- „Genossen, ihr müsst tiefer graben!“
Die Grünen haben einen 10-Punkte-Plan zur Energiewende präsentiert – und der strotzt nur so vor Realitätsverweigerung. Die Palette reicht von unbezahlbaren Netzträumen bis zur absurden Vorstellung, die Industrie solle sich künftig nach Wind und Wetter richten.
Als Antwort auf das dringend erforderliche Netzpaket, mit dem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche Netzanschlüsse priorisieren und den Ausbau von Wind- und Solarenergie begrenzen will, haben die Grünen am 16. Februar ihren 10-Punkte-Plan zur Energiewende veröffentlicht. Ein Pamphlet das die völlige ideologische Verblendung der Grünen offenbart und amüsante Parallelen zu dem in der DDR beliebten Witz über den Staatsratsvorsitzenden Ulbricht wachruft:
Vor Ulbrichts Staatspalast in Berlin versuchen zwei Volkspolizisten, einen Fahnenmast einzugraben. Als der Mast im Loch steht, bleibt logischerweise Erde übrig. Sie graben daraufhin ein zweites Loch, um die Erde dort hineinzuschaufeln. Aber es bleibt wieder Erde übrig. Also Graben sie ein drittes und ein viertes Loch. Aber es bleibt jedesmal Erde übrig. Walter Ulbricht hat das Treiben schon eine Weile beobachtet und ruft aus dem Fenster: „Ihr müsst tiefer graben, Genossen!“
Nun aber Spaß beiseite und zu den 10 Punkten der Grünen zur Energiewende:
1.) „Ausschreibungsmengen von Wind an Land schnell und dauerhaft von 10 auf 15 GW pro Jahr erhöhen“: Hierzu ein Blick auf die Entwicklung der Onshore-Windkraft in den letzten fünf Jahren. Die installierte Leistung der Onshore-Windkraft wurde seit 2020 um 14 Gigawatt ausgebaut. Trotz dieser Ausbausteigerung von 25 Prozent wurde 2025 von den Onshore-Windkraftanlagen nicht mehr Strom als im Jahr 2020 erzeugt. Die Stromerzeugung über die letzten fünf Jahre war im wesentlichen wetterabhängig. Wer jetzt also immer noch auf den weiteren Ausbau der Onshore-Windkraft drängt, verkennt die Fakten: Es gibt keinerlei Korrelation mehr zwischen Ausbau und Stromerzeugung. Das Potential, das die Natur bietet, wird bereits mit den vorhandenen Anlagen ausgeschöpft.
Im Übrigen würde durch einen noch stärkeren Ausbau der Regenerativen keines der Dunkelflauten-Täler beseitigt, denn egal, wie hoch die installierte Leistung der Erneuerbaren auch ist, multipliziert man sie mit null Stunden, ist das Ergebnis der Arbeit null. Andererseits würde bei Hellbrise noch mehr regenerativer Strom produziert werden, der zum Zeitpunkt der Erzeugung nur mit negativen Strompreisen an der Börse vermarktet werden kann. Der Aufruf der Grünen zum „tiefer Graben“ dient nicht der Versorgungssicherheit und treibt die Strompreise weiter in die Höhe.
2.) „Recht auf Solar für alle Bürger*innen festschreiben“: Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, solange die betroffenen „Bürger*innen“ den erzeugten Strom selbst verbrauchen, auf jegliche Subvention und damit auf die Einspeisung ins Netz verzichten. Denn für die Kollateralkosten dieser Einspeisung haften bisher nicht die Verursacher, sondern alle Stromverbraucher in Form von Netzentgelten für die Finanzierung der hohen Anschlusskosten der dezentralen Regenerativen Erzeugungseinheiten und der Steuerzahler in Form von Ausgleichszahlungen an die Übertragungsnetzbetreiber. Denn die Verluste, die den Übertragungsnetzbetreibern entstehen, wenn der Strompreis niedriger ist als die EEG-Vergütung, gehen zu Lasten des Staates und damit des Steuerzahlers.
