Nachtzug - Europäische Entgleisungen

Günstige Schnellzüge könnten Flüge in Europa zumindest auf kürzeren Distanzen längst ersetzen. Doch ausgerechnet nationale Eisenbahnen wie die Deutsche Bahn blockieren. Derweil erlebt ein altes Fortbewegungsmittel sein ungeahntes Comeback: der Nachtzug

Morgens im gehobenen Dreierabteil im Nachtzug nach Budapest / Fotos: Gina Bolle 

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Yves Bellinghausen ist freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und schreibt für den Cicero.

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Ein Gefühl geht um in Europa: Es ist die Flugscham. An einem geschäftigen Montagvormittag ist in Berlin-Tegel davon aber nichts zu spüren. Touristen in Jogginghose und Businessmen in knittrigen Anzügen wuseln zwischen Check-in, Backdiscounter und Taxi­schalter. Keiner blickt schuldbewusst betreten zu Boden. Etwa die Hälfte aller Menschen, die in Tegel losfliegen, wollen zu einem Ziel im europäischen Ausland: nach Paris, Amsterdam, Tallinn oder wie die Gäste von Iberia Flug IB 3677 nach Madrid-Barajas.

Schämen Sie sich nicht? „Überhaupt nicht“, entgegnet ein deutscher Geschäftsreisender empört, er habe schließlich einen wichtigen Termin in Madrid. Zwei spanische Schwestern, die wegen der angeschlagenen spanischen Wirtschaft in Berlin wohnen, erzählen, sie wollten ihre Familie südlich von Madrid besuchen. „Wie sollen wir denn sonst nach Hause kommen?“, fragen sie ein wenig pikiert, während ihr Airbus A320 auf die Starterlaubnis in Tegel wartet.

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Henner Majer | Mo, 2. Dezember 2019 - 23:35

Sie werden die souveräne Zeitersparnis und den Komfort eines längeren Fluges (>2 Std) mit nichts Landgebundenem erreichen können. Viele Nachtzugliebhaber sind öffentlich Bedienstete, und haben Zeit und Muße für Nachtzüge. Dem Mittelstand, der das alles erarbeitet und bezahlt, fehlen aber Zeit und Muße, also muss er fliegen.

Einen Fehler im Artikel muss ich richtig stellen: Eine "nervtötende Dauerwerbebeschallung" habe ich bei zahlreichen Flügen mit dem "Lidl der Lüfte", der Firma Ryanair, nicht feststellen können. Man verkauft gemeinnützige Rubbellose, zollfreie Luxuskleinigkeiten und Verpflegung nach einer jeweiligen Ansage. Das ist alles. Vielleicht fliegt der Autor mal mit Ryanair, um sich vorab zu informieren. Dann nimmt auch er keinen Nachtzug mehr.

Marianne Bernstein | Di, 3. Dezember 2019 - 11:22

Wenn ich einen Flug von Dresden nach Frankfurt nehme, um einen Anschlußflug von Frankfurt zu erreichen, dann sind das für mich 1 Stunde eher dasein plus 1 Stunde und 5 min Flug plus 1/2 Stunde max. zum Gate, alles zusammen ca. 2,5 - 3 Stunden. Alleine der ICE von Dresden nach Frankfurt Flughafen braucht 4 Stunden. Dann muss ich auch in diesem Fall das Gate suchen und in Frankfurt mit langen Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle rechnen.
Und noch etwas. Wenn ich den Zug nehme, dann muss ich mein Gepäck selber schleppen und verstauen.
Ich bin früher gern Nachtzug gefahren, z.B. nach Köln oder Aachen und dann nach Belgien. Oder auch nach Schweden. Die Nacht verbringt man im Zug und am morgen kommt man halbwegs ausgeruht an.
Man sollte bei der Bahn nicht nur auf schnelle Verbindungen setzen sondern auch auf realistische. Wenn ich meinen Anschlußzug verpasse, weil die Bahn 10 min Verspätung hat, dann bin ich sauer. Geht mein Anschlußzug erst in 20 min ist alles in Ordnung.

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