New Work - Neue Arbeit, neues Glück?

Schon seit der industriellen Revolution steht die Frage im Raum, wie der moderne Mensch seine Erfüllung bei der Lohnarbeit finden kann. Das viel gepriesene Konzept „New Work“ verspricht im Zeitalter der Digitalisierung endlich den großen Sprung nach vorn. Zu Recht?

Eine Frau arbeitet an einem Laptop in einem Cafe in Prenzlauer Berg in der Danziger Straße.
Arbeiten wir bald alle wie wir es uns wünschen? / picture alliance

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Ayad Al-Ani ist Mitglied beim Einstein Center Digital Future, Berlin

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Auf kaum einer der vielen „Zukunftskonferenzen“ darf derzeit der Begriff „New Work“ fehlen – ob im Mai auf der re:publica in Berlin oder etwa bei der Online Marketing Rockstars in Hamburg. Dort fand im März auch die Veranstaltung „New Work Experience“ des deutschen Karrierenetzwerks Xing statt; neben einem Vortrag Joschka Fischers zum Thema „Vom Taxifahrer zum Außenminister“ klangen auch die übrigen Referatsthemen durchaus vielversprechend: „Zehntausende Mitarbeiter lassen sich ohne Hierarchie führen“, hieß es da etwa. Das sollte wohl einen Vorgeschmack auf künftige Arbeitswelten geben.

New Work ist der Megatrend einer Zeit, in der sich durch Digitalisierung und Globalisierung vieles ändert oder verschärft. Offensichtlich müssen Unternehmen innovativer, schneller und mutiger werden. Auch Politiker übernehmen das Wording. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) etwa beschwört die New-Work-Ära als Chance „für Qualifizierung und Weiterbildung, für agiles Arbeiten, für Zusammenarbeit und Vernetzung auf Augenhöhe und über Hierarchie- und Ressortgrenzen hinweg, für Beteiligung sowie für Flexibilität, Kreativität und Gesundheit“.

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Hans Jürgen Wienroth | Fr, 21. Juni 2019 - 22:19

New Work Konzepte gehen davon aus, dass jeder seinen Neigungen nachgeht, incl. einer selbstbestimmten (Arbeits-)Zeiteinteilung. Das führt dazu, dass nur noch gearbeitet wird, wenn man „Lust“ dazu hat. Das erinnert mich an den Spruch: „Durch Arbeit versaut man sich den ganzen Tag“.
Das heutige Wirtschaftsmodell ist offenbar eine „leistungsfreie“ Gesellschaft ab Grundschule. Man hat alles, was man zum Leben braucht, die Versorgung ist gesichert. Die Gesellschaft propagiert Arbeitsteilung in der Familie mit geregelten oder besser „freie“ Arbeitszeiten. Die 2/3 nicht engagierter Arbeitnehmer nehmen zu. Bei den „Leistungsträgern“ führt die Arbeitsverdichtung zum Burn-out. Stellen mit unregelmäßigen oder ungünstigen Arbeitszeiten wie LKW- oder Busfahrer usw. oder körperlicher Arbeit wie z. B. Maurer usw. können immer häufiger nicht besetzt werden. Trotz der fast 5 Millionen Arbeitslosen und z. T. geringer Anforderungen empfindet niemand Lust auf diese Jobs.

Christoph Kuhlmann | Sa, 22. Juni 2019 - 09:12

im Zeitalter der Informationstechnologie das kreative Potential der Werktätigen frei und unterstützt ihre Entwicklung durch lebenslanges lernen. Aus meiner persönlichen Sicht, sind die sozialpsychologischen Prozesse innerhalb der Organisationen ein Faktor, der für einen großen Teil des Stress verantwortlich ist. Gerade die Asymmetrie der sozialen Beziehungen in der Hierarchie, die durch Arbeitszeitmodelle wie Zeitarbeit noch verstärkt wird, limitiert den Handlungsspielraum der Beschäftigten nach Maßgabe von Kriterien, die häufig eher Einzel- und Gruppeninteressen im Unternehmen entsprechen und nicht den propagierten Organisationszielen selbst. Insofern kann die Bildung zielorientierter Netzwerke von Menschen, die zum Beispiel an völlig unterschiedlichen Orten arbeiten und sich kaum kennen zu einer Versachlichung der Arbeitsbeziehungen führen, weil z.B. kulturelle Faktoren keine Rolle spielen. Die Selektion erfolgt im Arbeitsprozess selbst, weniger anhand personaler Prognosen.

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