlichen Steuervermeidung ist in Deutschland in § 42 der Abgabenordnung kodifiziert. Danach liegt Gestaltungsmissbrauch vor, wenn der Steuerpflichtige eine rechtliche Gestaltung zum Zwecke der Steuervermeidung wählt, die wirtschaftlich unangemessen ist.“

Wenn Rechtsverstöße im Zusammenhang mit der Abgabenordnung vorliegen, sollten Herr Mascolo und seine Mitstreiter vom NDR, WDR und SZ in diesem Bereich investigativ tätig werden. Warum geschieht das nicht? Stattdessen tischt man uns steuergestalterische Sachverhalte auf, die man als moralisch verwerflich anprangert.

Was soll das? Sind wir ein Rechts-oder Moralstaat?

Alfred Kastner | Di, 7. November 2017 - 19:04

Steuerflucht, moralischer Verfall der sogenannten Eliten, steigende Steuer- und Abgabenlast für die Normalbürger usw.
Themen, die ich in den vergangenen Jahren u.a. in unzähligen Leserbriefen thematisiert und die Zustände kritisiert habe.
Heute nun lese ich: Die Deutschen sind weiterhin zufrieden mit ihrem Leben. Das ist das Ergebnis des Glücksatlas 2017.
Alles vergebliche Mühe!
Es ist an der Zeit, adieu zu sagen.

Tomas Poth | Mi, 8. November 2017 - 00:25

Geld ist ein scheues Reh, nur in der Steueroase genießt es noch Schutz. Und dann kommen da mediale, neidische Jäger und scheuchen das arme Tierchen auf. Mir kommen die Tränen bei soviel Lieblosigkeit. Der Soli sollte zum Rehschutz verwendet werden damit es sich wohlfühlt und schön fett wird.

wolfgang spremberg | Mi, 8. November 2017 - 09:10

geht es um Geld. Wofür will man Steuergeld ausgeben, wofür will man kein Steuergeld ausgeben, welche Steuerquellen kann man noch erschließen. Wenn Jamaica scheitert, "drohen" Neuwahlen. Dann haben wir alle Gelegenheit, die Wahlkämpfer daran zu erinnern wofür sie, ohne uns zu fragen, dauerhaft Milliarden ausgeben, warum sie seit Jahren Steuertricks ermöglichen und warum nun plötzlich nicht mehr gilt : " Deutschland ist ein Reiches Land. Kein Geld für eine gerechte Mütterrente, Bessere Pflege, bessere Kitas usw. usw. ? Richtigerweise müsste es immer heißen : DAFÜR. Dafür haben wir kein Geld.
Ob das gut ist ? Gerecht ? Oder undemokratisch, menschenverachtend ?
Übrigens auch kein Thema in den Medien.....
Wer gegen die Aufnahme und Alimentierung von Migranten aus Österreich war, war ein Unmensch, wer alte Menschen in ihren Exkrementen liegen lässt, weil dafür kein Geld da ist , ist was ...?

Reinhard Benditte | Mi, 8. November 2017 - 09:55

Großes Theater mit riesiger Moralkeule. Da kann die deutsche Art wieder richtig zuschlagen. Wo werden dem Leser die Fakten dargestellt? Da heißt es z. B. „...um kriminelles Verhalten zu vertuschen oder Geld aus dubiosen Quellen zu verstecken.“ Ich habe den Bericht in der SZ zwar nur überflogen, Fakten über die o.a. Aussage habe ich nicht gefunden. Soweit ich die Ausführungen verstehe, sind die Aktivitäten auf der Basis existierender Gesetze durchgeführt worden. Also legal! Denn wie schreibt die SZ selbst: „In Deutschland führen die Spuren zu rund tausend Kunden, Begünstigten oder sonstwie Involvierten - ohne daß sich damit automatisch rechtliches Fehlverhalten verbinden würde.“

Es wäre m.E. eher angebracht, über die deutschen Steuergesetze zu diskutieren und sich die Frage zu stellen, warum der Staat seine Bürger, also „Menschen, die normal oder wenig verdienen“ (SZ), Jahr für Jahr mit immer höheren Steuern und Sozialabgaben „aussaugt“!

Reinhard Benditte | Mi, 8. November 2017 - 09:58

Politiker aller Couleur geben lieber Geld aus anstelle Ausgaben zu reduzieren und die Steuerlast und Sozialabgaben zurück zu fahren.

Ich weiß, es ist Wunschdenken, denn die Politik hat diese Problematik noch nie angegangen, sondern hat die Ausgaben immer weiter nach oben getrieben. Dem Michel wird dabei suggeriert, der Finanzminister wäre der Meister der schwarzen Null, allerdings wird dabei unter den Tisch gekehrt, daß z.B. die Zinspolitik der EZB den Bundeshaushalt massiv entlastet hat.

Interessanterweise konnte der Staat einschließlich Länder und Kommunen die Milliarden Mehrkosten von Frau Merkels Flüchtlingspolitik leicht aufbringen, eine Entlastungen derjenigen, die schon länger hier leben, fand nicht statt! Und nebenbei bemerkt geht die Infrastruktur, das Bildungswesen und Gesundheitswesen den Bach herunter.

Der Staat beutet seine Bürger aus und treibt sie in ein Zweiklassensystem. Aber das ist für die neue Generation der Journalisten wohl egal!

Claudia Westphal | Mi, 8. November 2017 - 10:47

Wenn man der Tabelle in der Süddeutschen Glauben schenken kann, dann ist Deutschland der größte Exporteur von Offshore Geldern.

