- „Viele glauben, sie könnten mit den Erfolgsmodellen der Vergangenheit auch in Zukunft bestehen“
In Berlin ist eine der ambitioniertesten KI-Firmen Europas entstanden. Parloa entwickelt KI-Agenten für globale Konzerne. Im Gespräch erläutert Firmengründer Stefan Ostwald, warum Europa gerade einem gefährlichen Irrtum unterliegt.
Stefan Ostwald ist Mitgründer und Chief AI Officer des Berliner Start-ups Parloa, das KI-Agentenplattformen im Bereich des Kundenservice für Unternehmen weltweit entwickelt. Parloa wurde jüngst mit drei Milliarden US-Dollar bewertet und gehört damit zu den wichtigsten KI-Start-ups Europas.
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Maschinen, die Funktionen des menschlichen Verstandes nachbilden, gibt es seit Wilhelm Schickards »Rechenuhr« von 1623. Damit sind sie »gleichursprünglich« mit der modernen Gesellschaft. Während meiner Schulzeit wurden die elektronischen Taschenrechner eingeführt, mit großer Diskussion, wann der Schüler sie denn benutzen darf.
Neu an der heutigen KI ist, dass die neuronalen Netze auch ein biologisches Merkmal der Gehirnfunktion nachbilden. Der Rest ist rohe Gewalt: schier endlose Rechnerkapazitäten und Armeen menschlicher Trainiersklaven, die das Training der großen LLMs unterstützen. Aber ihre stupende Leistungsfähigkeit gibt der Erfindung recht. In meiner Berufssparte, der IT, sind die KI-Agenten gekommen, um zu bleiben.
Im Grunde kann man daraus nur eine Konsequenz ziehen: überlassen wir »Disruption und schöpferische Zerstörung« nicht Big Tech und Big Money. KI kann man auch »von unten« nutzen. Spannen wir diesen Gaul für die Gesellschaft ein, in der »Wir, das Volk« leben wollen.
für einen Profi-ITler... - Können Sie dieses/Ihr 'Zukunftsszenario' vielleicht auch konkretisieren...?
Interessiert mich wirklich...
"Es geht darum, dass Menschen und KI unterschiedliche Stärken haben."
Solche Aussagen hört man öfters zur KI, auch dass Menschen dann mehr Zeit haben für die ganz wichtigen Aufgaben, wie aufgebrachte Kunden. Ich glaube, dass solche Aussagen aber auch der Geschwindigkeit der Veränderung nicht ganz gerecht werden. Das Tempo der Veränderungen und Verbesserungen ist so hoch, dass solche Aussagen und die Ideen von StartUps vielleicht für die nächsten 5 Jahre reichen (was ok und viel ist). Danach kann niemand seriös sagen, wohin und wie weit sich das Ganze dann entwickelt haben wird. Würde ich sagen.
In meinem Verständnis können selbstständige Agenten und dann auch physisch agierende Roboter nochmal ein ganz anderes Lernpotenzial haben, wenn all die Infos zum Training genutzt werden. Da die inneren Vorgänge niemand versteht: wer kann abschätzen, wohin das wie schnell führt? Nur ein Beispiel und nach meinem Verständnis.
Meine Idee dazu: Derartige Anwendungen könnten auch im Bereich der Politik Anwendung finden... z. B. in Richtung Beendigung des Krieges in der Ukraine.
Ein spezieller Aspekt dabei: Wenn ANGST und MISSTRAUEN auf einen Gegner oder Feind projeziert werden (und vice versa) ohne daß das offen kommuniziert wird, wodurch ein Frieden verhindert wird, dann wäre die Frage, wie KI-Systeme mit solchen Phänomenen umgehen.
Anders gefragt: Kann KI auch sowas wie "Bewußtseinsspaltung" in dem sinne, wie Menschen das tagtäglich praktizieren: Der eine Teil ist bewußt und wird kommuniziert und gilt als "Wahrheit", der andere Teil bleibt unbewußt, wird verleugnet, ist aber permanent wirksam.
Freue mich über Rückmeldungen.
