Bahngleise
Mehr Wettbewerb auf der Schiene? Der Deutschen Bahn sollen die Gleise weggenommen werden / dpa

Grün-gelbe Bahnpläne - Die endgültige Zerschlagung der Bundesbahn

Die künftige Ampelkoalition diskutiert über eine Bahnreform: Grüne und FDP wollen den DB-Konzern aufspalten, die SPD ist dagegen. Wie auch immer es ausgeht, es kommt Bewegung auf die Schiene.

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Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Daniel Gräber

Die Deutsche Bahn AG ist ein merkwürdiger Konzern. Ein Zwitterwesen zwischen marktwirtschaftlich orientiertem Unternehmen und staatlicher Transportbehörde. Bahnfahrer bekommen dies tagtäglich zu spüren, wenn flotte Marketingsprüche auf die real existierende Schienenverkehrsrealität prallen.

Im ICE-Bordrestaurant etwa, dessen Speiseangebot sich an vegane Kantinen großstädtischer Startup-Coworking-Spaces anlehnt und Gerichte wie „Couscous-Salat mit Cashewkernen und Cranberrys“ verspricht. Doch beim Bestellen fühlt sich der Fahrgast eher an volkseigene Gastronomiebetriebe der untergegangenen DDR erinnert: Was es gibt, ist Glückssache. Demütige Bahnkunden sind schon froh, wenn wenigstens die Kaffeemaschine funktioniert.

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Rob Schuberth | Fr, 5. November 2021 - 18:57

Die meisten Kritikpunkte des Autors teile ich.

Einer der größten Fehler war es die DB an die Börse bringen zu wollen.
M. E. gibt es diese Intention, nur eben verdeckt von einigen in den oberen Etagen, immer noch.

Mehr Güter auf die Bahn, Ausbau ÖPNV bedeutet endlich wieder stillgelegte Strecken zu reaktivieren.

Viel Spaß mit den vielen BIen die das zwar wollen, nur nicht vor ihrer Haustüren.

Hinzu unflexibel, wo sich die oberen 10 Prozent in den obersten Chefetagen wie im Selbstbedienungsladen vorkommen.
Und wie immer wird nur an bestimmten Stellen gekehrt. Die wirklichen Übel werden wie immer absichtlich übersehen.

Ich würde vorschlagen, einfach mal das Japanische Eisenbahngesellschaft (Japanese National Railways) & ihren Aufbau & Entwicklung anschauen. Da könnten was wir noch lernen.
Will das die Obrigkeit?
Jedenfalls sind die Japaner bei einen sehr komplizierten, aber gut durchdachten Mix in dieser Sparte mehr wie erfolgreich. Schon alleine, weil diese ein Problem von hinten aufrollen & von allen Seiten betrachten. Die sind noch nicht so verblödet - ohhh, Entschuldigung - wer oder was. Aber was solls. Bei unserer Energiepolitik werden wir froh sein, wenn der Nahverkehr in naher Zukunft noch einiger Maßen funktioniert.
Prost Gemeinde, der Vorstand ..... ;-))

Die ehemaligen Staatsbetriebe leiden alle an den gleichen Symptomen: Aufgeblähter Überbau - Geldverschwendung - katastrophaler Service - Entsorgungsstelle für ehemalige Parteisoldaten und Bundesbeamte. Schnellstens weg damit. Ich werde jetzt der Telekom kündigen. Mit der DB fahre ich sowieso kaum.

Tomas Poth | Fr, 5. November 2021 - 19:02

Na, dann wird der Olaf doch nicht Nikolaus-Kanzler oder.
Ja warum nicht? Das Autobahnnetz, die Stromnetze werden von allen genutzt, dann doch auch das Bahnnetz. Eine Betreibergesellschaft vergibt Nutzungsrechte an alle Mobilitätsanbieter.
Ich habe noch eine alte Draisine auf dem Hof, die kommt dann wieder auf die Schiene. Einen Stromabnehmer baue ich dann auch noch an.
Für ganz umweltbewusste biete ich auch den Muskelantrieb an, entweder im do it yourself Verfahren oder mit ein paar gemieteten Ausdauersportlern. Für jeden Geschmack etwas. ;-))