3.) „Verteilnetz-Ausbauoffensive 2030“: Deutschland hat europaweit die höchsten Strompreise. Daran sind insbesondere die hohen Netzentgelte schuld, die wiederum durch den Anschluss der vielen dezentralen Regenerativen Energieerzeuger entstehen. Für den Verteilausbau müssen daher neue Prioritäten zum Beispiel zugunsten der Industrie und von Rechenzentren gesetzt werden. Der weitere Ausbau der regenerativen Erzeugung muss sich dagegen an den real vorhandenen Möglichkeiten der Netzintegration ausrichten und nicht an Wunschvorstellungen. Statt auf einen nicht mehr finanzierbaren und terminlich aus den Fugen geratenen Netzausbau zu setzen, mit dem fluktuierender Windkraftstrom über Hunderte Kilometer von Nord nach Süd transportiert werden soll, müssen regionale Lösungen in der real vorhandenen Netzinfrastruktur gefunden werden.
4.) „Stromspeicher massiv ausbauen und system-dienlich steuern statt ausbremsen“: Auf absehbare Zeit gibt es keine Speicher, die die Stromversorgung Deutschlands großflächig bei Dunkelflaute sicherstellen könnten. Der Tagesstromverbrauch in Deutschland liegt bei 1250 Gigawattstunden. Der derzeit größte Batteriespeicher Deutschlands in Bollingstedt (Schleswig-Holstein) hat eine Kapazität von etwa 239 Megawattstunden. Damit könnte Deutschland bei Dunkelflaute also gerade mal 16 Sekunden lang mit Strom versorgt werden.
5.) „Netzausbau billiger machen“: Mit den Ausführungen zu dieser Forderung haben sich die Grünen als tief dunkelrote staatsgläubige Sozialisten entlarvt. Erstens sollen die Übertragungsnetzbetreiber auf Renditen verzichten, und zweitens soll der Staat, also der Steuerzahler, die Kosten übernehmen. Was dadurch billiger werden soll, bleibt wohl das Geheimnis der Grünen.
6.) „Stromsteuer für alle absenken, 600 Stunden kostenlosen Sommerstrom“: Zur Finanzierung dieser plakativen Forderung machen die Grünen leider keine Angaben. Einerseits soll der Staat mehr Kosten für den Netzausbau übernehmen, andererseits aber auf Steuergelder verzichten. Fällt wohl unter die Rubrik sozialistische Wunschträume.
7.) „Smart-Meter-Ausbau beschleunigen“: Der übliche und meist unreflektierte Ruf nach Digitalisierung. Dabei sollte jeder wissen, dass allein durch Digitalisierung kein Prozess verbessert werden kann, solange der Prozess ineffizient ist. Und das ist die Energiewende. Man hat Strom zum wertvollsten Gut erhoben und sogar die Industrie aufgefordert, ihre Produktion dem regenerativen und volatilen Stromangebot anzupassen. Dabei ist Strom an sich wertlos. Erst wenn damit Güter produziert und Dienstleistungen erbracht werden, entsteht eine Wertschöpfung. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Strom preiswert und für Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen, Handel und Haushalte immer sicher verfügbar sein.
Mit Digitalisierung ist der Kardinalfehler der Energiewende, der Ausstieg aus einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und CO2-freien Grundlasterzeugung wie der Kernenergie, nicht zu heilen.
8.) „Kapazitätsmarkt technologieoffen statt auf überdimensionierte Gaskraftwerke ausrichten“: Die Technologieoffenheit ist eine super Forderung! Aber wieso wird bei dieser vernünftigen Forderung von den Grünen weiterhin die Kernkraft ausgeschlossen? Die modernen SMR-Projekte schießen bei unseren Nachbarn gerade wie Pilze aus dem Boden.
Im Übrigen wird mit der Forderung nach einem Kapazitätsmarkt das nächste energiewirtschaftliche Milliardengrab geschaffen: ein Markt, der Kapazitäten zum Beispiel in Form von Gaskraftwerken vorhält, die dann bei Dunkelflaute einspringen sollen. Die ganzjährigen Vorhaltungskosten dieser Kraftwerke – denn wer weiß schon, wann die nächste Dunklelflaute droht – sind dann wieder von allen Stromkunden zu tragen. Das Wort Kapazitätsmarkt ist ein Widerspruch in sich. Vor der Energiewende war ein ausreichender Kapazitätsnachweis, auch bei Ausfall der eigenen Erzeugungseinheit, eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Strommarkt.
