Viele deutsche Unternehmen wollen ihre Importe aus China verringern: Container-Umschlag am Nordbahnhof von Changsha / dpa

Lieferketten auf dem Prüfstand - „Bei kritischen Rohstoffen ist die Abhängigkeit von China enorm“

Fast die Hälfte der deutschen Industriefirmen ist derzeit auf wichtige Zulieferungen aus China angewiesen. Viele wollen diese Abhängigkeit verringern. Das hat ifo-Forscherin Lisandra Flach herausgefunden. Im Cicero-Interview erklärt die Ökonomin die Hintergründe und warnt Deutschland vor einem Rückzug aus der Globalisierung.

Daniel Gräber

Autoreninfo

Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero. Er hat Politikwissenschaft und Journalistik studiert und arbeitete als Lokalreporter und Wirtschaftsredakteur für verschiedene Regionalzeitungen.

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Lisandra Flach ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und leitet das Zentrum für Außenwirtschaft des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Frau Flach, beim Gasimport merkt Deutschland gerade, wie gefährlich wirtschaftliche Abhängigkeit sein kann. Viel umfangreicher als mit Russland sind unsere Handelsbeziehungen aber mit China. Welche Gefahr liegt darin?

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ingo Frank | Do, 7. April 2022 - 20:58

Im Heimat- später Erdkundeunterricht meiner Grunschulzeit d.h. die ersten 8 Jahre von 1960-68 lernten wir, das Deutschland auch im westlichen Teil ein „Rohstoff armes Land“ ist. Und da nach dieser Zeit keine wesentlichen Entdeckungen von großen Bodenschätzen- Lagerstätten gemacht wurden ist der Sachstand von wenigen Bodenschätzen nach wie vor aktuell. Will sagen, erst ist für einen Normalbürger mit einigem Verstand sonnenklar,
dass ein Industrieland wie es D nun mal war und noch sein will? seine Bodenschätze die es benötigt importieren muss. Um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, sind die Rohstoffkomponenten neben den Energiekosten
die bestimmenden Kostenfaktoren. Und Menschenrechte sind kein Kostenfaktor wenn dies so wäre, fiele Katar ebenso wie Rußland od. China als Lieferant aus. Tun sie aber nicht. Kann man gut oder als schlecht befinden, ändert aber nichts. Das ist eben die Globalisierung und Ende Gelände! So einfach ist es. Das sind die Spielregeln.
Mit f G a d R Rep

Schulbank zu drücken anfing, war das seltsamerweise immer noch so. Aber leider sehen wir „alten weißen Männer“ die Dinge halt zu einfach.
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Heute ist es viel wichtiger, dass die „Moral“ stimmt, das „Gefühl“ und da ist es dann ganz wichtig, dass man derzeit nichts aus dem bösen Russland kaufen darf und das böse China nur dann böse ist, wenn es gerade passt und dann halt wieder nicht, weil man es braucht.
Und Katar, wo man bald dann den Ball wird rollen lassen, nun wieder ganz toll ist und die Sklaven... ach mei, da zieht man wie einst der Franzl eine dicke Sonnenbrille auf und sagt „Sklaven? Wo sind hier Sklaven? Also ich seh keine.“ Bald ist Fußball wieder weg, dann vielleicht Russland von einem „Guten“ regiert und dann ?
Seien wir gespannt, ob in Sachen Rohstoffimporte bald ein moralbedingtes „Einkaufspingpong“ einsetzt. Sprich, man muss immer brav schauen, wo man sein Zeug her bekommt und wenn da einer „böse“ ist, dann, huschhusch, zum nächsten.
„Gutsein“ ist anstrengend.

und mit dem Kauf von Rohstoffen haben wir ja nur die eine Seite beleuchtet, unser Wohlstand beruht aber auch zu einem großen Teil auf dem Export von Gütern.
Da wird es noch schwierig werden mit der Moral und den Werten. Obwohl Dppelmoral und Werte je nach Bedarf sind ja das EU und unser Markenzeichen und inzwischen scheint auch ein großer Teil der Weltgemeinschaft das zu erkennen. Was wiederum uns veranlasst die Welt in Gut und Böse einzuteilen oder anders ausgedrückt entweder für uns oder Böse oder nach neuestem Stand nochmal anders eingeteilt in Demokratien und Diktaturen dazwischen gibt es offensichtlich nichts.

Nein Herr Will, das hat mit „einfach“ nichts zu tun. Wir, die älteren Menschen mußten sehr früh lernen mit unseren Ressourcen Haus zu halten und das hatte zur Folge, dass wir uns konzentriert an Lösungen von Problemen heranarbeiteten. Wir sind erzogen mit. „Es gibt kein nicht gehen, sondern nur ein nicht wollen.“ und das war in der Mangelwirtschaft der DDR noch prägender. Und heute, gelingt ein wirtschaftlich/ gesellschaftlicher Aufstieg ohne jegliche Berufsausbildung. Ein schlechtes verabscheuungswürdiges Vorbild wird der Jugend vorgegaukelt die sich im „Dauerwohlfühlschlaf“ befindet.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

... treffend formulierte: "Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt." Schaut man nach Berlin, sind wir inzwischen bei der vierten angekommen!

Ronald Lehmann | Do, 7. April 2022 - 22:48

Wenn einer etwas zu bieten hat, was ich nicht habe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Warum war für die deutsche Wirtschaftselite seit Euro-Einführung die Globalisierung so wichtig?