Und all das, nachdem das Land "arbeitgeberfreundlich" so ziemlich alles dereguliert hat, den größten Niedriglohnsektor, die Sozialbeiträge eingefroren, präkere Arbeitsverhältnisse geschaffen, befristete Verträge gefördert, Kinderarmut zugelassen, Altersarmut gefördert, Gebäude und Straßen verfallen, den Bildungsnotstand erlaubt hat.

Deutschland geht es gut.

Wir nannten es Wettbewerbsfähigkeit und tragen diese message wie eine Monstranz vor uns her und belehren jeden, ob er es hören will oder nicht. Alle sollen es uns nachmachen. Alle müssen so wettbewerbsfähig sein wie wir. Am besten werden wir alle Exportweltmeister. Dann erst geht es Europa gut. Oder geht das etwa nicht?

Spätestens jetzt muss doch jedem dieser Irrweg klar sein. Wir sind auch Exportweltmeister in Offshore Anlagen. Staatlich gefördert, wenn auch wahrscheinlich unfreiwillig.

Reimund Großhäuser | Mi, 8. November 2017 - 16:43

Falls es bei den unfähigen Politikern aller Couleur in Europa noch nicht angekommen ist: globaler Wettbewerb gilt halt auch für Steuern. Wer kann, der kann; und hier bitte kein Neid, steht jedem offen. Schäuble, alle vor, hinter und neben ihm haben nichts begriffen, nur jammern und andere denunzieren (hier auch vielen Dank an meine geliebten Medien ARD, ZDF, SZ etc.), aber nichts gestalten. Dafür sind sie groß, wenn sie die eigenen Werterwirtschaftler schröpfen können, denn die können sich nicht wehren. Vielleicht mal meinen Freund Draghi bemühen? Goldman Sachs hatte doch schon immer passable Lösungen parat. Übrigens: in D gibt es >700.000 Steuergesetze, -durchführungsverordnungen und -richtlinien, und >70% der Steuer-Weltliteratur stammt aus Deutschen Verwaltungshirnen. Reicht das?

Claudia Martin | Do, 9. November 2017 - 05:17

Nichts einfacher als das. Wir kämpfen doch auch in Afghanistan. Warum nicht auch in Panama? Entweder das oder eine neue Oktoberrevolution! Zunächst muss jetzt noch die Sache mit dem dritten Geschlecht geklärt werden. Aber dann!!!!
Ach so, der Titel. Ein Steuergebirge... Haben wir eigentlich nicht. Die relativ höchste Belastung haben wir im durchschnittlichen Einkommen. Fast Spitzensteuersatz und volle Sozialabgaben. Aber sind wir doch ehrlich: als Politiker würden wir es doch auch so machen. Es gibt ja keinen Widerstand. Die Reichen habe ihre Steueroasen, die Armen zahlen keine ESt. Die Mitte zahlt halt. Es gibt daher auch keine Partei in der Mitte mehr. Wozu auch? Schnauze halten und zahlen!

Torsten Knecht | Do, 9. November 2017 - 11:45

... das eine bedingt das andere.

Eine gute Steueranwaltskanzlei kennt die besten Wege durch das Gebirge, damit das entgangene Steuergeld dahin fließen kann, wo es mehr wird.

Der Antrieb dafür ist nicht aus der Welt zu schaffen: Habsucht und Gier.

Schäuble ermahnte die investigativen Reporter der Paradise Paper, das in der heutigen neoliberalen Welt "JEDER" die Möglichkeit hat, sein Geld irgendwohin zu transferieren. Das klang mehr nach Ermutigung und Aufforderung als nach Entrüstung über Steuerhinterziehung.

Transparenz in der Gesetzgebung, in den Finanztransaktionen der Unternehmen, der jeweiligen Finanzbehörde und zwischen den Staaten wäre ein Anfang.

Schäuble & Co. liegt das alles fern. Da fällt mir glatt die Parteispenden-Affäre mit ihm ein ... und jetzt Bundesfinanzminister. Die dümmsten Kälber wählen ihre Henker selber.

Freizügigkeit ... Merkels Lieblingswort ... heißt auch Freiheit der Unternehmen u. Reiche vor inländischen (Steuer-)Gesetzen.

Claudia Westphal | Do, 9. November 2017 - 12:38

Es ist doch erstaunlich ruhig. Die Noch-Nicht-Regierung hält sich bedeckt. Ist ja auch wahrscheinlich zuviel verlangt. Sind doch beschäftigt mit der Regierungsbildung.

Ist richtig interessant, das who-is-who auf wikipedia nachzulesen. Interessante deutsche Unternehmen tauchen da auf. Siemens - sehr bekannt für Leiharbeit, Werksverträge und Stellenabbau.
Deutsche Bank - droht gerade wieder mit Stellenabbau, hat richtig abkassiert im Rahmen der Griechenland - Rettung. Zuvor höchstmögliche Steuerabschreibungen von "Investititonsverlusten" Gilt als weltweit höchstes Finanzrisiko lt. IMF.
Allianz-Versicherungen. Sieh an. Auch die haben sich durch Abschreibungen in Millionenhöhe gesundgestoßen, haben die Dresdner Bank rechtzeitig an die Commerzbank verkauft, die dann wiederum vom deutschen Steuerzahler gerettet wurde.
Die Deutsche Post (DHL) - sieh an. Auch bekannt durch Leiharbeit, Niedriglöhne und präkere Beschäftigung.

Keine Wut, kein Protest, kein Produktboykott...

Nichts?

Klaus Szameitat | Do, 9. November 2017 - 17:49

Während seiner Regierungszeit behauptete Konrad Adenauer "Alles was Sozialisten von Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen!"
Dieser Bazillus hat zwischenzeitlich sämtliche Regierungen in Deutschland, egal welcher Couleur, erfasst. Aber in einer Demokratie muss man das aushalten können (dürfen?).

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Wir danken für Ihr Verständnis.