9.) „Markthochlauf von Wärmepumpen und Elektromobilität beschleunigen, Netzentgelte senken“: Mit dieser Forderung wird die ganze Widersprüchlichkeit des grünen 10-Punkte-Plans deutlich. Einerseits wird ein Markthochlauf gefordert, anderseits wird nach staatlicher Förderung der Wärmepumpen und nach Kaufprämie für Elektrofahrzeuge gerufen. Netzentgelte sollen gesenkt werden, aber anderseits sollen die Kosten für den Netzausbau vom Staat übernommen werden. Die grünen Wunschträume soll mal wieder der Steuerzahler finanzieren.
10.) „Stromkosten für die Industrie reduzieren, Elektrifizierung vorantreiben“: Hier greife ich nur einen Satz heraus: „Zudem müssen die Netzentgelte für die Industrie so dynamisiert und umstrukturiert werden, dass sie es anreizen anstatt zu behindern, wenn Industriebetriebe ihren Stromverbrauch in Zeiten mit niedrigen Strompreisen verlagern.“
Besser kann man die Entrücktheit der Grünen von der Realität eines Industrielandes nicht dokumentieren. Die Industrie soll ihre Produktion also nach dem Stand der Sonne und der Stärke des Windes richten. Willkommen in der postfaktischen Politik!
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zu Zeiten hoher Wind- und Solarstrommengen den Strom kostenlos anzubieten, könnte viele Verbraucher dazu animieren, ihre Waschmaschinen, Trockner, Kochplatten und Backöfen vorrangig in diesen Zeitfenstern zu betreiben. Damit könnten z.B. die Verkäufe zu Negativpreisen erheblich reduziert werden, aber auf sowas kommen die Grünen ja nicht.
Herr Koester, sie vergessen, dass die Grünen kein Interesse daran haben, dass Verbraucher Geld sparen könnten. Wenn man Geld über hat, könnte man damit ja klimaschädlichen Unsinn veranstalten. Das wollen die Grünen ja nicht.
wenn Ideologie-Idioten Konzepte schreiben.
... ich hätte den Artikel gar nicht lesen sollen: hatte ich vielleicht DOCH auf irgendeine brauchbare Idee gehofft? :-(
Unter diesem Gesichtspunkt werde ich jetzt den heutigen Artikel NICHT lesen, wo über die Teilnahme der für meinen Geschmack Unperson A.M. auf dem CDU-Parteitag geschrieben wird. Da kucke ich zum Schutz meiner Mentalhygiene lieber Olympia ...
Der Kontinent Europa hat die härtesten Maßnahmen gegen den vom CO2-verursachten Klimawandel und für eine Wende hin zur Energiegewinnung durch Solaranlagen und Windkraftwerke. Trotzdem (oder gerade deswegen?) wurde am vergangenen Dienstag im ÖRR vermeldet, dass der Temperaturanstieg in Europa am höchsten sei.
Sind Windmühlen und Solarparks in großer Zahl wirklich klimaneutral?
In der Hoffnung, dass der Autor in die Kommentare schaut: Wie immer ein klasse Artikel! Ich frage mich, ob Herr Gräber sich zutraut einzuschätzen, ob sich ein Offshore-Windrad bei durchschnittlicher Wassertiefe in der Nordsee jemals rechnet. Sowohl finanziell als auch CO2-mäßig. Oder ob es gar der Umwelt auf andere Art- und Weise schadet. Glasfaserverstärkter Kunststoff ist nämlich Sondermüll. Besonders, wenn mit Duroplasten gearbeitet wird. Da gibts kein Upcycling, man kann die Brocken höchstens schreddern und anstelle von Kies dem Beton beim Bau beimischen. Apropos Beton: Zement ist auch energieintensiv in der Herstellung. Genau wie meerwasserbeständiger Spezialstahl. Und von beidem braucht man gewaltige Mengen. Ist das womöglich ohne Subventionen ein totales Minusgeschäft?
Meinen Sie mit „Staatspalast“ den ehemaligen Palast der Republik ? Wenn ja stimmt die Zeitschiene nicht……
Ulbricht wurde 1971 von Honecker abgelöst und verstarb 1973 just in dem Jahr: in dem die Grundsteinlegung des „Palast der Republik“ erfolgte. Die Bauzeit betrug I.ü. trotz Plan- bzw. Staatswirtschaft lediglich 36 Monate unter Einbeziehung der gesamten Bauwirtschaft der DDR.
Der eingesetzte Hauptverantwortliche Professor Dr. Ehrhard Gießke hat seine Wurzeln in meinem Thüringer Geburtsort …. daraus resultiert auch mein Interesse an besagtem Bauwerk,
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik
