Konzertierte Aktion
Teilnehmer der „Konzertierten Aktion“ mit Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (M.) im Juni 1967 / dpa

Konzertierte Aktion - Ein alter Hut

Um über die Folgen der galoppierenden Inflation zu beraten, sollen heute Gewerkschaften, Arbeitgeber und Vertreter anderer Institutionen zu einer „Konzertierten Aktion“ zusammenkommen. Viel ist von der Runde nicht zu erwarten, denn Bundeskanzler Olaf Scholz setzt auf ein vor Jahrzehnten gescheitertes Modell. Zumal die angesetzten zwei Stunden kaum mehr als einen oberflächlichen Meinungsaustausch versprechen.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z.

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Neuer Wein in alten Schläuchen? Wenn Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an diesem Montag mit Wirtschaftsverbänden, Arbeitgebern und Gewerkschaften, der Bundesbank und dem Sachverständigenrat zusammenkommt, belebt er ein vor 45 Jahren sanft entschlafenes Gremium wieder: die „Konzertierte Aktion“. In dieser Runde wolle man „diskutieren, wie wir mit der aktuellen Preisentwicklung umgehen“, hat der Kanzler im Bundestag angekündigt. Nun gut, miteinander zu reden, hat noch nie geschadet.

Nur warum in aller Welt verfiel Scholz auf die Idee, die Runde im Kanzleramt mit dem Etikett „Konzertierte Aktion“ zu versehen? Diese hatte der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) in der aus heutiger Sicht leichten Rezession 1967 eingerichtet, um die Gewerkschaften zur Lohnzurückhaltung und die Wirtschaft zu Investitionen zu bewegen. An diesem „Tisch der gesellschaftlichen Vernunft“, wie der eloquente Schiller die Runde taufte, wurden anfangs wohlklingende Kommuniqués produziert. Es kam auch zu vertretbaren Lohnabschlüssen. Letztlich wollten sich weder Arbeitgeber noch Gewerkschaften vom Staat in die Tarifpolitik reinreden lassen. Als es dann ein paar Jahre später angesichts steigender Preise zu wilden Streiks kam, verlor dieses Forum vollends an Bedeutung. 1977 stellten die Gewerkschaften ihre Teilnahme ein.

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Tomas Poth | Mo, 4. Juli 2022 - 12:55

Korrigiert einfach die Fehler in den Bereichen:
- Euro und Schuldenpolitik der EU
- CO2-Bepreisung
- Energiewende
- Migrationsstopp und Kürzung der Leistungen in diesem Bereich.

Heidemarie Heim | Mo, 4. Juli 2022 - 13:49

..die Welt ist weggegeben, der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein". So wahrscheinlich der Poet bei der Teilung der Welt nicht zum Zuge kam, (Wer zu spät kommt/handelt/schläft), den bestraft das Leben?, wird es wohl demnächst Vielen ergehen. Mit unterhaken, zusammen halten und sonstigen Parolen wird es dieses Mal m.E. nicht getan sein. Das wäre genau so, als ob man bei der professionellen Bekämpfung eines zunächst noch kleinen Zimmerbrandes die Bildung eines Flashover oder Backdraft völlig außer Acht ließe und die Feuerwehr erst mal einen Arbeitskreis bildete um so ihre darauf folgende konzertierte Aktion abzustimmen. "Maikäfer flieg.....Dein Vater ist im Krieg usw." Ältere Semester kennen noch den Text dieses Albtraumschlafliedes, welcher u.a. auch abgebrannte Lande beinhaltet. Seltsam, wie manch alter Liedtext plötzlich wieder an Aktualität gewinnen kann. MfG

Ronald Lehmann | Mo, 4. Juli 2022 - 14:26

Würde in meinen Augen funktionieren, wenn man das Pferd nicht von hinten aufzäumt & das alte Fahrrad als neu Erfindung präsentiert.

Und hier liegt die Krux begraben.
Alles, was von früher kam, wurde bewusst ausrangiert oder auf den Geschichtsmüll entsorgt, egal ob Werte, Richtlinien, Anschauungen, Vereinbarungen, know how &&&.

Unser immer allwissende & besser wissende Forist singt jeden Tag hier im Cicero einen neuen Kommentar.

Wenn man sich also nicht wie ein eingeschriebener Unternehmer/ Ökonom, sondern wie ein närrisches Kind im Selbstbedienungsladen benimmt, braucht man sich nicht zu wundern, dass all diese Maßnahmen unserer Regierung

ALS FEUERWERK & NEBELKERZEN vom Volk, die die rote Pille genommen haben (Matrix), wahrnehmen.

Das Volk mit der blauen Pille hat z.Zt. sowie so wie immer alternativlose andere Probleme & Wahrnehmungen. Aber Klatschorgien schafft man sicherlich noch, denn diese bringen immer Bonuspunkte bei bestimmten Personen.

Volle Fahrt voraus!

Gerhard Lenz | Mo, 4. Juli 2022 - 16:02

Glauben Sie jedenfalls. Und schon, so liest man, werden alle möglichen Dinge in einen Korb geworfen: Beendet Migration, stoppt die Energiewende, beendet die Europolitik.

Liest sich heute genauso wie zu Zeiten, als die Inflationsquote im Keller war, ist also völlig unbrauchbarer Unsinn.

Natürlich sind jetzt jene ganz schnell zur Stunde, die glauben, sie könnten wie 1933 die Verschlechterung der wirtschaftlichen Gesamtsituation den demokratischen Parteien vorwerfen. Denn schon ist man mit den immer gleichen alten Hüten zur Stelle. Die mit der eigentlichen Problematik nichts zu tun hat. Allein: Der Bürger muss es ja nicht merken...

Auch die USA, jeglicher Euro-Politik unverdächtig, haben eine Mordsinflationsrate - dank einer von Donald Trump initiierten Geldpolitik. Energie- und Rohstoffpreise sind auf den Ukraine-Konflikt zurückzuführen.

Wahre "Patrioten" würden in dem Zusammenhang die russische Staatsführen kritisieren. Und nicht jene, die daran keine Schuld tragen.

Es ist schon abenteuerlich, wie Sie sich aus völlig differenten Gegebenheiten Ihre eigene Welt erschwurbeln. Donald Trump ist für die „Mordsinflationsrate“ der USA verantwortlich? Das ist - mit Verlaub - blanker Unsinn. Ein guter Tipp: tauchen Sie mal ein in den Beginn dieses Jahrtausends und beschäftigen sich mit einem gewissen Alan Greenspan. Sie werden staunen!

Gerhard Lenz | Di, 5. Juli 2022 - 13:34

In reply to by Holger Hoffmann

Greenspan war bis 2006 Vorsitzender der US-Notenbank.

Schon erstaunlich, dass sich seine geldpolitischen Maßnahmen erst 2022, also 16 Jahre später, ein einer ungewöhnlich hohen Inflation bemerkbar machen!

Na ja, "gut Ding will Weile haben (Lol)!"

Ich empfehle Ihnen, zur persönlichen Weiterbildung, ein Blick in folgenden Artikel:

https://www.wiwo.de/politik/ausland/trumps-wirtschaftspolitik-raetselra…

Amerikas führende Ökonomen warnen Donald Trump vor Protektionismus und ausufernden Staatsschulden.