Dollarnoten in den Augen 🤑 & die Gier nach unermeßlicher Rendite & Wachstum - mehr - größer - höher - weiter = gottähnliche Eliten, so fühlen sie sich. Fehler, falsche Einschätzungen, gibt es in dieser Kategorie nicht. Wie in Afghanistan - Fehler machen nur die bösen Bubis. Reue, Demut - Fehlanzeige.

Das sie sich in ihrer Gier dabei komplett verkauft haben, haben ja heutzutage unsere so großen Helden der Wirtschaft wie Politik nicht einmal mitbekommen. Aber naja. Selbst in der USA hat z.B. Bayer AG garantiert mehr zu sagen als ein gewählte Präsident, der auch nur Handlanger der ganz großen Macht ist. Und es würde sich ein Krimibuch füllen, wenn man einen Präsidenten alles das erzählen würde, was dieser einfach nicht wissen soll oder brauch

Nicht alles ist Gold, was glänzt. Dies müßte auch Frau Flach

Ernst-Günther Konrad | Fr, 8. April 2022 - 08:57

Ich sage Ihnen ganz ehrlich Frau Flach, wie will der Ottonormalverbraucher da noch durchblicken? Bei der Energieproblematik sicher noch am ehesten, aber bereits bei allen anderen Rohstoffen, Verarbeitungen, Zulieferungen und Einfuhren fängt das Problem an. Es ist mittlerweile alles so ineinander verschachtelt, das die Politik viele Dinge selbst nicht mehr durchschaut und sicher gut gedacht, viel schlecht macht. Durch Corona bestellten meine Kinder viel über Amazon und andere Anbieter. Obwohl sie versuchten drauf zu achten, das als Hersteller nicht China stand, wurden sie und auch wir, die manchmal mitbestellten, schnell eines Besseren belehrt. Mag die Wirtschaft anfangen zu diversifizieren. Wir haben noch ein ganz anderes Problem. Wie kommt der Kram ins Land bis zum Händler oder Privatkunden? Es herrscht Handelskrieg über die Herstellerkosten, den Lagerkosten, den Transportkosten und dann der Staat mit Steuern. Handwerker schwer zu bekommen und Angebote von heute sind morgen obsolet.

Gerhard Lenz | Fr, 8. April 2022 - 09:02

kannte doch keine Grenzen!

Der ganze Erdball war plötzlich ein einziger Markt.
Da, wo es nicht schmerzte, durfte Moral eine Rolle spielen. Iran, Nordkorea,.da war man mutig.

Bei den Chinesen hat man morgens ein wenig gemeckert; mittags wieder ordentlich Geschäfte gemacht, dann den dicken SUV an der Tanke mit arabischem Sprit vollgetankt, abends zu Hause ordentlich die Heizung aufgedreht und Putins Gas verheizt.
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Wenn Putin die Opposition vergiftete oder die Chinesen religiöse Minderheiten umerzogen, gab es schon mal ein wenig Gegrummel, aber kaum Folgen. Zu groß die Abhängigkeit, die Angst vor zu hohen Spritpreisen.

Jetzt merkt man, dass man vorausschauend eher mehr "Moral" braucht, um sich nicht von Völkermördern wie Putin abhängig zu machen. Das gilt besonders auch für China: Wenn sie eines Tages Taiwan "einkassieren".

Wem verkaufen wir dann unsere Mercedes-BMW-VW-Karossen?

Wir leben doch ganz gut mit Geld und Rohstoffen Russlands und anderer Schurkenstaaten.

gabriele bondzio | Fr, 8. April 2022 - 09:57

Herrn Frank, Will und Lehmann nur zustimmen.
Triff alles genau den Punkt, welchen Frau Flach unberücksichtigt gelassen hat.

Dazu kommt noch die Gefahr, dass mal erneut ein Virus auftaucht.

Und wenn es schon bei den großen Wirtschaftsmächten (wie hier China) hakt, steigt auch die Kriegsgefahr erneut an.

Siehe derzeit Ukraine-Russland, wo der Krieg die wirtschaftlichen Verbindungen sehr schnell kappt.

Auslöser für Kriege waren auch, Machtgewinn bzw. Land-Rohstoffgewinn um die innere Lage stabil zu halten.

Christoph Kuhlmann | Fr, 8. April 2022 - 11:05

Es ist trotzdem sehr sinnvoll sich die Lieferketten einmal anzuschauen. Auch in Bezug auf Ausbeutung, ökologischer Vernichtung der Lebensgrundlage indigener und nicht indigener Völker oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Regierung. Doch wenn man sieht, dass z.B. einige russische Oligarchen sich eine goldene Nase daran verdienen ... kann Moral sehr nützlich sein. Andererseits wird man sehen, dass die Förderung von Silizium und anderen Rohstoffen für die Elektro-Autos die Lebensgrundlage vieler Menschen in den entsprechenden Ländern ruiniert. Stichwort Mercosur. Wir werden also in vielen Fällen vom Regen in die Traufe geraten. Ansatzweise Auswege bieten da nur Investitionen in Forschung und Entwicklung um gegebenenfalls einzelne Rohstoffe besser substituieren zu können und begleitende politische Maßnahmen, wie Entwicklungshilfe, Korruptionsbekämpfung und Know How Transfer. Allerdings nur da wo signifikante Fortschritte bei Menschenrechten und Ökologie möglich sind.