Ingofrank | Fr, 5. November 2021 - 19:29

oder sogar sich als super genialer Bauherr wähnt, ist das zum Scheitern verurteilt verbunden mit riesigen Summen die letztendlich der Steuerzahler, also wir kleinen blöde gemachten Wähler aufgebürdet bekommen. Beispiele sind hinlänglich bekannt. Flughafen Berlin, Elbphilharmonie Hamburg, Bundesbahn &&&. Und wer’s nicht glaubt, in der DDR waren alle Firmen ab 10 Mitarbeitern verstaatlicht. Die letzte Enteignungswelle war in den 70 igern. Ohne die Stützen von Strauß CSU +co. d.h. der BRD wäre die DDR schon weit vor 1989 pleite gewesen. Aber die Livestyle LinksGrünen wollen es besser machen. Na dann man zu. Bloß eines sollte bedacht werden. Die Brüder & Schwestern aus dem Westen die der DDR halfen, gibts in dieser Konstellation nicht.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Alfred Zielinski | Fr, 5. November 2021 - 21:19

"... in eine „gemeinwohlorientierte, öffentliche Gesellschaft“ abgespalten."

Als ich diese Prämisse las musste ich spontan an die Heilsarmee oder ähnliche Institutionen als neue Holding denken! Bislang galten auch für öffentliche Gebilde zuvörderst betriebswirtschaftliche Prämissen und dies wird auch weiterhin so sein. Da wird die FDP schon sehr darauf bestehen. Und all die, die in einem eigenständigen Bundesschieneninfrastrukturunternehmen die quasi Lösung aller Strukturprobleme und Systemschwierigkeiten des Eisenbahnbetriebs sehen werden nach dessen Schaffung maßlos enttäuscht sein - außer (sehr reichlich) Spesen nichts gewesen. D. h., die Strukturprobleme und Systemschwierigkeiten werden wegen der Schienenbindung zwangsläufig bleiben. Eine Netzoptimierung wie z. B. signalloser Betrieb, GPS-Zugsteuerung und auf mehrgleisigen Strecken überall praktizierbarer Gleiswechselbetrieb werden im Gemeinnützigkeitsmodus eher nicht finanzierbar, nicht amortisierbar sein.

Werner Peters | Sa, 6. November 2021 - 10:06

Heute früh ein "Experte" (!) im DLF zur Bahn. Ist für die Zerschlagung. Findet in Europa aber kein gutes Beispiel für eine funktionierende Bahn. Kennt sich wohl nicht gut aus. Die Schweiz lässt er außen vor. Deren 100%ige Staats-Bahn (!) ist vorbildlich hinsichtlich Nutzung, Komfort, Pünktlichkeit, Erreichbarkeit des nächsten Bahnhofs etc. Das Modell sollte D übernehmen, nicht zerschlagen und schon gar nicht mehr an die Börse.

Walter Bühler | Sa, 6. November 2021 - 18:06

In reply to by Werner Peters

... gibt es - soweit ich weiß - nur noch ein Staatsunternehmen, das aktiv und erfolgreich am Wirtschaftsleben teilnimmt, nämlich die Badische Staatsbrauerei Rothaus.

Ansonsten sind in Deutschland die vielfach zersplitterten Staatsunternehmen allesamt Zuschussbetriebe, die nicht zuletzt der Alimentation von parteinahen Persönlichkeiten dienen.

Wie die staatliche Verwaltung insgesamt werden auch die Staatsunternehmen grundsätzlich mit angezogenen Bremsen gefahren. Sie werden von ihrem Eigentümer nämlich in ein Dickicht von Verfahren, Vorschriften und Regeln abgedrängt, die ihnen einen durchschlagenden Erfolg unmöglich machen. Das trifft insbesondere auf die Bahn zu.

Was die geplante weitere Zerschlagung betrifft: Auf jeden Fall werden für viele Parteifreunde und Gönner neue hochdotierte Managerposten entstehen, die den Inhabern - unabhängig vom Schicksal des Betriebes - ein unbeschwertes Leben aus Steuermitteln sichern werden.

Alfred Zielinski | Sa, 6. November 2021 - 16:40

... aus tagesaktuellem Anlass sei neben den vorausgehend angeführten kaum auflösbaren Strukturproblemen und Systemschwierigkeiten auch noch auf die sich eher immer problematischer gestaltenden Sicherheitsverhältnisse bei Bahnreisen hingewiesen. So heute in den Medien: "Messerattacke im ICE zwischen Regensburg und Nürnberg...". Stundenlange Streckensperrung, Evakuierung von Fahrgästen. Da wird auch eine ggf. „eigentumsrechtliche Trennung der Eisenbahninfrastruktur von dem restlichen DB-Konzern“ keine Lösung und kein effizientes, persönlich unbeschwertes, sicheres und bahn-priorisierendes Reisen von A nach B bieten können.